17.06.2012, 08:34

Thomas Bär/Frank-Michael Schlede

Windows-Tuning

Windows-Dienste richtig aufräumen - so geht´s

Um die Performance von Windows zu beeinflussen oder einen Einblick in sein Innenleben zu erhalten, liefert das Betriebssystem bereits allerlei Bordmittel mit. ©iStockfoto.com/onurdongel

Ein Windows-PC wird ohne die Windows-Systemdienste, die im Hintergrund ihre Arbeit verrichten, nicht funktionieren. Doch was tun diese Dienste wirklich?
Als Windows XP noch das Maß aller Dinge auf dem Desktop war, haben viele Anwender versucht, das vermeintlich zu langsame Betriebssystem durch alle möglichen Maßnahmen zu „tunen“: Neben zumeist abenteuerlich Ausflügen in die Registry und Softwareprogrammen, die wahre Beschleunigungswunder versprachen und diese Versprechen nur selten hielten, waren die Windows-Systemdienste ein häufiges Ziel dieser Bemühungen. Wir zeigen, was diese Dienste unter Windows 7 leisten und wie sinnvoll ein Abschalten beziehungsweise Löschen solcher Hintergrundprogramme ist.

Zeigt mir, wo die Dienste sind…

Bevor wir aber daran gehen können, Dienste auszuschalten oder vielleicht sogar aus dem System zu entfernen, gilt es zunächst einmal festzustellen, welche Systemdienste auf dem entsprechenden Windows-Rechner installiert und aktiv sind. Dafür stellt das Betriebssystem verschiedene Möglichkeiten bereit:
  • Die Konsole in der Computerverwaltung (Windows-Control, services.msc).
  • Das Hilfsprogramm „msconfig“ und
  • eine Kommandozeilenprogramm mit dem Namen „sc“
Die Konsole in der Computerverwaltung: Den meisten Anwendern dürfte bekannt sein, dass sie unter Windows 7 in der Computerverwaltung (Systemsteuerung – Verwaltung – Computerverwaltung) im linken Panel einen Unterpunkt mit der Bezeichnung „Dienste und Anwendungen“ finden. Dort gibt es dann wiederum den Eintrag „Dienste“, der zu einer Auflistung der Systemdienste auf dem aktuellen Rechner führt. Hier finden Sie alle auf dem System installierten und aktiven Dienste. Sie erreichen diese Konsole auch, in dem sich „Ausführen“ mit der Tastenkombination „Windows-Taste + R“ aufrufen und dann „services.msc“ eingeben.
Ein Blick auf diese Liste zeigt nicht nur die Dienste, sondern auch den jeweiligen Status eines solchen Hintergrundprogramms. Ein Doppelklick auf den jeweiligen Dienst öffnet ein Fenster mit den Eigenschaft, während durch ein Rechtsklick ein Kontextmenü geöffnet wird, in dem Sie einen Dienst direkt starten oder auch anhalten können. Ein genauerer Blick auf den Eigenschaftendialog präsentiert im Reiter „Allgemein“ dann auch die Möglichkeit, den Start-Typ des jeweiligen Programms anzuzeigen beziehungsweise zu ändern. Hier stehen Ihnen die folgenden Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung:
  • Automatisch: Dienst startet beim Booten von Windows
  • Automatisch (verzögerter Start): Dienst startet kurz nach dem Booten von Windows
  • Manuell: Dienst wird nicht automatisch gestartet – Windows ist aber dazu in der Lage diesen Dienst von sich aus zu starten, sollte er von einem anderen Dienst benötigt werden.
  • Deaktiviert: Dieser Dienst wird nie gestartet – selbst dann nicht, wenn er zum Funktionieren des Windows-Systems notwendig ist.
An dieser Stelle können Sie einen Dienst zwar deaktivieren, nicht aber aus dem Windows-System entfernen. Zu Testzwecken besteht der sichere Weg darin, zunächst einmal einen Dienst auf „manuell“ zu setzen und dann das System zu beobachten. Wird der Dienst trotz dieser Maßnahmen nach einer gewissen Zeit gestartet, so besteht eine Abhängigkeit und eine weitere Überprüfung ist angesagt. Passiert nichts, kann der Dienst deaktiviert werden. Das kann beispielsweise ohne Probleme mit dem Bitlocker-Dienst auf den Home-, Home-Premium-und Professional-Versionen von Windows 7 (und Windows Vista) geschehen: Obwohl diese Versionen des Windows-Systems dieses Feature nicht unterstützen, wird der entsprechende Dienst standardmäßig mitinstalliert. Allerdings ist er auf solchen Systemen auf „manuell“ gesetzt, nicht aktiv und belastet das System nicht.
Das Hilfsprogramm „msconfig“: Auch dieses Programm dürfte den meisten Anwendern bekannt sein. Es bietet einen Reiter mit der Überschrift „Dienste“, der eine Liste der Systemdienste auf dem Windows-Rechner anzeigt. Hier ist es besonders praktisch, dass durch Anklicken des Auswahlfeldes „Alle Microsoft-Dienste ausblenden“ nur noch die Dienste angezeigt werden, die nicht direkt zum Betriebssystem gehören. Da zeigen sich dann häufig Dinge wie Lizenz-Server, die irgendwelche Programme einfach dem System installiert haben, ohne den Anwender davon zu informieren. Solche Dienste sollte man zunächst stilllegen, überprüfen ob noch alle Programme entsprechend funktionieren und dann deinstallieren. Leider ist es oft so, dass eine derart „heimlich“ installierte Software auch durch eine Deinstallation des eigentlichen Programms nicht verschwindet. Was ist dann zu tun?
