1845160

Desktop-Tuning für Linux: Tipps für KDE und Unity

14.11.2013 | 12:09 Uhr |

Linux-Distributoren liefern die Desktops schon recht gut konfiguriert aus. Es gibt allerdings immer Kniffe, die das Leben einfacher machen. In diesem Beitrag finden Sie Tipps und Tricks zu den beliebten Desktop-Umgebungen KDE und Unity.

Ganz im Zeichen des Themen-Special „Troubleshooting“ geht hier vor allem darum, den typischen Unannehmlichkeiten vorkonfigurierter Linux-Desktops aus dem Weg zu gehen. Dabei konzentrieren wir uns auf KDE und den Unity-Desktop von Ubuntu. Für diesen Beitrag hat die LinuxWelt die derzeit aktuellen Versionen von Ubuntu und Kubuntu 13.04 („Raring Ringtail“) verwendet. Auf Gnome gehen wir nicht genauer ein.

Vereinfachter Freigabezugriff: Bei KDE können Sie einen Benutzernamen und ein Passwort für SMB-Freigaben hinterlegen. Dieses benutzt das System per Standard.
Vergrößern Vereinfachter Freigabezugriff: Bei KDE können Sie einen Benutzernamen und ein Passwort für SMB-Freigaben hinterlegen. Dieses benutzt das System per Standard.

KDE und Netzwerk im Griff

Samba-Passwort setzen: Sollten Sie Windows- oder Samba-Freigaben häufig benutzen und nicht immer Benutzername und Passwort eingeben wollen, können Sie eine Konto-Information direkt in KDE hinterlegen. In den Systemeinstellungen finden Sie in der Kategorie „Netzwerk und Verbindungen“ das Startsymbol „Freigabe“. Hier haben Sie die Möglichkeit, die Anmelde-Informationen einzutragen. Wann immer eine KDE-Ressource auf eine Windows- oder Samba-Freigabe zugreifen möchte, zieht das System zuerst diese hinterlegten Informationen zu Rate. Sind Anwendername und Passwort für eine andere Freigabe ungültig, bittet das System um korrekte Eingaben. Sie sind somit im Netzwerk nicht limitiert. Das System macht die Benutzung der am häufigsten verwendeten Freigaben nur bequemer.

So geht's: Linux über das Netzwerk booten

KIO-Slave-Probleme: Eines der größten Ärgernisse im Zusammenhang mit KDE ist, dass nicht alle Programme mit KIO-Slaves umgehen können. Es handelt sich dabei um eine Schnittstelle, die Anwendungen als Kommunikationsprotokolle nutzen. Mit dem Dateimanager Dolphin können Sie zum Beispiel einfach auf „Netzwerk“ klicken – und sollten sich Samba-Freigaben im selben Netzwerk befinden, einfach darauf zugreifen. Das Problem ist allerdings, dass einige populäre Programme diese KIO-Slaves nicht unterstützen. Anders als zum Beispiel Gnome bindet KDE das freigegebene Laufwerk nicht direkt in das System ein. Sie können das mittels df -h auf der Kommandozeile leicht überprüfen.

Bei einem Klick auf ein Video in Dolphin, das Sie via Samba mit VLC ansehen möchten, gibt es eine Fehlermeldung. Dramatischer wirkt sich das Problem bei Libre Office aus: Die freie Büro-Software-Sammlung öffnet das Dokument scheinbar ganz normal. Nachdem Sie es verändern und abschließend speichern, scheint alles in Ordnung zu sein. Fatal an der Geschichte ist, dass Libre Office die Datei keineswegs auf der Samba-Freigabe aktualisiert, sondern irgendwo in den Ordner „/var/tmp/“ kopiert und dort weiterbearbeitet. Beim nächsten Neustart ist diese Datei verschwunden, und die Änderungen sind verloren.

Es bieten sich zwei Workarounds an. Entweder kopieren Sie die Datei jeweils lokal auf dlen Rechner, oder Sie binden die Freigabe manuell ein. Letzteres ist wesentlich eleganter für ein Heimnetzwerk oder am Arbeitsplatz.

