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Die Hardware-Tipps des Monats für Linux-Nutzer

16.02.2015 | 12:09 Uhr |

Problemlöser für alltägliche Hardware-Schwierigkeiten: Dank USB-Adaptern halten die USB-Anschlüsse am Notebook länger durch, und mit einer Telnet-App verbinden Sie eine echte Tastatur mit dem Android-Gerät.

Tastatur für Android: Per Telnet eine Tastatur verbinden

Auch mit Schreibhilfen, mit welchen Bildschirmtastaturen wie Swiftkey das Tippen auf Touchscreens erleichtern wollen, geraten längere Texte auf Smartphones oder Tablets ohne echte Tastatur schnell zur rechten Qual.

Die kostenlose Android-App Remote Keyboard verbindet die Tastatur von PC oder Notebook über ein gemeinsames WLAN mit der echten Tastatur des Linux-PCs oder Notebooks, um das Android-Gerät dann von dort aus zu bedienen. Dazu installiert Remote Keyboard einen Telnet-Server. Auf dem Rechner, der die Tastatur bereitstellen soll, ist lediglich ein Telnet-Client nötig. Bei den meisten Linux-Distributionen ist dieser bereits vorinstalliert oder über den Paketmanager schnell nachgerüstet. Remote Keyboard ist über Google Play installierbar und funktioniert ab Android 2.3.

Nach der Installation und dem ersten Start der App weist ein Dialog darauf hin, dass Remote Keyboard erst noch über die Systemsteinstellungen von Android als Eingabemethode aktiviert werden muss. Mit „OK“ gelangen Sie geradewegs zu dieser Einstellung und wählen diese mit der Checkbox vor „Remote Keyboard“ aus. Android informiert Sie noch mit einem obligatorischen Sicherheitshinweis, dass die App sämtliche Tastatureingaben erfasst.

Dies ist in diesem Fall völlig in Ordnung. Sie benötigen zudem die IP-Adresse des Android-Geräts im WLAN. Diese zeigt Ihnen Remote Keyboard gleich nach dem Start der App auf deren schlichten Willkommensseite an. Hier sehen Sie die Verbindungsdaten mit IP-Adresse und Port.

Bevor die App dazu bereit ist und auf dem Port 2323 lauscht, müssen Sie aber noch mal auf der Willkommensseite auf „Tastatur auswählen“ gehen und „Remote Keyboard“ auswählen. Eine Statusmeldung zeigt dann an, dass die App bereit ist.

Auf dem Linux-System nehmen Sie in einem Terminal-Fenster mit dem Programm Telnet Kontakt zur App auf:

telnet [IP-Adresse] 2323

Der Platzhalter „[IP-Adresse]“ ist die zuvor ermittelte Adresse des Smartphones oder Tablets, und dahinter folgt nach einem Leerzeichen die Angabe der Portnummer, hier 2323. Falls die Verbindung fehlschlägt, dann überprüfen Sie nochmal, ob Remote Keyboard auf dem Android-Gerät überhaupt läuft.

Das Protokoll Telnet verzichtet auf Verschlüsselung und überträgt alle Daten – im Fall von Remote Keyboard die Tastatureingaben – unverschlüsselt über das Netzwerk. Im eigenen Netzwerk ist das kein Problem, in fremden WLANs sollte die App aber besser nicht zum Einsatz kommen.

Nützliche Konsolen-Tricks für Linux

Hardware-Test für Ubuntu: Ist das Uefi oder Bios kompatibel?

Nicht auf jedem Notebook und Ultrabook klappt die Installation von Linux reibungslos. Ein lästiges Dauerthema sind inkompatible Eigenschaften der Firmware beziehungsweise des Bios, etwa ACPI-Funktionen (Advanced Configuration and Power Interface), die sich unter anderem auch um Stromsparfunktionen, Lüftersteuerung und Helligkeitsregelung des Bildschirms kümmern.

Systematischer Kompatibilitätstest zu Bios und Firmware: Die Firmware Test Suite (fwts) von Ubuntu führt bis zu 500 Einzeltests durch und erstellt danach einen detaillierten Report in einer Logdatei.
Vergrößern Systematischer Kompatibilitätstest zu Bios und Firmware: Die Firmware Test Suite (fwts) von Ubuntu führt bis zu 500 Einzeltests durch und erstellt danach einen detaillierten Report in einer Logdatei.

