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Desktop-Umgebungen à la carte

09.07.2014 | 11:09 Uhr |

Die Desktop-Oberfläche gibt sich in Gnome 3 und Unity schlicht und aufgeräumt. Mit geschickten Umwegen kann man aber noch einiges konfigurieren.

Beenden erzwingen: Ein Programm per Klick abschießen

Hängende Programme sind auf dem Linux-Desktop keine Seltenheit, aber auch kein großes Drama, da sie sich leicht mit den Befehlen kill oder killall beenden lassen. Mit xkill gibt es auch ein bekanntes Tool für die grafische Oberfläche. Allerdings kann xkill nicht jedes Programm gründlich beenden.

Unsanft beenden: Dieser Befehl beendet nach einem Klick auf ein Fenster das zugehörige Programm und arbeitet dabei bei hängenden Scripts gründlicher als das bekannte Tool xkill.
Vergrößern Unsanft beenden: Dieser Befehl beendet nach einem Klick auf ein Fenster das zugehörige Programm und arbeitet dabei bei hängenden Scripts gründlicher als das bekannte Tool xkill.

Der Unterschied zwischen xkill und seinen Verwandten kill und killall auf der Kommandozeile ist, dass xkill kein explizites Signal zum Beenden an ein Programm schickt, sondern lediglich dessen Verbindung zum grafischen X-Server kappt. Die meisten grafischen Programme werden sich dann zwar selbständig beenden, es gibt aber Fälle, in denen dies nicht funktioniert, so etwa bei Scripts, die auch ohne grafisches Frontend im Hintergrund munter weiterlaufen.

Gründlicher sind dagegen die beiden Befehle killall und kill , wenn auch nicht ganz so einfach anzuwenden. Denn killall benötigt als Kommandozeilenprogramm den Prozessnamen und kill sogar die Prozess-ID, da es nur eine Instanz eines Programms gezielt beendet.

Das macht die Bedienung umständlicher, da es zunächst herauszufinden gilt, welches Programm hinter welchem Fenster steckt. Mit Hilfe eines Befehls, den Sie im Ausführen-Dialog oder in einem geöffneten Terminal-Fenster eingeben, gelingt dies in einem Durchgang:

kill -9 $(xprop _NET_WM_PID | sed -ne 's/[^0-9]*\([0-9]\+\)/\1/p')

Der Mauszeiger verwandelt sich daraufhin in ein Fadenkreuz zum Anklicken eines Programmfensters, dessen zu Grunde liegender Prozess dann mittels kill -9 beendet wird. Die Prozess-Kennung des Fensters ermittelt das eingebaute xprop.

Linux-Komfort: Welcher Desktop passt zu Ihnen?

Einträge für Arbeitsumgebungen am Anmeldebildschirm: Im Verzeichnis „/usr/share/xsessions“ liegen alle Einträge als .desktop-Dateien und lassen sich zum Verstecken umbenennen.
Vergrößern Einträge für Arbeitsumgebungen am Anmeldebildschirm: Im Verzeichnis „/usr/share/xsessions“ liegen alle Einträge als .desktop-Dateien und lassen sich zum Verstecken umbenennen.

Anmeldung: Xsessions: Liste der Desktop-Umgebungen aufräumen

Jede installierte Desktop-Umgebung trägt sich am Anmeldebildschirm in der Liste der verfügbaren Arbeitsumgebungen ein, damit Anwender einfach den gewünschten Desktop auswählen können. Sind zu viele Arbeitsumgebungen installiert, können hier auch doppelte Einträge auftauchen. Oder die Liste wird zu lang und passt nicht mehr in das Anmeldemenü.

