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Diese Aufgaben muss Microsoft lösen

15.11.2014 | 10:15 Uhr |

Das Jahr 2014 hält spannende Herausforderungen für Microsoft bereit. Wir verraten Ihnen, was MIcrosoft im Jahr 2014 besser machen muss als im zurück liegenden Jahr. Update 14.11.: Haben sich die Prognosen erfüllt?

Update 15.11.2014: In diesem Artikel, der ursprünglich im Februar 2014 erschienen ist, haben unsere Kollegen von der PC-World einen Ausblick darauf gewagt, was Microsoft im Jahr 2014 tun muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Machen Sie jetzt selbst den Test und prüfen Sie die unten stehenden Prognosen darauf, ob sie sich erfüllt haben und ob Microsoft das Nötige unternommen hat.

Update Ende

2013 war ein turbulentes Jahr für Microsoft: CEO Steve Ballmer verlässt das Unternehmen nach 33 Arbeitsjahren, das kontrovers diskutierte Windows 8 bekommt ein stattliches Upgrade, die bisher eher mäßig erfolgreichen Surface-Tablets versuchen im Markt Fuß zu fassen, Office 365 erfreut sich großer Akzeptanz und Windows Server wurde weiter entwickelt. Doch für 2014 steht noch eine ganze Menge mehr auf der To-Do-Liste. Wir verraten Ihnen, was auf Microsoft im Jahr 2014 zukommt.

1: Nokia zum Erfolg verhelfen

Eigentlich hätte Microsoft seine Partnerschaft mit Nokia auch stärken können, indem die Firma reichlich Geld in die Hand nimmt, alles in Nokia-Aktien investiert und so quasi die Herrschaft darüber erlangt, was Nokia so treibt. Stattdessen hat Microsoft aber 7,2 Milliarden US-Dollar ausgegeben, um den Handyhersteller einfach aufzukaufen. Dadurch erhält Microsoft natürlich auch die totale Kontrolle über Nokias komplettes Hardware-Spektrum: In erster Linie Handys und Smartphones, aber auch Tablets.

Die Übernahme passt außerdem in Microsofts neues Schema, ab sofort ein Produkt- und Dienstleistungsunternehmen zu sein. Nokia weiß bereits, wie man gute Handys baut, krankt aber am Windows-Phone-Betriebssystem, das noch lange nicht die Marktdurchdringung von Android und iOS erreicht hat.

Beim Nokia-Deal geht’s im Wesentlichen aber gar nicht darum, ob die Hardware die derzeit so beliebten iOS- und Android-Geräte ausstechen kann. Überall auf der Welt gibt es noch freie Märkte für Smartphones im unteren Preissegment – Märkte, die gerade erst im Bereich Mobilfunk Fuß fassen und wo Windows Phone große Fortschritte machen kann – das bestätigt auch IDC-Analyst Ramon Llamas.

Nokia rollt Black-Update für Lumia-Geräte aus

So produziert Nokia beispielsweise die „Asha“-Gerätefamilie: Low-End-Smartphones mit sehr eingeschränkter Funktionalität, von denen drei aber zu den meistverkauften Smartphones in Indien, dem Mittleren Osten und Afrika gehören. Für Herbst 2014 sind drei weitere Asha-Modelle für die Märkte in Afrika, den asiatisch-pazifischen Raum, Europa und den Mittleren Osten geplant – ihr Verkaufspreis liegt umgerechnet zwischen 50 und 80 Euro.

Immerhin mausert sich Windows Phone auch hierzulande langsam, sodass es am Ende des Jahres vielleicht sogar zum drittbeliebtesten mobile Betriebssystem avancieren und damit Blackberry von seinem Bronzeplatz vertreiben könnte – auch wenn der Abstand zu Android und iOS noch immer sehr groß sein dürfte. Im letzten Quartal 2013 verkaufte Apple 34 Millionen iOS-Geräte – Windows Phones wanderten 7 Millionen Mal über die Ladentheke.

Windows Phone
Vergrößern Windows Phone
© Microsoft

Die Übernahme von Nokia hat auch schnellere Entscheidungsmöglichkeiten und mehr Innovationsspielraum zur Folge. Das macht Windows Phone im Wettbewerb stärker. Wenn Microsoft es nun noch schafft, Windows Phone stärker von der Konkurrenz abzuheben, könnten auch die Verkaufszahlen in Nordamerika, Japan und Europa weiter steigen.

