27.12.2012, 15:09

David Wolski

Linux

Die wichtigsten Neuerungen von Open Suse 12.2

Lernen Sie die wichtigsten Neuerungen von Open Suse 12.2 kennen.

Mit reichlich Verspätung ging die Entwicklung von Open Suse 12.2 einher. Das Warten war nicht umsonst: Die Distribution ist gut gereift und holt zu anderen Linux-Systemen wieder deutlich auf.
Eine Menge Neuerungen hatten sich die Macher von Open Suse für die Version 12.2 vorgenommen: Der Wechsel von Grub 1 zu Grub 2 als Bootloader, der weitere Umbau der Startumgebung hin zu Systemd und Plymouth als grafischer Startbildschirm. Alles keine Kleinigkeiten. Und so kam diesmal auch der Zeitplan durch wiederholte Verzögerungen ins Wanken – bis dem Projektmanager der Distribution der Kragen platze: So könne es auf keinen Fall weitergehen, warnte Stephan Kulow in der öffentlichen Mailing-Liste. Die Entwicklergemeinde der inzwischen rein von der Community getragenen Linux-Distributionen ist innerhalb eines Jahres enorm gewachsen und solle sich deshalb auf ein neues Entwicklungsmodell besinnen.

Langer Anlauf, großer Sprung

Zwei Monate später als geplant ist Open Suse 12.2 erschienen und hat damit die nötige Zeit zur Reife bekommen. Das hat der Distribution gutgetan, denn es gibt Open Suse Zeit, sich wieder auf seine Tugenden zu besinnen: Stabilität statt experimentelle Features. Die aktuelle Version konsolidiert Entwicklungen, die bereits in der Vorgängerversion angepackt, aber nicht abgeschlossen wurden. Um schneller starten zu können, begann schon mit der Vorgängerversion der Wechsel zum neuen Systemd, das während des Boot-Vorgangs die aktivierten Dienste initialisiert. Mit jeder Version von Open Suse wird Systemd ein Stück ausgereifter und arbeitet besser mit anderen Systemkomponenten zusammen. Das alte System-V-Init ist Auslaufmodell, steht aber weiterhin aus Kompatibilitätsgründen zur Verfügung.
In Rente geschickt hat Open Suse auch den alten Bootloader Grub 1 und bietet nun Grub 2, das kürzlich die finale Version 2.0 erreichte. Der Wechsel war nötig, um die UEFI-Firmware neuer PCs zu unterstützen. Zudem kann Grub 2 mit BTRF auf der Boot-Partition und verschlüsselten Volumes umgehen. Eine kosmetische Änderung hat der Boot-Prozess bekommen: Wie andere Distribution zeigt Open Suse nun einen grafischen Startbildschirm mit Plymouth, der dank Kernel Mode Setting (KMS) auf Grafikchips von Intel, ATI und Nvidia zwischen Textmodus und grafischer Oberfläche umschaltet. Der Kernel hat es in Version 3.4 in die Distribution geschafft und ist damit aktuell genug, um mit aktueller Hardware zurechtzukommen.

KDE-Desktop: Einladendes Grün

Auf dem Desktop präsentiert die KDE-Version von Open Suse die 4.8.4 KDE Software Compilation 4.8.4. Diese war zwar zum Veröffentlichungszeitraum nicht mehr ganz frisch, bietet aber eine ausgereifte Arbeitsumgebung mit den typischen KDE-Anwendungen. Als Browser erhält Firefox 14.0.1 den Vorzug vor der KDE-Alternative Konqueror, und als Büro-Suite ist Libre Office 3.5  statt Calligra Office dabei.
Die Einrichtung auf Festplatte übernimmt wieder hier der grafische Installationsassistent Yast, seit jeher ein Markenzeichen von Open Suse. Enthalten ist ein eigener Partitionierer, der auch vorhandene Windows-Partitionen auf Wunsch verkleinern kann. Der Installer erkennt aber bereits installierte Linux-Systeme nicht, und bei einer Parallelinstallation ist bei Open Suse viel Handarbeit gefragt. Auf der Festplatte benötigt das System mindestens drei GB, der Installer benötigt mindestens ein GB Speicher.
Auf der Live-CD von Open Suse sind aus Platzgründen keine deutschen Sprachpakete enthalten, und auch nach der Installation auf Festplatte ist das System zunächst in Englisch. Um den Desktop vollständig einzudeutschen, müssen Sie noch über eine Internetverbindung Pakete aus dem Software-Depot von Open Suse nachrüsten.
Dies ist nicht weiter kompliziert, wenn man weiß, was zu tun ist: Öffnen Sie im Anwendungsmenü mit „Terminal“ ein Konsolenfenster, und geben Sie dort den Befehl sudo zypper inr ein. Der Aufruf von  sudo erfordert anschließend noch die Eingabe Ihres Passworts. Danach startet der Paketmanager zypper ein komplettes System-Update und installiert dabei auch Sprachpakete nach. Der Download der neuen Pakete umfasst einige hundert MB. Bei dieser Gelegenheit werden aber auch gleich MP3-Unterstützung und Flashplayer nachgerüstet.

Auf dem neuesten Stand

Als Paketmanager ist wieder das Programm Apper dabei, das die Auswahl und Installation und Aktualisierung von Programmen vereinfachen soll. Unangenehm fällt auf, dass Apper recht langsam arbeitet und dabei exklusiven Zugriff auf die Paketdatenbank braucht. Wenn nebenbei Yast, Zypper oder eine andere Instanz von Apper läuft, ist der Paketmanager unbrauchbar und gibt Fehlermeldungen aus. Allerdings lässt sich Apper ohne Nebenwirkungen deinstallieren, zumal die Paketverwaltung auch mit Yast gelingt.
Da die mitgelieferten Programmpakete zum Erscheinungstermin von Open Suse schon nicht mehr ganz aktuell waren, haben die Entwickler neuere Versionen von KDE in einem separaten Paketdepot nachgeliefert, das sich unter http://download.opensuse.org/repositories/KDE:/Release:/49/openSUSE_12.2 findet. Um es zu verwenden, muss die URL noch in Yast über „Software ➞ Software-Repositories ➞ Hinzufügen ➞ URL angeben“ eingetragen werden. Anschließend ist eine Distributionsaktualisierung in der Befehlszeile mit sudo zypper dup nötig.

Fazit: Sympathisches Chamäleon

Anwender bekommen im neuen Open Suse wenig von Schwierigkeiten in der Entwicklung mit. Das System präsentiert sich ausgereift und fit für den Einsatz auf dem Desktop. Dank Yast zur grafischen Konfiguration des Systems bleibt die Distribution eine gute Wahl für Einsteiger. Wer ausgetretene Pfade verlässt, muss sich bei Open Suse aber auf steiniges Terrain gefasst machen.
Wie es mit Open Suse weitergeht, bleibt spannend. Der Entwicklergemeinde stehen grundlegende Entscheidungen ins Haus. Zur Debatte steht, ob sich die Distribution von einem regelmäßigen Erscheinungstermin zugunsten eines ruhigeren Entwicklungsprozesses verabschieden sollte – nach dem Motto: „Veröffentlicht wird, wenn es fertig ist.“ Zu den weiteren Vorschlägen gehören nur mehr jährliche Erscheinungsweise sowie der Umbau zu einem „Rolling Release“, bei dem die Aktualisierung inkrementell über den Paketmanager erfolgt.
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