Alle Einträge, genannt „Xsessions“, sind als einzelne Datei im Verzeichnis „/usr/share/xsessions“ hinterlegt. Diesem Standard folgen alle Linux-Distributionen, egal welche Desktop-Umgebung und welcher Display-Manager bei der Anmeldung zum Einsatz kommt. Bei den Dateien handelt es sich auch wieder um Konfigurationsdateien im Textformat mit der Endung „.desktop“. Sie können diese Liste aufräumen, indem Sie die Dateien zu nicht benötigten Einträgen mit root-Rechten umbenennen. Beispielsweise verstecken Sie den Eintrag zu „Gnome/Openbox“, indem Sie die Datei „openbox-gnome.desktop“ nach „openboxgnome.desktop.bak“ umbenennen. Am besten ist für diese Aktionen der Dateimanager „Midnight Commander“ in der Kommandozeile geeignet, den Sie mit

sudo mc /usr/share/xsessions

gleich mit root-Rechten im richtigen Verzeichnis starten. Der Dateimanager Nautilus ist dagegen nicht geeignet, da sich damit Dateien mit der Endung „.desktop“ nicht umbenennen lassen.

Benachrichtigung von Firefox: Mit „Gnotifier“ gibt der Browser seine Meldungen über abgeschlossene Downloads über das Benachrichtigungssystem des Desktops aus.
Vergrößern Benachrichtigung von Firefox: Mit „Gnotifier“ gibt der Browser seine Meldungen über abgeschlossene Downloads über das Benachrichtigungssystem des Desktops aus.

Browser-Integration: Benachrichtigung von Firefox auf dem Desktop

Der Webbrowser Firefox informiert über abgeschlossene Downloads über eine dezente Animation in der Symbolleiste. Mit einer Erweiterung-Erweiterung können diese Hinweise aber auch über das Benachrichtigungssystem des Desktops umgeleitet werden.

In den verbreiteten Desktop-Umgebungen kümmert sich libnotify um die Anzeige von Benachrichtigungen. Programme können ihre Meldungen über diesen bereits vorhandenen Mechanismus anzeigen. Wie dies aussieht, demonstriert das Kommandozeilenprogramm notify-send, das beispielsweise mit

notify-send test

eine kurze Testnachricht über den Desktop ausgibt. Auch Firefox lässt sich mit Hilfe einer Erweiterung dazu überreden, diesen Weg für Benachrichtigungen zu Downloads zu nutzen. Installieren Sie dazu Gnotifier aus dem offiziellen Add-on-Verzeichnis. Diese Erweiterung erfordertkeinen Neustart des Browsers und ist auch mit den Benachrichtigungen anderer Add-ons kompatibel, etwa mit dem Gmail-Notifier . Sie funktioniert mit Gnome, Unity, Cinnamon, XFCE, LXDE und KDE.

Gnotifier 1.7: Erweiterung für Firefox ab Version 21. GPL 3, Installation unter https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/gnotifier (15 KB)

Der Menüeditor Alacarte: In Gnome 3 ist das Programm nützlich, um neue Verknüpfungen zu erstellen, die Sie dann von „~/.local.share/applications“ in das Desktop-Verzeichnis kopieren können.
Vergrößern Der Menüeditor Alacarte: In Gnome 3 ist das Programm nützlich, um neue Verknüpfungen zu erstellen, die Sie dann von „~/.local.share/applications“ in das Desktop-Verzeichnis kopieren können.

Gnome: Dateien und Verknüpfungen auf dem Desktop

In Gnome 3 zeigt der Desktop keine Symbole oder Programmverknüpfungen mehr. Da der Desktop meist von laufenden Programmen verdeckt wird, kommt er als Ablage für Dateien und Verknüpfungen nicht mehr zum Einsatz.

Unmöglich ist es nicht, den Desktop wieder als Dateiablage und Pinnwand zu nutzen: Dazu benötigen Sie das gnome-tweak-tool, das sich über das gleichnamige Paket in allen verbreiteten Distributionen nachinstallieren lässt. Startet Sie den Ausführen-Dialog mit der Tastenkombination Alt-F2, geben Sie dort gnome-tweak-tool ein, und aktivieren Sie die Option „Arbeitsoberfläche -> Symbole auf Arbeitsfläche“. Dies bringt das alte Verhalten des Desktops zurück, der ab der nächsten Systemanmeldung den Inhalt des Ordners „~/Desktop“ beziehungsweise „~/Schreibtisch“ darstellt. Hier können Sie jetzt wieder Verknüpfungen unterbringen.

