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Die Software-Tipps des Monats für Linux

02.04.2015 | 12:09 Uhr |

Trotz Osterzeit gibt es keinen Mangel an neuen Versionen nützlicher Programme aus der Open-Source-Szene. Hier folgt eine Auswahl der interessantesten Neuerscheinungen und Aktualisierungen.

Einer der illustren Gastredner zur Debconf 2014 Ende August, der jährlich stattfindenden Entwickler-Konferenz um Debian , war niemand anderes als Linus Torvalds. Auf die Frage hin, was der Verbreitung von Linux auf Desktops helfen könnte steht, musste er nicht lange überlegen: Die Installation von Software muss einfacher werden. Die Konfektionierung von Software in diverse Paketformate für Linux-Distributionen und wiederum für deren verschiedenen Versionen ist für Torvalds eines der großen ungelösten Probleme des Linux-Ökosystems. Zwar liefern die Macher einer Distribution in ihren offiziellen Paketquellen jeweils eine ganz einfach zu installierende Software-Auswahl mit Zehntausenden Paketen aus und investieren einen Großteil ihrer Zeit in deren Pflege. Aber sobald Anwender eine frische Version eines Programms mit neuer Hauptversionsnummer möchten oder eine Software, die nicht in den offiziellen Paketquellen liegt, wird die Sache schon zu schwierig für typische Desktop-User.

Tipp: Mailpile - Mail mal anders

Torvalds Problem mit Linux

Auch für Anwendungsentwickler ist es schier ein Ding der Unmöglichkeit, ihre Programme fertig vorkompiliert in einer universell lauffähigen Binary für alle Linux-Distributionen auszuliefern. Zwar mag dies bei kleineren Tools mit wenigen Abhängigkeiten von anderen Bibliotheken noch funktionieren, aber bei umfangreicheren Anwendungen sind die Versionen der vorinstallierten Bibliotheken in den Distributionen zu unterschiedlich. Bezeichnenderweise liefert Torvalds für seine Taucher-Logbuch-Software Subsurface nur Binaries für Windows und für Mac-OS X aus, für Linux aber den Quellcode. Die Bereitstellung fertiger, ausführbarer Programme für alle gebräuchlichen Distributionen kommentiert Torvalds recht deutlich als „major fucking pain in the ass“ (was wir nicht übersetzen). So müssen sich Entwickler nicht einfach um binäre Programme „für Linux“ kümmern, sondern um separate Versionen für Ubuntu , für Debian Wheezy , Sid und Jessie, für Fedora und so weiter.

Apps statt Programmen?

Große Hoffnungen setzt Torvalds deshalb in Chrome-OS von Google, da hier die Anwendungen als Apps im Browser innerhalb einer regulierten Runtime laufen und sich Entwickler nicht um Systembibliotheken kümmern müssen. Mittlerweile hat Google auch testweise einige Android-Apps freigegeben, die unter Chrome-OS laufen. App-Frameworks bringen immer Einschränkung mit, und viele Linux-Fans werden sich deshalb mit Linux-Apps nie anfreunden. Aber für Desktop-Anwender reichen Apps für viele tägliche Aufgaben oft aus. Linus Torvalds’ Auftritt hat bereits eine überfällige Diskussion über künftige, vielleicht universelle Paketformate für Linux-Distributionen losgetreten. Bis es so weit ist, finden Sie in den Software-Vorstellungen immer auch den Hinweis auf Binärpakete für aktuelle Distributionen, falls die Entwickler sich die Mühe gemacht haben.

Aufgrund der anhaltenden Popularität von Ubuntu & Co gibt es zu zahlreichen Neuerscheinungen auch PPAs (inoffizielle Paketquellen) zur einfacheren Installation fertiger, wenn auch nicht immer ausführlich getesteter Pakete.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 1/2015

In der LinuxWelt 1/2015 stellen wir Ihnen die besten aktuellen Linux-Systeme vor, die Sie alle auch auf der Heft-DVD finden.

Bleachbit

Entfernt temporäre Dateien und Cache-Daten
Programme zur Bereinigung des Home-Verzeichnisses von temporären Daten sind wie ihre Kollegen unter Windows eine Hilfe für Fortgeschrittene, andernfalls der sichere Weg in die Havarie. Starten Sie Bleachbit niemals als root, und vermeiden Sie es unter KDE. Fertige Pakete gibt es unter der Sourceforge-Seite von Bleichbit für Debian, Fedora, Cent-OS, Open Suse bis Ubuntu.

Webseite: http://bleachbit.sourceforge.net

Fluch oder Segen? Bleachbit räumt mit temporären Dateien auf, doch Vorsicht ist geboten.
Vergrößern Fluch oder Segen? Bleachbit räumt mit temporären Dateien auf, doch Vorsicht ist geboten.

