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Die besten Add-Ons für Gnome 3

05.11.2013 | 11:16 Uhr |

Das stimmige, aber recht eigene Konzept von Gnome 3 hat viele Nutzer vergrault. Doch Gnome 3 ist anpassungsfähig genug, um jedes Manko wieder wett zu machen.

Bei lieb gewonnenen Mauswegen sind PC-Benutzer sehr empfindlich: Ihr Protest hat schon manche Shell-Entwicklung zu einem reumütigen Rückwärtssalto gezwungen. Aktuelle Beispiele gefällig? Gnome hat sich mit Version 3.8 zu einem zusätzlichen „Classic Mode“ durchgerungen, Microsoft wird beim nächsten Windows wieder eine Art Startmenü anbieten. Sachlich berechtigt ist der Aufschrei über missglückte Bedienkonzepte meistens nicht: Moderne Desktop-Umgebungen wie Gnome sind durch Erweiterungen und Tricks so wandelbar und ausbaufähig, dass sich kein Anwender gegängelt fühlen sollte.

1. Das Bedienkonzept von Gnome 3

Wenn man – etwa als Anfänger oder Windows-Umsteiger – voraussetzungslos an Gnome 3 herangeht, ist das Konzept schick und überzeugend: Der Klick auf „Aktivitäten“ oder Drücken der Windows-Taste oder Maus in die Hot Corner links oben – jede dieser Aktionen blendet die Dash-Favoritenleiste links, das Suchfeld oben und die Arbeitsflächenleiste rechts ein. Alle aktiven Tasks der aktuellen Arbeitsfläche erscheinen verkleinert und erlauben schnelle Auswahl des benötigten Programms. Das Icon ganz unten im Dash liefert eine Übersicht mit allen Programmen und praktischen Filterfunktionen. Andererseits verlangt ein Standard- Gnome-3 von PC-Benutzern, die ein klassisches Startmenü gewöhnt sind und Ordner und Programmstarter auf dem Desktop ablegen wollen, dass sie sich komplett umstellen. Aber an dieser Stelle kommen Erweiterungen und Tools ins Spiel, die in Gnome 3 all das integrieren oder beseitigen, was konservative Nutzer vermissen oder was sie stört.

2. Gnome-3-Versionen und Erweiterungen

Gnome-Version ermitteln: Der Terminal-Befehl zeigt die Version der aktuell installierten Gnome-Shell. Erweiterungen sind oft nur mit bestimmten Versionen kompatibel.
Vergrößern Gnome-Version ermitteln: Der Terminal-Befehl zeigt die Version der aktuell installierten Gnome-Shell. Erweiterungen sind oft nur mit bestimmten Versionen kompatibel.

Linux-Distributionen wie Fedora und Open Suse bieten Gnome 3 als Standard- Desktop, auf anderen Distributionen lässt er sich nachinstallieren. Aktuell ist Gnome bei Version 3.8, vielen Distributionen liegt aber noch eine ältere Version bei, so etwa in Ubuntu Gnome 3.6. Wenn Sie vorhaben, das Gesicht von Gnome durch Erweiterungen grundlegend zu ändern, spielt die Version allerdings keine entscheidende Rolle. Die Menge der kompatiblen Erweiterungen ist für ältere Gnome-Versionen sogar etwas größer als für die neueste Version.

Wichtig ist hingegen, dass Sie Erweiterungen erst dann einbauen, wenn Sie sich definitiv für die Gnome-Version entschieden haben: Wenn Sie bereits Erweiterungen verwenden und nachträglich die Gnome-Version updaten, sind eventuell inkompatible Erweiterungen an Bord, welche die Oberfläche schlimmstenfalls einfrieren lassen. Um Ihre aktuelle Gnome-Version zu ermitteln, verwenden Sie im Terminal den Befehl:

gnome-shell --version

Wenn Sie Gnome 3.8 unter Ubuntu 12.04 oder 13.04 installieren möchten, geben Sie im Terminal zunächst diese vier Befehlszeilen ein:
sudo apt-get install gnome-shell sudo add-apt-repository ppa:gnome3-team/gnome3 sudo apt-get update sudo apt-get dist-upgrade

