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Die besten Raspberry Pi-Alternativen im Überblick

08.02.2016 | 10:19 Uhr |

Andere Mütter haben auch schöne Töchter: Mehr RAM, mehr CPU, mehr Anschlüsse – es muss nicht immer der Raspberry Pi sein.

Der Raspberry Pi hat den Stein ins Rollen gebracht – keine Frage, und insbesondere Arduino dürfte von der plötzlichen Aufmerksamkeit profitiert haben. Aber die beiden bekanntesten Namen sind längst nicht die einzigen Single Board Computer (SBC) auf dem Markt – es gibt Dutzende. Im Folgenden stellen wir Ihnen kurz einige interessante Boards und deren Einsatzmöglichkeiten vor. Gleich vorweg: Der Raspi lässt sich auch ohne Bastelleidenschaft als günstige Hardware für Fertig-Projekte wie Medienserver nutzen – dank etlicher vorkonfigurierter Images und guter Endnutzerdokumentation. Die hier vorgestellten Systeme können das nicht in dem Maße leisten, Produkte wie der Intel Edison dürften vornehmlich für Entwickler spannend sein, ein Cubieboard könnte sogar den ganzen Office-Rechner ersetzen.

Raspberry verkauft 5-Dollar-Computer Raspberry Pi Zero

Banana Pi: Direkter Raspberry-Konkurrent

Banana Pi
Vergrößern Banana Pi

Der Name suggeriert eine enge Verwandtschaft zum Raspberry Pi, tatsächlich besteht zwischen den beiden Projekten keine Verbindung. Der Banana Pi wird in verschiedenen Varianten angeboten. Mit dem aktuellen Raspberry 2 lässt sich am ehesten Banana Pi M2 vergleichen. Dessen Nachfolger ist indes auch schon angekündigt. Dieses Modell M3 wird dann im Gegensatz zur zweiten Version wieder eine SATA-Schnittstelle zum direkten Anschluss von Festplatten enthalten – mit deutlich besserem Durchsatz als USB 2.0.

Im Übrigen ähnelt der Banana Pi dem Raspberry in vielerlei Hinsicht. Die Abmessungen des Boards sind ähnlich und auch die grundlegende Architektur. Auch hier kommt eine Quad-core-CPU zum Einsatz, auch hier gibt es ein GB RAM. Banana Pi M2 taktet indes etwas höher.

Große Pluspunkte sammelt Banana Pi durch sein Gigabit-Ethernet und das auf dem Board integrierte WLAN-Modul. Beim Raspberry muss die Funknetzverbindung über einen externen USB-Adapter realisiert werden (15 bis 20 Euro). In Sachen Grafik hat der Banana Pi ebenfalls die Nase vorn. Es kommt die 400-MP2-GPU von Mali zum Einsatz, die sich auch in anderen Platinenrechnern findet. Noch ein kleines Komfortmerkmal des Banana Pi: Er besitzt einen Schalter für Zurücksetzen. Als Betriebssysteme bieten die Entwickler unter anderem Android, Raspbian, Ubuntu und Fedora an. Was ambitionierte Bastler freuen wird, ist die Raspberry-Kompatibilität bei den 40 GPIO-Pins. So können viele Erweiterungen für den Raspberry auch im Banana Pi eingesetzt werden.

Odroid-Platine in mehreren Varianten

Odroid in mehreren Varianten, die allesamt leistungstechnisch über dem Raspberry liegen.
Vergrößern Odroid in mehreren Varianten, die allesamt leistungstechnisch über dem Raspberry liegen.

Der Name der Platine lässt zu Unrecht vermuten, dass es sich um eine offene Hardware-Architektur auf Basis eines Android-Betriebssystems handelt. Richtig ist indes, dass die Platinen unter anderem auch Android als Betriebssystem einsetzen können. Der Hersteller bietet eine ganze Reihe von Modellen an. Nicht ganz leicht ist es dabei, den Überblick darüber zu behalten, welche davon noch aktiv produziert und vertrieben werden.

Preislich und architektonisch spielt der Odroid C1+ am ehesten in der Liga des Raspberry Pi 2. Seine Quadcore-CPU wird mit 1,5 GHz getaktet, ist also schneller als der Raspberry. Das gilt auch für die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle. Wie beim Raspberry stehen vier USB-Schnittstellen sowie eine 40-polige GPIO-Einheit zur Verfügung. Ton-und Videoausgabe erfolgen hier allerdings ausschließlich per HDMI. Auch eine Kamera kann an das Board angeschlossen werden – allerdings per USB-Schnittstelle und nicht einen eigenen Erweiterungs-Slot.