Beets

Gründlicher Tagger für die Kommandozeile
Große Musiksammlungen mit korrekten Tags zu versehen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Beets erleichtert die Ergänzung von Tags für die Formate MP3, OGG, AAC, M4A, FLAC und exotische Codecs. Die Metadaten ruft Beets von den Datenbanken Musicbrainz, Discogs und Beatport ab. Dabei nutzt es den errechneten Audio-Fingerabdruck einer Datei zur Identifikation. Ubuntu 14.10 hat bereits ein recht aktuelles Paket von Beets in den Software-Quellen.

Webseite: http://beets.radbox.org

Ordnung in der Musiksammlung: Beets holt sich die Metadaten aus Online-Datenbanken wie Musicbrains.
Vergrößern Ordnung in der Musiksammlung: Beets holt sich die Metadaten aus Online-Datenbanken wie Musicbrains.

Chrome Remote Desktop

App für Google Chrome zur Fernsteuerung von PCs
Nach langer Entwicklungszeit ist die Linux-Unterstützung der Google-App „Chrome Remote Desktop“ ein Stück besser: Bisher konnten Linux-PCs mit der Chrome-Erweiterung zwar auf Windows, Mac-OS X und Android zuzugreifen, doch Linux ließ sich nicht fernsteuern. Mit der neuen Version ist es jetzt möglich, auf Debian und Ubuntu per Remote-Desktop zuzugreifen. Die App lädt ein zusätzliches DEB-Paket herunter, das auf dem PC installiert werden muss.

Webseite: Chrome Remote Desktop im Google Web Store

Chrome Remote Desktop: Die Browser-App kann jetzt auch Debian und Ubuntu im Chrome-Browser fernsteuern.
Vergrößern Chrome Remote Desktop: Die Browser-App kann jetzt auch Debian und Ubuntu im Chrome-Browser fernsteuern.

Cool Retro Term

Terminal im Stil alter Röhrenmonitore
Cool Retro Term simuliert das Flair alter Home-Computer. Mit der jungen Script-Sprache QML von Qt unter KDE erhält die Kommandozeile die Optik eines C64 mit Röhrenmonitor inklusive animierter Störungen und Fluoreszenz. Das Programm ist zwar nutzlos, demonstriert aber originell die Möglichkeiten von QML unter KDE. Für Open Suse und Fedora gibt es Pakete im Open-Suse-Build-Service .

Webseite: https://github.com/Swordfish90/cool-retro-term

Terminal-Nostalgie: Cool Retro Term simuliert im Stil des C64 und Apple II die Optik alter Röhrenmonitore.
Vergrößern Terminal-Nostalgie: Cool Retro Term simuliert im Stil des C64 und Apple II die Optik alter Röhrenmonitore.

Knowthelist

Player zur Party-Beschallung mit Crossfader
Der ungewöhnliche Player liest eine Musiksammlung ein und verwaltet zwei Playlisten und Player, um zwischen zwei laufenden MP3-Dateien nahtlos zu überblenden. Dazu gibt es einen Crossfader und jeweils einen Drei-Kanal-Equalizer mit Vorverstärker. Mit einem zweiten Audio-Ausgabegerät kann die Monitorfunktion Songs getrennt über Kopfhörer ausgeben. Ein Paket für Ubuntu gibt es im PPA.

Webseite: https://github.com/knowthelist/knowthelist

Guter Mix: Knowthelist verwaltet neben einer Musiksammlung zwei getrennte Playlisten zum Überblenden.
Vergrößern Guter Mix: Knowthelist verwaltet neben einer Musiksammlung zwei getrennte Playlisten zum Überblenden.

Monitorix

Liefert Systemstatistiken im Webbrowser
Monitoring-Programme, die Linux-PCs aus der Ferne überwachen, müssen nicht kompliziert sein. Das Perl-Tool Monitorix arbeitet als CGI-Script, das sich in einen laufenden Webserver integriert oder seinen eigenen Webserver startet. Es zeigt zahlreiche Leistungsdaten (Systemauslastung, Festplatten, Netzwerk, My SQL, Temperaturen und vieles mehr). Die Projekt-Webseite bietet Anleitungen und Links zu den Paketen für Debian/Ubuntu/Fedora/Red Hat/Cent-OS.

Webseite: www.monitorix.org

Fernüberwachung: Monitorix zeigt umfassende Leistungsdaten eines Linux-Systems im Webbrowser.
Vergrößern Fernüberwachung: Monitorix zeigt umfassende Leistungsdaten eines Linux-Systems im Webbrowser.

