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Die besten Tricks für Desktop-Umgebungen

21.06.2014 | 10:15 Uhr |

Heute sind Gnome, Unity, XFCE, KDE und in einer wachsenden Nische auch Cinnamon auf dem Linux-Desktop verbreitet. Jede Umgebung hat ihre Vorteile – und ein paar Tricks können dazu noch eine Menge verbessern.

Ressourcen-Monitor: Conky-Manager für Ubuntu und Co.

Conky ist ein schicker, aber schlanker Systemmonitor, der dezent mit dem Desktop-Hintergrund verschmilzt und kein eigenes Programmfenster braucht. Aussehen und angezeigte Sensoren können Sie nach Herzenslust anpassen, allerdings nur, wenn Sie Geduld mitbringen: Denn alle Optionen und Parameter für Conky werden in einer Konfigurationsdatei definiert, die ähnlich einer Script-Datei aufgebaut ist.

TIPP: Der Aufwand für die erste Einrichtung machte Conky bisher zu einem Tool für fortgeschrittene Anwender. Denn zahlreiche Versuche, grafische Begleitprogramme zur einfacheren Konfiguration mittels Menüs zu entwickeln, blieben in frühen Betaversionen stecken. Der Conky Manager ist ein neues Tool, das mit neuem Elan diese Aufgabe wieder aufgreift und eine Theme-Verwaltung mit grafischen Menüs für die Feineinstellungen des Systemmonitors bietet. Das Tool geht dabei nicht in die letzten Finessen der Conky-Konfiguration, aber die mitgelieferten Themes liefern einen sehenswerten Ausgangspunkt, und der Conky Manager ist inzwischen aus der Betaphase heraus.

Entwickelt wurde Conky Manager in GTK 3 und Vala, einem Gnome-Dialekt von C. Das Programm steht fertig als Paket für Ubuntu und Varianten zur Verfügung. Über ein PPA (inoffizielles Repository) ist es mit allen abhängigen Paketen auch schnell eingerichtet: Mit dem Befehl

sudo add-apt-repository ppa:teejee2008/ppa

in einem Terminal-Fenster wird das PPA aufgenommen, und die Installation von Conky Manager gelingt dann mit

sudo apt-get update sudo apt-get install conky-manager

Der Systemmonitor Conky wird dabei – falls noch nicht vorhanden – auch gleich mit installiert. Über die Dash-Übersichtsseite (Unity) oder über den Anwendungsmenüpunkt „Zubehör -> Conky Manager“ von Xubuntu und Lubuntu starten Sie das Programm mit „Conky Manager“. Die Konfiguration ist in vier Submenüs unterteilt: Unter „Theme“ wählen Sie einen der mitgelieferten Stile aus; das untere Feld „Widgets“ zeigt zu vielen Themes einzelne Komponenten an, die sich aus- und abwählen lassen. Die Aktivierung eines Themes startet auch gleich Conky. Um Aussehen, Größe und Position von Elementen anzupassen, gibt es auf der Seite „Edit“ wieder ein Auswahlmenü für alle Themes, um Details zum Aussehen festzulegen. In den „Options“ kann man Conky mit der persönlichen Konfiguration automatisch starten lassen.

Anstatt einer üblichen Konfigurationsdatei „.conkyrc“ im Home-Verzeichnis verwaltet der Conky Manager seine Themes im Unterverzeichnis „/conky-manager/themes“. Auf der Entwicklerseite http://teejeetech.blogspot.fr/p/conky-manager.html gibt es weitere Themes zum Download.

Linux-Komfort: Welcher Desktop passt zu Ihnen?

Schlanker, schicker Systemmonitor: Conky hält sich dezent im Hintergrund und nutzt auf Wunsch statt eines Programmfensters die Arbeitsfläche des Desktops zur Darstellung der ausgewählten Daten.
Vergrößern Schlanker, schicker Systemmonitor: Conky hält sich dezent im Hintergrund und nutzt auf Wunsch statt eines Programmfensters die Arbeitsfläche des Desktops zur Darstellung der ausgewählten Daten.

Arbeitsflächen

Mehrere Desktop-Umgebungen starten

Unter Linux ist die grafische Arbeitsumgebung kein exklusiver Prozess: Sie dürfen auch mehrere Instanzen (Sessions) des X-Window-Systems starten, das für die grafische Benutzeroberfläche zuständig ist. Nützlich sind mehrere gleichzeitig laufende X-Sessions dann, wenn Sie zwei verschiedene Desktop-Umgebungen benötigen und zwischen beiden hin- und herschalten wollen. Oder auch, um eine grafische Anwendung, etwa einen Bittorrent-Client, als Hintergrundprozess auszuführen. Mehrere X-Sessions erlauben auch, gleichzeitig unter verschiedenen Benutzerkonten am System angemeldet zu sein.