Der erste Befehl installiert Gnome 3.6, mit den anderen Zeilen führen Sie eine Aktualisierung auf Gnome 3.8 durch. Danach installieren Sie mit den drei Zeilen

sudo add-apt-repository ppa:ricotz/testing sudo apt-get update sudo apt-get upgrade

die Gnome-3.8-Pakete. Starten Sie dann das System neu.

Desktop-Delikatessen für Linux

3. Webseite mit gesammelten Erweiterungen

Konfiguration über die Webseite: Die Seite https://extensions.gnome.org bietet nicht nur die Downloads, sondern auch Übersicht, Konfiguration und Deinstallation.
Vergrößern Konfiguration über die Webseite: Die Seite https://extensions.gnome.org bietet nicht nur die Downloads, sondern auch Übersicht, Konfiguration und Deinstallation.

Die immer noch als „Beta“ bezeichnete englischsprachige Webseite https://extensions.gnome.org/ versammelt aktuell etwa 400 Erweiterungen. Standardmäßig erhalten Sie beim Besuch aber nur diejenigen Extensions angezeigt, die mit Ihrer Gnome-Version kompatibel sind. Diesen praktischen Filter können Sie theoretisch entfernen, indem Sie auf „Current version“ klicken und dann „All versions“ anwählen. Dies hat aber nur den Zweck zu prüfen, ob Ihnen eine unentbehrliche Erweiterung dadurch entgeht, dass Sie eine nicht kompatible Gnome-Version verwenden.

Jede Extension hat eine knappe, meist sehr knappe Beschreibungsseite, die hauptsächlich von den Nutzerbewertungen lebt. Links oben steht ein virtueller Schiebeschalter auf „Off“: Nach Umschalten auf „On“ folgt die Installationsbestätigung, und damit ist die Erweiterung bereits installiert und aktiv. Die kleinen Tools, in der Mehrzahl Javascripts, landen dabei im Verzeichnis „~/.local/share/gnome-shell/ extensions/“. Damit einhergehende Änderungen an der Gnome-Shell werden sofort und in der Regel ohne Neustart der Shell wirksam.

Die Seite https://extensions.gnome.org/ bietet die Erweiterungen aber nicht nur zum Download an, sondern dient auch als Übersichtsseite für bereits installierte Erweiterungen, wenn Sie auf der Hauptseite den Link „Installed extensions“ anklicken. Auf der Unterseite „Installed Extensions“ können Sie eine aktive Erweiterung mit dem Schiebeschalter deaktivieren oder mit rotem Uninstall-Link ganz links auch wieder komplett entfernen. Eine ganze Reihe kleiner Gnome-Erweiterungen lassen sich zudem über das blaue Werkzeug-Symbol konfigurieren. Sofern eine Erweiterung diesen Konfigurationslink anbietet, sollten Sie dies in jedem Fall nutzen.

4. Jede Menge nützlicher Kleinkram

Frippery Menu und Dash to Dock: Das relativ puristische Menü lässt sich durch das Favoriten-Dock ergänzen.
Vergrößern Frippery Menu und Dash to Dock: Das relativ puristische Menü lässt sich durch das Favoriten-Dock ergänzen.

Viele der auf https://extensions.gnome.org/ angebotenen Erweiterungen ändern nur winzige Details – aber genau solche, die Benutzer bei Gnome 3 nachhaltig nerven. Zu diesen Kleinigkeiten gehören unter anderem folgende Tools:

Frippery Move Clock verschiebt die dominante Zeitanzeige von der Mitte des Haupt-Panels nach rechts zum Benutzermenü.

Remove Accessibility verrichtet ebenfalls nützliche Kosmetik: Es entfernt das bei den meisten Nutzern unnötige Symbol, das die Einstellungen zur Barrierefreiheit anbietet.

