21.04.2013, 16:23

David Wolski

System-Tuning

Die heiße Phase: Stabilität testen

Läuft ein übertaktetes System stabil und in vertretbaren Temperaturbereichen, bedeutet das nicht, dass es unter Belastung so bleibt. Der wichtigste Schritt ist, die Stabilität unter Last systematisch zu testen und die Chiptemperatur im Auge zu behalten. Zwar ist bei aktuellen Prozessoren die Gefahr gering, dass der Chip Schaden nimmt – zuvor schaltet sich das System ab. Aber Stabilitätsprobleme wären inakzeptabel. Als Stresstest, um der CPU richtig „einzuheizen“, empfiehlt sich das Benchmark-Tool Linx, das den Klassiker Prime 95 abgelöst hat. Der Unterschied ist, dass Linx bei den Testbedingungen den kompletten Arbeitsspeicher mit einbezieht und somit alle wichtigen PC-Komponenten auf Rekordtemperaturen jagt.

Im Testverfahren empfehlen wir zur Kontrolle den Einsatz von drei Programmen, übrigens ist jedes davon Freeware, die Sie während des Stresstests parallel verwenden: Mit Speedfan behalten Sie die Temperaturen im Blick, CPU-Z zeigt die wichtigsten Informationen wie etwa exakte Taktfrequenz, Spannung und den Multiplikator CPU Base Clock als „Bus Speed“ an, während Linx für die nötige Prozessorlast sorgt. Bei den Einstellungen für Linx achten Sie darauf, den gesamten Speicher zu verwenden. Lassen Sie den Test einige Stunden lang laufen. Sollte das System abstürzen, reduzieren Sie die Taktfreqenz wieder. Brechen Sie den Test auch dann ab, wenn die CPU-Temperatur deutlich und dauerhaft über 70 Grad Celsius ansteigt. Dies ist das von Intel und AMD empfohlene obere Limit einer sicheren Betriebstemperatur.
Fitness-Check für den PC - so geht's

Glossar:  Diese Begriffe müssen Sie kennen
CPU Base Clock:
Der Taktgeber des Systems, BCLK abgekürzt, und der universale Taktgeber für Prozessor und RAM. Einige BIOS-Versionen nennen dies auch Host Clock. Kann auch bei CPUs ohne offene Multiplikatoren die Leistung anheben, wirkt sich allerdings auch auf die Speicherbausteine aus.

CPU-Ratio: Der Multiplikator gibt das Verhältnis zwischen Taktgeber (CPU Base Clock) und Taktfrequenz der CPU an. Zum Übertakten ist dies die interessanteste Einstellung. Allerdings können Sie die CPU-Ratio lediglich auf Prozessoren mit offenen Multiplikatoren direkt ändern.

Vcore und CPU Voltage: Die Versorgungsspannung der CPU. Damit das System stabil arbeitet, ist beim extremen Übertakten eine höhere Spannung erforderlich. Achten Sie darauf, dass aktuelle CPUs ab 32-nm-Strukturen trotzdem deutlich weniger Spannung benötigen als ältere Prozessoren. Bis zu 1,3 V sind vertretbar, darüber gerät die Temperatur rasch fatal außer Kontrolle.

VCC/CPUIO: Dies ist die Spannung für die I/O-Ports der CPU. Bei Taktraten bis zu 4 GHz muss die Spannung gar nicht oder nur in minimalen Schritten angepasst werden.

VCCIO: Spannung des Speicher-Controllers, üblicherweise unter 1 Volt. Ein leichtes Erhöhen ist nur bei extremen Taktraten sinnvoll.

VCCSA: Steht für System Agent Voltage und wirkt sich auf CPU-Versorgungsspannung und VCC/CPUIO aus. Standardmäßig unter 1 Volt, muss dieser Wert nur bei extremer Übertaktung der Base Clock, wenn überhaupt, behutsam erhöht werden. Der Maximalwert von 1,4 Volt ist lediglich für Laborexperimente mit unkonventioneller Kühlung interessant.

Memory Multiplier: Gibt das Taktverhältnis für die RAM-Module vor.

Memory Voltage: Versorgungsspannung für die Speichermodule. Sollte höchstens 0,5 V über der VCCIO liegen, denn ansonsten droht Überhitzung.
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