Der Odroid verwendet die gleiche GPU wie der Banana Pi M2 und werkelt damit in Sachen grafischer Oberfläche deutlich schneller als der Raspberry. Zwei weitere Unterschiede: Die Odroid-Platine besitzt eine eingebaute und gepufferte Uhr (Real-Time-Clock) und eine Infrarotschnittstelle. Letzteres macht sie als Mediencenter-Lösung sehr attraktiv. Auf den Seiten des Herstellers werden als Betriebssysteme eine ältere Ubuntu-Version angeboten sowie eine auf KikKat basierte Android-Version.

Verglichen mit dem Raspberry ist die Betriebssystemauswahl eher schmal, aber Odroid hat mit der angebotenen Software beste Voraussetzungen, um etwa als Medienserver eingesetzt zu werden. Die Community rund um die Platine ist weitaus kleiner, hat aber mit Geschick und technischem Sachverstand ebenfalls erstaunliche Projekte umgesetzt.

Ein kleiner PC: Das Hummingboard i2eX

Hummingboard
Vergrößern Hummingboard

Das aus Israel stammende Hummingboard ist problemlos in Deutschland zu bekommen. Wie bei anderen Herstellern auch wird unter dieser Produktfamilie eine ganze Reihe von Varianten angeboten.

Der Kunde kann hier genau die Leistung wählen, die er für seine Projekte benötigt. Zur Auswahl stehen Platinen mit Single-und Dualcore sowie die Flaggschiffe mit Quadcore-CPU. In der oberen Mittelklasse mit zwei CPU-Kernen liegt das Hummingboard i2eX. Das Board hat die Größe eines Raspberry, ist aber deutlich anschlussfreudiger. Es besitzt neben den beiden USB-Ports (2.0.) eine SATA-Schnittstelle sowie einen Mini-PCI-Express-Port, außerdem Gigabit-Ethernet und Infrarot.

Als Massenspeicher kann auch eine Micro-SD-Karte genutzt werden, da ein solcher Steckplatz ebenfalls vorhanden ist. Der Prozessor wird mit einem GHz getaktet, und verbaut ist ein Arbeitsspeicher von einem GB RAM. Videosignale werden wie üblich per HDMI ausgegeben, Audiosignale entweder per HDMI, Klinkenbuchse oder SPDIF. Für eigene Projekte ist eine GPIO-Leiste vorhanden, die mit dem Raspberry kompatibel ist. Der Hersteller Solid Run bietet auf seiner Projektseite einen Installer für Betriebssysteme an, der Noobs recht ähnlich ist („Ignition“). Der Nutzer von Ignition kann zwischen einer Reihe von Systemem wählen. Empfohlen wird Open Elec, da sich die Platine aufgrund der verbauten Hardware und der Leistung als Multimedia-Center anbietet.

Als Alternativen können aber auch Android oder Debian installiert werden. Das Hummingboard bootet sowohl das Betriebssystem auf SD-Karte als auch von einer per SATA angeschlossenen Festplatte.

Beagle Boards: Beagle Bone Black

Das Beagleboard in Schwarz
Vergrößern Das Beagleboard in Schwarz

Das Design der Beagle Boards ist frei: Jeder Händler jeder kann solche Platinen innerhalb der Spezifikation selbst anpassen. Im Handel gibt es derzeit vorwiegend zwei Modelle: Das Beagle Board xM bietet zwar nur 512 MB Speicher, dafür aber vier USB-Schnittstellen (2.0), einen Fast-Ethernet-Anschluss und einen DVI-D-Port. Interessant ist sicherlich der zusätzliche S-Video-Anschluss, aber dafür ist das Gerät ist mit etwa 170 Euro letztlich überteuert. Preislich im Rahmen eines Raspberry liegt der kleine Beagle Bone Black . Das kleine Board ist Hardware-Technisch schlechter ausgestattet als der Raspberry und mit 512 MB RAM nicht für ressourcenhungrige Anwendungen geeignet. Punkten will der der kleine Rechner mit einem vorinstallierten Linux samt der Entwicklungsumgebung Cloud9-IDE. Entwickler können hier also sofort mit der Arbeit anfangen, und der Slot für Micro-SD-Karten bleibt für andere Zwecke frei. Damit zielt der Beagle Bone Black am ehesten auf ambitionierte Bastler und Entwickler.

Viele Projekte sind gut dokumentiert, bedingen aber, dass man sich an die Herstellung eigener Platinen herantraut. Wer mit dem ausgelieferten Linux nicht arbeiten möchte, kann relativ unkompliziert auch ein Android oder ein anderes Linux-System für ARM-Prozessoren auf den kleinen Rechner spielen.

Intel Galileo: Nichts für Alltagsaufgaben

Der Intel Galileo.
Vergrößern Der Intel Galileo.

