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Die Linux-Neuheiten für den Januar 2014

07.01.2014 | 13:13 Uhr |

An interessanten Tools aus der Linux-Szene besteht kein Mangel. In den Neuvorstellungen sind diesmal große und kleine Perlen wie Open Office und Siren Renamer vertreten.

Freie Open-Source-Entwicklungen finden häufig ohne großes Budget im Hintergrund statt. Freie Entwicklerteams müssen sich zwar in langwierige Diskussionen zusammenraufen, brauchen sich aber nicht um die Ausrichtung eines Konzerns zu kümmern. Das kann für ein Projekt ein Vorteil sein, etwa wenn sich die Ausrichtung eines Unternehmens ändert, wie dies gerade bei Google der Fall ist.

Es ist nicht gleich offensichtlich, aber Google stellt als Linux-Schwergewicht alle anderen Firmen in den Schatten, die mit Projekten um den freien Betriebssystem-Kernel groß geworden sind. Nicht nur viele PC-Arbeitsplätze des Konzerns arbeiten mit einer angepassten Ubuntu-Version und die Rechenzentren mit Linux-Servern: Auch Android nutzt den Linux-Kernel und baut damit auf der Arbeit von Linus Torvalds und Co. auf. Trotzdem ist das Interesse von Google am Linux-Desktop eher gering: Das offensichtliche  Desinteresse zeigt sich an einem fehlenden Linux-Client für Google Drive. Google konzentriert sich derzeit auf das Kerngeschäft. Der stringenten Ausrichtung sind einige Produkte wie etwa der Google Reader zum Opfer gefallen, und der Linux-Desktop ist offensichtlich auch kein unverzichtbarer Teil des Ganzen. Wer den Cloud-Speicher unter Linux nutzen möchte, musste sich bislang mit dem Webbrowser zufrieden geben. Mit Insync 1.0 ist jetzt der erste ausgereifte Linux-Client für Drive erschienen und füllt die von Google offengelassene Leerstelle. Entwickelt wird Insync einem kleinen Entwicklerbüro in Singapur – leider nicht als Open-Source-Projekt, sondern als Shareware. Aber immerhin brauchen Linux-Anwender nicht mehr zu darben und können nun Google Drive direkt über den Dateimanager nutzen.

Alles Wissenswerte über Linux-Software

Statt Kompilieren: Fertige Pakete

Die hier präsentierte Auswahl orientiert sich an den frischen Programmversionen, die Entwickler gerade vorgestellt haben. Bis die Versionen in den verbreiteten Linux-Distributionen über fertige Pakete verfügbar sind, vergehen meist einige Wochen bis Monate. In der Zwischenzeit helfen meist inoffizielle Quellen aus – bei Ubuntu über PPA oder bei anderen Distributionen mit einzelnen vorkompilierten Paketen. Selbst kompilieren müssen Sie nur noch in Ausnahmefällen. In den Einzelvorstellungen finden Sie deshalb jeweils einen Hinweis, wo und für welche Distributionen ein Programm bereits vorliegt.

Geht in die Breite: Die neue, kontextsensitive Seitenleiste von Apache Open Office macht sich gut auf Notebook-Bildschirmen.
Vergrößern Geht in die Breite: Die neue, kontextsensitive Seitenleiste von Apache Open Office macht sich gut auf Notebook-Bildschirmen.

Apache Open Office 4.0

Alternatives Büropaket

Webseite: www.openoffice.org/de

Das inzwischen bei der Apache Foundation untergekommene Open Office meldet sich mit einem größeren Versionssprung zurück. Das unabhängig von Libre Office entwickelte Büropaket bringt Hunderte Bugfixes und eine neue Seitenleiste, die vom eingestellten Lotus Symphony inspiriert ist. Besonders auf Notebooks kann die kontextsensitive Leiste die Bildschirmdimensionen besser nutzen. Pakete für verschiedene Distributionen stellt die Projektwebseite bereit.

Sammelwut: Data Crow bietet eine visuelle Datenbank für etliche Kategorien von Medien, nicht nur für Bücher, Filme und Videos.
Vergrößern Sammelwut: Data Crow bietet eine visuelle Datenbank für etliche Kategorien von Medien, nicht nur für Bücher, Filme und Videos.

Data Crow 3.12.1

Organisationstalent für E-Books, Musik und Videos

Webseite: www.datacrow.net

Data Crow hilft bei der Organisation von Mediensammlungen, wobei es gleichgültig ist, ob Sie Bücher, Bilder, Filme oder Musik verwalten möchten. Das Datenbankschema liefert für unterschiedliche Kategorien von Medien passende Felder. Der direkte Zugriff auf Infos von Amazon, IMDB, Freedb und Musicbrainz erspart viel Tipparbeit und bindet zum Beispiel gefundene Cover ein. Berichte lassen sich als PDF-Dateien erstellen. Data Crow benötigt eine Java-Runtime.