Laufwerke fest einbinden: Wollen Sie ein Samba-Laufwerk automatisch einbinden, können Sie das in der Datei „/etc/fstab“ erledigen. Dieser Eingriff funktioniert unabhängig von KDE auf Systemebene. Nehmen wir an, dass der Server die IP-Adresse 192.168.1.100 hat (Netbios-Namen funktionieren natürlich auch). Die Freigabe heißt in unserem Beispiel genau wie der lokale Benutzer „juergen“. Zuvor stellen wir noch sicher, dass das Paket smbclient installiert ist. Unter Kubuntu können Sie das gegebenenfalls mit diesem Befehl nachholen:

sudo apt-get install smbclient

Dann erstellen Sie eine Datei, die zum Beispiel „.smbcredentials“ heißen kann. In dieser legen Sie die Parameter „username=juergen“ und „password=strenggeheim“ in jeweils separaten Zeilen an. Hierbei handelt es sich um den Benutzernamen und das Passwort für die Windows- oder Samba-Freigabe. Nach dem Speichern schützen Sie die Datei noch und machen diese nur für Sie zugänglich:

chmod 600 .smbcredentials

Als Nächstes legen Sie sich ein Verzeichnis an, in das Sie die Freigabe einbinden möchten. In unserem Beispiel ist das „/home/juergen/share“. Den Ordner können Sie auch mit Dolphin in Ihrem persönlichen Ordner anlegen. Als Benutzer root editieren Sie nun die Datei „/etc/fstab“. In unserem Beispiel würde die zu verwendende Zeile so aussehen:

//192.168.1.100/juergen /home/juergen/share cifs credentials=/home/juergen/.smbcredentials,uid=juergen,gid=juergen 0 0

Haben Sie alle Schritte korrekt befolgt, bindet sich nun die Freigabe automatisch beim Systemstart ein. Um das zu überprüfen, müssen Sie das System nicht neu starten. Auf der Kommandozeile reicht dazu der Befehl sudo mount -a . Die Samba-Freigabe sollte sich nun eingebunden haben. Nun können Sie auch unter KDE schalten und walten, wie Sie möchten. Über diese Laufwerkseinbindung spielt nun VLC Videos ab, Libre Office funktioniert wie gewünscht, und auch andere Probleme mit KIO-Slave umgehen Sie damit.

Smb4K: Wollen Sie die Freigabe nicht über die Datei fstab einbinden, können Sie alternativ das Programm Smb4K nutzen. Hiermit geht es auf Zuruf.
Vergrößern Smb4K: Wollen Sie die Freigabe nicht über die Datei fstab einbinden, können Sie alternativ das Programm Smb4K nutzen. Hiermit geht es auf Zuruf.

Alternative: Wer Samba-Laufwerke nicht fix, sondern nur auf Abruf einbinden möchte, sollte sich das Programm Smb4K ansehen. Die Software befindet sich in der Regel in den Repositories der verwendeten Distribution. Unter Ubuntu installieren Sie Smb4K mittels sudo apt-get install smb4k . Nun können Sie mit der Tastenkombination Strg-O die gewünschte Freigabe einbinden. Beachten Sie, dass dies im Format „//<Server-Name“ oder „IPAdresse>/ Freigabe“ erfolgen muss. Übertragen auf das Beispiel von oben würde die UNC-Adresse so aussehen: /“/192.168.1.100/juergen“. Nun öffnet sich ein Dialog, der Anwender-Name und Passwort abfragt.

Von Smb4K eingebundene Freigaben finden Sie dann unter „/home/<User>/smb4k/<Serveradresse>/<Freigabe>“. Das eingebundene Verzeichnistaucht im Dateimanager Dolphin auf, und Sie können es direkt über Smb4K öffnen.

Privatsphäre schützen: Mit Hilfe dieser Einstellungen können Sie Ubuntu anweisen, keine Online-Suche mehr durchzuführen. Somit verlässt die Suche Ihren Rechner nicht.
Vergrößern Privatsphäre schützen: Mit Hilfe dieser Einstellungen können Sie Ubuntu anweisen, keine Online-Suche mehr durchzuführen. Somit verlässt die Suche Ihren Rechner nicht.

