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Die Linux-Tools des Monats für den Juli 2015

01.07.2015 | 12:09 Uhr |

Auch diesen Monat gibt es wieder viele bemerkenswerte Neuerscheinungen von Linux-Software. Hier lohnt sich der Download!

Frische Versionen, neue Programme gibt es für Linux-Systeme jeden Monat zuhauf. Die stammen sowohl aus dem Biotop der freien Entwickler und Hobbyprogrammierer als auch von Software-Konzernen, die keine Berührungsängste mit dem Open-Source-Lizenzmodell haben. Der Weg neuer Open-Source-Programme in verbreitete Distributionen ist aber ein langer – zumindest, wenn man den Code nicht selbst kompilieren will oder kann, da dies meist von einer aufregenden Jagd nach den abhängigen Paketen begleitet wird. Denn Programme liegen meist, möglichst portabel, im Quelltext vor und nur selten auch gleich als getestetes Paket für bestimmte Linux-Systeme. Statische Links, also eine Mitnahme von Systembibliotheken, sind verpönt. Programme sollen die vorhandenen Bibliotheken des Linux-Systems verwenden und keine eigenen Versionen einkompiliert haben, da dies ein Sicherheits- und Kompatibilitäts-Alptraum wäre.

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Gut getestete Pakete verlangen Geduld

Es ist also Aufgabe der Maintainer, also der Pfleger-Gemeinde einer Linux-Distribution, aus dem Quelltext ein Paket zu bauen, dieses durch Tests zu schicken, eventuelle Bugs zu melden und kleinere Anpassungen vorzunehmen, bis die oft hohen Qualitätsanforderungen der Distribution erfüllt sind. Das kann oft Monate dauern (im Fall von Ubuntu) oder sogar Jahre, wie im stabilen Zweig von Debian , Open Suse und bei Red Hat/Cent-OS , die alle besonders lange Testphasen haben. In der Zwischenzeit helfen meist inoffizielle Quellen aus – bei Ubuntu sind dies die „Personal Package Archives“ (PPA), die Anwender manuell dem Paketmanager hinzufügen müssen, um dann die Pakete auf eigene Gefahr zu installieren. In Open Suse ist es der Build Service , und Fedora versucht mit COPR („Cool Other Package Repository“) ein ähnliches Modell wie Ubuntu einzuführen. In den Einzelvorstellungen finden Sie deshalb jeweils Hinweise, wo und für welche Distributionen ein Programm vorliegt. Fein heraus sind jene Anwender, die sich mit Arch Linux beschäftigen, mit Gentoo oder Slackware. Denn diese Linux-Systeme bieten zum Preis eines oft hohen Administrationsaufwands einen schnellen Bau von Paketen aus Quelltexten über den Paketmanager.

Letztes Update der Entwicklungsumgebung KDevelop für KDE 4.
Vergrößern Letztes Update der Entwicklungsumgebung KDevelop für KDE 4.

Alternative für Ubuntu Software Center

Das Ubuntu Software Center hat es dagegen verpasst, im Stil eines App Stores neue Anwendungen schnell und einfach verfügbar zu machen. Die Einträge im Verzeichnis installierbarer Software, auch der kostenpflichtigen Programme, wirken ungepflegt, Neueinträge gibt es kaum noch. Das Konzept eines App Stores für Ubuntu scheint gescheitert. Als grafischer Paketmanager ist App Grid eine übersichtlichere und schnellere Alternative für das Ubuntu Software Center.

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App Grid: Grafischer Paketmanager für Ubuntu und Varianten

Ersatz für das Software Center: App Grid zeigt nach der Anmeldung mit Ubuntu Single-Sign-on auch die Kauf-Apps.
Vergrößern Ersatz für das Software Center: App Grid zeigt nach der Anmeldung mit Ubuntu Single-Sign-on auch die Kauf-Apps.

Das Ubuntu Software Center hat seit seiner Vorstellung vor vier Jahren nur einmal (Ubuntu 12.04) einen größeren Umbau gesehen und ist mittlerweile langsam und unübersichtlich. App Grid ist die Neuerfindung des Software Centers, die in Python 3 programmiert wurde. Es startet flott, behebt Probleme mit der langsamen Datenbank und präsentiert alle Anwendungen des Software Centers. Ein PPA steht ebenfalls bereit .

Webseite: www.appgrid.org

Focus Writer: Textverarbeitung ohne Ablenkung

Text pur: Focus Writer stellt den Text in den Mittelpunkt. Aussehen und Hintergrundbild kann man selbst festlegen.
Vergrößern Text pur: Focus Writer stellt den Text in den Mittelpunkt. Aussehen und Hintergrundbild kann man selbst festlegen.

Autor G.R.R Martin schreibt seinen Fantasy-Zyklus „Das Lied von Eis und Feuer“ weiterhin mit Wordstar unter DOS. Wer einen möglichst reduzierten Texter bevorzugt, wird den Focus Writer schätzen. Das Open-Source-Programm arbeitet mit RTF- und ODT-Format, liefert Funktionen zur Formatierung und eine Rechtschreibprüfung, blendet aber im konfigurierbaren Vollbildmodus alle Menüs aus. Die Projektseite liefert Pakete für Ubuntu, Debian, Fedora und Open Suse.