Gesichtskontrolle: Die zuvor problematische Erkennung und Zuordnung von Gesichtern in Fotos wurde komplett neu geschrieben.
Vergrößern Gesichtskontrolle: Die zuvor problematische Erkennung und Zuordnung von Gesichtern in Fotos wurde komplett neu geschrieben.

Digikam 3.3.0

Fotoverwaltung mit Gesichtserkennung

Webseite: www.digikam.org

Digikam ist ein prominentes Aushängeschild des Linux-Desktops, das auch als Teil von KDE ausgeliefert wird. Digikam war seit der letzten Version vor allem damit beschäftigt, die Gesichtserkennung zu optimieren. Zudem können Gesichter-Tags von Picasa übernommen werden. Digikam 3.3.0 wird mit Ubuntu 13.10 ausgeliefert, steht aber in einem PPA auch zur Installation in Ubuntu/Kubuntu 13.04 und Mint 15 bereit.

Linux-Desktop nach Maß

Durch die Bilderflut: Fotoxx ist ein Bildbetrachter und ein Verwaltungs-Tool mit Editor-Funktionen und Stapelverarbeitung.
Vergrößern Durch die Bilderflut: Fotoxx ist ein Bildbetrachter und ein Verwaltungs-Tool mit Editor-Funktionen und Stapelverarbeitung.

Fotoxx 13.08.1

Bildverwaltungs-Tool mit Editor-Funktionen

Webseite: www.kornelix.com/fotoxx.html

Es muss nicht immer ein Schwergewicht wie Digikam oder Shotwell sein: Fotoxx navigiert schnell durch große Fotosammlungen und bietet in übersichtlichen Menüs grundlegende Bearbeitungsfunktionen, um Helligkeit, Farben und Schärfe anpassen, Bilder zu skalieren und mit Filtern zu manipulieren. Das Programm kann mit RAW-Formaten umgehen, EXIF-Daten in Bilddateien lesen und Schlagwörter bearbeiten. Für eine schnelle Übersicht erstellt Fotoxx einen Index.

Für große Musiksammlungen: Guayadeque macht auch bei zehntausenden Dateien in verschiedenen Kollektionen nicht schlapp.
Vergrößern Für große Musiksammlungen: Guayadeque macht auch bei zehntausenden Dateien in verschiedenen Kollektionen nicht schlapp.

Guayadeque Music Player 0.3.5

Musikverwaltungsprogramm für Gnome und Co.

Webseite: http://guayadeque.org

Im Vergleich zu den etablierten Playern wie Amarok oder Rhythmbox ist Guayadeque ein Neuzugang, macht den Platzhirschen aber das Revier streitig. Guayadeque gelingt das Kunststück, ein leichtgewichtiger Player zu bleiben, aber als Verwaltungsprogramm jede Menge Funktionen zu bieten. Er nutzt für Codecs das Gstreamer-Framework des Gnome-Desktops. Für Ubuntu steht ein PPA zur Verfügung.

Insync für Google Drive: Die Shareware bringt Linux-Anwendern das, was Google bis jetzt schuldig geblieben ist.
Vergrößern Insync für Google Drive: Die Shareware bringt Linux-Anwendern das, was Google bis jetzt schuldig geblieben ist.

Insync 1.0

Google-Drive-Client für Linux als Shareware

Webseite: www.insynchq.com

Der inoffizielle, aber kostenpflichtige Client für Google Drive hat die Betaphase verlassen und ist nun auch für Linux in der ersten Version erschienen. Insync 1.0 kostet 9,99 US-Dollar pro Google-Account, wobei es 14 Tage kostenlos getestet werden darf. Das Programm erlaubt den Zugriff auf Google Drive direkt über Dateimanager und kann automatisch lokale Ordner synchron halten. Für alle großen Linux-Distributionen gibt es Installationspakete.

Zum Nachschlagen ohne Internet: Kiwix lädt Artikel von Mediawiki-Webseiten herunter, um sie später offline zu lesen.
Vergrößern Zum Nachschlagen ohne Internet: Kiwix lädt Artikel von Mediawiki-Webseiten herunter, um sie später offline zu lesen.

Kiwix 0.9

Wikipedia ohne Internetverbindung lesen

Webseite: www.kiwix.org

Nicht immer, wenn man Zeit zum Lesen hat, steht auch eine Internetverbindung zur Verfügung. Kiwix macht Inhalte aus Wikipedia und anderen Mediawikis offline verfügbar, indem es die Seiten zuvor über die Exportfunktion des Wikis herunterlädt und komprimiert speichert. Die mitgelieferten Download-Links bieten beispielsweise die deutschsprachige Wikipedia und das Wiki von www.ubuntuusers.de . Kiwix steht im Binärformat für Linux und als Android-APK bereit.

