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Diese Haken haben All-Net-Flatrates fürs Smartphone

18.12.2014 | 11:09 Uhr |

Für unter 20 Euro mit dem Handy endlos telefonieren, SMS verschicken und surfen. Das versprechen die Anbieter von Allnet-Flatrates. Wo ist der Haken? Und geht es vielleicht sogar noch billiger?

Den Stein ins Rollen gebracht hat E-Plus mit seinem Tochterunternehmen Yourfone , das 2012 die erste erschwingliche Allnet-Flatrate für rund 20 Euro auf den Markt gebracht hat. Inzwischen haben fast alle Provider ähnliche oder sogar günstigere Tarife im Angebot. Aber nicht jeder ist ein Schnäppchen. Und viele Anbieter verstecken wichtige Vertragsklauseln ganz unten auf ihrer Website hinter einem Link wie „Weitere Infos und Fußnoten“.

In diesem Beitrag decken wir auf, welche Inklusiv-Leistungen und Fallstricke Allnet-Flatrates mit sich bringen.

Unbegrenzte Telefonate überall hin – oder doch nicht?

Der Begriff Allnet-Flatrate ist zwar rechtlich nicht geschützt, wird aber in der Praxis so verwendet, dass damit Gespräche in alle inländischen Netze gemeint sind. Wenn bei einem Tarif hingegen nur von einer „Telefon-Flatrate“ die Rede ist, kann das auch bedeuten, dass nur Gespräche ins Festnetz kostenlos sind. Hier heißt es also, genau hinzuschauen.

Das gleiche gilt für Ausschlüsse bestimmter Mobilfunk- oder Festnetznummern. So sind bei manchen Tarifen zum Beispiel Anrufe zu Call-Through-Nummern, die sich zur günstigen Weitervermittlung ins Ausland nutzen lassen, gesperrt oder werden extra berechnet. Und zwar selbst dann, wenn es sich bei den Call-Through-Nummern um ganz normale Festnetznummern mit Ortsvorwahl zum Beispiel von Berlin handelt. Auf jeden Fall vom Pauschaltarif ausgeschlossen sind Sonderrufnummern mit Vorwahlen wie 0137, 0180, 0700 und 0900.

SMS inklusive? Und wenn ja, wie viele?

Der nächste wichtige Punkt betrifft Kurznachrichten. Der Begriff „All-Net-Flat“ bezieht sich in erster Linie auf Telefonate – SMS sind bei manchen Angeboten zwar inklusive, aber eben nicht bei allen. Bei Yourfone zum Beispiel kostet eine SMS-Flat 5 Euro im Monat extra. Im ersten Bestellschritt steht zwar „0 Euro“, aber das bezieht sich nur auf die ersten zwei Jahre, wie man im Kleingedruckten und im nächsten Bestellschritt erfährt.

Ein anderes Beispiel für missverständliche Formulierungen haben wir beim Anbieter Klarmobil gefunden: Zu seiner „Allnet-Spar-Flat“ im O2-Netz lässt sich die Option „SMS Flat 3000“ hinzubuchen. Nur wer misstrauisch ist, erahnt an dem Zusatz „3000“, dass es eine Einschränkung gibt. Und tatsächlich: In den Fußnoten und auf der Bestell-Detailseite erfährt man, dass es sich eben um keine echte SMS-Flatrate, sondern um 3000 Inklusiv-SMS pro Monat handelt. Auch wenn die wenigsten Nutzer dieses Limit sprengen dürften, so ist es doch ein Einschränkung, derer man sich bewusst sein sollte.

Wie bei Telefonaten auch, sind SMS zu Service- und Sonderrufnummern sowie Auskunfts- und Premium-Diensten nicht inklusive.

Preis-Pionier: Von der E-Plus-Tochter Yourfone stammt die erste erschwingliche All-Net-Flatrate Deutschlands. Inzwischen hat die Konkurrenz aber nachgezogen und unterbietet Yourfone sogar.
Vergrößern Preis-Pionier: Von der E-Plus-Tochter Yourfone stammt die erste erschwingliche All-Net-Flatrate Deutschlands. Inzwischen hat die Konkurrenz aber nachgezogen und unterbietet Yourfone sogar.

Endlos surfen? Ja, aber mit Tempo-Limit!

Bei den meisten Allnet-Flatrates ist auch das Surfen im Internet mit dem Smartphone inklusive. Allerdings, wie im Mobilfunk aus Kapazitätsgründen allgemein üblich, mit einer Drosselungs-Klausel: Bis zu einem bestimmten Datenverbrauch - bei Yourfone zum Beispiel 500 MB - surfen Sie mit normaler Geschwindigkeit. Danach geht’s bis zum Ende des Abrechnungsmonats nur im Schneckentempo mit 56 KBit/s weiter. Mit dieser Drosselung lässt sich der mobile Internet-Zugang nicht mehr sinnvoll nutzen. Bei manchen Tarifen erhält man immerhin bei Überschreiten der Volumengrenze eine SMS mit dem Angebot, ein Paket mit einer bestimmten Anzahl an MB nachzuordern. Dieses ist dann allerdings nur während der Restlaufzeit des aktuellen Abrechnungsmonats gültig.

