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Die Tricks der App-Mafia - und wie man sie umgeht

29.01.2014 | 10:51 Uhr |

In den App-Stores von Google und Apple wirkt vieles auf den ersten Blick kostenlos. Doch oft werden Tricks in ihre Spiele eingebaut, die Ihnen das Geld aus der Tasche ziehen sollen.

In Grossbritannien kauft ein Sechsjähriger für über 3000 Euro virtuelles Obst am iPad seiner Mutter. Andere User verlieren ihre Investitionen, da sich ein Spiel nicht auf ein neues Handy übertragen lässt. Die Tricks mancher App-Entwickler sind ebenso einfallsreich wie gewissenlos. Wir haben die häufigsten Abzockermethoden zusammengetragen.

Fortsetzungstrick: Weiter geht es nur mit Geld

„Marvel: War of Heroes“ ist ein Kampf-Kartenspiel von Mobage, einem für In-Game-Käufe berüchtigten japanischen Spieleanbieter. Ziel des Spiels ist es, ein möglichst mächtiges Karten- Deck zusammenzustellen, dem die Decks der anderen Mitspieler unterlegen sind. Dazu können Sie sogenannte Rare Decks, also Decks mit seltenen (das heißt überlegenen) Spielkarten, gegen echtes Geld kaufen.

Und ohne diese Rare Decks ist ein Weiterkommen schnell unmöglich. Brisantes Detail: In der letzten Zeit häufen sich in den Kommentaren im Play Store Äußerungen, wonach die Sonderkarten entweder nutzlos sind oder aber bei Kämpfen nicht funktionieren.

In Candy Crush Saga können Sie für echtes Geld Dinge und Leben kaufen. Immerhin lassen sich die Käufe wiederherstellen, falls Sie Ihr Handy wechseln.
Vergrößern In Candy Crush Saga können Sie für echtes Geld Dinge und Leben kaufen. Immerhin lassen sich die Käufe wiederherstellen, falls Sie Ihr Handy wechseln.

Ein weiteres Beispiel für „Weiter nur gegen Bares“ ist das Match-3-Spiel „Candy Crush Saga“ von King, bei dem Sie Spielfelder, aber auch Zusatzleben gegen Geld freischalten können. Zwar bietet die App auch die Möglichkeit, beides von Ihren Facebook-Freunden oder zumindest ein Zusatzleben durch eine Spielpause zu erhalten. Das braucht aber seine Zeit und wird spielhungrige Anwender früher oder später zur Bezahlmethode bringen.

Unser Tipp: Lassen Sie sich nicht in die Bezahlfalle treiben. Falls Ihre Geduld nicht mehr ausreicht, dann suchen Sie sich lieber ein anderes, wirklich kostenloses Spiel, anstatt Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen. Ein empfehlenswertes Match-3- Spiel ist hier beispielsweise „Gems Journey“.

Fiese Abzocke: Taugenichts-App für iOS

Kindersicherung: Um zu vermeiden, dass Ihr Kind In- Game-Käufe tätigt, deaktivieren Sie diese Funktion.
Vergrößern Kindersicherung: Um zu vermeiden, dass Ihr Kind In- Game-Käufe tätigt, deaktivieren Sie diese Funktion.

Unwissenheitstrick: Kinder als Zielgruppe

Das prominenteste Beispiel liefert das Schlümpfespiel „Smurfs’ Village“ vom Capcom-Ableger Beeline Interactive, das es für Android und iOS gibt. Hier geht es darum, mithilfe von Papa Schlumpf Schlumpfhausen wieder aufzubauen, das vom fiesen Gargamel zerstört wurde. Um dies zu erreichen, benötigen Sie verschiedene Gegenstände, die Sie wiederum mit Schlumpfbeeren kaufen.

Diese Schlumpfbeeren finden Sie im Spiel – aber nur in homöopathischen Mengen. Da lockt schon mal der Zukauf gegen bare Münze. Und hier lauert die Falle: Spielt Ihr Kind das Spiel am iPad oder iPhone, kann es – sofern Sie die Default-Einstellung nicht geändert haben – ohne Passwort Schlumpfbeeren kaufen.

Ähnlich funktioniert die Abzockermasche bei „Talking Tom“, dem sprechenden Kater. Die App, die insbesondere Kinder anspricht, beinhaltet Werbung und andere Schaltflächen, die den Spieler zu kostenpflichtigen Angeboten führen. Das böse Erwachen kommt dann bei der Kreditkartenabrechnung.

Tierpflege-Apps mit In-Game-Käufen sprechen dagegen das Mitgefühl der Kinder an und sind deshalb besonders verwerflich. Sie funktionieren nach dem Motto: „Wenn Du dem Tier kein Futter kaufst, muss es verhungern“.

Unser Tipp: Deaktivieren Sie auf Ihrem Gerät die In-App-Käufe. Bei Apple-Geräten finden Sie die Option unter „Einstellungen > Allgemein > Einschränkungen“. Android-Anwender öffnen dazu auf Ihrem Smartphone die Play- Store-App und setzen in den Einstellungen den Haken bei „Passwort zur Beschränkung von Käufen verwenden“. Und wenn Sie Ihrem Nachwuchs mit einem kostenlosen Spiel eine Freude machen möchten, empfehlen wir den Tamagotchi-Klon Pou. Darin können Sie zwar auch Gegenstände kaufen, müssen es aber nicht und werden auch nicht dazu verleitet.

