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Die Tricks der Vergleichsportale

25.05.2016 | 08:25 Uhr |

Preissuchmaschinen und Vergleichsportale für Strom, Gas, DSL, Handy, Kredite und Versicherungen suggerieren Transparenz. Doch sie arbeiten keineswegs unabhängig, deshalb ist beim Ranking grundsätzlich Vorsicht geboten.

Beginnen wir mit einer Randnotiz: „Der Energieversorger Flexstrom ist einfach clevergünstig. Überzeugen Sie sich selbst, wie Sie mit dem Stromanbieterwechsel zu Flexstrom sparen können“, so heißt es in der Vorschau der Google-Suche weiterhin. Flexstrom – das ist doch der Strom- und Gasanbieter, der bereits 2013 Insolvenz anmelden musste. Richtig, doch offenbar hat in den zurückliegenden drei Jahren schlicht niemand daran gedacht, die ursprüngliche Meta-Beschreibung zu ändern. Erst ein Klick auf den Suchtreffer zeigt in roter Warnschrift: „Achtung: Informationen zum Insolvenzverfahren …“.

Was hat das nun mit Vergleichsportalen zu tun? Sehr viel, denn wie der schon zwei Jahre zuvor ebenfalls insolvente Strom- und Telekom-Anbieter Teldafax landete auch Flexstrom beim Onlinepreisvergleich stets auf den vordersten Plätzen. In der Folge schlossen dann Hunderttausende Verträge mit beiden Unternehmen ab und verloren bei den Pleiten ihr im Voraus gezahltes Geld. Solche Fälle sind zwar selten, sie zeigen jedoch, dass die billigsten Angebote nicht immer die besten sein müssen.

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Die vordersten Plätze bedeuten nicht immer das beste Angebot

Wie bei der Internetsuche von Google geht es beim Ranking in den Onlinepreisvergleichen allein um die vordersten Plätze. Wer da nicht auftaucht, der wird kaum wahrgenommen und erzielt dementsprechend kaum Verkaufsabschlüsse. Das betrifft den Warenverkauf genauso wie das Angebot von Dienstleistungen, also beispielsweise Versicherungen, DSL-, Handy-, Gas- und Stromverträge, Reise- und Flugbuchungen oder Ähnliches.

Die Platzierung ist eminent wichtig und deshalb auch hart umkämpft. Mancher Anbieter erkauft sich das Ranking über gezielt konfigurierte Lockangebote oder aber – wie Teldafax oder Flexstrom – über ein windiges Geschäftsmodell. Denn auf Dauer funktionieren Verkaufspreise, die niedriger als Einkaufspreise sind, natürlich nicht und die Kunden haben letzten Endes das Nachsehen. Umgekehrt verleiht die Platzierung den Vergleichsportalen im Netz eine große Marktmacht, weil sie damit erheblichen Einfluss auf den geschäftlichen Erfolg der gelisteten Unternehmen haben. Immerhin nutzen rund drei Viertel der EU-Bürger die Vergleichsseiten im Web.

Relevant bei Preisvergleichen im Internet sind nur die vorderen Platzierungen, da kaum jemand sich wie hier durch rund 2500 Angebote über Dutzende von Webseiten kämpft.
Vergrößern Relevant bei Preisvergleichen im Internet sind nur die vorderen Platzierungen, da kaum jemand sich wie hier durch rund 2500 Angebote über Dutzende von Webseiten kämpft.