In vielen Fällen hilft nur der praktische Test mit einem Live-System, wie es um die Kompatibilität von Notebooks/Ultrabooks zu einer Linux-Distribution bestellt ist. Für fortgeschrittene Anwender liefert Ubuntu in seinen Paketquellen aber auch ein Analysewerkzeug, um gezielt problematische Uefi- beziehungsweise Bios-Funktionen zu testen: Die „Firmware Test Suite“ wurde ursprünglich von Intel entwickelt und ist heute bei Canonical untergekommen. Im Live-System von Ubuntu 14.04 LTS ist die Firmware Test Suite aus Platzgründen zwar nicht enthalten, sie lässt dort aber im Live-Betrieb nachinstallieren.

Dazu müssen Sie erst die Paketquelle „Universe“ aktivieren, was in den Systemeinstellungen gelingt, die Sie in Unity über das Zahnradsymbol rechts oben erreichen. Gehen Sie dort auf „Systemeinstellungen -> Software & Aktualisierung -> Software von Ubuntu“, und setzen Sie einen Haken vor die Option „Von der Ubuntu-Gemeinschaft betreute freie und quelloffene Software (Universe)“. Danach öffnen Sie über die Dash-Übersichtsseite ein Terminal und geben dort den Befehl

sudo apt-get update

ein, um die Paketlisten zu aktualisieren, jetzt mit der neu aktivieren Paketquelle „Universe“. Danach können Sie mit dem Befehl

sudo apt-get install fwts

die Firmware Test Suite installieren, wobei im Live-Systeme die nachgerüsteten Pakete im RAM des Rechners abgelegt werden, das als Ramdisk dient. Bei der Firmware Test Suite handelt es sich um ein Programm für die Kommandozeile, das eine Reihe von Tests automatisch ausführt und eine detaillierte Logdatei im Benutzerverzeichnis ablegt. Um die Standardtests auszuführen, geben Sie fwts im Terminal ein.

Die Ergebnisse sind dann in der Logdatei „results.log“ einsehbar. Eine ausführliche englischsprachige Dokumentation zu dem Tool finden Sie unter https://wiki.ubuntu.com/Kernel/Reference/fwts .

USB-Anschlüsse von Notebooks: Gewinkelte USB-Adapter

Bei der Verwendung an Notebooks stehen USB-Sticks, USB-WLAN-Adapter oder Verlängerungskabel oft weit vom Gehäuse ab. Unterwegs bleiben die USB-Geräte bei ungünstigen Bewegungen mit dem Notebook gern an Hindernissen hängen und können dabei sogar Schaden nehmen.

Ganz nah dran: Mit einem gewinkelten USB-Adapter liegen die USB-Geräte nah am Notebook-Gehäuse an und sind besser vor einem versehentlichen unsanften Abziehen und Abreißen geschützt.
Vergrößern Ganz nah dran: Mit einem gewinkelten USB-Adapter liegen die USB-Geräte nah am Notebook-Gehäuse an und sind besser vor einem versehentlichen unsanften Abziehen und Abreißen geschützt.

Eine bessere Lösung zum Anschluss von USB-Geräten an Notebooks bieten abgewinkelte Adapter, die das Gerät parallel zum Computergehäuse ausrichten. Vorteilhaft sind dabei Adapter, die den USB-Port durch eine Drehung des Ports möglichst platzsparend und eng am Gehäuse anliegen lassen. Entsprechende USB-Adapter sind bei Amazon im Zweier-Pack für acht Euro zu haben. Achten Sie bei der Verwendung darauf, keine Lüftungsschlitze zu verdecken.

Praktische Desktop-Tricks für Ubuntu und Co.

Server und NAS: Geeignete Festplatten für Linux-Server

Bei SATA-Festplatten für Desktop-PCs geht es Herstellern um Speicherplatz und hohe Datentransferraten. Für den Dauerbetrieb sind diese Festplatten aber oft nicht ausgelegt. Im Datenblatt gibt der POH-Wert („Power-on Hours“) die Empfehlung der Hersteller an, wie viele Stunden im Jahr oder im Monat die Festplatte in Betrieb sein sollte. Ein typischer POH-Wert liegt bei acht Stunden Betriebszeit täglich, und das reicht für einen Linux-Server oder ein NAS oft nicht.