TIPP: Der erste Schritt zu einer zweiten X-Session führt zunächst auf eine der virtuellen Konsolen, die Sie mit der Tastenkombination Strg-Alt-F2 erreichen. Melden Sie sich dort mit Benutzernamen und Passwort an, und geben Sie dann

startx -- :1

ein, um die standardmäßige Desktop-Umgebung ein weiteres Mal auszuführen. Falls mehrere Desktops verfügbar sind, können Sie diese auch direkt starten: startkde -- :1 ruft beispielsweise KDE auf, und startxfce4 -- :1 ist für XFCE zuständig. Die so laufende X-Session läuft dann auf der zweiten virtuellen Konsole, die sich von einem Text-Terminal in ein X-Window-System verwandelt. Zwischen beiden Sessions können Sie mit den Tastenkombinationen zum Wechsel der virtuellen Konsole umschalten: Bei Debian, Ubuntu und Co. kommen Sie zur normalen X-Session mit Strg-Alt-F7 und zur zweiten Session mit Strg-Alt-F8. In Fedora und Open Suse läuft die erste Session dagegen auf Strg-Alt-F1 und die zweite auf Strg-Alt-F2. Mit diesen Tastenkombinationen können Sie hin- und herschalten.

Einschränkung von Unity: Die Desktop-Umgebung von Unity hat kein ausgereiftes Session-Management, und eine zweite Instanz von Unity wird nicht funktionieren. In diesem Fall brauchen Sie ein zweites Benutzerkonto, um Unity ein zweites Mal starten zu können.

Sprachgewandt: Dieser Einstellungsdialog von KDE installiert die gewählten Sprachpakete automatisch nach. Wenn nur einzelne KDE-Programme installiert sind, erledigen Sie dies manuell über den Paketmanager.
Vergrößern Sprachgewandt: Dieser Einstellungsdialog von KDE installiert die gewählten Sprachpakete automatisch nach. Wenn nur einzelne KDE-Programme installiert sind, erledigen Sie dies manuell über den Paketmanager.

Gnome

KDE-Programme in der richtigen Sprache

Gnome oder KDE: Für viele Anwender stellt sich diese Frage bei der Programmauswahl nicht, da KDEProgramme auch unter Gnome und verwandten Desktop-Umgebungen laufen. Das unschlagbare K3b oder der Dateimanager Krusader sind beide aus der KDE-Programmsammlung, aber auch auf anderen Arbeitsflächen zuhause. Nur starten diese Programme meist nicht in der eingestellten Sprache des primären Desktops, sondern in Englisch.

TIPP: Zwar liegen nicht alle Programme komplett übersetzt vor, bei den Schwergewichten aus der KDE Software Compilation ist die Sprachunterstützung für Deutsch aber bereits seit Jahren ausgezeichnet. Damit sich die Programme nach dem Start von anderen Desktop-Umgebungen in Deutsch zeigen, ist noch die nachträgliche Installation von KDESprachpaketen nötig. Üblicherweise erledigen Sie dies in der Systemsteuerung von KDE mit dem Menüpunkt „Allgemeines Erscheinungsbild und Verhalten -> Regionales -> Sprachen“ beziehungsweise „Common Appearance and Behaviour -> Locale -> Languages“ automatisch. Wenn aber nur wenige KDE-Anwendungen ohne KDE-Arbeitsumgebung installiert sind, dann muss man das Nachladen der Sprachpakete manuell erledigen: Das geht über den Paketmanager der jeweiligen Distribution: Das deutsche Sprachpaket für allgemeine KDE-Anwendungen nennt sich in Ubuntu, Debian und Open Suse „kde-l10n-de“. Für Fedora heißt es „kde-l10n-German“. Für ein übersetztes K3b ist zudem noch die Komponente „k3bi18n“ nötig und für KDevelop das Gegenstück „k3b-i18n“.

Ohne Nepomuk: Wer keine erweiterten Suchfunktionen benötigt, kann den Indexdienst des semantischen KDE-Desktops über die Systemeinstellungen von KDE mit diesen Optionen abschalten.
Vergrößern Ohne Nepomuk: Wer keine erweiterten Suchfunktionen benötigt, kann den Indexdienst des semantischen KDE-Desktops über die Systemeinstellungen von KDE mit diesen Optionen abschalten.

