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Die Neuerungen in Open Suse 13.1

16.04.2014 | 10:17 Uhr |

Trotz seines grafischen Konfigurations-Tools Yast verblasste Open Suse zuletzt im Schatten der Konkurrenz. Die Version 13.1 erhält mit überfälligen Umbauten wieder mehr Aufmerksamkeit.

Nach acht Monaten Entwicklungszeit ist pünktlich eine frische Version von Open Suse fertig geworden, die mit großen Umbauarbeiten beim gewohnten Konfigurations-Tool Yast beginnt. Davon abgesehen geht es bei Open Suse 13.1 um die konsequente Aktualisierung von Software und Systemkomponenten. Was der Distribution dabei gut bekam, war eine Umstellung der nötigen Testläufe auf ein systematisches Verfahren, das für eine höhere Stabilität des Desktops und seinen Komponenten sorgt. Eine Baustelle bleibt allerdings noch das Thema UEFI, das auch bei vielen anderen Distributionen noch nicht ganz reibungslos funktioniert.

Mehrere Monitore im Griff: KDE 4.11.2 liefert in den Systemeinstellungen das neue Tool Kscreen mit, das die angeschlossenen Bildschirme zeigt und konfiguriert.
Vergrößern Mehrere Monitore im Griff: KDE 4.11.2 liefert in den Systemeinstellungen das neue Tool Kscreen mit, das die angeschlossenen Bildschirme zeigt und konfiguriert.

Sprung: Von Version 12.3 direkt auf 13.1

Wo ist die Version 13.0 geblieben? Es gibt schlicht keine: Nach dem eigenwilligen Versionierungsschema von Open Suse wird 13.0 übersprungen, da es Nummern mit Nullen nicht mehr geben soll. Dies soll verdeutlichen, dass es sich nicht um eine neue Hauptversion handelt, sondern eine Weiterentwicklung des Vorgängers. Die Nummerierung wurde in der Entwicklergemeinde lang und kontrovers diskutiert, hat sich aber schließlich seit Open Suse 12.1 durchgesetzt.

Die vorliegende Version von Open Suse ist eine „Evergreen“-Ausgabe. Dies ist mit den LTS-Versionen von Ubuntu zu vergleichen, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren mit Updates und Sicherheits-Patches versorgt werden. Bei Open Suse 13.1 beträgt der Support-Zeitraum insgesamt 36 Monate und wird daher bis November 2016 gelten. Allerdings wird es dazu nötig, nach dem Ablauf des normalen Unterstützungszeitraums die Repositories manuell auf eine neue Adresse zu ändern. Eine dafür nötige Anleitung wird im Mai 2015 auf http://en.opensuse.orgopenSUSE:Evergreen veröffentlicht.

Neue Taskleiste: In KDE 4.11.2 sind die Panels mit Qtquick und dessen Beschreibungssprache QML neu geschrieben. Die Panels in Open Suse erscheinen jetzt deutlich aufgeräumter.
Vergrößern Neue Taskleiste: In KDE 4.11.2 sind die Panels mit Qtquick und dessen Beschreibungssprache QML neu geschrieben. Die Panels in Open Suse erscheinen jetzt deutlich aufgeräumter.

KDE-Desktop: Natürliches Habitat von Open Suse

Open Suse ist traditionell eine Vorzeige-Distribution für KDE, auch wenn mittlerweile auch längst Gnome 3, XFCE und LXDE in den Paketquellen verfügbar sind. Seit den frühen Tagen von Suse Linux dient KDE als Standard-Desktop, und es standen einige KDE-Entwickler mehrere Jahre in einer Festanstellung bei Suse und später bei Novell. Das frische KDE, das in der Version 4.11.2 vorliegt, ein eher bescheidener Sprung von KDE 4.10.5 der Vorgängerversion, liefert eine von Grund auf in Qtquick neu geschriebene Taskleiste mit verbessertem Audiomixer. Der Kwin Window-Manager hat Unterstützung für Open GL 3.1 bekommen, was für optimierte Effektanimationen und bessere Unterstützung für den Multi-Monitor-Betrieb sorgt. Für letzteren gibt es das neue Konfigurations-Tool Kscreen, das beim Anschluss von Bildschirmen, TVGeräten oder Beamer die Orientierung, Position und Auflösung komfortabler ändern kann. Generell spricht Open Suse eher Desktop-Anwender an, auch wenn es nicht ganz ausgeschlossen ist, das System mit Einarbeitungszeit als Server zu betreiben.

