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Der RAM-Ratgeber der PC-WELT

30.06.2014 | 09:59 Uhr |

PC-WELT erklärt, wie viel Arbeitsspeicher Sie wirklich brauchen und was Sie beim Kauf neuer RAM-Module beachten müssen. Zusätzlich zeigen wir noch, wie Sie den Hauptspeicher auf Fehler prüfen und darüber hinaus noch tunen können.

Der Arbeitsspeicher zählt zu den grundlegenden Komponenten eines Computers und trägt maßgeblich zur Gesamtleistung bei – schließlich sind die Speichermodule direkt mit dem Prozessor verbunden, um unmittelbaren Zugriff auf die ausgelagerten Daten zu geben. Aus diesem Grund will die Anschaffung eines neuen Arbeitsspeichers gut überlegt sein. Deshalb verraten wir Ihnen, was Sie beim Speicher-Kauf beachten müssen und wie Sie ihn korrekt einbauen. Erfahren Sie außerdem, was ein Upgrade wirklich bringt und wie Sie die Leistung messen. Doch auch bei Problemen mit dem Arbeitsspeicher hilft Ihnen unser Arbeitsspeicher-Ratgeber. Denn defekter RAM (Random Access Memory) verhindert den Start des PCs oder sorgt für regelmäßige Abstürze.

So viel Arbeitsspeicher brauchen Sie wirklich

„Viel hilft viel“ trifft in gewissem Maße auch auf Arbeitsspeicher zu. Denn je größer er ausfällt, umso mehr Daten kann das Betriebssystem auf den flotten Hauptspeicher griffbereit auslagern. Ein Umweg über die stets langsamere Festplatte entfällt somit, was wiederum in einem schnelleren, flüssigeren Betrieb resultiert. Das bemerken Sie vor allem, wenn Sie viele Programme parallel ausführen. Doch bevor Sie sich mit allerhand Arbeitsspeicher eindecken sollten Sie sich erst einmal bewusst werden, wie viel RAM Sie in Ihrem Computer-Alltag wirklich brauchen.

Im "System" (Rechtsklick auf "Computer", dann "Eigenschaften" wählen) zeigt Ihnen Windows den verbauten sowie verwendbaren Arbeitsspeicher an.
Vergrößern Im "System" (Rechtsklick auf "Computer", dann "Eigenschaften" wählen) zeigt Ihnen Windows den verbauten sowie verwendbaren Arbeitsspeicher an.

Besitzer eines 32-Bit-Betriebssystems müssen sich bereits mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher begnügen, denn die Architektur kann einen größeren Speicherbereich gar nicht verarbeiten. Mit einem solchen Windows lassen sich so nur etwa 2,7 bis maximal 3,5 GB nutzen, auch wenn mehr Speicher verbaut ist. Um auch wirklich von mehr Speicher zu profitieren, ist ein Betriebssystem mit 64 Bit Pflicht. Übrigens setzt ein 64-Bit-Windows einen zwei Gigabyte großen Arbeitsspeicher voraus.

Um zu überprüfen, welche Windows-Version auf Ihrem Rechner installiert ist, gehen Sie folgendermaßen vor. Unter Windows 7 navigieren Sie über das Startmenü zum „Computer“ respektive „Arbeitsplatz“ und rufen mit einem Rechtsklick das Kontextmenü auf, in dem Sie die Option „Eigenschaft“ wählen. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, steht Ihre Betriebssystemarchitektur neben „Systemtyp“. Übrigens erfahren Sie unter System auch, wie viel Arbeitsspeicher in Ihrem PC steckt und wie viel Windows davon nutzt.

Es existieren mehrere Nutzer-Typen: Da wäre zum einen der Durschnitts-Nutzer, der mit seinem Computer hauptsächlich im Internet surft, Büroarbeiten erledigt und rudimentäre Multimedia-Aufgaben durchführt – zum Beispiel die Urlaubsfotos bearbeitet oder Musik in andere Formate umwandelt. Hier genügen bereits vier Gigabyte Arbeitsspeicher voll und ganz.

Der zweite Nutzerkreis setzt sich aus zwei Nutzer-Typen zusammen: Dem Gamer und dem Multimedia-Guru. Beide benötigen viel Speicher, der obendrein auch noch schnell arbeitet, sprich über einen hohen Arbeitstakt verfügt. Denn sowohl in Spielen, als auch in Videoschnitt- oder Bildbearbeitungsprogrammen erfolgt ein immenser Datendurchsatz. Hier sollten Sie für einen reibungslosen Ablauf mindestens einen sechs bis acht Gigabyte großen Arbeitsspeicher verbauen. Das gilt auch für Nutzer, die sich eher als eine Mischung aus beiden Typen beschreiben würden, denn mehr RAM schadet eigentlich kaum.