KDE

Nepomuk und Akonadi abschalten

KDE sammelt im Hintergrund Informationsschnipsel und Metadaten, um diese mit Kontakten, Mailadressen und Kalendereinträgen zu verknüpfen. Das Konzept nennt sich „semantischer Desktop“ und will seit KDE 4 Anwendern helfen, Infos und Dokumente schnell zu finden. Wer keine Desktop-Suchfunktionen braucht, kann diesen Indexdienst aber auch abschalten, was KDE auch für ältere PCs attraktiver macht.

TIPP: Die zwei Indexdienste des semantischen Desktops von KDE nennen sich Nepomuk, das für Metadaten des Dateisystems zuständig ist, und Akonadi: Letzteres kümmert sich um Kontakte aller Art wie Mail und Adresseinträge in KDE-Programmen wie KMail. Nepomuk erzeugt dabei naturgemäß mit seinem Dateisystem-Indexer eine höhere Systemlast. In den Systemeinstellungen von KDE können Sie den Indexdienst abschalten, indem Sie unter „Desktop-Suche -> Grundeinstellungen“ die drei Optionen „Nepomuk-Semantik-Dienste aktivieren, „Nepomuk-Datei-Indexer aktivieren“ und E-Mail-Indexer aktivieren“ abschalten. Beachten Sie bitte, dass dies auch die Suchfunktion des Dateimanagers Dolphin betrifft, die dann anschließend nicht mehr zur Verfügung steht.
 
Akonadi, das als Cache für Mailadressen, Kontakt- und Kalenderdaten aller Art funktioniert und weniger Systemlast erzeugt, wird von KDE und KDE-Programmen als Hintergrundprozess gestartet. Eine kleine Anpassung in einer Konfigurationsdatei von KDE kann den automatischen Start verhindern. Öffnen Sie dazu ein Konsolenfenster und geben

akonadictl stop

ein, um Akonadi anzuhalten. Dieser Befehl benötigt keine root-Privilegien. Anschließend öffnen Sie die Datei „~/.config/akonadi/akonadiserverrc“ aus dem Home-Verzeichnis mit einem Texteditor Ihrer Wahl und ändern dort im Abschnitt „[QMYSQL]“ den Eintrag „StartServer=true“ auf „StartServer=false“. Akonadi wird jetzt nicht mehr automatisch starten, was Sie mit dem Befehl akonadictl status überprüfen können. Bei Bedarf können Anwendungen oder Plasma-Widgets Akonadi aber weiterhin ausführen.

Optimale Oberfläche für Gnome und XFCE

Vom "Ausführen"-Dialog in die Shell: Auf den Desktop-Umgebungen Gnome und Cinnamon drücken Sie hier Strg und Enter, um das eingegebene Programm in einem eigenen Terminal-Fenster zu starten.
Vergrößern Vom "Ausführen"-Dialog in die Shell: Auf den Desktop-Umgebungen Gnome und Cinnamon drücken Sie hier Strg und Enter, um das eingegebene Programm in einem eigenen Terminal-Fenster zu starten.

Gnome/Cinnamon

Mit dem Ausführen-Dialog ins Terminal

Der Programmstarter von Gnome 3 und Cinnamon, der auf die Tastenkombination Alt-F2 reagiert, ist schlicht und unscheinbar. Eine Möglichkeit, hier auch Terminal-Programme zu starten, bietet der „Ausführen“ Dialog auf den ersten Blick scheinbar nicht.

TIPP: Wie die „Ausführen“-Dialoge der anderen Desktop-Umgebungen wie KDE und XFCE können auch Gnome und Cinnamon einen Befehl über das Terminal ausführen. Nur ist diese Funktion nicht offensichtlich eine anklickbare Option im Dialog, sondern hinter einer Tastenkombination versteckt: Drücken Sie die Tasten Strg-Enter, um das Programm im Terminal auszuführen. Dies funktioniert übrigens auch mit sudo , um Kommandozeilenprogramme gleich als root auszuführen.

Ausnahme Unity: Obwohl auch Unity viele Gnome-Bibliotheken verwendet, ist der „Ausführen“-Dialog bei dieser Desktop-Umgebung nicht mehr enthalten, und die Tastenkombination Alt-F2 geht stattdessen auf die Dash-Übersichtsseite. Möchte man auch unter Unity eine Abkürzung für Terminal-Programme und Befehle haben, so ist das Programm Guake aus den Standard-Paketquellen Ubuntus eine interessante Alternative, da es bei Bedarf mit der Taste F12 ein Terminal-Fenster ab- und einrollt.