Wer unterwegs hauptsächlich E-Mails und Chat-Apps nutzt und ein bisschen auf den schlankeren mobilen Versionen seiner Lieblings-Websites herumsurft, sollte mit 500 MB aber problemlos auskommen. Ein limitierender Faktor ist da schon eher das Mobilfunknetz, auf das der jeweilige Tarif aufsetzt. Viele der besonders günstigen Pauschaltarife im Bereich zwischen 15 und 20 Euro nutzen entweder das O2- oder das E-Plus-Mobilfunknetz. Diese sind nicht ganz so gut ausgebaut wie die „D-Netze“, also das von Vodafone und insbesondere das der Telekom. Zudem sind sie durch den Kundenansturm, bedingt durch die günstigen Tarife, auch stellenweise überlastet.

Inkludiertes Datenvolumen checken: Möchten Sie unterwegs auch das Internet nutzen, achten Sie bei der Auswahl einer All-Net-Flat darauf, wie viel High-Speed-Datenvolumen pro Monat inklusive sind.
Vergrößern Inkludiertes Datenvolumen checken: Möchten Sie unterwegs auch das Internet nutzen, achten Sie bei der Auswahl einer All-Net-Flat darauf, wie viel High-Speed-Datenvolumen pro Monat inklusive sind.

Verfügbarkeit und Geschwindigkeit: Eine Frage des Netzes

Die grundsätzliche Netzverfügbarkeit können Sie leicht selber überprüfen, die Netzbetreiber bieten hierfür regelmäßig aktualisierte Netzabdeckungskarten an. Die von E-Plus finden Sie über www.eplus-gruppe.de/netzkarte , die von O2 über www.o2.de/hilfe/o2-netz , die der Telekom über www.t-mobile.de/netzausbau und die von Vodafone unter www.vodafone.de/meinnetz . Falls Ihr Smartphone oder Ihr Tarif den schnellen Mobilfunkstandard LTE (auch „4G“ genannt) nicht unterstützt - was noch für die überwiegende Mehrzahl aller genutzter Tarife und Geräte gilt - blenden sie in den Karten die LTE-Abdeckung aus.

Darüber, wie schnell Sie an einem bestimmten Ort tatsächlich surfen können, sagen die Karten allerdings nichts aus. Denn das ist abhängig davon, wie viele andere Kunden in Ihrer Umgebung gerade das Netz wie stark nutzen. Damit Sie erfahren, wie hoch die durchschnittliche Geschwindigkeit in der Praxis ist, bieten wir den PC-WELT Netzmonitor an.

Wo surfen Sie in der Praxis wie schnell? Der PC-WELT Netzmonitor gibt Auskunft – bis auf einen halben Quadratmeter genau und natürlich für jedes Netz separat.
Vergrößern Wo surfen Sie in der Praxis wie schnell? Der PC-WELT Netzmonitor gibt Auskunft – bis auf einen halben Quadratmeter genau und natürlich für jedes Netz separat.

Sie erhalten auf der Seite sowohl bundesweit gemittelte Bandbreiten-Daten für jedes Netz, als auch eine Karte, die auf einen halben Quadratkilometer genau anzeigt, wie hoch dort die durchschnittlich erreichbare Geschwindigkeit tatsächlich ist. Die Daten stammen aus anonymisierten Messergebnissen der Speedtest-App „4Gmark / PC-WELT Netztest“ für Android, iOS und Windows Phone, zu deren Nutzung wir auch Sie sehr herzlich einladen. Denn je mehr Tests durchgeführt werden, desto genauer und aktueller sind die Ergebnisse. Die App erhalten Sie kostenlos im Google Play Store, im Apple App Store und im Windows Phone Store. Die Funkstionsweise der App erklären wir im Beitrag "So schnell ist Ihr mobiles Internet" .

Für wen lohnt sich eine Allnet-Flatrate?

Eine Allnet-Flatrate ist zwar eine bequeme Sache, weil Sie den „Gebührenzähler im Kopf“ abschalten und so entspannter telefonieren und SMS verschicken können. Als Wenignutzer zahlen Sie für diesen Komfort jedoch drauf. Wenn Sie weniger als 100 Gesprächsminuten oder SMS im Monat verbrauchen, fahren Sie mit einem Grundgebühr-freien Prepaid- oder Postpaid-/Rechnungs-Tarif mit einem Minuten-/SMS-Preis um die 10 Cent auf jeden Fall billiger und flexibler. Eine Internet-Flatrate zum Surfen mit dem Smartphone erhalten Sie bei Bedarf auch unabhängig von einer All-Net-Flat, in der Regel als Tarifoption für wenige Euro im Monat.

Günstige Mobilfunk-Tarife mit und ohne Flatrate(s) finden Sie in unserem Tarifrechner übrigens immer aktuell im Preisvergleich.

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