Unbemannte Luftfahrt

Die neuen Drohnen - Kriegsmaschinen und Geek-Spielzeug

Mittwoch den 25.07.2012 um 14:55 Uhr

von Friedrich Stiemer

Drohnen finden immer mehr Einsatzgebiete.
Vergrößern Drohnen finden immer mehr Einsatzgebiete.
© Northrop Grumman
Drohnen schicken sich an, nicht nur die Kriegsführung, sondern auch zivile Einsatzszenarien zu revolutionieren. Was hinter den unbemannten Luftfahrzeugen steckt und warum Sie mit Ihnen auch Spaß haben können, klären wir in diesem Ratgeber.
Wikipedia definiert Drohnen als unbemannte Fluggeräte, die zur Überwachung, Erkundung, Aufklärung, Zieldarstellung und zum Gebrauch von Waffen dienen. Verschiedene Institutionen wie Armeen oder öffentliche Einrichtung verwenden die Drohnen für ihre Zwecke. Weiterhin gelten verschiedene Bezeichnungen wie UAV (Unmanned Aerical Vehicle) oder UAS (Unmanned Aircraft System, als Bezeichnung des gesamten Systems der Drohne). Selbst in der Größe herrschen Unterschiede: So existieren bereits Mikrodrohnen mit nur wenigen Millimetern Größe bis hin zu Verkehrsflugzeugen mit einer Spannweite von 60 Metern. Wir klären, warum die Flieger die Luftfahrt auf die nächste Stufe heben.

Der militärische Einsatz von Drohnen

Drohnen zur Aufklärung und Kriegsführung.
Vergrößern Drohnen zur Aufklärung und Kriegsführung.
© Northrop Grumman

Vor allem für militärische Zwecke hat sich der Einsatz von Drohnen bereits weltweit etabliert. Der Vorteil liegt auf der Hand - bei Verlust ist die Drohne selbst verloren und kein Menschenleben. Am gebräuchlichsten ist die Aufklärung und Bewachung von Einsatzgebieten. Aufgrund der großen Flughöhe und der geringen Radarerfassungsfläche gestaltet sich die Aufklärung als recht ungefährlich aber dennoch metergenau. Bei der Überwachung erfassen die Kameras und Sensoren sich nähernde Feinde und warnen die eigenen Truppen rechtzeitig und zuverlässig.

Doch bei diesen recht friedlichen Einsätzen bleibt es nicht. Neben den Aufklärern gibt es auch noch die sogenannten UCAV (Unmanned Combat Air Vehicle), also unbemannte Kampfflugzeuge. Dazu bestücken die Ingenieure die Drohne mit verschiedenen Waffensystemen wie Raketen, Bomben oder anderen schweren Waffen, um die gewünschten Ziele zu bekämpfen. Vorteile hierbei ist zum einen die höhere Präzision bei Angriffen und dass dabei kein menschlicher Pilot sein Leben riskieren muss. Diese Art der Verwendung ist jedoch recht umstritten, da bereits bei mehreren Einsätzen neben Kämpfern auch Zivilisten ums Leben kamen.

Die Steuerung erfolgt bei allen Einsatzgebieten denkbar einfach: Entweder ein menschlicher Pilot steuert die Drohne via Funk- oder Satelliten-Verbindung in Echtzeit oder das Fluggerät erhält die Einsatzparameter vom Start über das Ziel bis hin zur Rückkehr einprogrammiert.

Auch die Bundeswehr rüstet auf

Auch die Bundeswehr will auf Drohnen setzen.
Vergrößern Auch die Bundeswehr will auf Drohnen setzen.
© Northrop Grumman

Die deutsche Bundeswehr hat fünf Hightech-Drohnen des amerikanischen Herstellers Northrop Grummann geordert, die den Namen RQ-4 Euro Hawk tragen. 1,2 Milliarden Euro hat sich die Bundeswehr die Anschaffung kosten lassen, dafür klingen die Eckdaten der Drohne vielversprechend: Mit einer Spannweite von fast 40 Metern, einer Länge von rund 14,5 Metern und einem Gewicht von 15 Tonnen kann die Drohne einen Weg von 25000 Kilometer innerhalb von 30 Stunden zurücklegen, bevor sie auftanken muss.