Fünf aktuelle Linux-Distributionen im Vergleich

Open Suse hat Libre Office 3.6 in Rente geschickt: Zu den wichtigeren Updates gehört Libre Office 4.1, das vorher für Open Suse nur in inoffiziellen Paketquellen zur Verfügung stand.
Vergrößern Open Suse hat Libre Office 3.6 in Rente geschickt: Zu den wichtigeren Updates gehört Libre Office 4.1, das vorher für Open Suse nur in inoffiziellen Paketquellen zur Verfügung stand.

Neues in der Software-Ausstattung

Das vorinstallierte Standard-Repertoire an Anwendungen bietet alles, um auf einem typischen PC-Arbeitsplatz gleich nach der Installation loszulegen zu können: Als Browser wird Firefox 25 mitinstalliert. Libre Office liegt in Version 4.1 vor – ein wichtiges Updates zur veralteten Version 3.6 des Vorgängers. Bei den verfügbaren Software-Paketen bietet Open Suse weniger Auswahl als Debian, Ubuntu und Fedora: Rund 1000 Programme in fast 12 000 Paketen bieten die Standard-Paketquellen. Dies sind aber sinnvoll ausgewählte Standardanwendungen, die vor allem Desktop-Anwender bedienen. Fortgeschrittene Anwender, Administratoren und Software-Entwickler, denen das Standardrepertoire von Open Suse nicht reicht, finden inoffizielle Pakete und Betaversionen über den Open Suse Build Service . Eine der Besonderheiten ist, dass sich Pakete zusammen mit den enthaltenen Repositories über den Browser mit der „1-Klick-Installation“ einrichten lassen.

Neuigkeiten im System

Mit dem neuesten Linux-Kernel 3.11 kommt Open Suse 12.1 nun mit mehr aktueller Hardware zurecht als die Vorgängerversion, die zuletzt nach Updates auf dem Stand des Kernels 3.7.10 ankam. Open Suse unterstützt neueste Prozessoren von AMD und Intel sowie neue Grafik- und WLAN-Karten. Die Unterstützung für die Dateisysteme Ext4 und Btrfs wurde verbessert, und Btrfs wurde beinahe zum Standard-Dateisystem geadelt. In letzter Minute entschieden sich die Entwickler dann aber doch wieder für Ext3, um Btrfs noch mehr Zeit für Tests einzuräumen. Der Systemstart erfolgt mit dem Init-Daemon Systemd, der sich jetzt auch um die Erstellung und Verwaltung von Gerätedateien kümmert. Ein Nebeneffekt ist, dass sich die Gerätenamen von Netzwerkschnittstellen ändern: „eth0“ heißt jetzt beispielsweise „enp0s3“. Um Hard- und Software eines Open-Suse-Systems zu konfigurieren, stehen umfangreiche Systemeinstellungen über das Kontrollzentrum Yast zur Verfügung. Dessen Interna wurden komplett neu geschrieben, und das Tool basiert jetzt auf der Script-Sprache Ruby und nicht mehr auf dem bisherigen obskuren Script-Interpreter, für den sich keine Programmierer mehr finden ließen. Die Portierung nach Ruby wird es auch externen Entwicklern und Administratoren erlauben, eigene Plug-ins dafür zu entwickeln.

Fazit: Comeback mit einigen Bugs

Open Suse hat seit 1992 eine lange und wechselhafte Geschichte: Über S.u.s.E (Software- und System-Entwicklung) und die Übernahme durch Novell im Jahr 2005 ist das Projekt seit 2010 mit anderen Geschäftsbereichen von Novell beim Netzwerkausrüster Attachmate untergekommen. Ab da begannen die Probleme der Distribution in Sachen Qualität und Stabilität. Die Distribution fiel in der Gunst der Anwender, die sich stattdessen Ubuntu und dessen Varianten zuwandten. Nach einer größeren Krise zur Version 12.2, die nicht mehr pünktlich erscheinen konnte, gelang es den Entwicklern wieder, sich auf die Stärken von Open Suse zu besinnen. Die jetzt vorliegende Version 13.1 versucht, diese Linie fortzuführen. Behutsame Aktualisierungen und eine konservative Programmauswahl sind die Merkmale der Distribution. Open Suse ist ein Comeback gelungen und spricht heute vor allem jene Anwender an, die ein sorgfältig vorkonfiguriertes KDE auf dem Desktop wünschen, aber nicht die neuesten Software-Versionen oder ausgefallene Funktionen mit „Wow“-Faktor erwarten. Es bleiben einige Bugs, die sich alle lösen lassen, aber die Distribution schwerer beherrschbar machen und bei anderen System zu einer Verschiebung des Veröffentlichungstermins geführt hätten. Eine Übersicht der bekannten Probleme liefern die englischsprachigen Veröffentlichungshinweise .

Website: www.opensuse.org/de
Dokumentation: http://de.opensuse.org/Dokumentation

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