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Der optimale Weg ins Web

01.01.2014 | 15:34 Uhr |

Ob Ethernet, WLAN oder Powerline - bei der Einrichtung des Hausnetzwerkes sollte die Art der Übertragung gut gewählt sein. Wir stellen Ihnen die wesentlichen Methoden vor.

Der Eine will nur gelegentlich die Smartphone-Fotos zum PC bringen, der Zweite will Video-Streaming in jeder Wohnungsecke. Genau genommen gibt es das schnelle, das langsame oder das perfekte Netzwerk nicht. Vielmehr gibt es im lokalen Heimnetz je einzelne Geräte und Personen: Es ist völlig normal, dass nicht jede Person die Router-Konfiguration ändern darf. Und es ist nicht ungewöhnlich, dass sich zwei Geräte mit Highspeed unterhalten, während sich eine andere Komponente im selben Netzwerk gerade noch stockend beteiligen kann. Es kommt immer nur darauf an, dass beim einzelnen Gerät und seinem Benutzer so viel Netzwerk ankommt, wie Sie dort brauchen. Das Schöne am Netzwerk – Sie dürfen kreativ sein: Kabelvernetzung, WLAN-Funknetz und Powerline-Netz durch die Steckdose lassen sich beliebig kombinieren. Da findet sich immer ein Weg für jedes Gerät, eine angemessene Netzversorgung herzustellen.

Netzverkehr mit und ohne Router

Die Netzzentrale: Router wie die Fritzbox sind Multifunktionsgeräte. Sie arbeiten als WLAN-Sender, Internet-Firewall, Ethernet-Switch, Telefonanlage und mehr.
Vergrößern Die Netzzentrale: Router wie die Fritzbox sind Multifunktionsgeräte. Sie arbeiten als WLAN-Sender, Internet-Firewall, Ethernet-Switch, Telefonanlage und mehr.
© AVM

Der komplette Datenverkehr vom und ins Internet muss durch den WLAN-DSL-Router. Zusätzlich läuft aber auch der Großteil der lokalen Netzwerkdaten – Kabel- wie Funknetz – über den zentralen Router. Hardware-seitig vereinen moderne Router eine ganze Reihe von Funktionen: Funknetz, Kabelnetz, Netzwerk-Switch, Telefonie, oft auch noch Druckerserver, Datenserver, NAS. Alle Funktionen lassen sich in der Konfigurationsoberfläche über einen Internet-Browser einrichten. Wie Sie an die Router-Adresse und damit an Router-Konfiguration kommen, lesen Sie im Artikel Netzwerk unter Windows . Aufgrund seiner zentralen Rolle ist es optimal, wenn der Router zugleich einen zentralen Standort besitzt, wo Sie etwa einen PC oder ein Smart-TV direkt per Kabel verbinden können. Die meisten Router besitzen in ihrer Funktion als Switch vier Anschlüsse für Ethernet-Kabel –je mehr Sie davon für Geräte in unmittelbarer Nähe nutzen können, desto besser.

Die Heimnetze wachsen: Router, PC, Notebook, Smart-TV und Smartphone gehören schon fast in jeden Haushalt und ergeben eine Handvoll Netzgeräte; mit NAS, Tablet und Netzdrucker wird die Anzahl schnell zweistellig.
Vergrößern Die Heimnetze wachsen: Router, PC, Notebook, Smart-TV und Smartphone gehören schon fast in jeden Haushalt und ergeben eine Handvoll Netzgeräte; mit NAS, Tablet und Netzdrucker wird die Anzahl schnell zweistellig.

Aber nicht der gesamte Datenverkehr muss durch den Router: Wenn in einem Raum das Kabelnetz verfügbar ist (durch Kabelverlegung oder via Powerline), können Sie dort mit einem Netzwerk-Switch mehrere Endgeräte verbinden: Ein Kabel führt zum Router, die weiteren Anschlüsse gehen zu den Endgeräten. In diesem Fall regelt der Switch den Datenaustausch dieser Geräte direkt, und der Umweg zum Router entfällt. Kleinere, für Heimvernetzung meist ausreichende Switches haben fünf oder acht Anschlüsse.

Der WLAN-Funknetzverkehr zwischen Ihren WLAN-Geräten verläuft aktuell komplett über den Router (auch wenn ein Repeater zwischengeschaltet wird). Erst der künftige Standard 802.11s wird den Router voraussichtlich entlasten und damit die Leistung weiter steigern: Wenn zwei Client-Geräte nur gegenseitig Daten austauschen, kann das Funknetz dann spontan eine Direktverbindung schalten, die dann ganz ohne Router auskommt.