Wieder ein Stück benutzerfreundlicher: Die Shell-Erweiterung „Top Icons“ für Gnome 3 verschiebt die Symbole von laufenden Hintergrundprogrammen aus dem schlecht zugänglichen Infobereich in den oberen Systray.
Vergrößern Wieder ein Stück benutzerfreundlicher: Die Shell-Erweiterung „Top Icons“ für Gnome 3 verschiebt die Symbole von laufenden Hintergrundprogrammen aus dem schlecht zugänglichen Infobereich in den oberen Systray.

Gnome

Systray: Hintergrundprogramme im Panel

Gnome 3 hat den klassischen Systray aus dem Blick verbannt und verschiebt die Symbole laufender Hintergrundprogramme stattdessen in eine Infozeile am unteren Bildschirmrand (Systray). Diese zeigt sich erst, wenn man mit der Maus an den unteren Bildschirmrand fährt. Für die Bedienung von Programmen, die dort ein Symbol ablegen, ist das zu umständlich.

TIPP: Mittlerweile hat sich eine Tradition etabliert, dass Shell-Erweiterungen viele Funktionen in alter Form zurückbringen, die Gnome über Bord wirft oder zu stark abändert. Für das Problem schlecht erreichbarer Systray-Symbole eignet sich die Erweiterung „Top Icons“ die unter https://extensions.gnome.org/extension/495/topicons bereitsteht. Eine Installation über den Paketmanager ist nicht nötig: Es genügt, die Adresse der Extension unter Gnome mit einem Webbrowser wie Firefox oder Gnome Web zu besuchen und dort den Schalter umzulegen. Anschließend muss noch der Download einiger Script-Dateien für Gnome bestätigt werden, bis sich die Programmsymbole dann rechts oben neben den üblichen Symbolen des Gnome-Desktops einblenden.

Wine entkorkt: Der Windows-Ersatz im Detail

Laufwerke verbergen: Partitionen wie eine Boot-Partition von Windows, die Sie nicht einhängen möchten, können Sie im KDE-Dateimanager Dolphin einfach verstecken. Ansonsten hilft auch eine udev-Regel.
Vergrößern Laufwerke verbergen: Partitionen wie eine Boot-Partition von Windows, die Sie nicht einhängen möchten, können Sie im KDE-Dateimanager Dolphin einfach verstecken. Ansonsten hilft auch eine udev-Regel.

Dateisystem

Desktop: Partitionen verstecken

Auf Linux-PCs mit parallel installiertem Windows zeigen sich auch die Windows-Partitionen auf dem Desktop beziehungsweise im Dateimanager. Bei der System- und Datenpartition ist das sinnvoll, da sich das Laufwerk für den Lese- und Schreibzugriff damit schnell bei Bedarf einhängen lässt. Die Boot-Partition ist dagegen kein nützlicher Eintrag. Diese und andere Partitionen können Sie vor der Desktop-Umgebung verstecken.

TIPP: Besonders einfach ist es in KDE, unerwünschte Partitionen einfach auszublenden: Gehen Sie dazu im Dateimanager Dolphin nach einem Rechtsklick auf die entsprechende Partition im Kontextmenü auf den Punkt „[Datenträger] ausblenden“. Ein tieferer Eingriff in die Konfiguration des Gerätemanagers udev bringt den Kernel dazu, vorhandene Partitionen komplett zu ignorieren.

Diese Einstellungen über eine manuell erstellte udev-Regel sind unabhängig vom verwendeten Desktop und benutzerübergreifend. Um eine Partition, hier etwa „/dev/sda2“ zu verstecken, legen Sie mit root-Rechten im Verzeichnis „/etc/udev/rules.d/“ die neue Datei „versteckt.rules“ an und öffnen diese in einem Texteditor. 

Unter Ubuntu und Co. erledigt das zum Beispiel dieser Befehl:

sudo -H gedit /etc/udev/rules.d/versteckt.rules

In die noch leere Datei tragen dann die Regel(n) zum Verstecken von Partitionen ein, in diesem Fall für „/dev/sda2“ etwa

KERNEL=="sda2", ENV{UDISKS_IGNORE}="1"

Nach diesem Schema können Sie auch mehrere Zeilen eintragen, um weitere Partitionen auszublenden. Gültig werden die Regeln nach einem Neustart des Systems. Zum Einblenden der Partition löschen Sie einfach die angelegte Regel-Datei und starten dann das System neu.

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