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Desktop-Vielfalt unter Linux

24.06.2008 | 14:22 Uhr |

Wer mit Linux fensterln will, hat die Qual der Wahl: Zahlreiche Windowmanager und ausgewachsene Desktop-Umgebungen buhlen um Ihre Gunst. Wir stellen Ihnen die Wichtigsten vor.

KDE steht in der Version 4 zur Verfügung
Vergrößern KDE steht in der Version 4 zur Verfügung
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Desktop, Windowmanager - wo ist da der Unterschied? Per Definition fallen unter die Bezeichnung "Desktop-Umgebung" Software-Pakete wie KDE, Gnome und Xfce. Diese Umgebungen bieten neben Fensterverwaltung, Desktop und Dateimanager auch eine Menge eigener Tools und Programme für den täglichen Gebrauch, um den Anwender wunschlos glücklich zu machen. Ihre spezielle Note erhalten Desktop-Umgebungen wie Gnome und KDE durch individuelle Bibliotheken und Toolkits, auf dem die mitgelieferten Programme basieren. Ein Toolkit stellt Programmierern eine Reihe von Werkzeugen und grafischen Elementen zur Verfügung, um möglichst schnell einheitliche Programmoberflächen zu bauen. Gnome basiert etwa auf dem GTK+-Toolkit, während die KDE-Entwickler bei ihrem Desktop auf Qt setzen. Zu den drei ausgewachsenen Komplett-Desktops gesellen sich viele Windowmanager wie Fluxbox, Enlightenment, Fvwm und weitere.

Ein Windowmanager ist die zentrale Komponente einer grafischen Benutzeroberfläche und verwaltet die dargestellten Fenster. Allerdings bringen Windowmanager nicht unbedingt auch einen Dateimanager oder eine Desktop-Verwaltung mit und sind deshalb schlank bis spartanisch. Dabei bleibt es dem Anwender überlassen, die Oberfläche mit zusätzlichen Tools und Programmen zu erweitern. Gerade das macht schlanke Windowmanager für Fortgeschrittene reizvoll, die einen kompromisslos schnellen Desktop wünschen. Aber auch auf älterer, ressourcen-schwacher Hardware sind die meist gewöhnungsbedürftigen Windowmanager eine echte Alternative.

Die Basis: X-Window-System
Die Vielfalt des Linux-Desktops beruht auf der Architektur des darunter liegenden Gerüsts, dem X-Window-System. Dessen Macher entschlossen sich 1984 dazu, einen möglichst offenen Standardbaukasten zu schaffen, der nur als Server agiert. Die grafischen Anwendungen verhalten sich dazu wie Clients. Definiert ist nur das verwendete Protokoll X11, nicht aber das Aussehen der Clients. Das führte zu einer Vielfalt unterschiedlicher Desktops, die sich in Aussehen und Funktionalität stark unterscheiden. Gut für den Linux-Anwender: Sie können mehrere Desktop-Varianten und Windowmanager parallel installieren und diese abwechselnd nutzen. Sie können auch Gnome-Anwendungen unter KDE starten und umgekehrt, Sie brauchen nur die passenden Bibliotheken. Um zwischen den installierten Desktops und Windowmanagern umzuschalten, sollten Sie einen Display-Manager wie Gdm oder Kdm verwenden, die bei den meisten Distributionen vorinstalliert sind. Damit können Sie am Log-in-Bildschirm auswählen, welche Oberfläche Sie für Ihre nächste Sitzung starten möchten.

KDE: Der Konsistente
1996 waren Desktops für Linux noch Mangelware. So kündigte der damals 24-jährige Student Matthias Ettrich im Usenet an, er wolle eine konsistente, nette und freie Desktop-Umgebung entwickeln. Heraus kam das "Kool Desktop Environment", das sich stark am damals unter Unix verbreiteten CDE orientierte, aber seinen eigenen Windowmanager Kwin nutzt. In der frühen Linux-Szene hagelte es sofort Kritik, da KDE auf dem proprietären Toolkit Qt der norwegischen Firma Trolltech basierte. Die Lizenz sahen viele Enthusiasten mit Linux unvereinbar und ignorierten KDE zunächst. Die Streitigkeiten mit der Open-Source-Gemeinde wurden erst 2000 beigelegt, als Qt in einer freien Linux-Version erschien. Der Durchbruch gelang KDE mit dem Browser Konqueror, der den instabilen Netscape Navigator ersetzte und noch vor Mozilla Marktreife erlangte.

KDE ist der Desktop, mit dem fast alle Umsteiger aus der Windows-Welt sofort zurechtkommen. Mit Compiz, Beryl und Compiz-Fusion kommen KDE-Anwender in den Genuss eines 3D-Desktops. Die meisten Distributionen liefern KDE mit, sogar Gnome-zentrierte Distributionen wie Debian und Fedora haben KDE im Gepäck. KDE ist allerdings nicht gerade sparsam in seinen Hardware-Anforderungen. Neben 250 MB Plattenplatz sollte der PC eine CPU mit Taktfrequenz im Gigahertz-Bereich sowie 512 MB RAM besitzen, wobei sich KDE zur Not auch mit weniger zufrieden gibt. Im Januar 2008 erschien KDE 4, das wegen grundlegender Änderungen nicht mehr zur 3.5-Serie kompatibel ist. Es basiert auf einer neuen Version von Qt und bringt eine vollkommen neue Optik sowie neue Anwendungen wie den Dateimanager Dolphin und den Betrachter Okular mit. Tipp: Ein standardmäßig mit Gnome ausgestattetes Ubuntu rüsten Sie im Nu mit KDE nach, indem Sie auf der Kommandozeile das Meta-Paket "kubuntu-desktop" nachinstallieren: "sudo apt-get install kubuntu-desktop".

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