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Die Tricks von Teamviewer

28.09.2014 | 09:45 Uhr |

Mit dem für private Nutzung kostenlosen Tool Teamviewer greifen Sie von unterwegs aus auf Ihren PC zuhause zu und tauschen Dateien mit ihm aus. Aber wie kommt es eigentlich, dass Teamviewer trotz Router-Firewall und dynamischer IP-Adresse Ihres heimischen Internet-Zugangs so problemlos funktioniert?

Teamviewer ist insbesondere wegen seiner einfachen Bedienung beliebt. Das Tool erfordert quasi keinerlei Konfiguration. Beim ersten Start generiert es eine ID-Nummer, die dauerhaft für diesen PC gilt. Diese Nummer geben diese als "Partner-ID" in die Teamviewer-Installation auf einem anderen PC, Smartphone oder Tablet ein. Schon wird die Verbindung aufgebaut und Sie können auf den entfernten PC zugreifen, fast so, als würden Sie davor sitzen. Auch die Übertragung von Dateien ist auf diesem Weg möglich. Falls Teamviewer automatisch zusammen mit Windows starten soll, lässt sich das über „Verbindung -> Unbeaufsichtigten Zugriff einrichten“ schnell und einfach festlegen.

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Fernzugriff: Heimnetz normalerweise nicht erreichbar

Es ist allerdings bei weitem keine Selbstverständlichkeit, dass Sie so einfach und problemlos von jedem Internetzugang aus auf Ihren PC zuhause zugreifen können. Denn eigentlich sind Netzwerk-Geräte, wenn sie an einen Router angeschlossen sind, für eingehende Verbindungsanfragen nicht erreichbar. Der Grund: Die Rechner im Heimnetz erhalten von der Dhcp-Funktion des Routers interne IP-Nummern zugewiesen, die aus dem Internet nicht erreichbar sind, zum Beispiel 192.168.1.50. Das wiederum liegt daran, dass der Provider dem Router beim Verbindungsaufbau nur eine einzige öffentliche IP-Adresse zuteilt. Mit Hilfe der NAT-Funktion (Network Address Translation) vermittelt der Router die Datenpakete zwischen internem Netz und dem Internet. Die NAT-Funktion merkt sich, welches Netzwerk-Gerät von welchem Server Daten angefordert hat und leitet die Antwort dieses Servers an das Gerät weiter. Eingehende Datenpakete, denen keine Anfrage aus dem internen Netz vorausgegangen ist, verwirft der Router. Denn er weiß ja auch gar nicht, an welches Netzwerk-Gerät er sie weiterleiten soll. Darüber hinaus wacht die in den Router integrierte Firewall darüber, dass keine Daten ins Heimnetz gelangen, die nicht hineindürfen.

Eine weitere Hürde für den Zugriff von außen stellt die wechselnde externe IP-Adresse dar. Die meisten Internet-Tarife für Privatkunden sehen eine Zwangstrennung nach 24 Stunden vor. Bei der anschließenden automatischen Neuverbindung des Routers erhält er eine andere IP-Adresse aus dem Adresspool des Anbieters zugewiesen. Wenn Sie von unterwegs zugreifen möchten, wissen Sie also nicht, unter welcher Adresse Ihr Heimnetz gerade erreichbar ist.

Durchleuchtet: Die Tricks von Teamviewer

Teamviewer umschifft alle diese Zugriffshürden mit einem Trick: Das Tool hält eine permanente Verbindung mit einem Vermittlungs-Server des Herstellers aufrecht. Dieser Server kann dadurch jederzeit Daten durch die NAT-Funktion und die Firewall des Routers hindurch an den PC senden, auf dem das Tool installiert ist. Und kommt es zu einer Verbindungstrennung beziehungsweise Zwangstrennung, baut Teamviewer die Verbindung schnellstmöglich wieder auf. Daher kennt der Vermittlungs-Server auch immer die aktuelle öffentliche IP-Adresse des Routers.

Statt einer IP-Adresse benutzen Sie zum Verbinden von einem anderen Gerät aus die Teamviewer-Identifikationsnummer (ID) des fernzusteuernden Rechners. Diese Nummer wird beim allerersten Verbindungsaufbau mit dem Teamviewer-Server nach der Installation festgelegt und ändert sich nicht. Wenn Sie per Teamviewer von Gerät A aus auf den PC zuhause (Gerät B) zugreifen wollen, verbindet sich A also zunächst mit dem Vermittlungs-Server. Vereinfacht gesagt veranlasst dieser dann über die bestehende Verbindung B dazu, eine weitere Verbindung nach außen zu öffnen. In diese klinkt sich A dann ein. Da dieser Vorgang die ursprünglichen Spezifikationen der NAT-Funktion über die Grenzen hinaus ausreizt, klappt das nicht mit jedem Router. Sollte die Verbindung fehlschlagen, übernimmt der Vermittlungs-Server den Transport der Daten von A nach B und umgekehrt.

So praktisch das ganze Verfahren auch ist: Sie sind damit abhängig von der Verfügbarkeit und gegebenenfalls auch von Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit der Vermittlungs-Server. Auch wenn sich die Server von Teamviewer in der Vergangenheit als zuverlässig und ausreichend schnell erwiesen haben, ist das keine Garantie dafür, dass das auch so bleibt. Es ist auch nicht gesagt, dass Teamviewer für private Nutzung ewig kostenlos bleibt.

Darüber hinaus könnte ein Server, der als Zwischenstation dient, rein theoretisch alle von Ihnen übermittelten Inhalte mitschneiden. Bei Teamviewer scheint diese Sorge allerdings unbegründet, da der gesamte Datenstrom über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abgesichert ist. Der Hersteller belegt  das mit mehreren Zertifikaten externer Prüfinstitute.

Falls Sie trotzdem eine Alternative "Marke Eigenbau" bevorzugen, werfen Sie einen Blick auf unseren Beitrag " Fernzugriff aufs Heimnetz leichtgemacht ".

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