Eigentlich war die Einführung für den Mai 2012 geplant, aber wie das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung Ende Juni mitteilte, verschiebt sich das Großprojekt um mindestens ein Jahr. Das Amt nannte Probleme aufgrund der "komplexen Prozesse und  Abhängigkeiten".

Eine Revolution in der Luftfahrt steht bevor. Drohnen erweisen sich in der Praxis als präzise Fluggeräte, die selbst die gefährlichsten Situationen meistern können - ohne dabei das Risiko einzugehen, einen menschlichen Piloten zu verlieren. Denn eine Drohne lässt sich immer wieder reproduzieren und neu programmieren, mit einem Menschen geht das natürlich nicht. Zu lösen wären nur noch die Sicherheitslücken in den Systemen der Mini-Flugzeuge, um sie sicher vor Hacker zu machen.

Der zivile Einsatz von Drohnen

Britische Polizisten setzen bei der Verbrecherbekämpfung
auf bereits auf Drohnen.
Vergrößern Britische Polizisten setzen bei der Verbrecherbekämpfung auf bereits auf Drohnen.
© Mercury Press Agency Ltd.

In zivilen Einsatzszenarien gibt es bereits viele denkbare Möglichkeiten, um Drohnen einzusetzen. Hier spielt auch wieder die Überwachung aus der Luft eine große Rolle. Bei Großereignissen fliegen Kamera-Drohnen in der Luft und verschaffen so den Ordnungskräften einen guten Blick auf Menschenmassen. Zur Olympia 2012 in England wird die Londoner Metropolitan Police bereits Drohnen einsetzen, um ein hohes Maß an Sicherheit zu garantieren. Doch Datenschützer schlagen bei der Überwachung durch Drohnen Alarm, da sie sich in ihrer Privatsphäre bedroht fühlen. Der Gedanke, dass ein "fliegendes Auge" jeden auf Schritt und Tritt beobachtet, lässt viele Bürgern unmittelbar an einen Überwachungsstaat denken.

Andere Einsatzmöglichkeiten zum Thema Sicherheit: Beispielsweise experimentiert die Feuerwehr mit Löschdrohnen, um Brände in schwierig zu erschließenden oder hohen Lagen zu bekämpfen, ohne dabei das Leben der Feuerwehrleute zu gefährden. Im Katastrophenschutz sollen Drohnen auch für raschere und effektivere Bekämpfung sorgen, indem sie weitaus größere Areale überblicken und bewachen können.

Einsatz zur Gefahrenbekämpfung.
Vergrößern Einsatz zur Gefahrenbekämpfung.
© Air Rotor Media

Das Unternehmen Air Rotor Media stellte im Januar einen Mini-Hubschrauber vor, der sich mit Kameras und Sensoren bestücken lässt. So ausgerüstet lassen sich auch toxische Gefahren problemlos erkunden. Apropos Drohnen mit Kameras: Fernsehsender oder Fotografen setzen auch auf die kleinen Drohnen, um Bilder von Geschehnissen zu erhalten, die normalerweise unerreichbar wären. Und die Steuerung erweist sich oft nach ein paar Minuten Übung als recht einfach und intuitiv - das ebnet natürlich den Weg hin zu einer weiten Verbreitung der unbemannten Fluggeräte.