Auch Nokias Tablets könnten sich für Microsoft noch segensreich auswirken. Microsofts Surface-RT-Tablets verkauften sich erst zu einem drastisch reduzierten Preis besser und der Nachfolger, Surface 2, kommt ohne Mobilfunkausstattung daher. Nokia verkauft in den USA ein Tablet mit Windows RT und 4G für knapp 350 Euro über AT&T. Angekündigt ist außerdem das Lumia 2520, ein Windows-T-Tablet mit LTE für umgerechnet 450 Euro.

Nokias Lumia 1520 und das günstigere 1320 „Phablet“ – Smartphones mit einer Bildschirmgröße zwischen fünf und sieben Zoll – verschaffen Microsoft einen direkten Einstieg in den noch recht neuen Phablet-Markt. Im letzten Quartal 2013 wurde bei 22 Prozent aller Smartphonekäufe ein Phablet erstanden.

2: Die Firma von Ballmer frei machen

Steve Ballmer ist bald raus und der neue Chef - vielleicht Satya Nadella - wird alle Hände voll zu tun haben, die neuen Ziele der Firma festzulegen und eine interne Struktur aufzubauen, mit der diese Ziele auch erreicht werden können. Das ist auch deshalb wichtig, um die Investoren von der Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu überzeugen. Die Aktienpreise von Microsoft sind in den letzten paar Monaten auch aufgrund von Gerüchten rund um den nächsten, möglichen CEO immer wieder gestiegen und gefallen.

Trotz der durchgängig enormen Profite des Unternehmens unter Ballmer – allein 5,2 Milliarden US-Dollar im letzten Quartal und damit eine Steigerung von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal – forderten Kritiker schon seit Jahren seinen Rücktritt. Und sein Nachfolger sollte zumindest einen Teil der Kritik ernst nehmen.

Zwar hat Ballmer auch eine Menge Dinge richtig gemacht, doch seine Fehltritte haben sein Ansehen stark leiden lassen. Die meisten Beschwerden richteten sich gegen das eher träge Entscheidungstempo von Ballmer. Von Microsoft wird allgemeinhin eine Führerrolle in zahlreichen Märkten erwartet – von Firmen- über Privatnutzersoftware, bis hin zu Spielen, Tablets, Smartphones und Suchmaschinen. Microsofts Konkurrenten aber sind finanzstarke Giganten, die sich auf deutlich weniger Produkte spezialisieren, in die sie dann aber auch enorme Summen und Expertise investieren können.

Ballmer hat Microsoft radikal umgebaut

Unter Ballmer hat Microsoft die große Welle der mobilen Revolution verpasst – sowohl auf dem Markt für Tablets, als auch auf dem Markt für Smartphones. Die angebotenen Modelle in beiden Bereichen haben es nicht geschafft, die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich zu lenken – und so verschwendete Microsoft viel zu viel Zeit mit dem Versuch, zu Apple und Google aufzuschließen. Ballmer selbst sieht den größten Fehler seiner Amtszeit übrigens in Windows Vista, das insgesamt fast acht Jahre brauchte, um eine stabile Version zu werden. Und dann kam auch schon Windows 7…

Der neue CEO sollte außerdem sicherstellen, dass neue Produkte, sobald sie auf den Markt kommen, auch wirklich fertig sind. Unter Ballmer war Windows 8 eine ambitionierte Veränderung im Vergleich zu Windows 7, an die man sich erst eine Weile gewöhnen muss, um damit klarzukommen. Doch schon zehn Monate nach dem Release erscheint Windows 8.1 – eine optimierte Version mit ausgemerzten Fehlern, die eigentlich schon Windows 8 nicht mehr hätte haben dürfen.

Microsofts Tablet-Ruf ist angeschlagen. Zwar hat das Unternehmen den Markteinstieg mit seiner Surface-Reihe geschafft, musste gleichzeitig aber auch 900 Millionen US-Dollar Verluste einstecken. Das Surface RT (jetzt Surface 2) sieht aus wie ein Versuch, besser als Apples iPad zu sein, indem man einem Tablet Microsoft Office verpasst. Die Hardware dahinter ist stark – doch der hohe Preis und das Fehlen einiger wichtiger Apps schrecken die Kunden noch ab.

3: Auf den Erfolg von Office 365 aufbauen

Microsoft hat gewettet, dass Kunden lieber für einen Office-Service bezahlen würden, der auf mehreren Geräten – inklusive Smartphones - funktioniert und regelmäßig mit Updates versorgt wird, als eine Software zu kaufen, die sie installieren und immer wieder eigenständig upgraden müssen. Microsoft hat die Wette gewonnen.

