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Die ersten Schritte mit Linux Mint 15

19.09.2013 | 10:59 Uhr |

Gegenüber Ubuntu liefert Linux Mint bereits Anpassungen, die den Desktop komfortabler machen sollen. Wir zeigen, was es nach der Installation zu Beachten gilt.

Zwar sind die Ansprüche an ein Linux- System ganz unterschiedlich, aber egal welche Aufgaben das fertig installierte Mint auf dem Desktop übernehmen soll – die ersten Schritte sind auf allen Systemen ähnlich. Die folgenden Konfigurationshinweise geben nicht nur Einsteigern eine erste Orientierung, sondern zeigen nebenbei, wo Sie was unter Mint 15 finden. Denn die Unterschiede zu Ubuntu fallen inzwischen doch erheblich aus.

Software-Aktualisierungen: Schnelle Spiegel-Server wählen

Das Erste, was Anwender nach dem Abschluss der Installation und dem Neustart tun sollten, ist ein Komplett-Update des Systems. Denn für viele Versionen von Programmen auf dem Installationsmedium gibt es bei Erscheinen schon eine Nachfolgeversion. Im Falle von Webbrowsern sind die Updates meist sogar sicherheitsrelevant; bei Systemkomponenten wie dem Kernel, der in Mint 15 aus den Paketquellen von Ubuntu 13.04 stammt, gibt es wichtige Fehlerbehebungen. Bevor es an die Updates gehen kann, die bei Mint 15 aktuell bereits 190 MB ausmachen, wählen Sie einen geeigneten, geografisch nahen Spiegel-Server aus, von dem das System in Zukunft die Pakete beziehen wird. Voreingestellt sind US-Server – für Anwender in Europa nicht gerade der nächste Weg. Gehen Sie im Anwendungsmenü von Cinnamon auf „Einstellungen > Software- Paketquellen“, oder rufen Sie im Ausführen-Dialog über die Tastenkombination Alt-F2 das Tool direkt mit dem Befehl mintsources auf. Nach der Eingabe Ihres Benutzerpassworts zur Authentifizierung über sudo gehen Sie auf „Offizielle Paketquelle“ und klicken jeweils bei den Einträgen „Haupt“ (Mint-Pakete) und „Basis“ (Ubuntu- Repositories) auf die Auswahlliste. In diesem Dialog bekommen Sie eine Übersicht der verfügbaren Spiegel-Server, und das Tool führt automatisch einen Geschwindigkeitstest aus, welcher Server am schnellsten antwortet.

Software-Aktualisierungen: Alle Updates einspielen

Spiegel-Server wählen: Schnellere Downloads bei Updates und neu installierten Pakten versprechen Server, die in Ihrer Nähe sind. Ein Geschwindigkeitstest hilft bei der Auswahl.
Vergrößern Spiegel-Server wählen: Schnellere Downloads bei Updates und neu installierten Pakten versprechen Server, die in Ihrer Nähe sind. Ein Geschwindigkeitstest hilft bei der Auswahl.

Nach der Auswahl eines schnellen Spiegel-Servers gehen Sie auf „Anwenden“, beenden das Tool und gehen im Cinnamon-Anwendungsmenü auf „Einstellungen > Aktualisierungsverwaltung“. Dies startet ein Front-End für apt, um Updates zu installieren. Standardmäßig sehen Sie hier alle Updates, die Mint nach den Stufen 1, 2 und 3 klassifiziert. Diese Stufen geben eine Stabilitätseinschätzung der Mint- Entwickler wieder: Alles, was nicht selbst vom Mint-Team getestet wurde, sondern beispielsweise aus den Ubuntu-Repositories stammt, wird mit Stufe 4 oder 5 bewertet. Mit der Realität hat die Einschätzung, was tatsächlich stabil ist, aber wenig zu tun. Denn in den offiziellen Ubuntu-Repositories landen keine experimentellen Pakete. Probleme mit Updates aus diesen Paketquellen sind deshalb auch sehr selten. Beachten Sie, dass auch viele wichtige Pakete wie etwa neue Kernel- Versionen zurückgehalten werden, wenn Sie nur die vorgeschlagenen Updates der Stufen 1, 2 und 3 installieren. Dies sollten Sie ändern, indem Sie in der Aktualisierungsverwaltung unter „Bearbeiten fi Vorlieben“ auch die Stufen 4 und 5 als „sicher“ und „sichtbar“ markieren. Ein manuelles Update auf der Kommandozeile mit

sudo apt-get update sudo apt-get dist-upgrade

kennt diese Einstufung übrigens nicht und installiert alle neuen Pakete. Dies ist auch generell der empfehlenswerte Weg für fortgeschrittene Anwender, ein System komplett zu aktualisieren.