Das Kommandozeilenprogramm „sc“: Alle aktuellen Windows-Systeme sind mit einem Programm ausgestattet, dass den Namen „sc“ trägt und nur von der Kommandozeile aus arbeitet. Das bedeutet, Sie müssen zunächst die Eingabeaufforderung starten, und dort dann den Kommandonamen „sc“ eingeben. Dieses Programm wird vom Microsoft als zentrale Schnittstelle zur Kommunikation mit dem Dienststeuerungs-Manager und den Diensten selbst bezeichnet. Ein einfacher Aufruf des Befehls zeigt dann auch eine beeindruckende Liste mit Parametern und Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang besonders interessant ist, dass dieses Programm einen Parameter „delete“ aufweisen kann, mit dessen Hilfe die Entfernung des Dienstes möglich ist. Der grundsätzliche Aufruf sieht dabei folgendermaßen aus:
     sc delete <Name des Dienstes>
Woher bekommen wir den richtigen Namen des Dienstes? Der ist am einfachsten über die Konsole und das Eigenschaftenfenster des jeweiligen Dienstes auszumachen. Wir haben uns als ein Beispiel den schon beim vorherigen Beispiel erwähnten Lizenz-Server ausgesucht, der durch eine Software auf unser Testsystem kam, die bereits seit einiger Zeit wieder deinstalliert wurde. Ein Blick in die Konsole und auf die Eigenschaften des Dienstes enthüllte, dass sein Name „PSI_SVC_2“ lautet. Da der Dienst noch aktiv war, musste er zunächst einmal gestoppt werden.
ACHTUNG: Zugriffe auf Dienste mittels des sc-Programms erfordern die Rechte eines Administrators. Sie müssen also die Eingabeaufforderung als Administrator starten, was Sie durch einen Rechtsklick auf das Icon der Eingabeaufforderung und der anschließenden Auswahl des Eintrags „Als Administrator ausführen“ aus dem Kontextmenü erreichen. Dann können Sie (in unserem Beispiel) den folgenden Aufruf starten:
     sc stop PSI_SVC_2
Danach kann dann der Aufruf folgen, der den Dienst aus dem System entfernt:
     sc delete PSI_SVC_2
Der Befehl meldet dann auch zurück, das der Dienst (service) erfolgreich gelöscht wurde – was auch ein Blick in die Konsole bestätigt.
Natürlich können Sie einen Dienst auch aus dem System löschen, in dem Sie in die Registry eingreifen. Die Dienste finden Sie unter folgendem Schlüssel:
                HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services
Dort ist dann nur jeweils der entsprechende Namen des Dienstes zu suchen und der Schlüssel zu löschen. Wir raten grundsätzlich von dieser Methode ab, da sie häufig zu instabilen Systemzuständen führt.
Grundsätze für den Umgang mit Systemdiensten:
Wie soll man sich nun als „normaler Anwender“ verhalten, wenn es um die Windows-Dienste und den Umgang damit geht? Wir haben ein paar Grundregeln zum Umgang mit diesen Diensten zusammengetragen: Wenn Sie diese befolgen, klappt es auch mit dem Ein- und Ausschalten oder sogar Entfernen der Dienste:
  • Verwenden Sie nie msconfig, wenn sie Dienste zu Testzwecken ausschalten möchten: Dieses Werkzeug deaktiviert den Dienst sofort komplett. Zum Ausprobieren ist es sinnvoller, den Dienst zunächst über die Management-Konsole (services.msc) auf manuell zu setzen. In diesem Modus kann Windows einen Dienst wieder starten, wenn er unbedingt benötigt wird.
  • Windows-Dienste arbeiten immer für das gesamte System („global“) – das bedeutet, dass immer alle Anwender eines Rechners betroffen sind, wenn Dienste abgeschaltet oder deinstalliert werden.
  • Bevor Sie einen Dienst deaktivieren oder gar deinstallieren, lesen sie genau die Beschreibung dessen durch, was dieser Dienst tut. Überzeugen Sie sich davon, welche Abhängigkeiten zu und von diesem Dienst bestehen (Reiter Abhängigkeiten bei den Eigenschaften eines Dienstes). Schalten Sie einen Dienst aus, auf dessen Funktion andere Windows-Dienste aufbauen, kann im schlimmsten Fall das gesamte Windows-System nicht mehr funktionieren.
  • Dienste, die das Windows-System standardmäßig im Modus „automatisch“ startet, sind in der Regel wichtig für die Funktion des Betriebssystems und sollten in der Regel nicht angefasst werden.
Für den Umgang mit den Systemdiensten gelten sehr ähnliche Sachverhalte, wie sich auch für den Umgang mit der Registry unter Windows Standard sein sollten: Wer hier eingreift, operiert „am Herzen“ des Betriebssystems und kann sehr schnell Schaden verursachen. Zudem hat es Microsoft spätestens mit Windows 7 sehr erfolgreich geschafft, die Belastung des gesamten Systems durch solche Hintergrundprozesse zu minimieren: Die Geschwindigkeitserfolge per Tuning-Maßnahmen sind im praktischen Einsatz oft marginal.
Wer aber selbst Hand an die Dienste legen oder solche Programme deinstallieren möchte, der sollte auf jedem Fall zunächst das System (ab besten mit durch Erstellung eines Images) sichern und dann beim Experimentieren noch die Problemaufzeichnung (zu finden unter „Schritte zum Reproduzieren eines Problems aufzeichnen" ) mitlaufen lassen – dann lässt sich später schneller verifizieren, wann sich eine Tuning-Maßnahme in das Gegenteil verkehrt.
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