Verknüpfungen liegen auf dem Linux-Desktop und in den Menüs als Konfigurationsdateien mit der Endung „.desktop“ vor und enthalten alle Angaben wie Beschreibung, Befehl, Arbeitsverzeichnis im Klartext. Verknüpfungsdateien mit einem Texteditor zu bearbeiten, ist trotzdem umständlich. Einfacher geht es mit einem Menüeditor: Das Programm „Alacarte“ ist für Gnome 3 gut geeignet und in den Standard-Paketquellen der verschiedenen Distributionen verfügbar. Mit dem jeweiligen Paketmanager ist es schnell installiert – in Fedora mit sudo yum install alacarte , in Open Suse mit sudo zypper in alacarte und in Debian/Ubuntu/Mint mit sudo apt-get install alacarte . Starten Sie alacarte, gehen Sie in der linken Spalte auf „Anwendungen -> Sonstige“ und legen mit „Neuer Eintrag“ eine neue Verknüpfung an. Diese wird unter „~/.local.share/applications“ gespeichert und hat den Namen „alacarte-made.desktop“, die zweite Verknüpfung den Namen „alacarte-made-1.desktop“, die dritte „alacarte-made-2.desktop“ und so fort. Kopieren Sie die Verknüpfungsdateiin den Desktop-Ordner „~/Desktop“oder „~/Schreibtisch“.

Nach dem ersten Doppelklick darauf zeigt Gnome eine Warnung, dass es sich um eine Verknüpfung handelt, und Sie können das Ausführen mit Klick auf „Als vertrauenswürdig markieren“ permanent erlauben. Danach ändert die Verknüpfung ihren sichtbaren Namen vom Dateinamen zum Verknüpfungsnamen.

Tipps für KDE und Unity

Verknüpfungen auf dem Desktop von Unity: Ubuntu liefert für das Erstellen von Verknüpfungen aus Kompatibilitätsgründen das Tool gnome-desktopitem-edit mit.
Vergrößern Verknüpfungen auf dem Desktop von Unity: Ubuntu liefert für das Erstellen von Verknüpfungen aus Kompatibilitätsgründen das Tool gnome-desktopitem-edit mit.

Unity: Verknüpfungen auf der Arbeitsfläche

Genauso wie Gnome 3 hat sich auch Unity vom klassischen Desktop verabschiedet, wenn auch nicht ganz so radikal. So zeigt Unity zumindest den Inhalt des Desktop-Ordners an, der in Ubuntu als „~/Schreibtisch“ im Home-Verzeichnis vorliegt. Mit einem Trick können Sie hier auch ganz einfach Verknüpfungen anlegen.

Den Menüeditor Alacarte brauchen Sie unter Ubuntu nicht, denn in den Paketquellen liegt aus Kompatibilitätsgründen noch ein älteres Tool des Gnome-Desktops zur Bearbeitung von Verknüpfungen bereit. Installieren Sie das Tool in der Kommandozeile mit diesem Befehl:

sudo apt-get install --no-install-recommends gnome-panel

Anschließend können Sie mit

gnome-desktop-item-edit ~/Schreibtisch --create-new

den Editor für eine neue Verknüpfung aufrufen. Einer Verknüpfung für Befehlszeilen geben Sie generell den Typ „Anwendung im Terminal“ mit.

Verschiedene Willkommensbildschirme von Light DM: In Ubuntu und seinen Varianten stehen verschiedene Pakete für Light DM zur Verfügung. Die Optik wird in der Datei „/etc/lightdm/lightdm.conf“ festgelegt.
Vergrößern Verschiedene Willkommensbildschirme von Light DM: In Ubuntu und seinen Varianten stehen verschiedene Pakete für Light DM zur Verfügung. Die Optik wird in der Datei „/etc/lightdm/lightdm.conf“ festgelegt.

Kubuntu und KDE: Optik des Anmeldebildschirms ändern

Der Display-Manager Light DM ist bei Ubuntu und seinen Varianten für den Anmeldebildschirm zuständig. Obwohl es sich um das gleiche Programm handelt, unterscheidet sich die Optik zwischen den Ubuntu-Versionen stark, da Unity, XFCE/LXDE und KDE ihre eigenen Light-DM-Varianten mitbringen.