Mehr Tempo im Netzwerk - so geht's

Vernetzungtechnik und Übertragungsraten

Das Funknetz ist für Nur-WLAN-Geräte wie Tablets und Smartphones unverzichtbar: Die WLAN-Konfiguration im Router zeigt hier ein aktiviertes Funknetz mit den Übertragungsstandards 11n und 11g im Mischbetrieb.
Vergrößern Das Funknetz ist für Nur-WLAN-Geräte wie Tablets und Smartphones unverzichtbar: Die WLAN-Konfiguration im Router zeigt hier ein aktiviertes Funknetz mit den Übertragungsstandards 11n und 11g im Mischbetrieb.

Je nach den Gegebenheiten in Wohnung oder Haus bieten sich verschiedene Vernetzungstechniken an mit unterschiedlicher Leistung und Zuverlässigkeit. In den allermeisten Fällen führt nur eine Kombination verschiedener Techniken zu einem befriedigenden Gesamtergebnis.

Ethernet-Verkabelung: Das Kabelnetz ist die zuverlässigste Vernetzungstechnik. Sie ist absolut sicher gegen direkte Einbruchsversuche und gewährleistet einen von äußeren Einflüssen unabhängigen, störungsfreien Datendurchsatz. Anders als beim Funknetz sind daher Übertragungsraten nahe dem theoretischen Wert auch im Alltag zu erreichen: Ein Fast Ethernet mit 100 MBit/s schafft zwar nicht die theoretischen 12 MB/s, aber doch dauerhaft 10 MB/s. Das reicht aktuell noch für alle Anforderungen der Videowiedergabe und Spieledarstellung. Allerdings kann ein Blu-ray-Film fast schon allein die Bandbreite eines 100-MBit-Netzwerks fordern. Große Datentransfers und Backups geraten bei 100 MBit/s ebenfalls zur Geduldsprobe. Wer neu verkabeln will, sollte daher ein Gigabit-LAN wählen. Ältere Netzgeräte mit langsameren Adaptern sind darin kein Hindernis, können aber natürlich nur mit ihrer langsameren Übertragungsrate mitspielen.

Ortsungebundener WLAN-Drucker: Immer mehr Peripheriegeräte, die früher direkt am Rechner angeschlossen werden mussten, erhalten Netzwerk-Chips und einen winzigen Webserver zur Verwaltung im Browser.
Vergrößern Ortsungebundener WLAN-Drucker: Immer mehr Peripheriegeräte, die früher direkt am Rechner angeschlossen werden mussten, erhalten Netzwerk-Chips und einen winzigen Webserver zur Verwaltung im Browser.

Netzwerkkabel sind in verschiedenen Kategorien erhältlich. Sie sind oft durch einen Aufdruck von CAT und der nachfolgenden Kennziffer qualifiziert. Für 100 MBit wird ein CAT-5-Kabel benötigt; dieses funktioniert auch im Gigabit-Netz, besser sind dort Kabel mit der Kennzeichnung CAT 5e. Bei der Verkabelung sparen lohnt nicht (zehn Meter CAT-5e-Kabel liegen unter fünf Euro), da Sie die meist aufwendige Arbeit der Verkabelung sicher nicht alle paar Jahre machen möchten.

Dieser Aufwand ist der entscheidende Nachteil des Kabelnetzes; ein zweiter Nachteil ist die Immobilität der verkabelten Geräte. PCs, NAS-Speicher (Network Attached Storage) oder Smart-TVs mit festem Standort sollten aber nach Möglichkeit immer verkabelt angeschlossen werden.

WLAN (Ethernet-Funknetz): Wireless LAN ist unverzichtbar, wenn mobile Geräte zum Haushalt gehören. Notebooks, Netbooks, Tablets und Smartphones bringen den nötigen WLAN-Chip standardmäßig mit. WLAN ist außerdem die bequemste Vernetzungstechnik – keine Kabel, geringer Aufwand, und alle Netzwerkgeräte bleiben schön mobil. PCs können mit einem WLAN-Adapter an der USB-Schnittstelle leicht nachgerüstet werden. Vorausgesetzt, der Router gehorcht dem aktuellen Übertragungsstandard (IEEE-802.11n, nicht IEEE-802.11g oder veraltetes IEEE-802.11b), sind die Daten hier theoretisch schneller unterwegs als im 100-MBit-LAN, nämlich mit 150 bis 300 MBit/s (und sogar 600 MBit/s). Das wären dann mehr als 15 bis 30 MB pro Sekunde, locker ausreichend für alle Audio-Video-Gaming-Anforderungen. Tatsächlich sind aber ideale Bedingungen notwendig, um wenigstens ein Drittel dieser theoretischen Bruttoleistung zu erreichen, etwa 5 bis 10 MB/s. Neben der Dämpfung durch Wände oder Decken sind weitere WLAN-Bremsen größere Entfernungen vom Router, Netze der Nachbarn, abwärtskompatibler Mischbetrieb im Router. Weitere Ursachen für unbefriedigenden WLAN-Durchsatz und Tipps, diesen zu optimieren, finden Sie im Artikel „ Drahtlos gut vernetzt ".