Linux Mint: Alle Neuerungen im Überblick

Hardware: Zusätzliche Hardware-Treiber nachrüsten

Alle Updates zeigen: Die zweifelhafte Stabilitätseinstufung von verfügbaren Updates im Update-Tool von Linux Mint 15 sollten Sie einfach ignorieren.
Vergrößern Alle Updates zeigen: Die zweifelhafte Stabilitätseinstufung von verfügbaren Updates im Update-Tool von Linux Mint 15 sollten Sie einfach ignorieren.

Nach einem ersten Komplett-Update des Systems und einem Neustart lohnt sich die Suche nach speziellen und proprietären Hardware-Treibern, um etwa Grafiktreiber von AMD und Nvidia zu holen oder die Gast-Ergänzungen bei einer Installation von Mint in der Virtualbox nachzurüsten. Statten Sie dazu dem Tool „Einstellungen fi Treiber- Verwaltung“ einen Besuch ab. Das Tool nutzt dieselbe Treibersuche wie Ubuntu und unterscheidet sich nur im Aussehen.

In der Liste können Sie üblicherweise alle vorgeschlagenen Treiber installieren. Bei Grafikkarten von Nvidia müssen Sie sich entscheiden, ob Sie den quelloffenen Nouveau-Treiber mit etwas schlechterer 3D-Leistung verwenden möchten oder den proprietäre Nvidia-Treiber.

Hardware: Problematische Hardware identifizieren

Wird die angeschlossene Hardware in der Treiber-Verwaltung nicht angezeigt, etwa ein exotischer WLAN-USB-Adapter, dann wurde das Gerät nicht erkannt, oder es gibt in Mint 15 schlicht keinen Treiber oder passendes Kernel-Modul dafür. In diesem Fall müssen Sie das richtige Modul auf eigene Faust ermitteln und installieren. Die für die Suche nötigen Informationen über Ihre Hardware wie Hersteller und Chipsatz liefert der Konsolen-Befehl lspci für alle Geräte, die über den PCI-Bus angesprochen werden. Der verwandte Befehl für USB-Geräte lautet lsusb, etwa für externe WLAN-Adapter, wobei aber auch fest eingebaute WLAN-Karten über den USB-Bus angebunden sein können. Ein guter Einstiegspunkt bei der Recherche, welches zusätzliches Kernel-Modul Sie für die Unterstützung eines Geräts brauchen und wo Sie unter Umständen den Quelltext dazu herbekommen, ist das Wiki zum Thema . Eine Übersicht speziell zu WLAN-Karten, Chips und USB-Adapter liefert hier die Unterseite http://wiki.ubuntuusers.de/WLAN/Karten , auf der Sie auch Download-Links zu Herstellerseiten finden.

Soundkarte: Kein Sound über HDMI

Ein verbreitetes Problem von Ubuntu-Systemen, das auch Linux Mint 15 betreffen kann, ist die Sound-Ausgabe über HDMI beim Anschluss eines TV- Geräts. Während das Bild einwandfrei übertragen wird, bleibt der Ton auf der Strecke. Die Lösung ist, eine neuere Version des ALSA-Treibers zu installieren, über den die HDMI-Sound-Ausgabe läuft. Die Treiber gibt es in den Entwickler-Paketquellen von Ubuntu, und sie stecken noch in der Betaphase. In vielen Fällen lösen sie Sound-Probleme aber ohne weitere Nebenwirkungen. In einem Terminal-Fenster nehmen Sie zunächst mit

sudo add-apt-repository ppa:ubuntu-audio-dev/alsa-daily

das neue Repository für laufende Betaversionen von ALSA auf. Mit sudo apt-get update

sudo apt-get install oem-audiohda- daily-dkms

installieren Sie die neuen Treiber. Nach einem Neustart sollte HDMI ohne Einschränkungen funktionieren.