Settings Menu erhält nach der Installation ein Werkzeug-Icon im Panel und zeigt auf Mausklick alle Punkte, die Sie umständlicher auch unter den „Systemeinstellungen“ vorfinden. Die einzige Option, die das Tool anbietet, ist das Ein- und Ausschalten der Kategorien. Sind diese deaktiviert, erscheinen alle Einträge in einfacher alphabetischer Liste.
Diverse Erweiterungen für das Benutzermenü: Das Standardmenü gewinnt durch einige neue Einträge deutlich an Funktionalität. Empfehlenswert ist in jedem Fall das Alternative Status Menu, das dem Standardmenü neben „Abmelden“, Sperren“, „Ausschalten“ die wichtige Option „Bereitschaft“ hinzufügt. Um Gnome und die installierten Erweiterungen umweglos konfigurieren zu können, empfiehlt sich ferner Advanced Settings , das lediglich das Gnome Tweak Tool im Benutzermenü verlinkt und damit schnell zugänglich macht. Echte Bastler werden gleich das Settings Center in das Benutzermenü einhängen, das neben dem Gnome Tweak Tool auch den „Desktop Config Editor“ (dconf-editor) und den „Gnome Konfigurationseditor“ (gconf-editor) integriert. Beachten Sie, dass die Erweiterung nur die Links integriert: Wenn sich die Tools nicht an Bord befinden, geht der Aufruf ins Leere. Dann sollten Sie die gewünschten Editoren manuell nachinstallieren (etwa mit sudo apt-get install gconf-editor).

Places Status Indicator ist eine schnelle Navigationshilfe im Dateisystem. Die Erweiterung erstellt ein neues Icon im Panel und zeigt gemountete Datenträger und die wichtigsten Hauptordner – ähnlich dem alten „Orte“-Menü von Gnome 2. Das zusätzliche Symbol der Erweiterung Removable Drive Menu erweist sich neben dem Tool Places Status Indicator als unnötig.

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5. Alternative Menüs statt der „Aktivitäten“

Erweiterung Gno Menu: Diese schicke Alternative zu den „Aktivitäten“ hat alles, was konservative Benutzer von einem klassischen Startmenü erwarten – einschließlich Suchfeld.
Vergrößern Erweiterung Gno Menu: Diese schicke Alternative zu den „Aktivitäten“ hat alles, was konservative Benutzer von einem klassischen Startmenü erwarten – einschließlich Suchfeld.

Für das oft verschmähte „Aktivitäten“- Menü gibt es eine ganze Reihe von Alternativen – von puristisch bis opulent. Die zum Teil redundanten Erweiterungen zu einer optimalen Einheit zu kombinieren, erfordert ein paar Versuchsläufe. Folgende Erweiterungen gehören in die engere Wahl und harmonieren zum Teil auch gut:

Als klassische, aber opulente Menü- Alternativen stehen insbesondere das Axe Menu und das Gno-Menu zur Wahl. Mindestens eines der beiden sollte mit Ihrer installierten Gnome- Version kompatibel sein. Beide bieten große und grafisch ansprechende Riesenmenüs mit integriertem Suchfeld, die nichts zu wünschen übrig lassen. Bei der Wahl einer dieser wuchtigen Erweiterungen werden weitere Menü- Angebote weitgehend überflüssig.

Puristisch-funktional, schlank und schnell ist das Frippery Applications Menu mit klassischen, ausklappbaren Kategorien. Es ist gut kombinierbar mit Dash to Dock.

Dash to Dock platziert eine feste oder ausblendbare vertikale Favoritenleiste an den linken Bildschirmrand. Bedienung und Bestückung sind mit dem Unity-Panel vergleichbar. Die Erweiterung ist vergleichsweise großzügig konfigurierbar über die Webseite oder das Gnome Tweak Tool: Unter anderem können Sie Symbolgröße und Transparenz bestimmen und entscheiden, ob das Dock nur laufende Tasks, nur Favoriten oder beides anzeigen soll.

