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Die wichtigsten Terminal-Befehle für Linux

20.03.2015 | 12:01 Uhr |

Ungeachtet aller grafischen Systemwerkzeuge bleibt das Terminal unter Linux unentbehrlich. Wir nennen in aller Kürze wichtige Terminal-Programme, die jeder Nutzer kennen sollte.

Welche die wichtigsten Terminal-Befehle sind, darüber lässt sich sicher kontrovers diskutieren. Ohne die nachfolgend allenfalls am Rande erwähnten cd, mkdir, ls, cat oder find geht es wohl kaum. Die setzen wir hier aber schlicht voraus und konzentrieren uns auf unverzichtbare Befehle, die einen Schritt über die alltägliche Basisnutzung des Terminals hinausführen.

Tipp: Wenn Sie Ihr Terminal-Wissen über bloße Befehle hinaus weiter vertiefen möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Einleitung über das Skripten in der Bash-Konsole .

Programme und Prozesse

ps –A zeigt alle laufenden Prozesse. Die Ausgabe ist standardmäßig nach der PID-Nummer sortiert, was bei der Suche nach einem bestimmten Prozess eher unübersichtlich ist. Durch folgende Sortierung der vierten Spalte erhalten Sie eine alphabetische Liste:

ps –A | sort –k4

xprop zeigt zahlreiche Eigenschaften grafischer Programme an. Das einfachste und häufigste Motiv, xprop zu verwenden, ist die Frage nach dem Programmnamen eines Fensters. Also etwa die Frage: Wie lautet der Name des Dateimanagers, den ich gerade benutze? Nach diesem Befehl

xprop | grep CLASS

verwandelt sich der Mauszeiger in ein Kreuz, mit dem Sie auf das gewünschte Fenster klicken. Im Terminal erscheint dann der zughörige Programmname.

Vor allem Prozesse, die in mehreren Instanzen laufen, wie etwa Webbrowser, sind mit grafischen Hilfsmitteln wie der Systemüberwachung schlecht zu zähmen. Um alles zu beenden, was etwa zu Chrome oder Chromium gehört, hilft pkill:

pkill chrom

Die Eigenschaft von pkill, auch Teil-Strings von Programmnamen zu akzeptieren, macht die Sache einfach, allerdings auch riskanter. Achten Sie darauf, dass der String eindeutig bleibt.

Das beste Kommandozeilen-Tool für Prozesse, CPU- und RAM ist htop. Es ist über Taste F2 („Setup“) hervorragend konfigurierbar und erlaubt auch den „Kill“ von Tasks (F9: „Kill“).

Schnelle Anzeige der Partitionskennungen: blkid sagt nicht viel, aber genau das, was Sie zum Auffinden einer Datenträgerkennung brauchen.
Vergrößern Schnelle Anzeige der Partitionskennungen: blkid sagt nicht viel, aber genau das, was Sie zum Auffinden einer Datenträgerkennung brauchen.

Hardware, Software, Laufwerke

Die spezialisierten Tools lspci und lsusb zeigen sämtliche PCI- und USB-Geräte, wobei Sie die Gesprächigkeit der Ausgabe durch die Parameter „-v“ und „-vv“ erhöhen können. Weitgehend die komplette übrige Hardware kann dmidecode analysieren, wobei Sie die gesuchte Komponente mit dem Schalter „–t“ angeben:

sudo dmidecode –t bios

Weitere mögliche Parameter sind „system“, „baseboard“, „chassis“, „processor“, „memory“„cache“, „connector“ und „slot“. Im Prinzip finden Sie alle diese Infos (und mehr) in den Dateien unter „/proc“, die Sie etwa mit cat einsehen können (cat /proc/cpuinfo). Spezielle Info-Tools tun meist nicht mehr, als die Datenflut der Dateien unter „/proc“ etwas lesbarer zu filtern und aufzubereiten.

Ein schnelles und alphabetisch sortiertes Inventar der installierten Software inklusive Kurzbeschreibung und Versionsangabe des jeweiligen Pakets befördert der Befehl

dpkg-query –l

ins Terminal. Die vollständige Liste zeigt eine vermutlich vierstellige Paketmenge, die Sie etwa mit nachgestelltem „| grep –i xubuntu“ gezielt filtern.

Der folgende Befehl ist eine wichtige Hilfe bei der Suche nach einer Software oder eines Paketnamens:

apt-cache ftp client

Dann erhalten Sie passende Programme angezeigt und können das gewünschte dann mit dem Paketnamen über apt-get install [name] installieren. Den schnellsten und übersichtlichsten Weg, sich alle Datenträger-Kennungen anzeigen zu lassen, bietet

sudo blkid

Ausführlicher, aber weniger übersichtlich ist sudo fdisk –l. Die richtige Datenträger-Kennung ist fundamental, um etwa einen dd-Befehl oder eine Partitionierung durchzuführen.

