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Die besten SSH-Tools für die Linux-Fernwartung

06.06.2016 | 14:04 Uhr |

Auf Linux-Servern und Platinen, die via Netzwerk verwaltet werden, ist man überwiegend auf SSH und die Kommandozeile angewiesen. Das kann hübsch komfortabel sein, wenn die richtigen Tools parat liegen.

Abgesehen von typisch visuellen Bildbearbeitungs-und DTP-Aufgaben kann die Kommandozeile im Prinzip alles. Aber es soll hier nicht um den Nachweis dieser Universalität gehen, schließlich hat der Home-oder Firmenadmin seine SSH-Konsole in der Regel auf einem Desktop-PC laufen, auf dem er Internet, Mail, Newsreader oder Multimedia ganz bequem grafisch bedienen kann.

Im Fokus stehen daher Tools, die notwendigerweise auf dem Linux-Server stattfinden müssen. Ein weiterer Aspekt wird ein gewisser ästhetischer Anspruch sein, denn das Vorurteil, textbasierte Kommandotools seien notwendig optisch langweilig bis hässlich, ist schlicht falsch.

Auch interessant: DIe 10 wichtigsten Linux-Fakten für Windows-Admins

Tasks in allen Details mit Htop

Was läuft hier eigentlich? Und wo sind die Systemressourcen geblieben? Um sich ein Bild davon zu machen, was alles auf einem Linux-System läuft, bietet Htop einen exakten und komfortablen Überblick. Es macht andere Tools weitgehend überflüssig, so etwa das oft standardmäßig installierte Top sowie die spezialisierteren Tools Iotop oder Dstat. Htop zeigt beliebig detaillierte Infos zu allen laufenden Prozessen und erlaubt den gezielten Abschuss einzelner Tasks, die aus dem Ruder laufen. Zudem lässt sich die Prozesspriorität steuern. Htop ist in den Paketquellen aller Distributionen verfügbar und etwa unter allen Debian / Raspbian / Ubuntu /Mint-basierten System mit dem Befehl

sudo apt-get install htop

nachzurüsten. Es lohnt sich unbedingt, das hervorragend anpassbare Tool über „F2 Setup“ sorgfältig einzurichten. Die Navigation im Setup erfolgt über Cursortasten:

„Meters“ betrifft den Kopfbereich mit den Basisinformationen in zwei Spalten. Hier sollten CPU-Auslastung, Speicher, Uptime und ähnlich grundlegende Angaben organisiert werden. Die verfügbaren Infos unter „Available meters“ können mit den angezeigten Funktionstasten in die rechte oder linke Spalte integriert werden. Zudem gibt es noch einen Anzeigetyp („F4 Type“). Die ideale Anzeige lässt sich mühelos finden, weil Htop die gewählte Einstellung sofort anzeigt.

Verzeichnisgrößen ermitteln mit „NCurses Disk Usage“: Ncdu ist ein Muss auf SSH-verwalteten Systemen und selbst auf Desktopinstallationen mit grafischer Oberfläche eine Empfehlung.
Vergrößern Verzeichnisgrößen ermitteln mit „NCurses Disk Usage“: Ncdu ist ein Muss auf SSH-verwalteten Systemen und selbst auf Desktopinstallationen mit grafischer Oberfläche eine Empfehlung.

„Columns“ betrifft die eigentliche Taskanzeige. Hier sind annähernd 70 Detailinfos pro Prozess möglich, fünf bis acht (unter anderem „Percent_CPU“, „Percent_MEM“, „Command“) sind ausreichend und noch übersichtlich. Wer die Prozesspriorität mit den Tasten F7 und F8 steuern will, benötigt den „Nice“-Wert zur optischen Kontrolle der Änderung.

Je nachdem, was Sie genauer analysieren, können Sie die Taskliste jederzeit mit Taste F6 („SortBy“) nach einem anderen Kriterium sortieren –nach CPU-Anteil, Speicher oder Festplattenzugriffen.

Zum Eingrenzen auf bestimmte Pfade oder Prozessnamen gibt es außerdem einen Textfilter (Taste F4).

Beachten Sie, dass die Htop-Konfiguration sehr viel anbietet, jedoch nicht das Refreshintervall seiner Analyse. Dieses lässt sich mit

htop -d 20

beim Aufruf steuern, wobei die Angabe in Zehntelsekunden erfolgt – hier also alle zwei Sekunden den aktuellen Systemzustand meldet.

Downloads und Uploads mit Curl: Für automatisierten Datentransfer in Scripts genügt Curl; interaktiv ist der Transfer schon aufgrund der Webadressen eher umständlich.
Vergrößern Downloads und Uploads mit Curl: Für automatisierten Datentransfer in Scripts genügt Curl; interaktiv ist der Transfer schon aufgrund der Webadressen eher umständlich.