Übrigens: Dass WLAN-Funknetze krank machen, ist äußerst unwahrscheinlich, aber letztendlich auch nicht empirisch widerlegt, weil es für die Folgen der dauernden Gewebeerwärmung durch WLAN- oder Handy-Elektrosmog noch keine verlässlichen Langzeitstudien gibt. In einer urbanen Umgebung hilft aber ein Verzicht auf WLAN sowieso nichts – die Nachbarn funken mit derselben Signalstärke.

Powerline oder Homeplug (oder DLAN): Wo Verkabelung zu umständlich, das WLAN-Signal andererseits zu schwach wäre, ist die Netzwerkvariante via Steckdose eine echte Alternative. Powerline oder DLAN (Marktführer Devolo) ist eine Kabelvernetzung, die für die Hauptdistanz die Stromleitung nutzt, die kurzen Restwege übernehmen normale Ethernet-Kabel .

Powerline-Adapter: Für Ihre Netzwerkstrategie können der eingebaute Switch (hier zwei Ports) und die weiter nutzbare Steckdose wichtig werden. Beides erhöht den Preis.
Vergrößern Powerline-Adapter: Für Ihre Netzwerkstrategie können der eingebaute Switch (hier zwei Ports) und die weiter nutzbare Steckdose wichtig werden. Beides erhöht den Preis.
© Devolo

Powerline-Verbindungen sind relativ schnell, sehr sicher, aber auch etwas teurer als die anderen Netzwerktechniken. Der theoretische Durchsatz von 200 oder gar 500 MBit/s wird in der Praxis allerdings nicht annähernd erreicht. Im Idealfall und bei kürzeren Distanzen erreichen die Adapter 40 Prozent der theoretischen Bruttoleistung (also 80 oder 200 MBit/s), in ungünstigen Fällen aber nur magere 10 bis 20 Prozent. Neben der räumlichen Distanz der Adapter und der Qualität der Stromleitung als Hauptfaktoren können auch andere Stromverbraucher im Haushalt den Durchsatz beeinträchtigen.

Beachten Sie, dass Homeplug-Adapter verschiedener Hersteller meist nicht kompatibel sind. Immerhin ist aber das aktuelle Powerline 500 abwärtskompatibel zu den älteren 200-MBit-Adaptern des selben Herstellers.

Trotz der genannten Nachteile kann sich Powerline als eine ideale Ergänzungslösung erweisen. Insbesondere Adapter mit integriertem Switch für zwei oder drei Anschlüsse schaffen auch an entlegenen Orten in Haus und Wohnung komfortable Bedingungen: Der Internetzugang ist auch in ungünstigeren Fällen ungebremst, und beim lokalen Datenaustausch der am Adapter-Switch angeschlossenen Geräte ist locker Fast-Ethernet-Tempo und mehr drin (120 MBit/s und mehr).

Die maximale Reichweite innerhalb des Stromnetzes wird von den Herstellern mit 200 bis 300 Metern angegeben, was nur den Schlossbesitzern unserer Leser Sorge bereiten dürfte. Die Reichweite hängt aber auch von der Verzweigung des Kabelbaumes und der Dämpfung ab. Stromzähler stellen starke, aber nicht vollständige Hindernisse da. Es empfiehlt sich, die Adapter immer direkt in eine Wandsteckdose einzustecken und nicht Mehrfachstecker zu verwenden. Bei Mangel an Steckdosen gibt es Adapter mit integrierter Steckdose. Die Steckdose kann somit weiter auch für andere Stromverbraucher genutzt werden.

Typische Netzwerk-Probleme sofort lösen

Was der Netzausbau kostet
Geht man von der Basissituation aus, dass (WLAN-)Router und Internetzugang bereits bestehen, sind die weiteren Kosten für einen Netzausbau gering bis moderat.