Hohe Preistransparenz, jedoch undurchsichtige Geschäftsmodelle

Beispiel Check24: Das in München ansässige Unternehmen bietet nach eigenen Angaben „dem Kunden im heutigen Tarif- und Produktdschungel konsequente Transparenz“, gleichzeitig ist es mit über 700 Mitarbeitern jedoch auch selbst ein Wirtschaftsunternehmen. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 330 Millionen Euro, wie Christoph Röttele, Mitglied der Geschäftsführung, der Deutschen Presseagentur mitteilte – immerhin ein Wachstum von etwa 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ganz so selbstlos, wie sich die Vergleichsportale und Preissuchmaschinen im Internet gern darstellen, sind sie also nicht. Außer mit klassischer Bannerwerbung finanzieren sich die Unternehmen im Netz vor allem durch Vermittlungsprovisionen. Wird über ihre Websites ein Kauf getätigt oder ein Vertrag abgeschlossen, bekommen sie eine Vermittlungsgebühr. Verivox wirbt mit einem jährlichen Einsparpotenzial von mehr als 7000 Euro, wenn man den Vergleich für alle Versicherungen, Strom, Handy, Internet, Reisen, Kredite, Versicherungen und so weiter nutzt. Selbst bei einer Provision im unteren einstelligen Prozentbereich verbleibt bei den Vergleichsportalen eine Menge. Im Umkehrschluss bedeutet dies dann, dass im Ranking unter Umständen gar nicht auftaucht, wer nicht zahlt – entweder aus grundsätzlichen Erwägungen oder da „zu viel“ Provision verlangt wird. So versuchten es einige Versicherungsunternehmen 2012 mit einem eigenen Vergleichsportal, doch Transparo.de musste seinen Betrieb bereits nach zwei Jahren wieder einstellen.

Neu und somit als Betastatus gekennzeichnet ist die Suche gebrauchter Fahrzeuge beim Vergleichsportal Verivox. Die Finanzierung ist nur einen Mausklick entfernt (rechts).
Vergrößern Neu und somit als Betastatus gekennzeichnet ist die Suche gebrauchter Fahrzeuge beim Vergleichsportal Verivox. Die Finanzierung ist nur einen Mausklick entfernt (rechts).

Die Marke wurde von Verivox übernommen, mit knapp 300 Mitarbeitern ebenfalls einer der Großen der Branche in Deutschland. Auch dort lässt sich von Festgeldzinsen bis zu Allnet-Flatrates für das Smartphone so gut wie alles vergleichen. Selbst Immobilien als Meta-Suchmaschine von zwölf Immobilienportalen sowie Gebrauchtwagen finden sich dort. Auf Wunsch filtert Verivox die Fahrzeuge darüber hinaus nach dem maximalen „Wunschbudget“ – das Kreditranking der Geldinstitute ist dann nur einen Mausklick entfernt.

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Vergleichsportale, vorgetäuschte Vielfalt und Suche beim Anbieter

Klar ist also, dass das Ranking im Vergleichsportal interessengetrieben und deshalb keineswegs so neutral ist, wie auch der Verivox- Slogan: „Wir helfen Verbrauchern beim Sparen ... unabhängig und transparent“ suggeriert. Ob tatsächlich die Unternehmen auf den Spitzenplätzen landen, die besonders hohe Provisionen bezahlen, lässt sich zwar nicht bestätigen. Verbraucherschützer raten aber dennoch dazu, mehrere Preisvergleiche zu verwenden und deren Ergebnisse zu vergleichen.

7300 Euro pro Jahr kann „Familie Mustermann“ laut Vergleichsportal Verivox sparen, wenn sie in allen Bereichen günstige statt teurer Tarife wählt.
Vergrößern 7300 Euro pro Jahr kann „Familie Mustermann“ laut Vergleichsportal Verivox sparen, wenn sie in allen Bereichen günstige statt teurer Tarife wählt.

Doch selbst das genügt einer aktuellen Untersuchung nicht, in der mehrere Verbraucherzentralen die Onlinevergleiche im Energie- und Telekommunikationsmarkt wie auch für Flugpreise untersucht haben. Denn die Studie deckt auf, dass viele scheinbar unabhängige Vergleichsportale mehrheitlich zu denselben Unternehmen gehören. Aus diesem Grund raten die Verbraucherschützer ausdrücklich dazu, die Preise auch direkt bei den Anbietern zu überprüfen, also bei Flügen beispielsweise auf Lufthansa.de oder bei DSL-Verträgen auf Telekom.de.

