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Die lustigsten Easter Eggs für das Linux-Terminal

27.12.2015 | 16:09 Uhr |

Auch mit der sonst eher trockenen Linux-Kommandozeile kann man dank bizarren Befehlen seinen Spaß haben. Wir verraten die besten Easter Eggs.

Großen Unterhaltungswert kann der nüchternen Kommandozeile unter Linux und ihren Tools niemand nachsagen. Trotzdem ist in den Jahrzehnten ein ganzes Kuriositätenkabinett mit versteckten Optionen bekannter Kommandozeilen-Tools, nicht ganz ernst gemeinten Programmen und cleveren, wenn auch nicht besonders nutzwertigen Shell-Befehlen entstanden. Die Tradition dieser „Easter Eggs“ begann schon Ende der 60er-Jahre auf der DEC PDP-10 Mainframe. Gab dort jemand den Befehl „make love“ ein, so antwortete der so aufgerufene Editor mit „not war?“.

Es sind Insider-Witze, die Eingeweihten ein Schmunzeln, manchmal auch lautes Lachen entlocken sollen, aber im normalen Betrieb auch nicht im Weg stehen. Die folgenden sieben versteckten Gags sind nur eine Auswahl der populärsten Scherze und laden zum Ausprobieren ein, zumal sie völlig ohne Nebenwirkungen bleiben.

Emacs-Gag: Tetris und andere Spiele

Der Editor GNU Emacs gehört zum Urgestein freier Software und wird seit 30 Jahren gepflegt. Es soll Entwickler wie den bekannten Perl-Autor Randal Schwartz geben, die auf dem PC nichts anderes als Emacs brauchen. Über die eingebaute Programmiersprache Lisp gibt es zahlreiche Erweiterungen und sogar Minispiele. Tetris rufen Sie auf, indem Sie in Emacs die Taste Esc drücken und dann X für einen Befehlsprompt. Hier geben Sie „tetris“ ein und starten das Spiel dann mit der Enter-Taste. Es gibt ebenfalls „pong“, „bubbles“ und „snake“. Eine Liste aller kuriosen Emacs-Erweiterungen findet sich im Verzeichnis „/usr/share/emacs/[Version]/lisp/play“.

Neben Mailprogrammen, Kalender und Programmierhilfen gibt es auch weniger ernsthafte Erweiterungen für den Emac wie Tetris.
Vergrößern Neben Mailprogrammen, Kalender und Programmierhilfen gibt es auch weniger ernsthafte Erweiterungen für den Emac wie Tetris.

Übrigens: Auch Android-Entwickler konnten es sich nicht verkneifen, einen kleinen Flappy-Bird-Klon in Android 5.0 als Easter Egg einzubauen.

Vertippt: sl und ls

Buchstabendreher gehören zu den häufigsten Fehlern beim schnellen Tippen in der Kommandozeile. Ein Klassiker dürfte die Eingabe von „sl“ statt „ls“ sein. Masashi Toyoda, Privatdozent an der Universität Tokyo, ging der der Vertipper schließlich so auf die Nerven, dass er ein Programm namens sl geschrieben hat. In Debian / Ubuntu liegt es in den Paketquellen und ist mit

sudo apt-get sl

installiert. Ab jetzt rollt bei der Eingabe von „sl“ eine Dampflokomotive durch das Terminal, die den Anwender dezent auf den Tippfehler hinweist.

Psychedelisch: Ein einzeiliger Befehl in der Shell zaubert diesen Farbregen ins Terminal.
Vergrößern Psychedelisch: Ein einzeiliger Befehl in der Shell zaubert diesen Farbregen ins Terminal.

Bunter Spaß: Terminal im Farbenrausch

Eine ganze Reihe von Befehlen hat nur den Zweck, möglichst viel Farbe ins Terminal zu bringen. Ein bekannter Vertreter dieser Kommandos nutzt eine Befehlsverkettung mit dem Tool yes, das eine vorgegebene Ausgabe bis zum Abbruch mit der Tastenkombination Strg und C wiederholt. In dieser Variante erzeugt das Kommando einen laufenden Regenbogen:

yes "$(seq 231 -1 16)" | while read i; do printf "\x1b[48;5;${i}m\n"; sleep .02; done

Ein andere Methode, den Terminal-Inhalt einzufärben, nutzt den Script-Interpreter Ruby und das Ruby-Programm lolcat. In Ubuntu ist es mit den beiden Befehlen

sudo apt-get install ruby sudo gem install lolcat

eingerichtet und kann dann mit den Pipe-Zeichen „|“ einem anderen Befehl angehängt werden, um dessen Ausgabe einzufärben:

dmesg | lolcat

Dieses Beispiel zeigt die Kernel-Meldungen im Farbrausch an.