WLAN-Stick am USB-Anschluss: PCs ohne internen Funk-Chip bekommen Sie für 20 bis 40 Euro mühelos mit einem WLAN-Stick ins Funknetz.
Vergrößern WLAN-Stick am USB-Anschluss: PCs ohne internen Funk-Chip bekommen Sie für 20 bis 40 Euro mühelos mit einem WLAN-Stick ins Funknetz.
© AVM

WLAN-Funknetz: Am günstigsten erscheint zunächst immer das Funknetz: Notebooks, Tablets, Smartphone und (viele) Smart-TVs haben einen Funknetz-Chip standardmäßig integriert. Die Geräte am Funknetz des Routers anmelden – und schon ist das Netzwerk zum Nulltarif fertig. Sobald Sie aber noch PCs in das WLAN bringen wollen, brauchen Sie für jeden PC einen WLAN-Adapter in Form eines USB-WLAN-Sticks – und für schnelle Markenprodukte sind pro Stück 30 bis 40 Euro einzurechnen. Wenn das Funknetz an wichtiger Stelle zu schwach ist, greift man gerne zum WLAN-Repeater. Solche Signalverstärker, wenn sie das Funknetz wirklich effektiv verbessern sollen, kosten dann aber auch circa 50 Euro pro Stück. Je nach Szenario ist die WLAN-Vernetzung dann zwar immer noch günstig, aber eben nicht mehr kostenlos.

WLAN-Verstärker: Der abgebildete Repeater leistet gute Arbeit, muss sich aber der Konkurrenz der nur wenig teureren Powerline-Adapter stellen.
Vergrößern WLAN-Verstärker: Der abgebildete Repeater leistet gute Arbeit, muss sich aber der Konkurrenz der nur wenig teureren Powerline-Adapter stellen.
© AVM

Ethernet-Verkabelung: Um für einen Raum eine direkte Kabelverbindung zum entfernten Router herzustellen, benötigen Sie theoretisch nur ein CAT-5e-Ethernet-Kabel für etwa 10 bis 20 Euro – je nach Länge. Sollen vom schnellen Kabel vor Ort mehrere Geräte profitieren, kommt noch ein kleiner Switch hinzu für circa 35 Euro. Diese günstige Rechnung für ein schnelles und stabiles Netz setzt aber voraus, dass Sie das Kabel selbst verlegen und gegebenenfalls mit der Bohrmaschine hantieren.

Switch für das Kabelnetz: Diese Verteiler multiplizieren nicht nur die Anschlüsse, sondern entlasten den Netzverkehr zum Router.
Vergrößern Switch für das Kabelnetz: Diese Verteiler multiplizieren nicht nur die Anschlüsse, sondern entlasten den Netzverkehr zum Router.
© Netgear

Powerline-Adapter: Ein Minimalset oder „Starter Kit“ eines Markenherstellers wie Devolo mit zwei Adaptern kostet ab circa 70 Euro aufwärts. Zwei (kurze) Ethernet-Kabel liegen in der Regel bei. Das ist der Preisbereich eines guten WLAN-Repeaters, der allerdings im Vergleich zur Übertragungsleistung der Powerline-Adapter deutlich unterliegt.

Im Einzelfall, um einen bestimmten Raum ordentlich ins Netz zu bringen, haben Powerline-Adapter gegenüber WLAN das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. Hingegen wäre es sicher unvernünftig, die komplette Wohnung in dieser Weise zu vernetzen.

Datendurchsatz im Netzwerk

Zu schnell kann der lokale Datendurchsatz nicht sein: Wenn Sie ein 500-GB-Archiv im Netz zu synchronisieren pflegen, ist ein Gigabyte-LAN ein Segen. Nichtsdestotrotz ist dergleichen auch mit Fast Ethernet tolerierbar, mit den typischen realen Übertragungsraten im WLAN aber in der Regel nicht mehr. Die folgende Tabelle zeigt in der rechten Spalte real erreichbares Tempo für die gängigsten Netztechniken.

Technik

Durchsatz (theoretisch)

Durchsatz (real)

Gigabit Ethernet

1000 MBit/s

950 MBit/s

Fast Ethernet

100 MBit/s

95 MBit/s

Powerline 500

500 MBit/s

120 MBit/s

Powerline 200

200 MBit/s

60 MBit/s

WLAN 802.11n

300 MBit/s

50 MBit/s

WLAN 802.11g

54 MBit/s

15 MBit/s

Beachten Sie, dass bei Powerline und WLAN je nach Entfernung von Sender und Empfänger, Störeinflüssen und Dämpfungsfaktoren auch noch mit deutlich niedrigeren Werten zu rechnen ist. Beachten Sie ferner, dass die langsameren LAN-Geschwindigkeiten bereits unterhalb der aktuellen Internet-Highspeed-Angebote liegen (32, 50 und 100 MBit/s), dass also solche LAN-Geschwindigkeiten theoretisch Ihr Internettempo ausbremsen.

Einige weitere Werte zur Orientierung: Um Blu-ray-Filme über das Netz abzuspielen, sind etwa 30 MBit/s, für hochauflösende Matroska-Videos 15 MBit/s erforderlich. Alle weiteren Videoformate benötigen beim Streamen unter 6 MBit/s und sind damit ebenso wenig eine Herausforderung für das Netz wie verlustlose Musikformate.

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