Datenträgerbelegung mit Ncdu prüfen

Das nützliche Tool Ncdu („NCurses Disk Usage“) sortiert die Verzeichnisse standardmäßig nach der enthaltenen Datenmenge und bietet im Terminal eine sehr viel bequemer bedienbare Festplattenanalyse als das Standardwerkzeug du. Denn Ncdu beherrscht ähnlich wie ein Dateimanager die Navigation zwischen den Verzeichnissen und kann auch aktiv löschen, wo Sie dies für nötig erachten.

Ncdu ist so handlich, dass es selbst auf Desktopsystemen den Vorzug gegenüber den grafischen Alternativen wie Baobab („Festplattenbelegung analysieren“) verdient.

In Debian/Raspbian/Ubuntu/Mint-basierten Systemen liegt Ncdu in den Standardpaketquellen und ist mit

sudo apt-get install ncdu

schnell installiert – zum Teil in älteren Versionen, aber das spielt keine wesentliche Rolle. Die einzig wirklich maßgebliche Bedienregel, die sich nicht sofort erschließt, ist die Auswahl des Startverzeichnisses. Ist Ncdu nämlich einmal gestartet, wird es in keine höhere Verzeichnisebene wechseln. Wenn Sie daher das komplette Dateisystem durchforsten wollen, sollten Sie das Tool mit dem Befehl

ncdu /

starten oder mitncdu, nachdem Sie vorher in das Hauptverzeichnis gewechselt haben. Das erste Einlesen kann etwas dauern, wenn Sie auf diese Weise das ganze Dateisystem untersuchen wollen.

Die Navigation erfolgt wie (oben) angegeben mit den Cursortasten ähnlich wie in orthodoxen Dateimanagern. Dabei sortiert Ncdu immer automatisch nach Ordnergrößen, kann aber mit Taste „n“ auch nach Namen sortieren, mit „s“ wieder nach Größen („size“). Weniger intuitive, aber nützliche Tastenkommandos zeigt Ncdu in der kleinen Hilfe: Insbesondere „g“ ist nützlich („graph/percentage“), um genauere Prozentzahlen zu erhalten, „d“ ist der Löschbefehl („delete) mit nachfolgender Löschbestätigung.

Exzellenter FTP-Spezialist: Lftp ist das ideale Werkzeug für den automatischen Datenaustausch zwischen dem heimischen Linux-Server und FTP-Servern im Internet.
Vergrößern Exzellenter FTP-Spezialist: Lftp ist das ideale Werkzeug für den automatischen Datenaustausch zwischen dem heimischen Linux-Server und FTP-Servern im Internet.

Downloads und Uploads mit Curl

In mindestens zwei Fällen ergibt sich Notwendigkeit, Downloads und Uploads auf der Kommandozeile zu erledigen: Downloads, insbesondere große Pakete, sollen gleich an der richtigen Stelle am Server landen, ohne dann hinterher im lokalen Netz verschoben werden zu müssen.

Noch wichtiger ist ein Datentransfer vom und ins Internet, den ein Server tagtäglich automatisiert per Cron-Job erledigen soll. Hier geht es auf keinen Fall ohne Kommandotool – auch nicht auf einem Desktop-PC.

Erste Wahl ist hier Curl, das Downloads und Uploads mit sämtlichen Protokollen beherrscht, FTP und HTTP selbstverständlich inklusive. Mit der einzigen Ausnahme, dass Sie Downloads rekursiv über mehrere Verzeichnisebenen realisieren müssen (dafür eignet sich Wget), genügt Curl für alle Lebenslagen. Curl und gegebenenfalls Wget sind über die gleichnamigen Paketnamen in allen Distributionen verfügbar und zum Teil auch schon vorinstalliert. Mit seiner ausufernden Schalter-Armada und einer man-Page von 100 KB ist Curl ein typisches Scripttool, auch wenn es für interaktiven Einsatz Kurzvarianten der Parameter anbietet: Mitcurl -O [Web-Adresse] und curl -T [Web-Adresse] sind einfache Downloads und Uploads auch interaktiv zu erledigen. In Scripts empfehlen sich zur besseren Lesbarkeit immer die ausführlichen Schalter:

curl --user [admin]:[passwort] --remote-name [FTP/HTTP-Adresse/Ordner/Dateiname]

„--remote-name“ entspricht dem Schalter „-O“ und erledigt den Download mit Originaldateinamen in das aktuelle Verzeichnis. Ein Upload kann etwa so aussehen, wobei „--upload-file“ dem Kurzschalter „-T“ entspricht:

curl --user [admin]:[passwort] --upload-file [Dateiname] [FTP/HTTP-Adresse/Ordner/Dateiname]

In komplizierteren Fällen ist der Blick ins Manual (man curl) unerlässlich, aber für eine Scriptaufgabe eine einmalige Recherche, die sich dann dauerhaft bewährt.

