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Die Ubuntu-Shell Unity im Überblick

05.08.2014 | 11:09 Uhr |

Unity präsentiert ein puristisches Bedienkonzept, das jeder Nutzer auf Anhieb versteht. Der Fokus auf das Wesentlichste hat nicht allein den Einsteiger im Visier, sondern auch Geräteklassen jenseits des PCs, also Tablets und Smartphones.

Unity ist seit mehr als zwei Jahren, nämlich seit Version 11.04, der Standard-Desktop von Ubuntu. Ursprünglich wurde die einfache Oberfläche für die spezialisierte Netbook-Edition von Ubuntu entwickelt. Der generelle Einsatz von Unity auf allen Geräten markierte insbesondere für Desktop-PCs eine Simplifizierung, die viel Kritik auslöste. Ubuntu verlor seither viele Anwender insbesondere an Linux Mint mit seinem klassischen Desktop-Bedienkonzept. In der Tat bezahlt der Unity-Nutzer den intuitiven Bedienkomfort mit dem Preis sehr geringer Anpassungsmöglichkeiten. Hinzu kommt die Tatsache, dass diese Oberfläche zwar sehr einfach erscheint, aber eher hohe Ansprüche an die Hardware erhebt.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 4/2014

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Unity-Konfigurationswerkzeug: Die „Systemsteinstellungen“ sind nicht nur in der Gesamtsicht überschaubar, sondern bieten auch je einzeln wenig Optionstiefe.
Vergrößern Unity-Konfigurationswerkzeug: Die „Systemsteinstellungen“ sind nicht nur in der Gesamtsicht überschaubar, sondern bieten auch je einzeln wenig Optionstiefe.

1. Konzept und Funktionsumfang

Die Bedienung erfolgt über zwei Standardleisten, die Starter-Leiste links und das Hauptpanel oben. Die auf der linken Seite fixierte Starter-Leiste ist eine Kombination aus Taskleiste und Favoritenleiste: Sie zeigt die aktuell laufenden Programme und dauerhaft die wichtigsten Programmfavoriten. Das oberste Symbol in der Starter-Leiste mit dem Ubuntu-Logo öffnet das Dashboard, kurz Dash. Das Dash-Symbol ist fix und positionell unverrückbar. Es handelt sich um die Suchzentrale für Programme und Dateien.

Das Hauptpanel am oberen Rand ist ebenfalls fixiert und bietet ganz rechts das wichtige Sitzungsmenü sowie weitere Indikatoren wie die Zeitanzeige oder den Netzwerkstatus mit WLAN-Auswahl. Dieser Bereich mit den Indikatoren ist durch externe Module erweiterbar, allerdings bietet das Hauptpanel dies nicht selbständig an.
 
Anders als etwa Gnome oder KDE bringt der Unity-Desktop keine selbst entwickelte Software mit. Der Nutzer bekommt bei einer Ubuntu-Standard-Installation die üblichen Verdächtigenwie Firefox oder Libre Office präsentiert. Für Unity angepasst sind der Dateimanager Nautilus („Dateien“) und das Gnome-Control-Center („Systemeinstellungen“), und zwar wieder typisch auf das Wesentlichste reduziert. Sie bieten aber alle fundamentalen Funktionen.

Der Unity-Desktop - Grundlagen und Tricks

Klassisches hierarchisches Menü: Als Ergänzung zur Dash-Suche lässt sich im Hauptpanel dieses zusätzliche Indikator-Modul nachrüsten.
Vergrößern Klassisches hierarchisches Menü: Als Ergänzung zur Dash-Suche lässt sich im Hauptpanel dieses zusätzliche Indikator-Modul nachrüsten.

2. Hardware-Ansprüche und Speicherbedarf

Unity nimmt sich beim Start noch moderate 80 bis 90 MB, der Verbrauch wächst aber im laufenden Betrieb. Ein Ubuntu-basiertes System mit 32 Bit und mit Unity fordert typischerweise ab Start etwa mit 250 bis 300 MB, im laufenden Betrieb dann mindestens 350 bis 400 MB. Auf 64-Bit-Systemen sind auch 500 MB und mehr üblich. Diesen wachsenden Speicherbedarf hat zwar nicht Unity selbst, aber der Fenster-Manager Compiz zu verantworten, der dem Desktop untergeordnet ist. Da Compiz ferner einen 3D-Grafikchip mit Hardware-Beschleunigung fordert, ist Unity trotz seiner äußeren Schlichtheit kein Leichtgewicht. Es hat seinen Platz auf PCs und Notebooks mit mindestens durchschnittlicher Ausstattung. Eine frühere Unity-2D-Variante, die auch ohne 3D-Beschleunigung auskommt, wurde inzwischen ersatzlos gestrichen.

