18.09.2012, 15:35

David Wolski

Foto & Video

Was bringt die Zukunft für Fotografie und Film?

Die wichtigsten Zukunftstrends für Foto und Video. ©istockphoto.com/Latife

Die digitale Entwicklung beeinflusst auch Fotografie und Film in großem Maße. Einige interessante Entwicklungen und Konzepte werden in den nächsten Jahren beide Medien weiter verändern.
Seit den kontrastreichen Diafilmen hat sich die Bildqualität in der Fotografie nicht mehr wesentlich verändert. Wohl aber die Kamera und die Aufnahmetechnik. Die digitale Revolution in der Fotografie hat nicht nur den gesamten Prozess der Filmentwicklung obsolet gemacht, sondern auch die Sehgewohnheiten verändert. Und die Entwicklung bleibt nicht stehen. Wir zeigen, welche Techniken die Zukunft bietet.

Plenoptische Kameras: Nachträglich schärfen
Fotos nachträglich fokussieren, grenzenlose Schärfentiefe: Dies sind die Versprechen der plenoptischen Kamera, auch als Lichtfeldkamera bekannt. Im Gegensatz zur konventionellen Aufnahmetechnik, die ein Bild nur in zwei Dimensionen einfängt, arbeitet die Lichtfeldfotografie mit einem 4D-Lichtfeld: Die Kamera registriert auf dem Sensor nicht nur die Position eines Lichtstrahls im dreidimensionalen Raum, sondern auch dessen Intensität und Richtung. Das Konzept ist keine Neuentwicklung, sondern geht auf die Forschung des Physikers Gabriel Lippmann zurück, der bereits 1908 eine Lichtfeldkamera entwarf. Plenoptische Kameras werden vor allem für die kommerzielle Nutzung in Forschung und Industrie gebaut, beispielsweise von der deutschen Firma Raytrix.

Da es sich um aufwendige Apparate handelt, war die Lichtfeldfotografie bisher kein Thema für Hobbyfotografen. Das soll sich jetzt ändern: Die US-Firma Lytro stellte Anfang 2012 eine erschwingliche Lichtfeldkamera mit 1,2 Megapixel in einem handlichen Hemdtaschen-Format vor. Zur Umsetzung der sogenannten Lichtfeldfotografie setzt Lytro auf ein spezielles Objektiv, das aus einer Reihe von Linsen besteht. Es kann die unterschiedlichen Schärfe-Ebenen speichern und auf das aufgenommene Bild anwenden. Eine Demo zeigt dies als interaktive Flash-Animation auf der Hersteller-Webseite.

Minimalismus bestimmt das Kaleidoskop-ähnliche Design der Lytro. Und deshalb bietet die Rückseite neben einem kleinen 1,5-Zoll-Touchscreen auch nur zwei Knöpfe: Auslöser und Zoomregler. Und hier zeigt sich bereits das Manko der Kamera: Das Design wirkt, als möchte jemand eine App mit einer Kamera nachbauen – sozusagen eine „Hardware-App“. Ein Spielzeug, das genau einen Trick kennt. Das kostengünstigste Lytro-Modell mit acht Gigabyte Speicherplatz ist für 399 US-Dollar zu haben. Bleibt zu hoffen, dass Lytro nach diesem ersten Modell eine Weiterentwicklung vorlegt.
Spiegellose Kameras mit Wechselobjektiv
Keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits Realität: Die spiegellose Systemkamera mit Wechselobjektiv gibt das Sucherbild direkt auf dem Display oder über einen elektronischen Sucher aus. Da hier weder Pentaprisma noch Mechanik benötigt wird, sind diese Kameras sehr viel kleiner als herkömmliche DSLRs und lassen kompaktere Objektive zu. Mittlerweile haben sämtliche große Hersteller spiegellose Kameras auf dem Markt, auch jene, die dem Konzept zunächst eher skeptisch gegenüberstanden.

Nikon und Canon möchten nicht selbst den Erfolg der Spiegelreflexkameras (DSLRs) untergraben. Und deshalb sind alle aktuellen Modelle mit einem kleineren Sensor ausgestattet. Ein weiteres Manko ist die Einführung neuer Standards für Wechselobjektive, die für den kleinen Sensor optimiert sind. Bis auf Leica haben alle ein inkompatibles Bajonett eingeführt, an das ältere Optiken für bewährte Objektivsysteme des gleichen Herstellers nicht mehr passen. Begründet wird dies mit der veränderten Bauform. Tatsächlich geht es aber darum, sich das Geschäft mit teuren DSLRs nicht kaputt zu machen.

Was also fehlt, um den spiegellosen Modellen zum Durchbruch zu verhelfen, ist eine Kamera, die es bei gleicher Sensorgröße mit den professionellen DSLRs aufnehmen will und mit bestehenden Objektivsystemen umgehen kann. Die aktuellen Geräte bieten daher lediglich einen Vorgeschmack auf die Zukunft der spiegellosen Kameras.

Filmkameras mit 48 Bildern pro Sekunde
Die eher konservative Filmindustrie hat mit 3D-Kino gerade erst einen großen Wechsel hinter sich. Und schon gibt es Anzeichen einer weiteren Änderung auf der Leinwand. Die Bildwiederholrate lag 80 Jahre lang bei 24 Bildern pro Sekunde. Für hochauflösende Filme und 3D-Material genügt dies jedoch nicht mehr, da das Bild zu weich wirkt. Peter Jackson hat nun auf der Comiccon 2012 in einer zehnminütigen Vorschau gezeigt, wie das Kino der Zukunft aussieht: „Der Hobbit“ wird mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht und zeigt ein gestochen scharfes und räumliches Bild. Nicht alle waren begeistert, da die Bildqualität an HD-Fernsehen erinnert und nichts mehr vom körnigen Ambiente des traditionellen Popcorn-Kinos hat. Die eher verhaltene Reaktion von Publikum und Kritikern könnte allerdings auch an etwas anderem liegen: Das gezeigte Filmmaterial war noch unbearbeitet und ohne Effekte. Wie der Film am Ende wirklich aussehen wird, erfahren wir erst zur Premiere Mitte Dezember dieses Jahres.
Die iPhone-Revolution
Der Schock saß tief und die Kamerahersteller haben sich bislang nicht davon erholt: Steve Jobs spendierte dem iPhone keine billige Handyknipse, sondern eine richtige Kamera. Apple bewirbt deshalb auch explizit die acht Megapixel des aktuellen iPhones. Auf Flickr etwa ist das häufigste Kameramodell ein iPhone.
Auch wenn das iPhone nie ein vollwertiger Ersatz für eine DSLR oder eine Systemkamera sein kann, den üblichen, digitalen Kompaktkameras wird es allerdings schon gefährlich. Und das iPhone verdrängt diese bereits in ganz unerwarteten Bereichen: Der Fotojournalist Damon Winter begleitete die 87. Infanterie der US-Armee durch Nord-Afghanistan – nur mit einem iPhone im Gepäck. Der Vorteil: Sowohl das Militärpersonal als auch Einheimische verhielten sich völlig anders, wenn man ihnen kein bedrohlich wirkendes Zoomobjektiv vors Gesicht schob. Diesen Effekt der Nähe pries seinerzeit schon Henri Cartier-Bresson, der auf leise und kleine Leica-Sucherkameras setzte. Diese Rolle hat heute das iPhone übernommen, das in Zukunft eine feste Größe im Fotojournalismus sein wird.
 
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