Midnight Commander funktional und ansehnlich: Seine Arbeitsleistung ist über alle Zweifel erhaben, die anpassungsfähige Optik entgeht aber den meisten Nutzern.
Vergrößern Midnight Commander funktional und ansehnlich: Seine Arbeitsleistung ist über alle Zweifel erhaben, die anpassungsfähige Optik entgeht aber den meisten Nutzern.

Lftp für automatische Uploads und Downloads

Für interaktives Kopieren von FTP-Servern eignet sich der Midnight Commander (Menü „Links/Rechts -> FTP-Verbindung), für automatisierte Kopien das kurz beschriebene Curl. Als absoluter Spezialist sowohl für interaktive wie automatische FTP-Aktionen bietet sich hingegen Lftp an, sobald die Ansprüche in diesem Bereich höher sind. Lftp ist überall in den Paketquellen verfügbar. Für interaktives Arbeiten starten Sie das Programm einfach mitlftp und verbinden sich:

open -u [user],[passwort] meinserver.de

Danach stehen mit ls, cd, get, mget und put die typischen Basisbefehle zur Verfügung, daneben zahlreiche anspruchsvollere Funktionen wie mirror, das ganze rekursive Verzeichnisbäume übertragen kann. Über eine Inputdatei, die nach dem „open“-Kommando Zeile für Zeile alle notwendigen Befehle bis zum „exit“ enthält, lässt sich das Ganze dann vollständig automatisieren:

lftp -f lftp_input.txt

Lftp arbeitet dann den kompletten Befehlsstapel der Input-Datei ab.

Tipp: Sechs Tipps, um Linux-Server im Netzwerk abzusichern

Midnight Commander mit Anpassungen

Der Midnight Commander gehört zur Pflichtausstattung jedes ferngewarteten Linux-Servers und ist oft sogar auf Desktop-Distributionen grafischen Dateimanagern vorzuziehen. Er findet sich in den Standardpaketquellen aller Distributionen und ist unter Debian/Raspbian/Ubuntu/Mint-basierten Systemen mit

sudo apt-get install mc

schnell nachinstalliert. Der Aufrufmc öffnet dann die typische Zweifenster-Anordnung des orthodoxen Managers. Die Grundbedienung sei hier vorausgesetzt, zumal der Commander die wichtigsten Hotkeys unten anzeigt und nach „Optionen -> Layout -> Menubar visible“ auch dauerhaft sein Menü anbieten kann. Bei der Darstellung und Nutzung wird aber oft viel Potenzial verschenkt. Das Old-School-Outfit des verblichenen Norton Commanders ist immer noch Standard, aber keineswegs zwingend. Unter „/usr/share/mc/skins“ liegen diverse Skins, die Sie mit Aufrufparameter „-S“

mc -S xoria256

erst testen können und dann den Skin Ihrer Wahl in die Benutzerkonfiguration „~/.config/mc/ini“ nach „skin=“ eintragen. Die 256-Farben-Skins benötigen die Terminaleinstellung

TERM=xterm-256color

an beliebiger Stelle der Initialdatei „~/.bashrc“.

Fast wie ein grafisches Programm: Der Netzwerkmanager Ceni ist klickfreundlich und vereinfacht die manuelle IP-Konfiguration am Server.
Vergrößern Fast wie ein grafisches Programm: Der Netzwerkmanager Ceni ist klickfreundlich und vereinfacht die manuelle IP-Konfiguration am Server.

Ebenfalls individuell einstellbar sind sämtliche Tastenkombinationen zur Steuerung des Dateimanagers selbst sowie seines internen Viewers und Editors. Dazu kopieren Sie die globale Konfigurationsdatei „/etc/mc/mc.keymap“ in die Benutzerkonfiguration nach „~/.config/mc/mc.keymap“. Das hat den Vorteil, dass Sie im Pannenfall jederzeit auf die globalen Standardeinstellungen zurückgreifen können. Ein nützlicher Eingriff besteht etwa darin, in der Sektion „[editor]“ neben „Store“ und „Paste“ die altertümlichen Hotkeys „ctrl-insert“ (Strg-Einfg) und „shift-insert“ (Umschalt-Einfg) durch geläufigeres „ctrl-c“ und „ctrl-v“ zu ersetzen.