Webseite: http://gottcode.org/focuswriter

Font Manager: Schriftarten unter Gnome, Unity, Cinnamon, XFCE

Fabelhafte Font-Verwaltung: Der Font Manager bietet nicht nur eine Übersicht, sondern kann auch neue Fonts installieren.
Vergrößern Fabelhafte Font-Verwaltung: Der Font Manager bietet nicht nur eine Übersicht, sondern kann auch neue Fonts installieren.

Viele Schriftarten gibt es als fertige Pakete, die der Paketmanager leicht auf das System installieren kann. Was aber, wenn benötigte Schriftarten als TTF vorliegen oder eine Verwaltung installierter Fonts nötig ist? Der Font Manager liefert eine grafische Oberfläche zur Anzeige von Schriftarten und zur Installation neuer Fonts unter „/home“ ohne root-Rechte. Das Programm ist für Ubuntu und Co über https://launchpad.net/~font-manager/+archive/ubuntu/staging verfügbar.

Webseite: https://code.google.com/p/font-manager

Glances: Zeigt Systeminformationen per Web und SSH an

Server-Auslastung: Das bisherige Kommandozeilen-Tool Glances hat ein Webinterface inklusive Mini-Webserver bekommen.
Vergrößern Server-Auslastung: Das bisherige Kommandozeilen-Tool Glances hat ein Webinterface inklusive Mini-Webserver bekommen.

Glances behält einen Linux-Server oder einen Raspberry Pi im Auge. Es zeigt auf der Kommandozeile oder über den eigenen Webserver eine Übersichtsseite mit allen wichtigen Systeminfos. Zu den angezeigten Daten gehört die CPU-Auslastung, Speicher, Swap und Festplattenplatz sowie eine laufend aktualisierte Liste der Prozesse. Glances kann in der neuesten Version über den Python-Paketmanager pip installiert werden. Die Anleitung liefert die Projekt-Webseite.

Webseite: https://github.com/nicolargo/glances

Insync 1.1.3: Shareware-Client für Google Drive

Google Drive und Insync: Das Shareware-Programm erstellt Synchronisationsordner und integriert sich in den Dateimanager.
Vergrößern Google Drive und Insync: Das Shareware-Programm erstellt Synchronisationsordner und integriert sich in den Dateimanager.

Google bietet keinen Linux-Client für Google Drive, aber die Shareware Insync macht Fortschritte: Es ist jetzt möglich, Unterordner gezielt mit Google Drive zu synchronisieren. Insync kann 15 Tage kostenlos getestet werden, danach kostet es 15 US-Dollar bei Verwendung eines Google-Kontos (für die Synchronisierung mit mehreren Google-Konten gibt es andere Preispläne). Installationspakete stehen für alle populären Linux-Distributionen auf der Webseite bereit.

Webseite: https://www.insynchq.com/linux

Kdevelop: Entwicklungsumgebung unter KDE

Programmieren unter KDE: Die integrierte Entwicklungsumgebung Kdevelop bringt verbreitete Programmiersprachen mit.
Vergrößern Programmieren unter KDE: Die integrierte Entwicklungsumgebung Kdevelop bringt verbreitete Programmiersprachen mit.

Während der Umbau auf KDE 5 läuft, gibt es eine letzte Version von Kdevelop für KDE 4. Sie bietet Projektverwaltung, Datei-Browser, Klassenbibliothek, Syntaxhervorhebung und Autovervollständigung für alle gängigen Programmier- und Script-Sprachen. Pakete für Ubuntu 14.04/14.10 gibt es im PPA der Kubuntu-Backports . Open Suse 13.2 und Fedora 21 haben Kdevelop 4.7 ebenfalls im Repertoire.

Webseite: www.kdevelop.org

Kwave: Schneller Audioeditor unter KDE

Bringt Audiodateien in Form: Kwave schneidet, verschiebt und kopiert und arbeitet dank Mehrkern-Unterstützung richtig flott.
Vergrößern Bringt Audiodateien in Form: Kwave schneidet, verschiebt und kopiert und arbeitet dank Mehrkern-Unterstützung richtig flott.

Den Umfang von Audacity bietet Kwave nicht, ist aber flott dank Multithreading und glänzt mit aufgeräumter Oberfläche, in der man die wichtigsten Funktionen zur Audiobearbeitung sofort findet. Aufnahmen sind über Pulse Audio, Alsa und OSS möglich. Der Editor öffnet die Formate MP3, OGG, FLAC, WAV AIFF, ULAW, IRCAM und speichert als OGG, FLAC, WAV und MP3. Links zu Paketen für verschiedene Linux-Distributionen liefert die Projekt-Webseite.

