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Die Cloud Alternative für Linux: Bittorrent Sync

18.12.2013 | 09:24 Uhr |

Die Cloud ist praktisch, um Daten mit anderen Geräten und Personen zu teilen. Allerdings sehen viele spätestens seit Prism das Speichern auf Cloud-Server kritisch. Wie viel Spionage ist möglich? Jetzt gibt es eine neue Alternative.

Die Entwickler der Bittorrent Labs gehen an das Thema Cloud anders heran: Bittorrent Labs sind durch das gleichnamige Peer-to-Peer-Protokoll (P2P) bekannt. Damit lassen sich Daten verschlüsselt von Endpunkt zu Endpunkt übertragen, und die Dateien müssen nicht auf einem Zwischen-Server gespeichert werden.

Was ist Bittorrent Sync genau?

Sämtlicher Datenverkehr geht verschlüsselt ohne Zwischenstationen und Cloud-Server direkt vom Sync-Ordner des einen Gerätes („Server“) zum Zielordner des Empfangsgeräts („Client“). Bei der Verschlüsselung handelt es sich um AES Cypher und einen 256-Bit-Schlüssel, der für jeden geteilten Ordner separat und automatisch erstellt wird. Das dabei generierte Kennwort („Secret“) ist dann die Zugangstür für Zielgeräte, die diesen freigegebenen Ordner synchronisieren wollen. Sollten sich verschiedene Rechner im gleichen lokalen Netzwerk (LAN) befinden, erkennt Bittorrent Sync diesen Umstand. Der Vorteil liegt auf der Hand. Die Synchronisation ist über das LAN deutlich schneller. Beachten Sie, dass für die Übertragung im Web die Upload-Leistung des „Server“ die entscheidende Rolle spielt. Beachten Sie ferner, dass diese Synchronisierung ohne Zwischenstation voraussetzt, dass der „Server“ läuft. Bittorent Sync setzt aber gegebenenfalls die Übertragung in jedem Fall an der Stelle fort, wo sie unterbrochen wurde.

Bittorrent Sync: Es gibt Versionen für Linux, Windows, Mac-OS X und Android. Unter Linux werden diverse Plattformen unterstützt, was auch Einsatz auf NAS-Systemen erlaubt.
Vergrößern Bittorrent Sync: Es gibt Versionen für Linux, Windows, Mac-OS X und Android. Unter Linux werden diverse Plattformen unterstützt, was auch Einsatz auf NAS-Systemen erlaubt.

Derzeit ist die Software für Mac-OS X „Snow Leopard“ oder neuer sowie Windows XP SP3 oder neuer verfügbar. Für Linux brauchen Sie mindestens Kernel 2.6.16 (glibc 2.4). Damit sollte die Applikation auf allen moderneren Distributionen laufen.

Als Architekturen kommen ARM, Power PC, i386 und x86_64 in Frage. Somit läuft die Software auch auf NAS-Systemen wie einem Synology. Eine Android-App ist ebenfalls verfügbar. Bittorrent Sync befand sich bei Redaktionsschluss noch in der Betaphase, lief aber bereits ausgezeichnet.

Installation unter Linux

Die Software unter Linux lauffähig zu machen, ist denkbar einfach: Sie besuchen die Webseite http://labs.Bittorrent.com/experiments/sync/technology.html und klicken auf die Download-Schaltfläche. In den meisten Fällen brauchen Sie die Datei „Linux i386“ oder „Linux x64“. Es handelt sich hier um TAR.GZ-Archive. Die prominenten Linux-Distributionen bringen die passende Software zum Entpacken mit. Über den Dateimanager und einen Rechtsklick können Sie das Archiv auspacken. Auf der Kommandozeile geht das natürlich auch, und der Befehl lautet hierfür:

tar xzvf <Dateiname>.tar.gz

Das Archiv beinhaltet nur zwei Dateien, das Programm selbst und die Lizenz. An dieser Stelle könnten Sie Bittorrent Sync bereits mit ./btsync starten, sofern sie sich im selben Ordner wie die ausführbare Datei befinden. LinuxWelt rät aber erst zum Lesen des nächsten Absatzes.

Einstellungen: In dieser Maske konfigurieren Sie den Gerätenamen und Port. Außerdem können Sie Download und Upload beschränken.
Vergrößern Einstellungen: In dieser Maske konfigurieren Sie den Gerätenamen und Port. Außerdem können Sie Download und Upload beschränken.