Linux-Komfort: Welcher Desktop passt zu Ihnen?

Systemkonfiguration: Autostartprogramme abschalten

Automatische Programmstarts: Die Session-Verwaltung von Gnome dient auch in Linux Mint zum Ein- und Ausschalten von Programmen, die zusammen mit der grafischen Oberfläche starten.
Vergrößern Automatische Programmstarts: Die Session-Verwaltung von Gnome dient auch in Linux Mint zum Ein- und Ausschalten von Programmen, die zusammen mit der grafischen Oberfläche starten.

Linux Mint 15 ist ein eher schlankes System, und die Zahl der automatischen Hintergrundprogramme auf der grafischen Oberfläche ist überschaubar. Was automatisch startet, sehen Sie über den Menüpunkt „Einstellungen > Startprogramme“ im Cinnamon-Anwendungsmenü oder direkt mit dem Aufruf der gnome-sessi on-properties im „Ausführen“-Dialog. Die Liste der Autostartprogramme erlaubt Ihnen, Einträge per Klick ausund wieder einzuschalten. Wenn Sie keine Bluetooth-Geräte verwenden, dann können Sie hier die „Bluetooth- Verwaltung“ deaktivieren. Auch mint upload wird nicht zwingend benötigt, wenn Sie das Tool für vereinfachte Datei- Uploads auf eigene Server nicht nutzen. Falls Sie Paket-Updates bei Bedarf lieber selbst ausführen, können Sie auch mintupdate abschalten. und bekommen dann keine Hinweise mehr, wenn neue Pakete vorliegen.

Systemkonfiguration: Dienste konfigurieren

Wie Ubuntu nutzt auch Linux Mint 15 den Init-Daemon Upstart, der sich beim Systemstart um die Initialisierung von Hintergrunddiensten und Hardware kümmert. Mint startet neben den grundlegenden Systemdiensten beispielsweise auch Samba für die Teilnahme in Windows-Netzwerken, das Drucksystem CUPS und den Dienst Saned für angeschlossene Scanner. Die Konfiguration der Dienste erfolgt in der Kommandozeile mit dem Tool service, das die Start-Scripts von Upstart verwaltet. Daneben gibt es optional aber mit dem Boot-up-Manager auch ein grafisches Werkzeug zur Übersicht und Konfiguration von Diensten. Sie installieren es mit dem Befehl

sudo apt-get install bum

und rufen es im Anwendungsmenü über „Systemverwaltung > Bootup- Manager“ auf. Es ist ein Tool für fortgeschrittene Anwender, die genau wissen, welcher Service und welcher Nutzen hinter einem Dienst stehen.

Hardware unter Linux zähmen

Software: Standardprogramme in den Systemeinstellungen ändern

Welches Programm Mint startet, wenn Sie eine Video- oder Musikdatei im Dateimanager anklicken, ist in den Systemeinstellungen hinterlegt. Diese Standardanwendungen können Sie auf Wunsch ändern, allerdings ist die Einstellung dafür schwer zu finden: Gehen Sie im Cinnamon-Anwendungsmenü auf „Systemwerkzeuge > Systemeinstellungen > Applications & Removable Media“. Dort können Sie über die Listenfelder im Hauptbereich des Fensters einfach eines der auf dem System installierten Programme wählen und als Standardprogramm für den jeweiligen Zweck festlegen.
Software: DVDs mit Ubuntu abspielen

Übersicht der Init-Prozesse: Der Boot-up-Manager zeigt, die vom Init-Daemon Upstart gestarten Dienste. Fortgeschrittene können das Tool zum Deaktivieren von Diensten nutzen.
Vergrößern Übersicht der Init-Prozesse: Der Boot-up-Manager zeigt, die vom Init-Daemon Upstart gestarten Dienste. Fortgeschrittene können das Tool zum Deaktivieren von Diensten nutzen.