Netzwerkkonfiguration mit Ceni

Für die manuelle Netzwerk-und WLAN-Konfiguration auf der Kommandozeile gibt es mehrere brauchbare Programme. Ein übersichtliches Tool für alle Debian/Raspbian/Ubuntu-Systeme finden Sie mit Ceni bei der Uni Leipzig. Nach dem Download der Datei „2.33_all.deb“ gehen Sie in das Downloadverzeichnis und installieren Ceni mit diesem Kommando:

sudo dpkg -i ceni_2.33_all.deb

Der Paketmanager wird sich über einige fehlende Abhängigkeiten beschweren und die Installation noch nicht abschließen. Den Abschluss erledigt dann dieses Kommando, das die benötigten Pakete nachinstalliert und Ceni einrichtet:

sudo apt-get -f install

Danach ist das Netzwerktool mit dem Aufrufceni einsatzbereit. Unter „Hardware interfaces“ starten Sie mit Doppelklick auf den gewünschten Adapter dessen Konfiguration. Ceni eignet sich insbesondere, um die automatische IP-Vergabe via DHCP durch eine feste, manuell angeforderte Adresse zu ersetzen.

So sinnlos schön kann Serveradministration sein: Die Matrix-Animationen von Cmatrix machen den Konsolenalltag bunter und unterhaltsamer.
Vergrößern So sinnlos schön kann Serveradministration sein: Die Matrix-Animationen von Cmatrix machen den Konsolenalltag bunter und unterhaltsamer.

Matrix-Screensaver für die Konsole

Cmatrix sollte man unbedingt haben, denn das Tool ist vollkommen nutzlos wie die meisten Dinge, die wir lieben. Cmatrix ist über die Standardpaketquellen zu beziehen und unter Debian/Raspbian/Ubuntu/Mint mitsudo apt-get install cmatrix schnell installiert. Nach Eingabe voncmatrix regnet es grüne Buchstaben im Terminal mit der Anmutung des Filmeklassikers „Matrix“. Wer die Animation farblich (Schalter „-C“) oder in der Geschwindigkeit (Schalter „-u“) beeinflussen will, hat dafür mehrere Parameter zur Verfügung – etwa:

cmatrix -sab -u 6 -C red

Schalter „-s“, hier im Beispiel kombiniert mit weiteren Optionen, ist zu empfehlen, wenn sich Cmatrix wie ein Screensaver verhalten und nach jeder eingegebenen Taste stoppen soll. Andernfalls hilft Taste „Q“ oder die allgemeine Tastenkombination Strg-C, um das hübsche Progrämmchen zu beenden. Ohne den Schalter „-s“ gibt es verschiedene Tastencodes, um Cmatrix während der laufenden Animation zu steuern, also Farbe oder Geschwindigkeit zu wechseln. Genaueres darüber sagt die Hilfe (man cmatrix).

Übrigens: Es soll Personen geben, die ihren Raspberry-Platinenrechner ausschließlich mit der sinnfreien Aufgabe beauftragen, Cmatrix über ein kleines Display wiederzugeben.

Texteditor Mcedit statt Nano

Eingriffe in Konfigurationsdateien gehören zu den substanziellen Alltagsaufgaben bei der Linux-Serverwartung. Als Editor auf der Konsole dient dabei meist der standardmäßig installierte Nano. Sicher kann man sich an den puristischen und schnellen Nano gewöhnen: Der hat inzwischen immerhin eine Undo-Funktion erhalten, die aber beim Aufruf explizit mit nano -u aktiviert werden muss. Der Undo-Hotkey ist dann Alt-U. Wenn aber der im Haupttext genannte Midnight Commander schon an Bord ist, hat man mit dessen internen Editor Mcedit einen deutlich komfortableren Texteditor zur Verfügung. Mcedit läuft unabhängig vom Hauptprogramm und lässt sich alternativ mit diesen Befehlen

mcedit [datei]
mc -e [datei]

starten. Mcedit zeigt die wichtigsten Bearbeitungs-Hotkeys unten an und nach F9 oder nach Klick in die obere Infozeile ein opulentes Menü. Wer das Menü immer im Blick haben will, kann das über „Fenster -> Toggle Fullscreen“ erreichen. Mcedit bietet unter anderem Syntaxhervorhebung (unter „Optionen“), Sortierfunktion (unter „Format“), Codepage-Auswahl („Befehl -> Kodierung“) und eine elaborierte Textsuche sowie Lesezeichenmarkierung. Die fundamentalen Bearbeitungsfunktionen sind mitunter ebenso gewöhnungsbedürftig wie bei Nano, die Investition lohnt sich aber. So ist etwa beim Verschieben von Text der Text erst mit der Maus (oder mit Umschalttaste und Cursor) zu markieren, anschließend mit Cursor oder Bild-oben/unten an die gewünschte Stelle zu navigieren und dann mit F6 das Verschieben auszulösen. Alternativ können Sie sich auch vertraute Hotkeys einrichten wie oben beim Hauptprogramm schon angemerkt.

So nutzen Sie Linux-Befehle unter Windows
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