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Desktop-Klassiker XFCE vorgestellt

22.07.2014 | 12:09 Uhr |

XFCE oder „X-Face“ präsentiert sich im Standardlook schmucklos bis hässlich – als graue Maus (XFCE Logo). Das ist rätselhaft – denn XFCE ist mit der gereifteste, bestorganisierte und attraktivste Desktop. Schmucklos bleibt er nur bei Anfängern.

Manchmal wird selbst Software einfach final fertig. Das im nebenstehenden Steckbrief angezeigte Datum der aktuellen XFCE-Version wirkt zwar etwas angestaubt, tatsächlich gibt es bei XFCE aber nach 18 Jahren Entwicklung nicht mehr viel zu verbessern: Der Desktop ist so ziemlich perfekt für Nutzer, die selbst Hand anlegen mögen und klassisch-pragmatische Elemente schätzen. Die funktionalen wie optischen Möglichkeiten sind umfassend, die Bedienung vielleicht in manchen Bereichen altmodisch, aber ausgereift und logisch durchdacht. Nicht zuletzt hat das gute Stück bescheidene Ansprüche an die Hardware. Der XFCE-Desktop ist klarer als KDE, flexibler als Gnome, Cinnamon, Mate oder Unity, logischer als E17/18. Nur modern ist er nicht.

Umfassender XFCE-Settings-Manager: Die Konfigurationszentrale lässt nichts aus, um die Oberfläche komplett mit grafischen Mitteln zu bearbeiten und anzupassen.
Vergrößern Umfassender XFCE-Settings-Manager: Die Konfigurationszentrale lässt nichts aus, um die Oberfläche komplett mit grafischen Mitteln zu bearbeiten und anzupassen.

1 Konzept und Funktionsumfang

Die mitgelieferte, ressourcensparende Anwendungs-Software bei XFCE ist kaum der Rede wert und bedarf in der XFCE-Vorzeige-Distribution Xubuntu sicher der Nachrüstung. Lediglich Firefox, Thunderbird und der Dateimanager haben ihre unbestrittene Berechtigung. Mit dem Dateimanager Thunar hat XFCE einen der wenigen seiner Art an Bord, die auf das Drag & Drop von Dateien mit rechter Maustaste mit einem Kontextmenü à la Windows antworten. Der mitgelieferte Sitzungsmanager bringt nicht nur seinen eigenen, übersichtlichen Anmeldebildschirm mit, sondern ermöglicht über das Konfigurationszentrum das Speichern der aktuellen Sitzung.

Im Konfigurationszentrum („Einstellungen“) sind alle Basics an Bord wie Monitoreinstellung, Benutzerverwaltung oder Treibersuche. Dieser XFCE-Settings-Manager bietet aber zusätzlich wirklich alles, was anspruchsvolle Nutzer zur Systemanpassung erwarten. Unter „Einstellungen“ finden Sie alle Optionen, um Sitzungsverhalten, Fensterverhalten, Themes, Dateimanager oder die Fensteroptik einzustellen.
 
Für das Hauptmenü gibt es einen Bearbeitungseditor, um zwecks besserer Übersicht unnötige Einträge zu entfernen oder Programme in andere Kategorien einzuordnen. Das Hauptmenü erscheint bei Rechtsklick auf den Desktop, Sie können es ferner als traditionelles, hierarchisches Menü in eine Symbolleiste einbauen („Anwendungsmenü“) oder in der moderneren Form mit einem Instant-Search-Eingabefeld („Whisker-Menü“).

Die Symbolleisten von XFCE sind generell eine lohnende Spielwiese: Es gibt diverse vorgegebene Elemente wie beispielsweise die oben genannten Menüs, ferner Arbeitsflächenumschalter, Sitzungsmenü („Aktionsknöpfe“) oder eine Mini-Kommandozeile. Als „Starter“ lässt sich zudem jedes beliebige Programm einzeln oder in ein kaskadierendes Menü ablegen.

XFCE ist eine Einladung für Nutzer, die sich ihr System gerne individuell einrichten. Alles und jedes ist zugänglich und übersichtlich organisiert. Trotzdem kann man sich einige Stunden beschäftigen, bis alles perfekt aussieht – denn der Anspruch wächst mit den Möglichkeiten.