DVD-Codecs bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone, da hier streng genommen alleine beim Abspielen einer legitim erworbenen DVD schon ein Kopierschutz umgangen wird. Aus rechtlichen Gründen darf Mint deshalb keinen DVD-Codec zum Abspielen von DVDs mitliefern. Der offizielle Lösungsweg für dieses Problem ist der Erwerb des Fluendo DVD Players, denn die kommerzielle Linux-Software bietet einen legalen Codec. Die inoffizielle Möglichkeit ist die Installation des fehlenden DVD-Codecs über ein Programmpaket des Ubuntu-Abkömmlings Medibuntu, der sich auf Multimedia- Anwendungen spezialisiert hat. Ein Installations-Script dafür liefert Mint 15 schon mit, und Sie brauchen in einem Terminal nur

sudo /usr/share/doc/libdvdread4/install-css.sh

auszuführen, um den Codec aus den Medibuntu-Repositories direkt zu installieren.

Browser: Weitere Suchmaschinen für Firefox

Suchanbieter in Firefox nachrüsten: Auf der Webseite www.linuxmint.com/searchengines. php können Sie weitere Suchmaschinen einfach zu Firefox hinzufügen.
Vergrößern Suchanbieter in Firefox nachrüsten: Auf der Webseite www.linuxmint.com/searchengines. php können Sie weitere Suchmaschinen einfach zu Firefox hinzufügen.

Linux Mint 15 bietet im Suchfeld von Firefox die Suchmaschinen von Yahoo und Duck Duck Go, da diese Anbieter die Mint-Entwickler über ein Partnerprogramm an den Einkünften beteiligen. Da Google dies nicht tut, ist die Suchmaschine hier nicht enthalten. Dies lässt sich aber einfach ändern: Gehen Sie in Mint mit Firefox zur Adresse www.linuxmint.com/searchengines. php. Unter „Commercial engines“ finden Sie hier anklickbare Icons zu kommerziellen Suchanbietern wie Microsoft Bing und Google. Nach Klick auf eines der gewünschten Icons gelangen Sie zur einer Unterseite mit einer englischsprachigen Erläuterung zum jeweiligen Suchanbieter. Während Sie auf dieser Seite sind, können Sie im Drop-down-Feld der Suche rechts oben in Firefox den neuen Eintrag „[Suchanbieter] hinzufügen“ auswählen, um ihn in die Suche aufzunehmen.

Cloud: Den Dienst Ubuntu One in Linux Mint nutzen

Nicht ohne „One“: Den komfortablen Cloud-Speicher von Ubuntu können Sie auch unter Mint 15 nutzen. Die nötigen Pakete sind kompatibel, und sogar das Taskleisten-Applet für Ubuntu One lässt sich unter Mint nachrüsten.
Vergrößern Nicht ohne „One“: Den komfortablen Cloud-Speicher von Ubuntu können Sie auch unter Mint 15 nutzen. Die nötigen Pakete sind kompatibel, und sogar das Taskleisten-Applet für Ubuntu One lässt sich unter Mint nachrüsten.

Wer den Cloud-Dienst Ubuntu One nutzt, der in den gewöhnlichen Ubuntu-Versionen integriert ist, braucht auch in Mint 15 nicht darauf zu verzichten. Allerdings müssen Sie dazu ein Paket aus den Ubuntu-Paketquellen nachinstallieren. Der erste Schritt ist die Installation des Einstellungs- Tools für Ubuntu One, was Sie in der Kommandozeile mit

sudo apt-get install ubuntuonecontrol- panel-qt

erledigen. Im Anwendungsmenü finden Sie den neuen Eintrag „Einstellungen > Ubuntu One“, über den Sie ihre Zugangsdaten eingeben. Um in der Taskleiste das Applet für Ubuntu One zu bekommen, besuchen Sie diese Seite , laden von dort das DEB-Paket „indicator-ubuntuone_ 1.0.6-0ubuntu1_i386.deb“ (32 Bit) oder „indicator-ubuntuone_1.0.60ubu ntu1_amd64.deb“ (für 64-Bit-Systeme) herunter und installieren es in der Shell:

sudo dpkg -i [Paketname]

Ab der nächsten Anmeldung am System zeigt das Wolkensymbol in der Taskleiste das übliche Ubuntu-One- Menü zum Verbinden und Trennen an. Nach der Anmeldung am Dienst steht der Ordner „Ubuntu One“ im Dateimanager von Linux Mint 15 zur Verfügung.

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