Passwort für die Web-GUI setzen: Sobald Bittorrent Sync gestartet ist, können Sie den Client unter http://localhost:8888 aufrufen. Das Problem an dieser Stelle ist, dass andere Anwender im gleichen Netzwerk dann höchstwahrscheinlich auch Zugriff auf Ihren Client haben. Dazu brauchen Sie nur die IP-Adresse Ihres Rechners. Deswegen schützen Sie die Web-GUI besser mit einem Passwort. Dazu ist ein kleiner Ausflug auf die Konsole notwendig. Wechseln Sie in den Ordner mit der Datei „btsync“. In unserem Beispiel ist das „bts-test“, und der Befehl lautet cd bts-test . Nun verwenden wir „btsync“, um eine Beispiel-Konfiguration mit Namen „sync.conf“ zu erstellen:

./btsync --dump-sample-config > sync.conf

In der so entstandenen Datei „sync. conf“ finden Sie eine Sektion, die mit „webui“ beginnt. Hier können Sie Port, Anmeldename und Passwort festlegen. Die beiden letzteren sind per Standard „admin“ und „password“. Weiterhin müssen Sie die Variable „storage_path“ anpassen, die per Standard auf den Ordner „/home/user/.sync“ zeigt. Es sollte hier ausreichen, das Wort „user“ mit dem eigenen Login-Namen zu tauschen. Der Ordner muss existieren und Schreibrechte bieten.

Bittorrent Sync starten und nutzen

Nun können Sie Bittorrent Sync mit Angabe der angepassten Konfigurations-Datei starten:

./btsync --config /<Pfad zu>/sync.conf

Beachten Sie an dieser Stelle die Ausgabe, hier insbesondere die letzte Zeile. Dort finden Sie hinter „pid“ die Prozessnummer. In der Betaversion können Sie btsync über das Web-GUI nämlich nicht stoppen. Somit müssen Sie die Software über die Konsole mit Hilfe des Befehls kill abschießen. Angenommen die Prozessnummer ist 6475, dann würde der Befehl

kill -9 6475

den Daemon stoppen. Sie finden die Prozessnummer auch mit dem Befehl

ps -aef | grep btsync

Die zweite Zahl von links ist die gewünschte Nummer.

Start mit Konfigurationsdatei: Interessant ist die letzte Zeile. Hier finden Sie die Prozessnummer des Daemons. Damit lässt sich Bittorrent Sync stoppen.
Vergrößern Start mit Konfigurationsdatei: Interessant ist die letzte Zeile. Hier finden Sie die Prozessnummer des Daemons. Damit lässt sich Bittorrent Sync stoppen.

Bittorrent Sync unter Linux verwalten

Während die Software für Mac-OS X und Windows eine separate Oberfläche mitbringt, gibt es diesen Luxus für Linux derzeit nicht. Allerdings lässt sich die Software bequem via Webbrowser konfigurieren und benutzen. Unter „Preferences“ können Sie einen Namen für das Gerät vergeben, die Lausch-Portnummer hinterlegen und Download sowie Upload limitieren.

Danach fügen Sie einen Ordner hinzu und klicken auf „Generate“, um den Schlüssel zu erzeugen. Mit Klick auf „Add“ ist der gewünschte Ordner im System hinterlegt. Zu beachten ist die Spalte „Sharing“. Hier können Sie einen Ordner aus Bittorrent Sync entfernen. Dieser Vorgang löscht den Ordner aber nicht aus dem System.

Mit einem Klick auf das kleine Rädchen lässt sich der Sync-Ordner detailliert einstellen. Sie bestimmen hier zum Beispiel auf der Registerkarte „General“, ob das LAN bei der Suche mit einbezogen werden soll oder nicht. Unter „Advanced“ haben Sie die Möglichkeit, einen neuen Geheimschlüssel zu erzeugen. Weiterhin können Sie hier einen Einmal-Schlüssel erzeugen, der nach Gebrauch wieder verfällt. Die Schaltfläche „Secret / QR“ zeigt den Geheimcode an, den Sie auf einem weiteren Gerät brauchen. „Full access“ bedeutet Lese- und Schreibzugriff, während „Read only“ dem anderen Gerät nur Leserechte gewährt. Der QRCode ist vor allen Dingen für die Android- Version des Clients interessant.