Zeit gespart mt Linux-Kommandozeilenbefehlen

Clip-Akrobat: Lives bietet alle Funktionen eines nonlinearen Videoschnittprogramms plus Live-Effekte und eine Menge Formate.
Vergrößern Clip-Akrobat: Lives bietet alle Funktionen eines nonlinearen Videoschnittprogramms plus Live-Effekte und eine Menge Formate.

Lives 2.0.5

Videoschnittprogramm mit flacher Lernkurve

Webseite: http://lives.sourceforge.net

„Lives“ steht für „Linux Video Editing System“ und bietet ein mehrspuriges, nonlineares Videoschnittprogramm mit einsteigerfreundlicher Balance zwischen Funktionsvielfalt und Übersichtlichkeit. Für erste Ergebnisse ist es nicht nötig, Handbücher zu wälzen. Trotzdem ist Lives nicht anspruchslos und bietet zahlreiche Filter, um Videos zu mixen. Es gibt über 50 Ausgabeformate für fertige Clips. Links zu Paketen für zahlreiche Distributionen liefert die Projektwebseite.

Youtube-App: Minitube braucht kein Adobe Flash und bringt Youtube mit aufgeräumter Oberfläche auf den Ubuntu-Desktop.
Vergrößern Youtube-App: Minitube braucht kein Adobe Flash und bringt Youtube mit aufgeräumter Oberfläche auf den Ubuntu-Desktop.
© PC-WELT

Minitube 2.1

Youtube-Player ohne Flash und Webbrowser

Webseite: http://flavio.tordini.org/minitube

Ein Browser ist nicht das einzige Werkzeug, um Youtube-Clips abzuspielen: Auf Mobilgeräten sind Youtube-Apps mit aufgeräumter Oberfläche ohne Werbung und Empfehlungslisten die bessere Wahl. Minitube bringt dieses Konzept auf den Ubuntu-Desktop und erlaubt es, Clips zu suchen, anzusehen und Kanälen zu folgen. Minitube funktioniert ohne Adobe Flash und ohne Google-Account für Channel-Abos. Fertige DEB-Pakete zur Installation in Ubuntu 13.04 bietet die Projektwebseite.

Tags lesen und Dateinamen schreiben: Siren ist nicht nur ein Renamer, sondern kann auch Mediensammlungen umstrukturieren.
Vergrößern Tags lesen und Dateinamen schreiben: Siren ist nicht nur ein Renamer, sondern kann auch Mediensammlungen umstrukturieren.

Siren Renamer 3.13

Datei-Umbenennungs-Tool mit Tag-Unterstützung

Webseite: www.scarabee-software.net/en/siren.html

Siren Renamer kann große Mengen an Dateien umbenennen und Dateinamen in Form bringen. Das Programm hält dazu automatisierte Funktionen parat: Sie können Dateinamen durch das aktuelle Datum erweitern, durchnummerieren sowie Groß- und Kleinschreibung verändern. Siren versteht auch Multimedia-Tags, um diese für neue Dateinamen zu lnutzen. Zudem gibt es einen Editor für reguläre Ausdrücke. Das Programm liegt auch als ausführbare Binary vor.

Zeitreise: Der Terminal-Emulator simuliert für nostalgische Ausflüge in die Shell die typische grünliche Optik alter Röhrenmonitore.
Vergrößern Zeitreise: Der Terminal-Emulator simuliert für nostalgische Ausflüge in die Shell die typische grünliche Optik alter Röhrenmonitore.

Vintage Terminal 0.4.1

Terminal-Fenster im Gewand der 80er-Jahre

Webseite: http://code.google.com/p/vinterm

Das Terminal hat einen langen Weg hinter sich, vom VT100 auf Großrechnern in den frühen 80er-Jahren bis zu heutigen Terminal-Emulatoren auf dem Desktop. Vintage Terminal bringt das Feeling 30 Jahre alter Röhrenmonitore zurück. Der Nutzwert ist zweitrangig: Es geht um die nostalgische Optik vergangener Jahrzehnte. Für Open Suse gibt es fertige Pakete im terminals/vinterm:Build-Service und als Quelltext auf der Projektseite.

Immer aktuell: Sabayon veröffentlicht in Abständen neue Installationsmedien, ist als Gentoo-Abkömmling aber ein Rolling Release.
Vergrößern Immer aktuell: Sabayon veröffentlicht in Abständen neue Installationsmedien, ist als Gentoo-Abkömmling aber ein Rolling Release.

Sabayon Linux 13.08

Gentoo für kompilierfaule Anwender

Webseite: www.sabayon.org

Gentoo hat den Ruf, ein System für Linux-Spezialisten zu sein, die gerne Programmen beim Kompilieren zusehen. Die Gentoo-Variante Sabayon bietet eigene Paketquellen mit vorkompilierten Programmen. So bleibt Sabayon kompatibel zu Gentoo und macht die Aktualisierung und Installation weniger aufwendig. Zum Download stehen Images mit verschiedenen Desktops: Neuestes KDE und Gnome ist mit einer separaten Version vertreten, aber auch Mate und XFCE.

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