Der Vergleich zwischen einem Galileo-Board von Intel und dem Raspberry hinkt aus vielerlei Gründen. Dies beginnt mit zwei auf den ersten Blick eher unscheinbaren Funktionen. Zum einen verfügt das Galileo 2 bereits über eine Stromversorgung. Zum anderen kann das Board wahlweise von der SD-Karte oder dem Speicher an Bord starten. Intel hat sein Board mit Blick auf die Arduino-Gemeinde entwickelt. Die für dieses System entwickelten Steckerweiterungen (Shields) sind mit dem Galileo-Board kompatibel.

Indes ist das Board mit Sicherheit nichts für Einsteiger. Denn hier suchen die Nutzer vergeblich nach den Schnittstellen-Standards HDMI, DVI oder VGA. Angetrieben wird das Board von einem Quark-SoC (System-on-Chip) von Intel, der auf dem Pentium basiert. Der Ethernet-Anschluss des Boards kann als Stromquelle dienen (Power over Ethernet). Das Galileo-Board wird als Open-Source-Hardware vertrieben.

Die Dokumentationen sind frei zugänglich, und damit darf jeder das Board herstellen und vertreiben, ohne den Markennamen zu verwenden.

Das Board besitzt neben dem Steckplatz für die Micro-SD-Karte und einem USB-Anschluss (2.0) auch noch einen PCI-Express-Steckplatz. Damit lässt sich die Platine recht vielseitig erweitern, etwa mit Wi-Fi, Bluetooth oder sogar GSM-Adaptern für den Mobilfunk. Rund um den Galileo hat sich eine kleine Gemeinde geschart, die von Intel mit einem eigenen Forum unterstützt wird.

Intel Edison + Arduino

Der Intel Edison.
Vergrößern Der Intel Edison.

Der nur ein paar Zentimeter kleine Edison ist speziell zur Entwicklung mobiler und vernetzter Geräte (Internet of Things) konzipiert und wird von einem 500-MHz- Dualcore-Atom-Prozessor angetrieben. Zusätzlich verfügt der Rechenzwerg über eine 100-MHz-Quark-CPU, die realtime-fähig ist. Entsprechend kann Edison zwei Betriebssysteme betreiben: Auf der Atom-CPU läuft wieder Yocto und für Quark ist FreeRTOS vorgesehen. Den Einsatzzweck sieht man auch an den Anschlüssen: Dualband-Wifi, Bluetooth, USB und Micro- SD – alles weitere muss über das Arduino Breakout Board realisiert werden, das zum Preis von 100,24 Euro bereits inklusive ist. Für die Entwicklung kann auch hier wieder Arduino verwendet werden, ebenso aber auch Eclipse oder Intels Internet of Things Development Kit, das auch gleich essenzielle Hardware (Kabel, Schalter, Batterieanschluss, etc.) beinhaltet.

Arduino Uno: Klassischer Micro-Controller

Arduino Uno
Vergrößern Arduino Uno

Die Platine Arduino Uno gehört zu den Vätern der Ein-Platinen-Rechner und dürfte auch die Macher des Raspberry inspiriert haben. Es handelt sich um einen programmierbaren Micro-Controller, nicht um einen Mini-PC (Preis: ab 20 Euro).

Der Arduino Uno besitzt eine große und aktive Fangemeinde, und in Elektronikmärkten sind unzählige Erweiterungs-Boards und Sensoren zu bekommen, mit denen sich die Möglichkeiten des Computers erweitern lassen. Wer sich mit dem Arduino beschäftigen will, kommt nicht darum herum, sich auch mit dem Thema Programmierung zu beschäftigen: Anders als die anderen hier genannten Geräte kann Arduino ein Betriebssystem nicht direkt starten. Vielmehr werden die Funktionen über eine eigene Entwicklungsumgebung programmiert.

Ein Vergleich der Leistungsdaten (ein KB Speicher, 16-MHz-CPU) mit dem Raspberry wäre unfair und entspräche dem sprichwörtlichen Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Der Arduino ist aber überall das ideale Werkzeug, wo es um die Ermittlung von Messwerten oder etwa die Steuerung in der Lichttechnik geht.

Fast ein PC: Das Cubieboard 3

Das Cubieboard 3
Vergrößern Das Cubieboard 3

So richtig fair ist ein Vergleich zwischen dem Raspberry und einem Cubieboard nicht. Denn das Cubieboard 3 spielt in der Ausstattung und der Leistung schon eher im Bereich von ausgewachsenen PCs.