10 praktische Befehle rund um Netzwerk und Internet

Arbeiten im Netzwerk

Obwohl aktuelle Linux-Distributionen Netzwerkfreigaben über den grafischen Dateimanager einbinden können, ist das Kommando mount immer noch unentbehrlich. Damit mounten Sie eine Netzressource nämlich ins lokale Dateisystem und können dann alle Dateikommandos (wie cd, ls, find, tar, rsync…) uneingeschränkt nutzen:

sudo mount -t cifs -o username=ha,password=xyz //192.168.0.200/volume_1 /media/ha/nas

Der Mountpunkt „/media/ha/nas“ in diesem Beispiel ist danach für alle Terminal-Befehle wie ein lokaler Pfad zu verwenden.

Die Netzwerk-Tools ifconfig und ping müssen immer zur Hand sein, erstens um die IP- und MAC-Adresse des eigenen Rechners zu ermitteln (ifconfig ohne Parameter), zweitens um die Erreichbarkeit von anderen PCs im LAN oder Servern im Web zu kontrollieren (ping [IP-Adresse]).

Schnörkellosen Zugriff auf einen entfernten PC bietet ssh (Beispiel):

ssh ha@192.168.0.66

Nach Eingabe des User-Kennworts für das entfernte System ist man sofort auf dessen Konsole. Im Unterschied zum SSH-Client, der überall bereitsteht, muss auf Rechnern, auf die zugegriffen wird, der SSH-Server installiert sein (Paketname: „openssh-server“).

Für den automatischen Download und Upload vom und ins Web sind wget und wput erste Wahl. Beide gehören nicht zum Standardumfang des Terminals, jedoch ist wget häufig vorinstalliert, wput schnell nachinstalliert (Paketname: „wput“). Trotz uferloser Parameterliste sind die Basisbefehle

wget http://meineseite.de/Downloads/Datei.txt wput Datei.txt ftp://[FTP-User]:[FTP-Kennwort]@site.de/Download/

recht einfach.

Arbeiten mit Dateien

Zur Datensicherung sind die Dinosaurier tar und rsync immer noch erste Wahl. tar speichert alle Dateien in ein einziges, meist komprimiertes Archiv, während rsync im Ziel eine identische Verzeichnisstruktur anlegt und die Dateien dort ablegt. tar ist platzsparender, rsync besser für periodisches Sichern geeignet, weil es automatisch nur geänderte Dateien berücksichtigt. Dass die Daten nach rsync einzeln zugänglich sind, ist ein weiterer Vorteil.

Mit ssh auf den entfernten Rechner: Der einzige dort abgesetzte Befehl ist hier exit, der zurück zum lokalen Rechner führt. Die unterschiedlichen Prompts zeigen den Rechnerwechsel.
Vergrößern Mit ssh auf den entfernten Rechner: Der einzige dort abgesetzte Befehl ist hier exit, der zurück zum lokalen Rechner führt. Die unterschiedlichen Prompts zeigen den Rechnerwechsel.

Ein typischer tar-Befehl zum Einpacken beginnt mit einigen Optionen, nennt die Zieldatei und zuletzt den Pfad der zu sichernden Daten:

tar –cvzf Archivname /Quellpfad

Die Parameter bedeuten: „c“ (create: neues Archiv erstellen), „v“ (verbose: Fortschrittsanzeige), „z“ (zip: Kompressionsart), „f“ (File: Datei als Ziel). Um das Archiv wieder zu entpacken, ersetzen Sie „c“ durch „x“ für Extract:

tar –xvzf Archivname

In diesem Fall wird die Ordnerstruktur mit allen Dateien im aktuellen Pfad entpackt, wohin Sie am einfachsten vorher mit cd navigieren. Die Angabe des Zielpfads ist aber auch so möglich:

tar –xvzf Archivname –C /Zielpfad

rsync kennt zahlreiche Optionen, aber oft genügt der Sammelschalter „-a“, eventuell noch mit „-v“ (verbose), um ausreichend informiert zu werden:

rsync -av /Quellpfad /Zielpfad

Dies berücksichtigt alle Unterverzeichnisse des Quellpfads. Für periodische Sicherungen hilft Schalter „u“, also insgesamt rsync -auv […]. Dieser Update-Schalter spart viel Zeit, indem er bereits bestehende Dateien überspringt. Sollen nur bestimmte Dateien kopiert werden (etwa PDF), gerät die rsync-Syntax alles andere als intuitiv:

rsync -av --include "*/" --include "*.pdf" --exclude "*" /Quellpfad/Zielpfad

Das Werkzeug dd (Diskdump) erledigt bitgenaue Kopien von einem Gerät auf das andere. Unentbehrlich ist es unter anderem für Hybrid-ISOs, die sowohl von DVD/BD und USB booten können. Hier scheitern nämlich Werkzeuge wie Brasero oder Unetbootin:

sudo dd if=hybrid.iso of=/dev/sd[x]

„if“ steht für „Input File“, danach kann aber auch ein Gerät wie „/dev/sda“ oder eine Partition folgen. „of“ steht für „Output File“, ist in diesem Beispiel aber ein Laufwerk – etwa eine DVD oder ein USB-Stick.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 1/2015

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