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Die spektakulärsten Fehlprognosen der IT-Geschichte

30.06.2016 | 12:55 Uhr |

Staubsauger laufen mit Atom-Antrieb, fünf Computer reichen für die ganze Welt, ein totgesagter Gigant, der sich bester Gesundheit erfreut und der Untergang des Internets – wir stellen Ihnen die kuriosesten und spektakulärsten falschen Prophezeiungen der Technikgeschichte vor. Update 30.6.: Ein Klassiker von Steve Ballmer fand Aufnahme in unsere Zusammenstellung.

Apple ist dem Tode geweiht - so oder so ähnlich äußerten sich überspitzt Analysten, nachdem Apple zum ersten Mal seit vielen Jahren weniger Gewinn und weniger Umsatz als im Jahr zuvor gemacht hat. Doch wir haben unsere Zweifel, dass diese Vorhersage eintrifft. Apple wird so schnell nicht untergehen, da sind wir uns sicher.

Schon immer sagten Menschen die Zukunft voraus. Gerne äußern sich auch IT-Größen zur Weiterentwicklung unserer Technik. Und liegen mitunter völlig daneben. Wir haben spektakuläre Falschprognosen gesammelt. Besonders oft betätigten sich Microsoft-Größen als gescheiterte Orakel. Viel Spaß beim Schmunzeln.

„500 Dollar?“ gluckste der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer, nachdem Apple-Chef Steve Jobs 2007 das erste iPhone vorgestellt hatte. „Das ist das teuerste Telefon der Welt. Und es spricht Business-Nutzer überhaupt nicht an, weil es keine Tastatur hat. Damit ist es keine besonders gute Mail-Maschine“.

Tja, wir alle wissen, wie es danach weiterging. Das iPhone, das sich laut Ballmer überhaupt nicht für professionelle Nutzer eignet, wurde zu dem Status-Symbol für Business-Nutzer überhaupt. Alle, die zuvor einen Palm oder ein Windows-Mobile-Handy besessen hatten, warfen das alte Teil in die Ecke und verlangten von ihrer Firma ein iPhone. Und die Privatanwender? Die standen vor den Apple-Stores Schlange. Und Windows Mobile alias Windows Phone von Microsoft? Ist faktisch tot.

“Das Internet wird wie eine spektakuläre Supernova im Jahr 1996 in einem katastrophalen Kollaps untergehen“ . Diese ganz offensichtlich falsche Vorhersage stammt ausgerechnet von Robert Metcalfe, dem Gründer von 3Com und Erfinder der Ethernet-Verbindung, die heute der Standard für kabelbasierte Netzwerke ist.

"Ich denke, dass es weltweit einen Markt für vielleicht fünf Computer gibt”. Das prognostizierte Thomas Watson, Chairman von IBM, im Kriegsjahr 1943. Und dann war es ausgerechnet IBM, das dem PC, wie wir ihn heute kennen, zum Durchbruch verhalf und ihn zum Massenprodukt machte.

„Dieses Telefon hat zu viele Schwächen, als dass man es ernsthaft für die Kommunikation in Erwägung ziehen kann“. Internes Memo von Western Union aus dem Jahr 1876. Heute sind Telefone in Form von Smartphones dabei PCs überflüssig zu machen - auch wenn Microsoft von diesem Boom nicht profitieren kann. Darunter leidet sogar das Geschäft des Chip-Giganten Intel, der kurzerhand seine Atom-Prozessorensparte beerdigt. Denn Android und iOS kommen auch ganz gut ohne Intel-Prozessoren zu Recht.

"Noch hat ein Rechner wie der ENIAC 18,000 Vakuum-Röhren und wiegt 30 Tonnen. Doch die Computer der Zukunft werden nur noch 1.000 Vakuum-Röhren besitzen und vielleicht nur noch 1,5 Tonnen wiegen”. Diese verlockende Prophezeiung machte Popular Mechanics im März 1949. Mit diesem vorhergesagten Gewicht wären Notebooks nur schwerlich ein Erfolg geworden. Doch es kam bekanntlich anders.

"Es gibt keinen Grund, warum jeder einen Computer zu Hause haben sollte” behauptete Ken Olsen, Gründer von Digital Equipment Corp. im Jahr 1977. Naja, so ganz Unrecht hat Olsen ja nicht einmal, mitunter reicht ja auch ein Tablet.