Taskbar nennen sich zwei verschiedene Gnome-Erweiterungen: Jene von „zpydr“ ist eine nützliche und konfigurierbare Ergänzung, die oben im Panel alle laufenden Tasks als Icon darstellt, damit den schnellen Wechsel vereinfacht, außerdem einen Arbeitsflächen- Umschalter und den Aufruf des „Aktivitäten“-Menüs vorsieht. Position und Icon-Größe sind variabel.

6. Praktische Infos und Ergänzungen

Erweiterung Weather: Dieses Info-Tool erhält sein eigenes Icon im Panel und tut genau das, was der Name verspricht.
Vergrößern Erweiterung Weather: Dieses Info-Tool erhält sein eigenes Icon im Panel und tut genau das, was der Name verspricht.

Drop Down Terminal: Auf einen Tastendruck (Standard ist die Taste über Tab, also die Caret-Taste) wird ein Bash-Terminal heruntergeklappt, das beim erneuten Drücken des Hotkeys wieder verschwindet. Die Erweiterung ist konfigurierbar, was Größe und Transparenz des Fensters betrifft.
Media Player Indicator integriert die wichtigsten Controls des Mediaplayers unter das Standardsymbol „Lautstäke“. Ähnlich wie bei der Unity- Oberfläche können Sie damit den Player anhalten oder zu anderen Stücken springen. Die Erweiterung arbeitet mit allen prominenten Playern wie Rhythmbox, Banshee oder Clementine zusammen.
Weather: Diese Erweiterung bietet Wetterinformationen via Yahoo Weather. Über „Einstellungen für Wetter“ können Sie Ihren Wohnort oder auch mehrere Orte hinzuzufügen. Die zweite Option „Aktualisiere Wetterdaten“ tut genau das, was sie verspricht.
Brightness Control ist insbesondere auf Notebooks praktisch: Die Erweiterung erscheint als zusätzliches Icon im Haupt-Panel und ermöglicht schnelle Helligkeitsanpassung – optional auch über eine globale Tastenkombination.

No Topleft Hot Corner bewahrt Gnome- 3-Hasser vor dem versehentlichen Auslösen der „Aktivitäten“ mit der Maus. Die Erweiterung schaltet nämlich die „Hot corner“ in der linken oberen Bildschirmecke ab.

Tipp: Unentbehrliches Gnome Tweak Tool

Das Gnome-Tweak-Tool greift Ihnen bei der Verwaltung der Erweiterungen unter die Arme.
Vergrößern Das Gnome-Tweak-Tool greift Ihnen bei der Verwaltung der Erweiterungen unter die Arme.

Um ein Paket von 10 bis 20 Erweiterungen zu verwalten, werden Sie nicht immer die Webseite https:// extensions.gnome.org/ aufsuchen wollen. Eine unentbehrliche Ergänzung mit weiteren Einstellungsmöglichkeiten ist das Gnome Tweak Tool. Falls bislang nicht vorhanden, ist es etwa in Ubuntu mit
apt-get install gnometweak- tool

ruckzuck nachinstalliert. Sie können es im Terminal mit gnometweak- tool starten, bequemer ist es freilich, die Erweiterung „Advanced Settings“ in „UserMenu“ zu installieren. Dann starten Sie das Tool mit zwei Klicks über das Benutzermenü.

Das Tool zeigt unter „Shell-Erweiterungen“ alle installierten Erweiterungen. Sie können dort jede deaktivieren und – soweit vorhanden – über das Werkzeug-Symbol konfigurieren. Über die Optionen der Webseite hinaus finden Sie hier in der Rubrik „Arbeitsoberfläche“ aber auch die Möglichkeit, Icons am Desktop abzulegen oder in den Rubriken „Schriften“ und „Thema“ die Optik der Benutzerschnittstelle zu ändern.

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