Exklusivitätstrick: Spiele an ein Gerät binden

Diese Methode nutzt den technischen Fortschritt aus: Besitzen Sie ein neues Smartphone, weil das alte zu langsam geworden oder gar kaputtgegangen ist, heißt es, von den Spielinvestitionen Abschied nehmen. Denn viele Spiele sind an ein Gerät gebunden, die Spielstände lassen sich also nicht auf ein anderes Gerät übertragen. Ein Beispiel für diese Gerätebindung ist die App „Die Simpsons: Springfield“ von Electronic Arts. Gleich zu Beginn werden Sie zwar aufgerufen, sich mit Ihrem Origin-Konto anzumelden. Dass dieses erforderlich ist, um ein Spiel von einem Gerät auf ein anderes zu übertragen, erfährt der Spieler allerdings nicht. Die Konsequenz ist, dass eventuell gekaufte Donuts – die die gleiche „Währungs“- Funktion und die gleiche Häufigkeit aufweisen wie die zuvor genannten Schlumpfbeeren – dann weg sind.

Unser Tipp: Für den Fall, dass Sie In-Game- Gegenstände gekauft haben und jetzt mit dem Spiel auf ein aktuelle- res Handy umziehen möchten, sollten Sie Ihren Spielstand mit einer App wie beispiels- weise Helium sichern und auf dem neuen Gerät wiederherstellen.

Betrug im Internet: Die 10 fiesesten Online-Fallen

Mafia-Wars-Erfinder Roger Dickey über die Monetarisierung von Spiele-Apps

Anlässlich eines Kongresses zum Thema Spiele-Monetarisierung im Jahr 2011 äußerte sich der ehemalige Zynga-Mitarbeiter Roger Dickey in einem Vortrag dazu, wie Zynga vorgeht, um seine Spieler dazu zu bringen, in den Games Geld auszugeben. Dabei definierte er vorab die drei Eckpfeiler einer Spiele-App, von denen ihr Erfolg abhängt:

„Reach“ oder die Reichweite: Wie viele Menschen erreicht die App, sei es durch das Spiel selbst oder durch die Erwähnung in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter?

„Retention“ oder die Beibehaltung: Wie viele Menschen bleiben regelmäßige Spieler?

„Revenue“ oder der Erlös: Wie viel Geld bringt die App ein?

In diesem Zusammenhang prägte Dickey den Begriff des „Fun Pain“, der den Spieler stets begleitet. Damit ist die Mischung aus Freude und leicht genervtem Ärgernis gemeint, die auftritt, wenn man beispielsweise in Zyngas Spiel „Farmville“ ein großes Feld stückchenweise bestellen muss. Abhilfe schafft ein Traktor, der vier Felder auf einmal schafft – aber natürlich nicht kostenlos erhältlich ist. Der nächste Schritt sind Spezialgegenstände, die man sich über einen langen Spielzeitraum erarbeiten kann (kostet Nerven). Alternativ lassen sie sich von Freunden erbetteln (kostet deren Nerven). Oder man wählt den einfachsten Weg und kauft die Spezialgegenstände (kostet Geld). Früher oder später landet der Spieler normalerweise bei Weg 3.

Grundsätzlich würden Spieler Dickey zufolge In-Game-Käufe tätigen, um folgende Ziele zu erreichen: Zurschaustellung der eigenen Identität gegenüber den anderen Spielern, exklusive und limitierte Gegenstände oder Funktionen, Vorsprung gegenüber der Konkurrenz (vor allem Männer), Spaß, Hilfe für Mitspieler, Geheimnisvolles und Unbekanntes sowie zum Weiterführen der Handlung. Ein Video des Vortrags finden Sie hier .

Kann man gekaufte Spiele auch zurückgeben?
Vergrößern Kann man gekaufte Spiele auch zurückgeben?

Was tun bei versehentlichen In-Game-Käufen?

Viele Möglichkeiten bieten sich Ihnen in diesem Fall leider nicht. Insbesondere Android-Anwender schauen hier in die Röhre.

  • Kontaktieren Sie die Entwickler und schildern Sie den Sachverhalt. Vielleicht erreichen Sie dadurch eine Rückerstattung. Apple beispielsweise gewährt pro Account eine Rückerstattung.

  • Kinder bis 6 Jahre sind laut § 104 Nr. 1 BGB nicht geschäftsfähig, Kinder von 7-17 Jahren noch nicht voll geschäftsfähig. Hier bedarf es der elterlichen Zustimmung, um einen Kaufvertrag rechtskräftig zu machen. Hat also Ihr Jüngster Schlumpfbeeren eingekauft, verweigern Sie schriftlich die Zustimmung beim App-Entwickler oder bei Apple (falls iOS-Version) und weisen Sie dabei auf den entsprechenden Paragraphen hin.

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