"In fünf Jahren wird das Tablet in den USA die beliebteste Form eines PCs sein“. Der Satz klingt gar nicht mal so falsch, er könnte durchaus bald Realität werden. Wenn, ja, wenn ihn nicht Bill Gates im Jahr 2002 gesagt hätte. Damals versuchte Microsoft seine Vorstellung von einem Tablet-PC mit Stiftbedienung durchzusetzen. Und scheiterte kläglich – das Windows-Tablet-PC war schwerfällig zu bedienen und absolut unsexy. Wie man es richtig macht, zeigten 2010 Steve Jobs und Apple mit dem intuitiven iPad. Es reicht eben nicht, eine gute Idee zu haben, man muss sie auch gut umsetzen. Für Microsoft scheint sich dieses Debakel übrigens zu wiederholen - mit dem Surface.

"Das Abonnement-Modell für den Kauf von Musik ist gescheitert” meinte Steve Jobs am 3. Dezember 2003. Nun ja, auch der iTunes Store brauchte einige Jahre, bis er richtig boomte. Doch mittlerweile verkauft Apple nicht nur Apps, Musik und Filme via iTunes beziehungsweise App Store, sondern hat sogar sein eigenes Bezahlsystem namens Apple Pay gestartet. Und seit einem Jahr hat Apple mit Apple Music sogar einen eigenen Musik-Streaming-Dienst im Angebot. In dem man unter anderem auch die Hörbücher der "drei Fragezeichen" streamen kann.

"In zwei Jahren wird das Spam-Problem gelöst sein" versprach Bill Gates im Jahr 2004. Wie viele Spammails haben Sie heute erhalten? Derzeit macht Spam zirka 90 Prozent des weltweiten Mailverkehrs aus.

"Dieses Kartell-Ding wird sich in Wohlgefallen auflösen” sagte Bill Gates gegenüber Intel-Verantwortlichen im Jahr 1995. 1991 begann die Federal Trade Commission der USA mit der Untersuchung darüber, ob Microsoft seine marktbeherrschende Stellung gegenüber anderen Betriebssystemen ausnützen würde. 2002 kam es zu einemfür Microsoft negativen Urteil. Und 2008 gerieten Microsoft und US-Behörden erneut aneinander.

"Apple ist bereits tot” meinte Nathan Myhrvold, ehemaliger Microsoft-CTO im Jahr 1997. Für einen Toten schlägt sich Apple aber durchaus wacker, alle lebenden Unternehmen können nur davon träumen, die wertvollste Firma der Welt zu sein. Zumal der Zombie Apple für sich in Anspruch nehmen kann, zwei Märkte überhaupt erst erfunden zu haben: Den für Smartphones und den für Tablets. Mittlerweile ist Apple sogar so viel wert, dass es alle russischen Aktiengesellschaften aufkaufen könnte. Wie gesagt: Im April 2016 zeigte Apple zwar gewisse Schwächen. Doch tot sind die Kalifornier noch lange nicht. Von den iPhones-Verkaufszahlen kann Microsoft nur träumen.

„Es gibt praktisch keine Möglichkeit, um Kommunikationssatelliten im Weltall zu verwenden, um besser Telefon-, Telegraph-, Fernseh- und Radiodienste in den USA zu ermöglichen“. Das sagte T. Craven, FCC Commissioner im 1961. Obwohl die UdSSR 1957 einen Satelliten ins All geschossen hat. Doch mittlerweile schießen sogar Privatfirmen Satelliten ins All. Wie die Raumfahrtfirma SpaceX (von Tesla-Gründer Elon Musk), an der auch Google beteiligt ist.

“Staubsauger, die durch Kernkraft angetrieben werden, sind vermutlich in zehn Jahren Realität”. Diese gruselige Vorhersage stammt von Alex Lewyt, dem Präsidenten von Lewyt Corp Vacuum Company. Jede Hausfrau und jeder Hausmann saugt also mit dem eigenen Atomkraftwerk in den eigenen vier Wänden, aha. Wobei: Einen kleinen Fortschritt gibt es bei Staubsaugern in der Tat - die Staubsaugroboter nämlich.

Test: Roomba und Scooba

Übrigens: Das unvermeidliche „Niemand braucht mehr als 640kB RAM in seinem PC“ haben wir bewusst nicht in die obige Liste aufgenommen. Erstens ist Bill Gates als gescheitertes Orakel ohnehin oft genug vertreten. Und zweitens stammt diese Aussage vermutlich gar nicht von ihm.

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