„Whisker“ statt klassischem „Anwendungsmenü“: Die modernere Menüvariante mit Suchfeld und Favoriten lässt sich mühelos in jede XFCE-Leiste einbauen.
Vergrößern „Whisker“ statt klassischem „Anwendungsmenü“: Die modernere Menüvariante mit Suchfeld und Favoriten lässt sich mühelos in jede XFCE-Leiste einbauen.

2 Hardware-Ansprüche und Speicherbedarf

XFCE gilt gemeinhin als schlanke Oberfläche, in der Liga der absoluten Minimalisten wie E17 kann es allerdings nicht ganz mitspielen. Auf einem Ubuntu-basierten 32-Bit-System mit XFCE-Desktop sind ab Start etwa 220 MB belegt, im laufenden Betrieb dann bis zu 300 MB für das pure System inklusive der Oberfläche. Gemessen an den Fähigkeiten des Desktops ist das mehr als vertretbar: Auch auf älteren Netbooks mit typischen 1 GB RAM bleiben ausreichend Reserven. Eine 3D-Grafikkarte ist ebenso wenig erforderlich wie eine leistungsstarke CPU.

3 Konfiguration und Anpassung

Zur Standardausstattung des Desktops gehört eine Symbolleiste, die bereits mit den wichtigsten Elementen bestückt ist. Nach Rechtsklick und „Leiste -> Leisteneinstellungen“ können Sie den Umfang über die Registerkarte „Objekte“ weiter ausbauen und auf Wunsch zusätzliche Symbolleisten anlegen. Hinsichtlich Aussehen, Größe, Farbe, Transparenz oder Ausblendverhalten lässt XFCE unter den Registerkarten „Anzeige“ und „Erscheinungsbild“ keine Wünsche offen. Eventuell müssen dazu aber erst in den „Einstellungen“, also im Xfce-Settings-Manager, unter „Feineinstellungen des Fensterverhalten“ auf der Registerkarte „Compositor“ die Transparenz- und Schatteneffekte aktivieren. Weiteres Fein-Tuning der Fensteroptik finden Sie unter „Fensterverwaltung“, „Erscheinungsbild“ und „Theme Configuration“.

Das Hauptmenü, sei es in klassischer Form oder als Whisker-Menü, zeigt standardmäßig viele Einträge, die im Alltag selten benötigt werden. Daher lohnt sich der Gang zum Punkt „Hauptmenü“ in der Konfigurationszentrale. Mit Klick auf das zugehörige Kontrollkästchen sind überflüssige Programme schnell deaktiviert und umgekehrt auch wieder reintegriert.

Im Modul „Einstellungen -> Sitzung und Startverhalten“ definieren Sie Aussehen und Funktionalität des Anmeldebildschirms, ferner den Umfang der „Automatisch gestartete[n] Programme“. Anders als bei vielen Oberflächen zeigt XFCE hier eine umfassende Liste aller aktivierten und deaktivierten Startprogramme und bietet bequemes Umschalten mittels Kontrollkästchen.

4 Installation in populären Distributionen

XFCE gibt es in den Repositories aller namhaften Distributionen von Debian (Ubuntu/Mint) über Open Suse, Fedora bis Arch Linux. Unter Debian-Abkömmlingen wie Ubuntu und Linux Mint ist der Desktop über das Software-Center oder mit folgendem Kommando im Terminal schnell installiert:

sudo apt-get install xubuntu-desktop

Für die jüngeren Open-Suse-Versionen 12.2, 12.3 und 13.1 gibt es einen Ein-Click-Installationsservice unter https://de.opensuse.org/Xfce_Repositorys . Wer sich bei einer Neuinstallation von vornherein auf XFCE festlegen will, nimmt am besten mit Xubuntu 14.04 gleich die passende Distribution.

Steckbrief XFCE
Webseite: www.xfce.org
Aktuelle Version: 4.10 vom 28.4.2012
Zielgruppe: erfahrene, konservative Nutzer
Ressourcenbedarf: sehr moderat, läuft auch mit älteren CPUs und ohne 3D-Chip
Anpassungsfähigkeit: exzellent
Repräsentative Distribution: Xubuntu 14.04 ( http://xubuntu.org )

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