Neue Funktionen für Office 365

Office 365 zählte im Mai 2013 bereits eine Million Nutzer. Ende Oktober 2013 hatte sich die Zahl verdoppelt – ein starker Start und ein guter Weg, die Nutzer vom Softwarekauf zum Servicekauf zu bewegen. Mit 99 Euro im Jahr pro Nutzer ist das eine solide Einnahmequelle für Microsoft.

4: Office für iOS anbieten

Unternehmen arbeiten häufig mit Apple-Geräten – und es wurde Zeit, dass Microsoft das endlich erkannt hat.

Auch wenn eine Firma vorrangig Macs und Co. einsetzt, sollte Microsoft sie nicht automatisch von der Nutzung seiner beliebten Productivity Suite ausschließen. Auch Konkurrenzprodukte wie Google Apps darf Microsoft nicht aus den Augen verlieren – Beliebtheit hin oder her. Immerhin ist es besser, sein Produkt an Apple zu verkaufen, als alle Apple-User auszuschließen und sie so zum Kauf eines Konkurrenzproduktes zu bewegen.

5: Mehr Windows-8-Apps

Im Windows Store sind mehr als 135.000 Anwendungen zu finden – doch keine einzige davon (oder eine Sammlung von ihnen) hat bisher einen Käufer dazu bewegen können, Windows 8 zu wählen, um eben diese Apps zu benutzen. Doch Microsoft braucht genau solche Apps – und zwar bald.

Ohne eine echte Hitliste von Apps werden Kunden auch weiterhin auf andere Plattformen zurückgreifen, die das anbieten, was sie wollen – und dabei Windows 8 trotz seiner sonstigen Vorzüge links liegen lassen. Dabei hat Microsoft in den letzten Monaten schon einiges dafür getan, um an mehr attraktive Apps zu gelangen: Seit fast einem Jahr wirbt Microsoft massiv um App- und Spiele-Entwickler, bietet Deals zu Tools und eine faire Aufteilung der Einkünfte an, wenn Produkte über den Windows Store verkauft werden. Teilnehmern seiner Developer Conference schenkte Microsoft sogar Windows-8-Laptops und -Tablets.

Auch mit Drittherstellern schließt Microsoft Partnerschaften, um an Windows-8-Versionen beliebter Spiele zu gelangen. Bestes Beispiel ist Disney: Der Konzern hat sogar schon einige Windows-8-Fassungen seiner Games vor den Android-Versionen auf den Markt gebracht – ein wichtiger Schritt, um Windows 8 interessanter zu machen.

Und die Mühen scheinen sich zu lohnen. Im August 2013 veröffentlichte User-Interface-Entwickler Infragistics eine Liste der 100 Must-Have-Apps für iOS – und fand heraus, dass 54 davon ebenso für Windows 8 erhältlich sind. Mittlerweile ist diese Zahl sogar auf 72 von 100 angestiegen. Davon abgesehen braucht Windows 8 auch mehr Business-Apps, die vor allem die Touch-Ausrichtung der Geräte ausnutzen.

6: Windows 8.1 für Unternehmen interessant machen

Vielleicht mag es schon zu spät sein, doch wenn für Windows XP im April der Support eingestellt wird, muss Microsoft alles daran setzen, eingefleischte XPler dazu zu bringen, eine Windows-8-Maschine als Ersatz zu kaufen.

Ein möglicher Schritt in diese Richtung wäre es, Windows 8 stärker in Unternehmen einzubinden. Das würde nicht nur die Verkaufszahlen in die Höhe treiben, sondern auch möglicherweise die Beliebtheit des Betriebssystems steigern, indem man "Arbeiter" dazu „zwingt“, sich einzuarbeiten und einzugewöhnen.

Windows 8.1 ist Pflicht-Update

Windows 8 als Massenprodukt in Firmen zu integrieren ist jedoch ein schwieriges Ziel wenn man bedenkt, dass die Touch-Funktionen, die Windows 8 Windows 7 überlegen machen, an kaum einem Arbeitsplatz von wirklichem Nutzen wären. Mobile Entwickler und Sales-Arbeiter, denen eine Touch-Oberfläche vielleicht gelegen käme, könnten aber auf Windows 8 umsteigen, während der Rest weiterhin auf Windows 7 setzt – doch das ist ein langer Prozess. Wahrscheinlich bleiben Unternehmen aber noch so lange bei Windows 7 hängen, bis Microsoft auch hier die Segel streicht – wie jetzt bei Windows XP.

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