Mit einer kleinen Änderung der Konfiguration wird sudo zum ruppigen Türsteher, der falsche Passwörter mit Beleidigungen beantwortet.
Vergrößern Mit einer kleinen Änderung der Konfiguration wird sudo zum ruppigen Türsteher, der falsche Passwörter mit Beleidigungen beantwortet.

Falsches Passwort? sudo wird pampig!

Der bequeme und schnelle Weg zu root-Rechten in der Kommandozeile ist das Kommando-Tool sudo . In Ubuntu ist der erste Benutzer für die Verwendung von sudo bereits freigeschaltet. Zur Authentifizierung verlangt sudo nur das Benutzerpasswort, und wenn es im Eifer der Eingaben nicht korrekt eingetippt wird, dann darf es der Anwender nach einem freundlichen Hinweis noch zwei Mal probieren. Aber sudo hat auch eine unfreundliche Seite, die den Anwender bei falschen Passworteingaben stattdessen mit Beschimpfungen eindeckt. Dazu öffnen Sie die Konfigurationsdatei von sudo mit dem Kommando

sudo visudo

im Editor und fügen oben hinter den Zeilen die mit „Defaults“ beginnen, die weitere Zeile

Default insults

hinzu und speichern die Datei. „insult“ heißt Beleidigung: Das Ergebnis zeigt die Abbildung.

Muhselig: Die Debian-Kühe

In Debian – und damit auch in Ubuntu – gibt einige versteckte Gags rund um Kühe. So verrät der Befehl apt-get help , dass dieses Programm „Super-Kuh-Kräfte“ hat, und apt-get moo zeigt eine Ascii-Kuh an. Die Paketverwaltung aptitude ist von Kühen weniger begeistert:

aptitude moo

Nach der Eingabe dieses Befehls behauptet sie, dass es hier keine Easter Eggs gäbe. Das stimmt aber nicht ganz, wie die Kommandos aptitude moo -v und aptitude moo -vv zeigen. Ein weiteres Scherzprogramm mit Kuh-Faktor kann mit

sudo apt-get install cowsay

installiert werden. Die Eingabe von

cowsay "Muh!"

lässt die Debian-Kuh den eingegebenen Begriff anzeigen. Laut dem APT-Entwickler Jason Gunthorpe gehen die Kuh-Scherze auf den IRC-Kanal von Debian zurück, wo sich Teilnehmer mit einem „moo“ zu begrüßen pflegten.

Der Paketmanager Aptitude gibt seine Gags im Terminal nicht sofort preis, sondern will erst durch die wiederholte Angabe des Parameters „-v“ überredet werden.
Vergrößern Der Paketmanager Aptitude gibt seine Gags im Terminal nicht sofort preis, sondern will erst durch die wiederholte Angabe des Parameters „-v“ überredet werden.

Perl: Sound-Synthese

Zusammen mit dem Befehl play, der Sounddateien, aber auch Rohdaten über die Soundkarte ausgibt, können Scripts auf der Kommandozeile Klänge erzeugen. Ein komplexes Muster variierender Töne erzeugt dieser Einzeiler mit Perl:

perl -e 'use bytes; for($t=0;;$t++){ print chr($t*(($t>>11|$t>>23)&83&$t>>3)); }'|play -t raw -b8 -r8k -e un -

Das 8-Bit-Konzert geht so lange weiter, bis Sie es mit der Tastenkombination Strg und C abbrechen.

Telnet: Star Wars Episode IV

Das Telnet-Protokoll spielt heute kaum noch eine Rolle, zumal es unverschlüsselt ist und deshalb nur noch für lokalen Verbindungen zu Geräten in Frage kommt. Als Klassiker, der per Telnet-Verbindung von einem niederländischen Host im Internet abrufbar ist, hat sich aber die animierte Ascii-Version von Star Wars Episode IV gehalten. Die Animation wurde immer wieder überarbeitet und kann im Terminal mit dem Befehl

telnet towel.blinkenlights.nl

gestartet werden.

Die Tastenkombination Strg-] gefolgt von Return und der Eingabe „quit“ beendet Telnet wieder.

Tipp: Wer sich für weiter Easter Eggs rund um IT interessiert, ist bei Google mit ganzen 27 verstecken Gags goldrichtig.

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