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Die neuesten Software-Finessen für Linux

28.06.2014 | 09:25 Uhr |

Viele naheliegende Verfeinerungen alltäglich eingesetzter Programme auf dem Linux-Desktop erschließen sich nicht gleich auf den ersten Blick. Die Tipps laden dazu ein, neue Details wahrzunehmen und zu nutzen.

Libre Office

Persönliche Wörterbücher verwalten Beim Aufruf der Rechtschreibprüfung im Libre Office Writer können Sie für unbekannte Wörter Ausnahmeregeln erstellen, indem Sie im Dialog der Prüfung auf „Zum Wörterbuch hinzufügen“ klicken. Wer mit Fachtexten arbeitet, hat so nach kurzer Zeit eine hübsche Sammlung an Ausnahmen zusammen. Damit bei einem Update der Distribution oder bei einem Wechsel nichts verloren geht, ist eine Sicherheitskopie des Wörterbuchs empfehlenswert.

Aus zwei mach eins: In der Datei „standard.dic“ sichert Libre Office die benutzerdefinierten Wörter. Dieser Befehl führt zwei Dateien zusammen und gleicht damit Wörterbücher ab.
Vergrößern Aus zwei mach eins: In der Datei „standard.dic“ sichert Libre Office die benutzerdefinierten Wörter. Dieser Befehl führt zwei Dateien zusammen und gleicht damit Wörterbücher ab.

TIPP Libre Office speichert die Ausnahmen im Home-Verzeichnis des Anwenders in der Datei „~/.config/libreoffice/4/user/word book/standard.dic“. Es genügt, diese einzelne Datei zu sichern. Bei anderen Libre-Office-Installationen brauchen Sie die „standard.dic“ nur wieder an den gleichen Ort zu kopieren, um das Wörterbuch dort zu verwenden. Da es sich bei der Wörterbuch-Datei dabei um eine recht einfach aufgebaute Textdatei handelt, kann man die Wörterbücher von zwei Libre-Office-Versionen auch gut miteinander synchronisieren, um etwa auf dem PC und dem Notebook denselben gespeicherten Wortschatz zu haben. Dazu muss der Inhalt der Wörterbuch-Dateien zusammengeführt werden, was am einfachsten mit einem Shell-Befehl gelingt: Kopieren Sie beide Dateien aus den Libre-Office-Benutzerverzeichnissen in ein gemeinsames Arbeitsverzeichnis, einmal als „standard1.dic“, die zweite Datei als „standard2.dic“. Die Wörterbuchdateien enthalten jeweils zeilenweise ein Wort und einen Header von vier Zeilen Länge.

Es genügt also nicht, beide zusammenzukopieren und dann doppelte Zeilen mit dem sort -Kommando auszusortieren. Stattdessen ist es nötig, um den Header einen Bogen zu machen, die restlichen Zeilen zu sortieren und auf doppelte Einträge zu überprüfen. Am Ende gehört alles zusammen mit dem originalen Header in eine neue Datei. Alles das erledigt das folgende Kommando:

 (head -n4 standard1.dic && (tail -n+5 standard1.dic && tail -n+5 standard2.dic)|sort -u) >standard.dic 
Missglückter Import: Übernommene CSV-Dateien statten Zahlenwerte meist mit dem Hochkomma als Präfix aus, das eine Zelle als Text markiert. Mit diesen Inhalten können Sie nicht rechnen.
Vergrößern Missglückter Import: Übernommene CSV-Dateien statten Zahlenwerte meist mit dem Hochkomma als Präfix aus, das eine Zelle als Text markiert. Mit diesen Inhalten können Sie nicht rechnen.

Aus den beiden Dateien „standard1. dic“ und „standard2.dic“ macht der Befehl die neue Wörterbuchdatei „standard.dic“, alphabetisch sortiert und ohne Dubletten.

Linux-Tools für mehr Sicherheit

Libre Office Calc

Importierten Text zu Zahlen umwandeln Beim Import von CSV-Dateien in die Tabellenverarbeitung von Libre Office werden Zahlen oft nur als Text importiert. Diese Zellinhalte erhalten dann ein Hochkomma (‚) als Präfix, das sich oben in der Werte-Zeile und nach einem Doppelklick zeigt. In umfangreichen Tabellen ist es reichlich umständlich, die Hochkommata manuell zu löschen.