3. Konfiguration und Anpassung

Was Unity selbst unter den „Systemeinstellungen“ anbietet, genügt für die Basiskonfiguration mit Monitor-Setup, Druckereinrichtung, Spracheinstellung, Energieverwaltung, Benutzerverwaltung oder Auswahl des Hintergrundbilds. Die wichtige Option, proprietäre (Grafik-)Treiber einzurichten, findet sich unter „Systemeinstellungen -> Software & Aktualisierungen -> Zusätzliche Treiber“. Darüber hinaus gibt sich die Oberfläche hermetisch und zeigt wenig Entgegenkommen, die vorgegebenen Standards zu ändern.

Wer mit Unity zufrieden ist, aber nicht unbedingt mit allen seinen Standards, muss auf bewährte Zusatz-Tools ausweichen. Mit dem Unity Tweak Tool steht ein bewährtes Werkzeug bei Fuß, um der Oberfläche auf die Sprünge zu helfen. Dieses ist mit dem folgendem Terminal-Befehl

sudo apt-get install unity-tweaktool

schnell installiert. Einstellungen, die über optische Anpassungen hinausgehen, finden Sie insbesondere unter „Fensterverwaltung“ und „System“. Hier richten Sie etwa die Anzahl der virtuellen Desktops („Arbeitsflächen-Einstellungen“), die Funktion der „Aktiven Ecken“ oder das Einrastverhalten von verschobenen Fenstern ein. Unter „System“ definieren Sie Standardsymbole wie Papierkorb oder Netzwerk für den Desktop. Ein wichtiger Punkt ist ferner „Erscheinungsbild -> Schriften“, um mit einer kleineren oder größeren „Standardschrift“ die Darstellung aller Menüs und Icon-Beschriftungen zu ändern.

Auch die sogenannten Indikatoren im rechten Bereich des Hauptpanels lassen sich sinnvoll erweitern. So gibt es ein klassisches, in Kategorien sortiertes Menü („classicmenu-indicator“) oder eine einfache Systemlastanzeige („indicator-multiload“). Diese nützlichen bis notwendigen Erweiterungen sind im Ubuntu-Software-Center mit dem Stichwort „indicator“ zu finden, namentlich bekannte Erweiterungen sind auch auf der Kommandozeile schnell installiert (etwa das klassische Menü mit sudo apt-get install classicmenu-indicator ).

Ubuntu auch ohne Unity? So geht's

4. Installation in populären Distributionen

Die Integration von Unity außerhalb Ubuntu ist zwar theoretisch möglich, aber meist mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden. Aus diesem Grund haben sich sowohl Fedora wie Open Suse von der Unterstützung dieser Oberfläche distanziert. Selbst auf DEB- und Ubuntu-basierten Distributionen wie Linux Mint genügt es in der Regel nicht, den Desktop einfach mit

sudo apt-get install ubuntu-desktop

nachzuinstallieren. So kursiert etwa für Linux Mint folgende erweiterte Installationsanweisung:

sudo apt-get install unity unityscope-askubuntu unity-lens-applications unity-webapps-bbcnews unity-greeter ubuntu-desktop

Jedoch fehlen auch danach noch wichtige Elemente, insbesondere die Indikatoren im Hauptpanel. Mindestens das Sitzungsmenü mit den Shutdown-Optionen sollte mit

sudo apt-get install indicator-session

zusätzlich nachinstalliert werden.

Steckbrief Unity
Webseite: http://unity.ubuntu.com/
Aktuelle Version: 7.2.0 vom 2. April 2014
Zielgruppe: Anfänger, Software-orientierte Nutzer
Ressourcenbedarf: hoch
Anpassungsfähigkeit: ausreichend (Basics)
Repräsentative Distribution: Ubuntu 14.04 ( www.ubuntu.com )

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