Einrichten der zweiten Station: HabenSie Bittorrent Sync auf einem weiteren Rechner laufen, verwenden Sie für das Hinzufügen eines Ordners im Prinzip die selbe Prozedur. Allerdings erzeugen Sie hier keinen Schlüssel, sondern geben den früher erzeugten Secret-Code des ersten Geräts an. In diesem Fall verknüpft Bittorrent Sync die beiden Geräte und Ordner. Sie sehen das sofort in der Spalte „Connected devices and status“. Kopieren Sie jetzt eine Datei in einen der freigegebenen Ordner, wird der Inhalt umgehend auf dem anderen Rechner synchronisiert.

Bittorent Sync für Android

Die Android-Variante von Bittorrent Sync finden Sie im Google Play Store. Fügen Sie hier einen Ordner hinzu, wählen Sie ebenfalls zunächst den Ort für die lokalen Dateien aus. Danach drücken Sie auf „Scan QR code“ und können so den QR-Code direkt vom Bildschirm einscannen. Das erspart lästiges Eintippen. Setzen Sie den Haken bei „Automatic sync“, überträgt der Client sofort jede Datei auch auf das Android-Gerät. Ist der Haken nicht gesetzt, zeigt Ihnen die App eine Liste der Dateien auf dem entfernten Rechner an. Drücken Sie nun auf diese Datei, lädt sie der Client auf das mobile Gerät. Mit dieser Einstellung haben Sie die Kontrolle, welche Dateien am Android-Gerät vorgehalten werden.

Leider gibt es im Android-Client derzeit keine Möglichkeit, Dateien über die App aus dem lokalen Ordner wieder zu löschen. Hierfür müssen Sie zu einem externen Dateimanager greifen. Lassen Sie dabei Vorsicht walten: Ein Löschen über den Dateimanager wirkt sich bei einer Synchronisation natürlich auch immer auf die entfernten Rechner aus.

Registerkarte „Backup“: Diese Option dient dazu, Ordner auf dem Android-Gerät freizugeben beziehungsweise zu sichern. Sie erhalten auch hier wieder einen Geheimschlüssel und können somit bestimmte Ordner des Smartphones oder Tablets auf einen entfernten Rechner mit Bittorrent Sync sichern.

Neuer Ordner: Bestimmen Sie einen Ordner, der synchronisiert werden soll. Danach erzeugen Sie noch einen geheimen Schlüssel, den Sie weitergeben können.
Vergrößern Neuer Ordner: Bestimmen Sie einen Ordner, der synchronisiert werden soll. Danach erzeugen Sie noch einen geheimen Schlüssel, den Sie weitergeben können.

Weitere Tipps zum Einsatz

In jedem Ordner legt Bittorrent Sync einige versteckte Dateien an. Wichtig ist hier der Unterordner „.SyncArchive“. Dort legt die Software alle gelöschten Dateien ab, deren Löschauftrag von einer anderen Seite ausgelöst wurde. Wenn Sie diese Funktion nicht nutzen möchten, können Sie den Parameter „use_sync_trash“ in der Konfigurations-Datei von „true“ auf „false“ ändern. Sie können allerdings auch jeden einzelnen Ordner über die Ordner-Einstellungen entsprechend konfigurieren. Dateien, die länger als 30 Tage im Papierkorb liegen, werden automatisch gelöscht. Die Web-GUI bietet derzeit noch keine Möglichkeit, diese Periode zu ändern.

In der Datei „.SyncIgnore“ können Sie hinterlegen, welche Dateien die Software komplett ignorieren soll. Diese ist bereits mit einigen Filtern ausgestattet und lässt einige Dateien außen vor, die das Betriebssystem automatisch erzeugt.

Die Konfigurationsdatei unterstützt die üblichen Platzhalter „?“ und „*“. Dabei stehen das Sternchen für beliebig viele Zeichen und das Fragezeichen für exakt ein Zeichen. Das Fragezeichen können Sie natürlich auch mehrfach hintereinander schreiben. So würde „??.tmp“ für alle Dateien gelten, die zwei Zeichen vor der Endung haben. Für jeden solchen Filter legen Sie eine separate Zeile an.
 
Bittorrent-Sync-Website: http://www.bittorrent.com/intl/de/sync

Bittorrent-Sync-Technologie: http://www.bittorrent.com/intl/de/sync/technology

Bittorrent-Sync-User-Guide (PDF):
http://btsync.s3-website-us-east-1.amazonaws.com/BitTorrentSyncUserGuide.pdf

Bittorrent Sync bei Google Play:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.bittorrent.sync&hl=de

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