Texte zu Zahlen: Um die Zahlenwerte in einem importierten Tabellenblatt zu reparieren, hat sich dieser reguläre Ausdruck bewährt, der das Hochkomma aus Zellinhalten löscht.
Vergrößern Texte zu Zahlen: Um die Zahlenwerte in einem importierten Tabellenblatt zu reparieren, hat sich dieser reguläre Ausdruck bewährt, der das Hochkomma aus Zellinhalten löscht.

TIPP Die Funktion zum Suchen und Ersetzen hilft dabei, Hochkommata von gewünschten Zellinhalten zu entfernen und dabei Text in Zahlen umzuwandeln. Gehen Sie auf „Bearbeiten -> Suchen & Ersetzen“, und klappen Sie unten „Weitere Optionen“ aus. Klicken Sie dort „Regulärer Ausdruck“ an, und wählen Sie im Feld „Suchen in“ den Eintrag „Werte“ aus. Oben im Feld „Suchen nach“ geben Sie nur einen Punkt und ein Plus-Zeichen ein (.+) und darunter, im Feld „Ersetzen durch“, das Et-Zeichen (&). Klicken Sie auf die Schaltfläche „Suchen“, um den Suchlauf zu starten und bei jeder Zelle, die in eine Zahl umgewandelt werden soll, auf „Ersetzen“. So können Sie nacheinander per Klick das lästige Präfix aus allen gewünschten Zellen entfernen.

Seltener Drucken

PDF als Zwischenablage Wenn der Drucker in einem anderen Stockwerk steht, ist es zu umständlich, für jeden kleinen Druckauftrag zu laufen. Einfacher ist, die Druckaufträge auf dem PC in einer temporären PDF-Datei zu sammeln und dann in einer ruhigen Minute alles am Stück zu drucken.

TIPP Spezielle Software, um aus einem Dokument ein PDF zu erzeugen, brauchen Sie bei den verbreiteten Linux-Distributionen nicht. Denn ein virtueller Druckertreiber stellt bei einem Klick auf die Druckfunktion in nahezu jedem Programm die Option „Drucken in Datei“ bereit. Damit erzeugen Sie eine PDF-Datei mit beliebigem Namen, etwa „Ausgabe1. pdf“, „Ausgabe2.pdf“, „Ausgabe3. pdf“ und so weiter. Wenn Zeit zum Drucken ist, öffnen Sie alle Dateien in einem Rutsch im PDF-Betrachter und senden die Dateien schließlich nacheinander zum Drucken.

Mit einem kurzen Ausflug in die Kommandozeile kann man aus den PDF-Dateien aber im Handumdrehen auch eine einzige zusammenhängende Datei machen. Dazu genügt folgendes Kommando:

pdfunite *.pdf drucken.pdf

Es erzeugt aus allen PDF-Dateien im aktuellen Verzeichnis das neue zusammenhängende PDF mit dem Namen „drucken.pdf“.

PDF-Dokumente

Den Passwortschutz aufheben Für vertrauliche Dokumente bietet das PDF-Format einen Passwortschutz auf zwei Ebenen. Ein „Owner Passwort“ (Rechte-Kennwort) verhindert Ausdrucken und Änderungen, während das „User Passwort“ (Öffnen-Kennwort) schon zum Lesen der Datei ein Kennwort verlangt. Ein geschütztes PDF können Sie unter anderem mit Libre Office erzeugen. Entfernen lässt sich ein Passwort aber nicht mehr so leicht, und Libre Office scheitert sogar daran, die selbst erstellen PDFs wieder einzulesen.

TIPP Ist das Passwort bekannt, eignet sich das Programm qpdf auf der Kommandozeile, um alle gesetzten Passwörter wieder zu entfernen. Es findet sich im gleichnamigen Paket „qpdf“ in den Paketquellen der verbreiteten Linux-Distributionen und ist etwa unter Debian/Ubuntu mit

sudo apt-get install qpdf

schnell installiert. Auch Fedora und Open Suse haben das Programm über den jeweiligen Paketmanager im Angebot. Aus einer PDF-Datei entfernen Sie mit der Befehlszeile

qpdf --password=[Passwort] --decrypt inputfile.pdf outputfile.pdf

wieder das bekannte angegebene Passwort. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um User- oder Owner-Passwort handelt. Zum Cracken eignet sich das Tool hingegen nicht, hier hilft da ebenfalls in den großen Distributionen verbreitete pdfcrack, das anhand der Checksumme und mit Wörterbuch-Angriffen ein PDF-Passwort herausfinden kann.