Webseite: http://kwave.sourceforge.net

Libre Office: Büro-Suite mit vielen Detailverbesserungen

Viele kleine Fortschritte: In Libre Office gibt es nun eine richtige Farbverwaltung zum exakten Definieren eigener Farbwerte.
Vergrößern Viele kleine Fortschritte: In Libre Office gibt es nun eine richtige Farbverwaltung zum exakten Definieren eigener Farbwerte.

Das Büropaket liefert sechs Monate nach Version 4.3 eine Aktualisierung mit neuem Fein-Tuning: So kann der Writer jetzt mit Master-Vorlagen umgehen. Es gibt eine Farbverwaltung mit Farbmixer, der auch HTML-Farbcodes beherrscht. Verbesserungen gibt es bei der Kompatibilität mit Microsofts OOXML-Format, und ein neuer Importfilter kann Dokumente von Pagemaker 6/7 lesen. Die Webseite von Libre Office liefert Pakete für zahlreiche Linux-Distributionen.

Webseite: www.libreoffice.org

Mediainfo: Tags, Codecs, Formate von Audio- und Videodateien

Wissen, was drin ist: Mediainfo identifiziert alle verwendeten Formate und Codecs in Audio- und Videodateien.
Vergrößern Wissen, was drin ist: Mediainfo identifiziert alle verwendeten Formate und Codecs in Audio- und Videodateien.

Wer wissen muss, in welchem Format Streams in Mediendateien eingebettet sind, liegt mit Mediainfo richtig: Es zeigt auch exotische Container und Codecs sowie Bitraten und Tags. Mediainfo ist hilfreich, um Probleme beim Abspielen oder nach dem Encodieren zu identifizieren. Neben einer grafischen Version gibt es das Open-Source-Programm auch als Kommandozeilen-Tool. Installationsanleitungen für alle verbreiteten Distributionen liefert die Projekt-Webseite.

Webseite: http://mediaarea.net/de/MediaInfo

Video: Die unglaublichsten Sicherheitslücken im Internet

Myth TV: Medienzentrale mit Unterstützung für DVB-Empfänger

Player, Bibliothek und mehr: Myth TV kann auch TV-Programme abspielen und aufnehmen, wenn der PC einen DVB-Empfänger nutzt.
Vergrößern Player, Bibliothek und mehr: Myth TV kann auch TV-Programme abspielen und aufnehmen, wenn der PC einen DVB-Empfänger nutzt.

Myth TV macht einen Linux-PC zum fernsehtauglichen Player und kann mit DVB-Empfänger auch Kanäle von TV-Sendern abspielen. Ein Recorder nimmt Sendungen auf und entfernt Werbeblöcke. Plug-ins erweitern den Umfang etwa um eine Musikbibliothek oder einen Browser. Das Programm ist nach dem Client-Server-Prinzip aufgebaut, damit auch schwächere PCs als Abspielgerät dienen können. Unter www.mythtv.org/wiki/Packages gibt es eine Liste fertiger Pakete.

Webseite: www.mythtv.org

Seamonkey: Webbrowser mit Mozilla-Wurzeln

Neuer Browser im alten Gewand: Seamonkey ist eine Alternative für Anwender, denen der aktuelle Firefox nicht mehr gefällt.
Vergrößern Neuer Browser im alten Gewand: Seamonkey ist eine Alternative für Anwender, denen der aktuelle Firefox nicht mehr gefällt.

Vor Firefox gab es die Mozilla Suite mit Browser, Mail, Newsreader, IRC-Client und HTML-Editor. Nach der Aufteilung in Einzelprogramme stellte Mozilla die Suite ein. Seitdem pflegt diese ein freies Entwicklerteam unter dem Namen „Seamonkey“ weiter. Der Browser zeigt sich im Gewand früher Firefox-Versionen, hat aber die Rendering-Engine des aktuellen Firefox und ist mit dessen Add-ons kompatibel. Die Projektseite liefert Binaries für alle Linux-Distributionen.

Webseite: www.seamonkey-project.org

Super Tux Kart: Kart-Rennen mit Open-Source-Maskottchen

Unterwegs mit Tux und Konqi: Super Tux Kart hat sich mit Open GL 3.1 hübsch gemacht und präsentiert überarbeitete Rennstrecken.
Vergrößern Unterwegs mit Tux und Konqi: Super Tux Kart hat sich mit Open GL 3.1 hübsch gemacht und präsentiert überarbeitete Rennstrecken.

Das Kultspiel hat eine neue Grafik-Engine bekommen: Super Tux Kart läuft mit der Grafikbibliothek Open GL 3.1 mit schöneren Texturen, detailliertem Shading und Schärfentiefe. Gleich geblieben ist das Spielprinzip, das sich an Nintendos Super Mario Kart orientiert. Es gibt einen Single- und Mehrspieler-Modus. Ein Online-Modus, um gegen andere Spieler im Internet anzutreten, ist in Arbeit. Ausführbare Binaries gibt es unter http://sourceforge.net/projects/supertuxkart .

Webseite: www.supertuxkart.de

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