Drohnen als Spielzeug

MIt HD-Kamera und Steuerung über die
Smartphone-App.
Vergrößern MIt HD-Kamera und Steuerung über die Smartphone-App.
© Parrot

Ein ganz anderen Ansatz für Drohnen gibt es ebenfalls - nämlich zum Spaß haben. Es gibt bereits eine Reihe von Drohnen für den Heimgebrauch zu kaufen, die sich auch schon mit dem Smartphone steuern lassen. Besonders populär ist derzeit die AR.Drone von Parrot . Die Steuerung via App erfolgt dank der im Smartphone integrierten Lagesensoren und Steuerungs-Elementen auf dem berührungsempfindlichen Display. Dafür baut die Drohne selbst ein eigenes drahtloses Netzwerk auf, indem Sie sich einwählen können, um nicht die eigene Datenverbindung nutzen zu müssen. Bei der zweiten Version der AR.Drone verfügt das Fluggerät auch über eine HD-Kamera, um auch außerhalb der eigenen Sichtweite die Mini-Drohne zu navigieren. Bilder und Videos lassen sich ebenfalls erstellen und auf einen USB-Stick kopieren. Leider hält der Flugspaß mit etwa 14 Minuten nicht lange an.

AR.Drone 2.0 mit HD-Kamera im Praxistest
AR.Drone 2.0 mit HD-Kamera im Praxistest

Mittwoch den 25.07.2012 um 14:55 Uhr

von Friedrich Stiemer

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (18)
  • Thor Branke 21:09 | 15.02.2013

    Zitat: qqqaqqq
    hindern natürlich. Was wären wir nicht ohne den Fehlerteufel.
    Das war einfach ein zu schön erreichbar Steilpass.

    Österreich hatte ja schon mal Quasidrohnen: nannte sich die Milchstaffel mit kleinen Kunstflugeinlagen (Bild ganz rechts). Habe ich als Kind zugeguckt.

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  • qqqaqqq 14:11 | 15.02.2013

    Zitat: Thor Branke
    Ihr wolltet den B52 in den Hintern schießen?

    hindern natürlich. Was wären wir nicht ohne den Fehlerteufel.
    Zitat: HKBGOK
    man kann es ja auch für andere sachen gebrauchen ausser fürs kierg.

    Für die Landwirtschaft um per Infrarot Schädlingsbefall, Überdüngung/ Nährstoffmangel, Unkräuter und vieles mehr festzustellen, sicher.
    Aber sobald die Technik frei verfügbar ist, Sprengstoff rein und man hat eine Cruise Missile für Arme.

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  • Thor Branke 13:33 | 15.02.2013

    Zitat: qqqaqqq
    ... in Österreich, ob man die Bomber aufhalten bzw die Überflugsgenehmigung nicht erteilen sollte. Schlussendlich sah man ein, dass man Sie wohl daran nicht [U]hintern[/U] könnte.
    Ihr wolltet den B52 in den Hintern schießen?

    Zitat: qqqaqqq
    Das sind dann Imho alle, dank Stealth merkt man erst was, wenn es zu spät ist.
    Den Schuss, der einen tötet, den hört man nicht mehr.

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  • HKBGOK 12:53 | 15.02.2013

    Ich finde das es eine tolle erfindung ist man kann es ja auch für andere sachen gebrauchen ausser fürs kierg.

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  • qqqaqqq 12:30 | 15.02.2013

    Gegenüber den USA ist wohl fast kein Staat Souverän.
    Mal abgesehen von China und Russland.
    Allein die Diskussion damals während des Irak Feldzuges in Österreich, ob man die Bomber aufhalten bzw die Überflugsgenehmigung nicht erteilen sollte.
    Schlussendlich sah man ein das man Sie wohl daran nicht hintern könnte.

    Die Uno wird noch mehr zum zahnlosen Tiger.

    Das war sie doch schon immer.
    Natürlich kann man Drohnen nur in Staaten einsetzen, deren Regierung sich nicht wehren kann

    Das sind dann Imho alle, dank Stealth merkt man erst was wenn es zuspät ist.
    Was wäre gewesen, wenn man früher die in der DDR untergetauchte RAF mit Drohnen ausschalten wollte?

    Gute Frage, war die DDR nicht käuflich?

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