Warum Linux so sicher ist

Flash für Fleißige: Damit das Adobe-Plug-in auch im Gnome-Browser Epiphany (neuerdings: „Gnome Web“) funktioniert, ist ein Ausflug auf die Befehlszeile nötig, um Flash manuell einzubinden.
Vergrößern Flash für Fleißige: Damit das Adobe-Plug-in auch im Gnome-Browser Epiphany (neuerdings: „Gnome Web“) funktioniert, ist ein Ausflug auf die Befehlszeile nötig, um Flash manuell einzubinden.

Epiphany Webbrowse

Flash nachrüsten Der Browser Epiphany des Gnome-Desktops ist ein flinker alternativer Browser mit der verbreiteten Rendering-Engine Gecko und einer nützlichen, kleinen Auswahl von Plug-ins. Wer keine ausufernden Entwicklerfunktionen und Benutzerdaten-Synchronisierung à la Chrome und Mozilla Sync benötigt, ist mit diesem Browser gut bedient. Die Einbindung des Flash-Plug-ins erfordert allerdings noch etwas Handarbeit.

TIPP Das Flash-Plug-in kann Epiphany nicht direkt nutzen, sondern benötigt dafür den Nspluginwrapper, um die Kompatibilität zu Netscape-Plug-ins von Firefox herzustellen. Den Nspluginwrapper gibt es in allen verbreiteten Installationen über den Paketmanager. Bei Ubuntu und seinen Abkömmlingen ist das Paket beispielsweise in einem Terminal-Fenster mit

sudo apt-get install nspluginwrapper

flott nachgerüstet. Ferner benötigen Sie Flash für Firefox, falls dieses noch nicht vorhanden ist. In Ubuntu & Co. installieren Sie dazu mit dem Befehl

sudo apt-get install flashplugin-installer

das Metapaket, das wiederum Flash von der Adobe-Webseite besorgt. Firefox und Chromium verfügen dann über das Flash-Plug-in. Damit es auch in Epiphany funktioniert, geben Sie in der Shell das Kommando

sudo nspluginwrapper -i /usr/lib/flashplugin-installer/libflashplayer.so

ein und anschließend

nspluginwrapper -v -a -n -i

Danach ist Flash auch in Epiphany aktiviert.

Text positionieren: In Gimp müssen Sie mit dem Verschiebe-Werkzeug den Inhalt einer Ebene exakt anklicken. Besser: Halten Sie die Umschalt-Taste gedrückt, um sich das Verschieben deutlich zu vereinfachen.
Vergrößern Text positionieren: In Gimp müssen Sie mit dem Verschiebe-Werkzeug den Inhalt einer Ebene exakt anklicken. Besser: Halten Sie die Umschalt-Taste gedrückt, um sich das Verschieben deutlich zu vereinfachen.

Gimp

Textebene einfach verschieben Wer von anderen Grafikprogrammen zu Gimp stößt, findet dort zwar einen großen Funktionsumfang, aber auch eine gewöhnungsbedürftige Oberfläche und Bedienung. Ein Problem, über das viele Anwender stolpern, die gerade zu Gimp gewechselt sind, betrifft die Textebenen: Diese wollen sich scheinbar nicht immer verschieben lassen.
 
TIPP Gimp behandelt Ebenen anders als Photoshop und andere: Eine Ebene ist nur dort, wo die Fläche auch tatsächlich gefüllt ist. In transparenten Bereichen ist dagegen keine Ebene – und wenn man zum Verschieben eine Ebene zufällig genau dort anklickt, lässt sie sich nicht verschieben. Bei Textebenen erfordert es Achtsamkeit, zum Verschieben genau auf einen Buchstaben zu klicken. Einfacher geht es aber mit gedrückter Umschalt-Taste: Das Verschiebe-Werkzeug wird dann immer die gerade aktive Ebene verschieben, egal wohin man mit dem Mauszeiger klickt. Besonders bei größtenteils transparenten Ebenen ist dieser Trick hilfreich.

VLC mit Erweiterung für Untertitel: Das Script Vlsub bietet eine Suchmaske, um Untertitel direkt von der Webseite www.opensubtitles.org herunterzuladen und einzubinden.
Vergrößern VLC mit Erweiterung für Untertitel: Das Script Vlsub bietet eine Suchmaske, um Untertitel direkt von der Webseite www.opensubtitles.org herunterzuladen und einzubinden.

VLC Mediaplayer

Untertitel suchen und herunterladen Cineasten bevorzugen Filme und Serien in der Originalfassung ohne synchronisierte Dialoge. Eine Untertitelspur ist trotzdem hilfreich – und bei unbekannten Sprachen sowieso nötig. Webseiten wie www.opensubtitles.org/de liefern recht schnell Untertitel zu Serien und Filmen in Formaten, mit welchen Mediaplayer wie der VLC umgehen können. Wer den VLC verwendet, kann eine Suche nach Untertiteln auch gleich über eine Erweiterung direkt in den Player einbauen.