Aufmerksamkeit ist beim Vergleich von Strom-, Gas-, Internet-, Handy- oder Versicherungstarifen auch deshalb geboten, weil hier diverse, allerdings nur einmalig gültige Boni und Wechselprämien eingerechnet werden. So platzierte Verivox beim Stromvergleich für eine vierköpfige Familie in Hamburg einen Anbieter auf Platz 1, bei dem mehr als 400 Euro Boni eingerechnet sind – natürlich nur im ersten Jahr. Aus den angezeigten 1100 Euro werden so dann nach zwölf Monaten jährlich mehr als 1500 Euro. Kostengünstig kommt also nur derjenige weg, der rechtzeitig an die Kündigung denkt und nach einem Jahr wieder wechselt.

Eine neue Studie der Verbraucherzentralen legt die Firmenbeteiligungen der Vergleichsportale offen: sechs von zehn untersuchten Preissuchmaschinen gehören zu zwei Firmen.
Vergrößern Eine neue Studie der Verbraucherzentralen legt die Firmenbeteiligungen der Vergleichsportale offen: sechs von zehn untersuchten Preissuchmaschinen gehören zu zwei Firmen.

Preisvergleiche beim Kauf von Waren im Praxis-Check

Stichprobenartig überprüft haben wir Preisvergleiche bei elektronischen Geräten. Auch dazu wieder ein Beispiel: Auf verschiedenen Onlinesuchmaschinen ( Idealo , Billiger , Geizhals , Preissuchmaschine, Google und so weiter) suchten wir nach einem bestimmten Samsung-Fernseher. Das Ergebnis bestätigt: Mal fehlt der eine Onlinehändler im Ranking, mal ein anderer. Und während mehrere Portale bis zu zehn Internethändler auflisten, die das TV-Gerät für weniger als 500 Euro anbieten, geht es bei Google Shopping erst bei über 500 Euro los. „Bestes Ergebnis“ nennt die Internetsuchmaschine den Treffer, dabei ist das exakt gleiche Gerät zum selben Zeitpunkt bei einer großen Elektronikkette inklusive Versand nahezu 80 Euro günstiger zu haben. Das beste Ergebnis muss also nicht für den Kunden am besten sein, vermutlich bringt es dem Seitenbetreiber schlicht die beste Provision ein.

Zugleich aber zeigen sowohl dieses Beispiel als auch ein ausführlicher Onlineratgeber , dass auch Google keineswegs selbstlos agiert, sondern bei vielen Suchanfragen eigene Interessen verfolgt. Hierbei kennzeichnet das US-Unternehmen bestimmte Suchtreffer zwar formal korrekt als „Anzeige“, allerdings geht die Kennzeichnung über schwach graue Hinweise neben den übrigen farbigen Inseraten unter.

„Bestes Ergebnis“ nennt die Preissuchmaschine Google Shopping diesen Suchtreffer, obwohl das gleiche Gerät bei diversen anderen Händlern um bis zu 76 Euro günstiger ist.
Vergrößern „Bestes Ergebnis“ nennt die Preissuchmaschine Google Shopping diesen Suchtreffer, obwohl das gleiche Gerät bei diversen anderen Händlern um bis zu 76 Euro günstiger ist.

Untersuchungen belegen falsche Angaben und dubiose Platzierungen

Systematische Untersuchungen bestätigen unsere Recherchen. So kam beispielsweise die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu dem Schluss, dass rund ein Viertel der Suchergebnisse in Preissuchmaschinen fehlerhaft ist. Die Tester hatten in ihrer Untersuchung insgesamt neun Onlineportale geprüft, darunter Billiger, Evendi, Günstiger, Idealo und Google Shopping.

Bei den fünf exemplarisch herausgesuchten Elektrogeräten stimmte der angezeigte Preis in 25 Prozent aller Fälle nicht mit dem tatsächlichen überein, unter anderem aufgrund zusätzlicher Versandkosten. Zu kämpfen hatten die potenziellen Kunden außerdem mit falsch gelisteten Modellen und damit, dass der gesuchte Artikel entgegen anderslautender Angaben gar nicht vorrätig war. Eine beträchtliche Fehlerquote bei den Preisangaben bemängelt ebenfalls die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien .

Immerhin ein Hinweis, wenngleich kein abschließender. Denn eine Vermittlungsprovision erhält Verivox sicher nicht nur bei diesem einen Tarif, sondern ebenso bei (fast) allen vorgeschlagenen Angeboten.
Vergrößern Immerhin ein Hinweis, wenngleich kein abschließender. Denn eine Vermittlungsprovision erhält Verivox sicher nicht nur bei diesem einen Tarif, sondern ebenso bei (fast) allen vorgeschlagenen Angeboten.

Eine andere Masche deckte die Stiftung Warentest vor drei Jahren bei Tarifrechnern für Strom und Gas auf. Die Portale wählten die Filter dabei oft so aus, dass auf den vorderen Plätzen der Ergebnislisten überwiegend verbraucherunfreundliche Angebote landeten. Diese boten häufig unfaire Vertragsbedingungen wie die Forderung nach Vorkasse oder Mindestabnahmepaketen. Das hat sich mittlerweile zwar gebessert, nach Ansicht mancher Experten gründen einige Stromversorger aber immer noch gezielt neue Tochterunternehmen, um darüber dann in den Tarifranglisten auf die vordersten Plätze zu kommen.

Schließlich warnen Verbraucherschützer insbesondere beim Buchen von Reisen, Flügen, Mietwagen und Ähnlichem vor plötzlichen Preisaufschlägen, Zusatzkosten oder bereits aktivierten Zusatzleistungen. Gerade den letzten Schritt beim Bezahlen sollten Kunden besonders gut kontrollieren. Die bereits zitierte Studie zu den Onlinepreisvergleichen nennt Beispiele, bei denen der Flugpreis bei der Wahl eines gängigen Zahlungsmittels plötzlich um 40 bis 50 Euro steigt – sichtbar erst im allerletzten Schritt.

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Rechtsfragen: Preisaktualität, Bestpreisgarantie und die Klauseln

Obwohl der Bundesgerichtshof schon im Jahr 2010 hohe Anforderungen an die Aktualität der Onlinepreisangaben gestellt hatte, stimmten bei unseren Recherchen die angezeigten Preise zum Teil über Tage hinweg nicht mit den tatsächlichen der Onlinehändler überein. Die Portale versuchen mit Klauseln wie „Preis kann jetzt höher sein“, rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, manche Preise blieben aber trotz mehrfacher Aktualisierung falsch.

Rechtlich ist der Kunde da machtlos, sind sich Lina Ehrig, Leiterin Team Digitales und Medien beim Verbraucherzentrale Bundesverband, und Tatjana Halm, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern, einig. Gleiches gelte ebenfalls für einen Werbespruch wie die „Nirgendwo-Günstiger-Garantie“, wie ihn Check24 verwendet. Dagegen könnten lediglich die Kartellbehörden vorgehen, wie sie das im Vorjahr gegen die Reisebuchungsportale Booking.com sowie HRS auch getan haben.

Check24 ist nicht nur ein wichtiges Onlinevergleichsportal, sondern tritt in anderen Preissuchmaschinen selbst als Verkäufer auf. Wir haben es ausprobiert: Die Rechnung schickte Check24, die Ware ein beauftragter Händler.
Vergrößern Check24 ist nicht nur ein wichtiges Onlinevergleichsportal, sondern tritt in anderen Preissuchmaschinen selbst als Verkäufer auf. Wir haben es ausprobiert: Die Rechnung schickte Check24, die Ware ein beauftragter Händler.

Bislang noch nicht entschieden wurde über eine Klage des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) gegen Check24. Der BVK verlangt von dem Vergleichsportal eine klarere Kennzeichnung als Versicherungsmakler sowie der Tatsache, dass das Unternehmen Provisionen von den Versicherungen erhält. Unterdessen will die EU die Vergleichsportale zu mehr Transparenz zwingen und hat dazu einen 10-Punkte-Katalog aufgelegt.
Zum Schluss soll ein Hinweis nicht fehlen: Mitunter erscheint Check24 selbst im Preisvergleich, agiert rechtlich dem Kunden gegenüber also als Verkäufer. Unser Probekauf funktionierte anstandslos, die Rechnung kam tatsächlich von Check24, verschickt wurde die Ware jedoch von einem anderen Onlinehändler.

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