Ubuntus Unity zähmen

Seit Einführung der sogenannten Shopping-Lense steht Canonical in der Kritik der Datenschützer. Jede Suchanfrage geht über die Canonical-Server und bringt unter Umständen Amazon-Vorschläge auf Ihren Bildschirm. Canonical versichert, dass die Suchanfragen anonymisiert sind. Wer der ganzen Sache trotzdem nicht traut, sollte die Einstellungen der Privatsphäre überprüfen und anpassen. Hierfür gibt es ein Extra- Startsymbol, das Sie unter den Anwendungen finden. Am einfachsten starten Sie das Dash mit der Super-Taste (Windows-Taste) und tippen dort privat ein. Dann zeigt sich die Privatsphären-App, und Sie können diese starten. Gleich auf der ersten Registerkarte „Suchergebnisse“ Sie die Option „Auch Online-Suchergebnisse verarbeiten“. Schalten Sie hier auf „Aus“, dann zeigt das Dash keine Online-Suchergebnisse mehr. Weiterhin können Sie bestimmen, ob das System die Aktivitäten aufzeichnen soll. Mit Hilfe der Registerkarten „Dateien“ und „Anwendungen“ weisen Sie Ubuntu an, für bestimmte Dateitypen und Programme keine Aktivitäten aufzuzeichnen.

Unity Tweak Tool: Damit Sie Unity nach Lust und Laune anpassen können, benötigen Sie unbedingt das Unity Tweak Tool. Es befindet sich in den Repositories von Raring Ringtail, und Sie können es über das Ubunt- Software-Center oder via Kommandozeile installieren: sudo apt-get install unitytweak- tool . Auf Deutsch nennt sich das Tool „Unity-Optimierungswerkzeug“. Die Software selbst spricht allerdings nicht komplett Deutsch. Sie ist aber so einfach organisiert, dass die englischen Bezeichnungen keine Hürde darstellen sollten.

Mit Hilfe dieses Optimierungs-Werkzeugs können Sie fast das komplette Verhalten von Unity bestimmen. Sie dürfen zum Beispiel die Tastatur nach Belieben belegen, die Startleiste verschwinden lassen oder aktive Ecken bestimmen. Hier können Sie dem Spieltrieb freien Lauf lassen, um alle Funktionen des Tweak Tools zu erforschen.

Web Apps erkennen: Sollte sich eine Web App anbieten, verrät Ihnen das Ubuntu. Mit „Installieren“ integriert sich die entsprechende App in Unity.
Vergrößern Web Apps erkennen: Sollte sich eine Web App anbieten, verrät Ihnen das Ubuntu. Mit „Installieren“ integriert sich die entsprechende App in Unity.

Unity Web Apps: Beim Surfen durch das Internet wird Ihnen vielleicht auffallen, dass Ubuntu dann und wann fragt: „Möchten Sie XYZ installieren, um zusätzliche Funktionen und schnelleren Zugriff zu erhalten?“. Diese Funktion ist noch relativ jung. Sollten Sie den jeweiligen Dienst installieren, haben Sie einen weiteren Schnellstarter im System. Diesen können Sie entweder in der Startleiste befestigen oder auch über das Dash suchen. Manche Web Apps binden sich ebenfalls in die Taskleiste ein. Im Screenshot sehen Sie ein Beispiel mit Google Mail. In diesem Fall befindet sich die Web App in der Startleiste und der Taskbar. Web Apps können übrigens auch Systemmitteilungen benutzen, um Sie auf Aktualisierungen hinzuweisen.

Integrierte Web Apps: Manche Webdienste können sich an verschiedenen Stellen in Unity integrieren und erlauben dadurch eine komfortablere Benutzung.
Vergrößern Integrierte Web Apps: Manche Webdienste können sich an verschiedenen Stellen in Unity integrieren und erlauben dadurch eine komfortablere Benutzung.

Die Anzahl der unterstützten Seiten ist noch recht übersichtlich. Es gibt allerdings einige Dienste, die auch für deutschsprachige Anwender interessant sind. Darunter befinden sich Google Mail, Yahoo Mail, Hotmail, Twitter, Facebook, Google+, Youtube, Reddit, Google Docs, Google Kalender und auch Wordpress.com. In Zukunft darf man hier sicher mit breiterer Unterstützung rechnen.

Linux wird 22 Jahre alt - eine Zeitreise in Bildern

Web Apps selbst zu schreiben ist übrigens gar nicht so kompliziert, wenn man ein wenig Basis-Know-how in der Programmierung mitbringt. Wer Ubuntu-Anwendern eine App für eine eigene Seite anbieten möchte, findet unter http://developer.ubuntu.com/webapps/ die API-Referenz und ein entsprechendes Tutorial.