TIPP Der VLC ermöglicht Erweiterungen seit Version 1.1 durch den eingebauten Interpreter für Lua-Scripts. In Lua ist auch die Erweiterung Vlsub geschrieben, die aus VLC heraus eine passende Untertitel-Datei auf www.opensubtitles.org sucht – mit Dateinamen oder Checksumme der gerade laufenden Videodatei als Suchbegriff. Eine Verwaltung für Erweiterungen wie Firefox hat VLC noch nicht, und so muss Vlsub manuell installiert werden, was aber nicht weiter schwierig ist:

Erstellen Sie zuerst ein Verzeichnis für VLC-Erweiterungen im Home-Verzeichnis. In der Shell erledigen Sie dies am schnellsten:

mkdir ~/.local/share/vlc/lua/extensions/

Laden Sie anschließend die Erweiterung Vlsub herunter, und entpacken Sie aus dem Archiv die Datei „vlsub.lua“ nach „~/.local/share/vlc/lua/extensions/“. Starten Sie nun VLC, beziehungsweise starten Sie den Player neu, falls er bereits laufen sollte. Im Menü „Ansicht“ finden Sie den neuen Menüpunkt „VLsub 0.9.10“, der eine Suchmaske für Untertitel aufruft. Nach der Auswahl und einem Klick auf „Download Selection“ wird die Untertitelspur automatisch geladen und taucht im VLC-Menü unter „Video -> Untertitelspur“ auf.

Meist dauert es ein paar Augenblicke, bis die Untertitel erscheinen. Die Start- und Untertitelgeschwindigkeit können Sie in VLC über das Menü „Extra -> Spur-Synchronisierung -> Synchronisierung“ noch anpassen, falls die Datei nicht exakt zum Video passen sollte.

Linux bombensicher: So klappt das Verschlüsseln

Randexistenz: Das platzsparende Firefox-Menü liefert dank der Browser-Erweiterung Personal Menu genau die Einträge, die Sie dort häufig benötigen, und spart damit die obere Menüzeile.
Vergrößern Randexistenz: Das platzsparende Firefox-Menü liefert dank der Browser-Erweiterung Personal Menu genau die Einträge, die Sie dort häufig benötigen, und spart damit die obere Menüzeile.

Firefox

Mehr Menüpunkte im Firefox-Menü
Die Reduktion der Menüzeile von Firefox auf eine einzige Schaltfläche schafft Platz. Allerdings klappt die einzelne Schaltfläche nur einige wenige Menüpunkte auf, und die Einträge des Menüs „Extras“, in dem sich die meisten Add-ons niederlassen, bleiben verborgen. Praktischer wäre deshalb eine selbst definierte Liste der häufig gebrauchten Funktionen unter der Firefox-Schaltfläche.

TIPP Die Erweiterung Personal Menu liefert einen grafischen Editor für die Menü-Einträge nach, um die Liste der Funktionen zu ergänzen. Erfreulicherweise kann Personal Menu auch die Menüpunkte von Add-ons einsetzen, falls diese zu tief in den „Extras“ vergraben sind.
 
So funktioniert’s: Nach der Installation des Add-ons rufen Sie dessen Einstellungen über „Firefox -> Menü anpassen“ auf oder über „Extras -> Add-Ons -> Erweiterungen -> Personal Menu -> Einstellungen“. Diese präsentieren eine zweispaltige Übersicht mit den verfügbaren Menüpunkten links und der Liste angezeigter Einträge rechts. Ein Klick auf das Plus-Symbol fügt den gerade ausgewählten Menüpunkt hinzu, das Minus-Symbol entfernt einen Punkt. Weitere Optionen erlauben die Platzierung des Lesezeichen-Menüs und der Chronik besuchter Seiten. Keine Funktion hat dagegen die Aktivierung der Alt-Taste zum Einblenden der vollen Menüleiste – die Taste ist in den meisten Desktop- Umgebungen anderweitig belegt.
 
Übrigens: In Ubuntu Unity muss Firefox auf das globale Menü im oberen Panel ausweichen und zeigt seine typische Firefox-Schaltfläche zunächst nicht an. Um dies zu ändern, geben Sie in der Adresszeile about:config ein und ändern den Wert von

ui.use_unity_menubar

von „true“ auf „false“.

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