Spezielle interne Festplatten für den NAS-Einsatz: Sie sind auf den Dauerbetrieb ausgelegt, leise und vibrationsarm. Die Platten rotieren mit niedrigeren Umdrehungszahlen als Festplatten für Desktop-PCs.
Vergrößern Spezielle interne Festplatten für den NAS-Einsatz: Sie sind auf den Dauerbetrieb ausgelegt, leise und vibrationsarm. Die Platten rotieren mit niedrigeren Umdrehungszahlen als Festplatten für Desktop-PCs.

Für den Dauerbetrieb bieten einige Hersteller spezielle Serien von SATA-Festplatten an, die laut ihren Spezifikationen einen deutlich höheren POH-Wert haben. Dieser reicht an jene Festplatten für den Industriebetrieb mit SAS-Schnittstelle (Serial Attached SCSI) heran, die Festplatten sind aber trotzdem deutlich günstiger. Beispiele solcher Plattenserien mit 3,5 Zoll finden sich bei Western Digital unter dem Namen „WD Red“ oder bei Seagate mit der Zusatzbezeichnung „NAS“. Diese Festplatten rotieren üblicherweise langsamer als Desktop-Festplatten, nämlich mit 5400 bis 5900 Umdrehungen pro Minute, sind vibrationsarm und damit auch leiser, aber nicht ganz so schnell. Der Preis liegt aktuell zum Stand September 2014 wie bei anderen Festplatten bei sechs Cent pro Gigabyte. Eine NAS-Festplatte mit einem TB Speicherplatz und SATA-3-Anschluss ist für 60 Euro zu haben.

Raspberry Pi: Die Systemtemperatur auslesen

Nach der Installation von Raspbian, der Debian-Distribution für den Raspberry Pi, auf einer SD-Karte und der ersten Inbetriebnahme bietet das automatisch gestartete Setup-Tool raspi-config unter „Overclocking“ eine Übertaktungsfunktion. Wer diese nutzt, sollte aber die Temperatur der ARM-CPU im Auge behalten.

Wie warm wird der Raspberry Pi? Unter Raspbian kann das Kommandozeilen-Tool vcgencmd die CPU-Temperatur auslesen. Bei anderen Raspberry-Distributionen hilft ein Blick auf die Hardware-Parameter des Kernels.
Vergrößern Wie warm wird der Raspberry Pi? Unter Raspbian kann das Kommandozeilen-Tool vcgencmd die CPU-Temperatur auslesen. Bei anderen Raspberry-Distributionen hilft ein Blick auf die Hardware-Parameter des Kernels.

Bis auf ein GHz kann die Taktfrequenz des ARM-Prozessors von Broadcom angehoben werden, der in den Standardeinstellungen mit 700 MHz läuft. Dabei sorgt die Firmware dafür, dass die CPU aber nur unter Last mit der maximalen Frequenz läuft. Um bei Bedarf die Temperatur zu kontrollieren, liefert Raspbian das Tool vcgencmd von Broadcom mit, um wichtige Systemparameter über die Firmware auszulesen. Der Befehl

sudo vcgencmd measure_temp

zeigt die Temperatur des Chips in Grad Celsius an. Das Tool vcgencmd ist aber nicht bei allen Linux-Distributionen für den Raspberry Pi enthalten. Eine alternative Methode zur Abfrage der Temperatur ist ein Blick in die Geräteparameter, die der Kernel über das virtuelle Sysfs-Dateisystem unter „/sys“ bereitstellt. Mit dem Befehl

cat /sys/class/thermal/thermal_zone0/temp

erhalten Sie ebenfalls die Temperatur in tausendstel Grad Celsius. Steigt die Temperatur bei Last über 85 Grad Celsius, dann sollten Sie die Platine mit einem Kühlkörper ausstatten oder die CPU über das Tool raspi-config wieder heruntertakten.

Wichtiges Konfigurations-Tool von Raspbian: In der von der Raspberry Pi Foundation empfohlenen Linux-Distribution ist das Tool raspi-config enthalten, das unter anderem auch die maximale Taktfrequenz festlegen kann.
Vergrößern Wichtiges Konfigurations-Tool von Raspbian: In der von der Raspberry Pi Foundation empfohlenen Linux-Distribution ist das Tool raspi-config enthalten, das unter anderem auch die maximale Taktfrequenz festlegen kann.

Passende Kühlkörper zum Aufkleben gibt es im Dreierpack ab sieben Euro im Versandhandel wie etwa bei Amazon.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 6/2014

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