Diese Platine ist eine der schnellsten unter den Minisystemen. Das hat dann aber natürlich auch seinen Preis, der um die 100 Euro liegt. Zwei GB RAM, also zweimal so viel wie im Raspberry, und acht GB Flashspeicher sind fest integriert. Der Dualcore-Prozessor ist mit einem GHz getaktet. Die grafische GPU ist die gleiche wie im Odroid, arbeitet also ebenfalls gegenüber dem Raspberry deutlich flotter.

Schnittstellen bietet das Board reichlich: WLAN und Bluetooth sind mit an Bord. Neben dem obligatorischen HDMI-Anschluss sind auch ein optischer Ausgang sowie eine klassische VGA-Schnittstelle integriert. Und schließlich ist auch noch ein Infrarotempfänger dabei. Gänzlich in die Nähe eines kompakten PCs gerät das Cubieboard durch seinen SATA-Port. Der versorgt eine darüber angeschlossene Festplatte auch direkt mit Strom. Gebootet werden kann das Board von einer Mikro-SD-Karte, aber auch der angeschlossenen Festplatte.

Für Bastler stehen 54 Anschluss-Pins (GPIO-Einheit) zur Verfügung. Auch bei den Betriebssystemen hat der Nutzer eine große Auswahl. Eingesetzt werden können Cubian (angepasstes Debian), Fedora, Lubuntu und auch Ubuntu. Die Community rund um das Cubieboard ist deutlich kleiner als beim Raspberry. Dennoch machen die starke Hardware sowie die SATA-Schnittstelle das Cubieboard für alle Projekte interessant, die ordentlich nach Leistung verlangen. Zwar können Sie auch mit einem Raspberry ein Network Attached Storage (NAS) bauen oder die Platine als Streaming-Box nutzen.

Die deutlich höhere Leistung des Cubieboard macht sich in diesen Anwendungsfällen allerdings schnell positiv bemerkbar. Ein Nachteil des Systems: Wer mit dem Cubieboard Projekte umsetzen will, die sich nicht durch angebotene Betriebssysteme und deren Software umsetzen lassen, muss Fachwissen mitbringen und mit dem Lötkolben umgehen können. Im Fachhandel findet sich kaum Zubehör für den kleinen Rechner.

RIoTboard MCIMX6 SOLO

Das RIoTboard in Verpackung.
Vergrößern Das RIoTboard in Verpackung.

Der Name verrät es schon, das RIoTboard will das Internet of Things (IoT) revolutionieren. Allerdings handelt es sich eher um ein Vielzwecksystem wie Cubieboard, ist mit 77,35 Euro aber etwas günstiger und setzt dennoch auf den 1-GHz- ARM-Cortex-A9-Kern im i.MX6-SOLO-Chip. Bei RAM und internem Speicher muss sich der Revoluzzer aber jeweils mit der Hälfte der Cubietruck-Werte zufrieden geben. Alle wichtigen Anschlüsse (Ethernet, HDMI, 4 x USB, GPIO) sind vorhanden, erwähnenswert sind vor allem der analoge Audio-in-Port sowie gleich zwei Kartenanschlüsse für SD beziehungsweise Micro-SD. Etwas problematisch könnte der Community-Faktor sein, denn das RIoTboard mag zwar technisch interessant sein, scheint sich aber bisher nicht in der Masse durchgesetzt zu haben – dass es nicht mal einen Wikipedia-Eintrag gibt, spricht Bände.

Ein bestes unter den Systemen auszumachen ist nicht möglich, dazu sind die vorgestellten Boards zu unterschiedlich. Beispielsweise eignet sich das sehr gut ausgestattete Cubieboard 3 gut als Basis für Desktop-Rechner, ist für den Einbau in einzelne Hardware-Projekte aber nicht optimal – da ist der günstige Intel Galileo schon interessanter. Zudem gibt es zu allen Boards natürlich noch reichlich weitere Daten, von speziellen seriellen Schnittstellen über die Stromaufnahme bis hin zu den physischen Ausmaßen, dir für konkrete Projekte relevant sein könnten. Einzig das BeagleBoard will sich nicht so recht aufdrängen – ein Blick auf die BeagleBone-Reihe des gleichen Projekts lohnt sich aber wiederum!

Video: Quadcore-CPU & 1 GB RAM - der Raspberry Pi 2
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Raspberry Pi erfreut sich gerade unter Bastlern einer großen Beliebtheit. Kein Wunder, denn mit der 35-Euro-Platine lassen sich viele spannende Projekte realisieren. Vom Mediacenter, Netzwerkspeicher, Fotomaschine bis hin zum Überwachungssystem ist alles möglich. Dieser Bereich ist aber nicht nur dem Raspberry Pi gewidmet, sondern bietet auch viele Tipps, Tricks und Anleitungen für andere spannende Bastelprojekte.

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