In den KDE-Einstellungen von Kubuntu findet sich unter „Systemeinstellungen -> Anmeldebildschirm (LightDM)“ ein Konfigurationsdialog für das Aussehen der Anmeldung. Diese Einstellungen haben aber nur Auswirkungen auf die KDE-Variante von Light DM. Falls die Variante einer anderen Desktop-Umgebung installiert ist, dann lässt sich dessen Optik nicht mehr über KDE ändern.

Das Problem ist aber schnell behoben: Stellen Sie zunächst sicher, dassdas Paket „lightdm-kde-greeter“ installiertist. Verwenden Sie dazu auf derKommandozeile den Befehl sudo aptgetinstall lightdm-kde-greeter oder die Muon-Paketverwaltung. Öffnen Sie dann die Konfigurationsdatei „/etc/lightdm/lightdm.conf“ mit root-Rechten in einem Texteditor. In Kubuntu gelingt dies mit folgendem Befehl, der den Editor Kate über sudo startet:

sudo -H kate /etc/lightdm/lightdm.Conf

Im oberen Abschnitt „[SeatDefaults]“ändern Sie die Zeile, die mit „greetersession=“beginnt, nach den Gleichheitszeichen wie folgt:

greeter-session=lightdm-kdegreeter

Ab sofort können Sie in Kubuntu die Einstellungen unter „Systemeinstellungen -> Anmeldebildschirm (LightDM)“ verwenden und beispielsweise eine grafische Auswahl für Benutzer einblenden.

Optimale Oberfläche für Gnome und XFCE

Dick aufgetragen – auf drei Pixel verbreiterte Fensterrahmen in LXDE: Diese Einstellung ist in der Konfigurationsdatei „themerc“ des jeweiligen Themes festgelegt.
Vergrößern Dick aufgetragen – auf drei Pixel verbreiterte Fensterrahmen in LXDE: Diese Einstellung ist in der Konfigurationsdatei „themerc“ des jeweiligen Themes festgelegt.

LXDE: Dünne Fensterrahmen verbreitern

Eine Größenänderung von Fenstern per Maus erfordert bei LXDE Zielsicherheit: Die Fensterrahmen sind so dünn, dass der Mauszeiger exakt auf dem Rahmen liegen muss. Besonders umständlich wird die Bedienung des Desktops damit auf Notebooks mit Touchpads, da hier die Präzision des Mauszeigers nicht sehr hoch ist.

LXDE ist keine Desktop-Umgebung aus einem Stück, sondern kombiniert verschiedene leichtgewichtige Komponenten. Während beispielsweise das Panel zu LXDE gehört, ist der Window-Manager, welcher für Platzierung, Aussehen und Dekoration von Programmfenstern zuständig ist, vom schlanken Openbox übernommen. Openbox unterstützt wie viele Windows-Manager „Themes“, die dasAussehen der Fensterelemente bestimmen. In jedem Theme sind nicht nur grafische Elemente als Bilddateien enthalten, sondern auch eine Konfigurationsdatei mit den Definition der Dimensionen einzelner Elemente. Unter anderem kann in dieser Konfigurationsdatei auch die Breite des Fensterrahmens festgelegt werden.

Im ersten Schritt müssen Sie die Konfigurationsdatei des aktuellen Themes finden. Generell liegen Themesvon Openbox unter „/usr/share/themes/[Name]/openbox-3“. Jedes Theme hat sein eigenes Unterverzeichnis, und die Standardoptik von Lubuntu ist beispielsweise in „/usr/share/themes/Lubuntu-default/openbox-3“ untergebracht. Öffnen Sie in diesem Verzeichnis die Datei „themerc“mit root-Rechten in einem Texteditor. Ändern Sie die Definition des Wert „border.width:“ auf die gewünschteBreite in Pixel, etwa mit

border.width: 3

auf drei Pixel. Nach einer erneuten Anmeldung ist die Änderung aktiv.

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