Open Media Vault

Debian-Variante für NAS-Server
Neue Linux-Konkurrenz: Während Free NAS und NAS4 Free auf Free BSD basieren, arbeitet Open Media Vault mit Debian 7. Das System verwandelt ein Gerät in einen NAS-Server (Network Attached Storage) mit dessen typischen Server-Diensten. Die Installation ist im einfachen Textmodus gehalten, die Administration erfolgt im Browser. An Dateisystemen gibt es Ext3/4, XFS und JFS. Die Projekt-Webseite bietet Downloads für 32- und 64-Bit-PCs sowie für Raspberry Pi.

Webseite: www.openmediavault.org

Linux statt Free BSD: Open Media Vault liefert ein NAS-System auf Linux-Basis im Stil von Free NAS und NAS4 Free.
Vergrößern Linux statt Free BSD: Open Media Vault liefert ein NAS-System auf Linux-Basis im Stil von Free NAS und NAS4 Free.

Rednotebook

Notizverwaltung mit Kalender und Volltextsuche
Rednotebook ist eine Ablage für Notizen und ein Tagebuch. Es nimmt Text, Bilder, Links zu Dateien und URLs auf, um  diese zu kategorisieren, zu durchsuchen und chronologisch abzurufen. Das Programm exportiert nach PDF, HTML, Latex und ist komplett deutsch übersetzt. Installationsanleitungen für Ubuntu über ein PPA gibt es unter http://rednotebook.sourceforge.net/downloads.html , aber auch Fedora und Debian bieten fertige, wenn auch ältere Pakete.

Webseite: http://rednotebook.sourceforge.net

Zettelkasten: Rednotebook organisiert Bilder, Texte und Links anhand von Datum, Tags oder Kategorien.
Vergrößern Zettelkasten: Rednotebook organisiert Bilder, Texte und Links anhand von Datum, Tags oder Kategorien.

Sigil

Editor für Dokumente im Epub-Format
Der Macher des Editors für Epub-Dokumente wollte eigentlich Calibre das Feld überlassen. Wegen großer Nachfrage gibt es aber doch eine Version 0.8 mit neuer Plug-in-Schnittstelle. Das Programm bietet einen grafischen Editor und kann für fortgeschrittene Aktionen auch Quelltext bearbeiten. An externen Dateiformaten unterstützt es TXT und HTML. Pakete für Ubuntu liefert das PPA .

Webseite: http://code.google.com/p/sigil

Editor für E-Books: Sigil kann Text, Bilder, Inhaltsverzeichnis und Metadaten des Epub-Formats bearbeiten.
Vergrößern Editor für E-Books: Sigil kann Text, Bilder, Inhaltsverzeichnis und Metadaten des Epub-Formats bearbeiten.

Stellarium

Fotorealistisches Astronomieprogramm
Die Astronomiesimulation verwandelt den PC in ein Planetarium zur Darstellung von Sternbildern. Es zeigt einen realistischen Himmel, wie man ihn mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop sieht. Position und Uhrzeit können Sie beliebig bestimmen. Die Kataloge von Himmelskörpern umfassen neben 210 Millionen Sternen die nahen Planeten sowie intergalaktische Nebel und Galaxien. Die Projekt-Webseite bietet Programmpakete für Ubuntu sowie den Quelltext.

Webseite: www.stellarium.org

Stellarium: Das Programm verlangt eine 3D-fähige Grafik für Open GL, um eine realistische Ansicht zu berechnen.
Vergrößern Stellarium: Das Programm verlangt eine 3D-fähige Grafik für Open GL, um eine realistische Ansicht zu berechnen.

Subsurface

Verwaltung von Taucher-Logbüchern
Den Mangel an Programmen für Tauchlogbücher unter Linux beantwortete Linus Torvalds vor drei Jahren mit einer eigenen Software. Subsurface ist seitdem auf einen beachtlichen Funktionsumfang angewachsen. Es visualisiert Tauchgänge mit Tiefenprofil und nimmt im Logbuch GPS-Koordinaten, Atemgase, Ausrüstung und Tauchpartner auf.

Webseite: http://subsurface-divelog.org/de

Abgetaucht: Subsurface liest Daten aus Tauchcomputern aus und verwaltet Tauchgänge in einem Logbuch.
Vergrößern Abgetaucht: Subsurface liest Daten aus Tauchcomputern aus und verwaltet Tauchgänge in einem Logbuch.

Unvanquished

Anspruchsvoller Shooter mit Teamfunktion
Hier geht es nicht um den Kampf der Menschen gegen Aliens. Bei Unvanquished stehen auch Aliens als Team zur Auswahl. Der freie Shooter nutzt die 3D-Engine von Quake 3, basiert auf dem Computerspiel Tremulous und kombiniert FPS-Action mit Echtzeitstrategie. Die Teams treffen sich auf den Servern von Unvanquished. Das Spiel fordert eine 3D-Grafik mit Treibern für Open GL 3. Die Projekt-Webseite bietet Pakete für Debian, Ubuntu, Open Suse, Arch und Slackware.

Webseite: www.unvanquished.net

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