Es kann nicht nur einen geben: Mit Cairo-Dock können Sie mehr als einen Starter-Dock einrichten und Ihre Programme dann thematisch umverteilen.
Vergrößern Es kann nicht nur einen geben: Mit Cairo-Dock können Sie mehr als einen Starter-Dock einrichten und Ihre Programme dann thematisch umverteilen.

Cairo-Dock statt Startleiste: Wenn Sie eigentlich Ubuntu samt Unity nutzen möchten, aber die Startleiste ungenügend finden, können Sie das alternative Cairo-Dock verwenden. Suchen Sie dafür im Ubuntu-Software-Center nach GLX-Dock und installieren Sie die Applikation. Im Anschluss verwenden Sie das bereits genannte Unity Tweak Tool, um die Startleiste zu verbergen. Nun starten Sie Cairo-Dock oder GLX-Dock (Cairo-Dock mit Open GL) aus den Anwendungen, und Sie haben eine Mac-OS-X-ähnliche Startleiste am unteren Ende des Bildschirms. Das Dash oder den Ubuntu-Launcher können Sie weiterhin mit der Super-Taste aktivieren. Cairo-Dock selbst konfigurieren Sie nach einem Rechtsklick auf das Dock. Es öffnet sich ein Menü. Fahren Sie mit der Maus über das Cairo-Dock, und klicken Sie danach auf „Konfigurieren“. Hier legen Sie außerdem fest, ob Cairo-Dock direkt beim Systemstart ausgeführt werden soll.

Über dieses Konfigurationsmenü können Sie auch weitere Docks erstellen. Sie verschieben Programme in das neue Dock, indem Sie mit der rechten Maustaste darauf klicken und dann im Menü für die Applikation „In ein anderes Dock verschieben“ wählen.

Online-Suche im Dash: Entsprechend konfiguriert können Sie mit der Dash-Suche auch Dokumente auf Google Drive ausfindig machen. Mit Bildern ist das ebenfalls möglich.
Vergrößern Online-Suche im Dash: Entsprechend konfiguriert können Sie mit der Dash-Suche auch Dokumente auf Google Drive ausfindig machen. Mit Bildern ist das ebenfalls möglich.

Soziales Netzwerken: Ubuntu bringt mittlerweile eine zentrale Schaltstelle für soziale Netzwerke und andere Online-Aktivitäten mit sich. Die dafür verantwortliche Applikation nennt sich „Online-Konten“ und befindet sich in den Systemeinstellungen. Damit können Sie zum Beispiel Facebook, Twitter und auch das Google-Konto verknüpfen. Sie haben über das Dash sogar die Möglichkeit, Google Drive, Picasa und Co. nach passenden Inhalten zu durchsuchen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass Sie die Online-Suchergebnisse in den Einstellungen zur Privatsphäre nicht deaktiviert haben. Somit würden Sie allerdings die Amazon-Werbung wiedersehen.

Es gibt aber einen Weg, die Online-Suchergebnisse zu aktivieren und dennoch keine Amazon-Vorschläge bekommen. Hierzu öffnen Sie ein Terminal und geben den Befehl

sudo apt-get remove unity-lensshopping

ein. Nach Eingabe Ihres Passworts deinstalliert das System die Amazon- Werbung. An dieser Stelle könnte ein Ab- und Anmelden oder ein Neustart des Systems notwendig sein.

Bei der Verwendung von Online-Konten sollten Sie Vorsicht walten lassen. Klicken Sie zum Beispiel im Dash auf Bilder, sucht Ubuntu auch Ihre Online- Galerien durch und zeigt Fotos von Freunden an. Das wirkt sich natürlich auf die Internet-Leistung aus. Vor allen bei der Verwendung von mobilem Breitband und limitiertem Datenvolumen ist daher Vorsicht geboten. Sie können die einzelnen Online-Konten allerdings feiner einstellen. Zum Beispiel lässt sich bei Facebook und Google die Online-Bildersuche deaktivieren. Nach dem Einrichten eines Online-Kontos ist es daher immer ratsam, einen Blick auf dessen Einstellungsmöglichkeiten zu werfen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1845160