Das sollten Sie beim RAM-Einkauf beachten

Vor dem Kauf sollten Sie darauf achten, dass die Speicherriegel in die Speicherbänke Ihrer Hauptplatine passen. Bereits der Speicherstandard muss korrekt sein, seit etwa drei Jahren ist „DDR3“ (Double Data Rate) der aktuelle Standard. Ältere PCs kommen meist nur mit dem älteren Vorgänger DDR2 klar. Im Handbuch Ihrer Hauptplatine oder in den Spezifikationen auf der Hersteller-Webseite erfahren Sie, welchen Standard Sie wirklich benötigen. Denn die Speicherriegel beider Speicherstandards verfügen jeweils über 240 Kontakt-Pins auf der Unterseite, doch bei DDR3 befindet sich die Einkerbung weiter links als bei DDR2. Deshalb passen die neueren Module nicht in DDR2-Speicherbänke und umgekehrt.

Der Aufkleber auf den Modulen gibt Ihnen Aufschluss über Arbeitstakt, Latenzzeiten, Kapazität, Betriebsspannung und DDR-Version.
Vergrößern Der Aufkleber auf den Modulen gibt Ihnen Aufschluss über Arbeitstakt, Latenzzeiten, Kapazität, Betriebsspannung und DDR-Version.

Um die größtmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, sollten Sie gleich zwei oder mehrere gleich große Arbeitsspeicher parallel im Mehrkanalmodus zu betreiben. Auf diese Weise ist es dem Speicher-Controller möglich, gleichzeitig auf die Module zuzugreifen. Einen weiteren positiven Effekt haben die Mehrkanalmodi noch. Der Speicherdurchsatz verdoppelt, verdreifacht oder vervierfacht sich in der Theorie je nach Betriebsmodus und Anzahl der Speicherriegel. Zwei Riegel arbeiten im Dual-Channel-, drei im Triple-Channel- und vier im Quad-Channel-Modus. Am zuverlässigsten und flottesten funktioniert der Mehrkanalmodus, wenn die Speicherriegel mit gleicher Geschwindigkeit arbeiten. Diese Tempowerte sind entweder direkt auf den Riegeln auf kleinen Aufklebern abgedruckt oder befinden sich im Datenblatt. Ausschlaggebend ist die Taktrate oder auch der Arbeitstakt, mit der die Datenübertragung erfolgt. So versteckt sich hinter „DDR3-1333“ die Angabe, dass die Speicherchips mit 666 MHz arbeiten. Die Speichermodule selbst definiert die JEDEC-Norm (Joint Electronic Device Engineering Council): Aufgrund der maximalen Speicherbandbreite von 10,6 Gigabyte pro Sekunde führen die RAM-Riegel die Bezeichnung „PC3-10600“. Mischen Sie allerdings Module mit unterschiedlichen Taktraten, dann ist das durchaus möglich. Doch dann arbeitet der gesamte Arbeitsspeicher mit dem Arbeitstakt des langsamsten Moduls.

Den letzten Feinschliff verpassen Sie Ihrem Arbeitsspeicher, wenn der RAM auch über die gleichen Latenzzeiten aufweist. Diese Angaben finden Sie auch auf dem Aufdruck oder in den Spezifikationen und lauten beispielsweise folgendermaßen: CL11-11-11-32. „CL“ steht dabei für die CAS Latency und gibt die Zeit an, bis wann die Dateien zum Auslesen aus dem Speicher bereitstehen. Für reine Schreibbefehle ist die CAS Latency jedoch irrelevant.

CPU-Z verrät Ihnen sogar die Details Ihrer einzelnen Arbeitsspeicher-Module, damit Sie alle Informationen zur Hand haben.
Vergrößern CPU-Z verrät Ihnen sogar die Details Ihrer einzelnen Arbeitsspeicher-Module, damit Sie alle Informationen zur Hand haben.

Die folgenden Ziffern bezeichnen die „RAS-to-CAS-Delay“, also die Zeit von der Aktivierung einer Speicherzelle bis hin zum Absenden eines Lese- oder Schreibbefehls. Danach kommt die „Row Precharge Time“, die die Zeitspanne definiert, wann eine erneute Aufforderung zur Aktivierung einer Speicherbank erfolgt. Hierauf folgt die „Row Cycle Time“, die die Dauer beschreibt, die zwischen zwei Aktivierungsbefehlen für Zellen in einer Speicherbank vergeht. Alle diese Parameter geben die Hersteller in Taktzyklen an, weshalb die tatsächliche Zeit von der Taktrate abhängt, mit der der RAM arbeitet. Das kostenlose Programm „ CPU-Z “ listet Ihnen im Reiter „Memory“ Ihren vorhandenen Arbeitsspeicher, den Betriebsmodus und Arbeitstakt auf sowie die Latenzzeiten. Der Reiter „SPD“ gibt Ihnen Informationen zu den einzelnen Modulen, die Sie über das Dropdown-Menü auswählen können.

Doch auch bei der Betriebsspannung des Arbeitsspeichers gilt es aufzupassen. Standardmäßig läuft die erste DDR-Generation mit 2,5 Volt, DDR2 mit 1,8 Volt und DDR3 mit 1,5 Volt. Damit machen Sie auch grundsätzlich nichts falsch. Fordert der Arbeitsspeicher allerdings höhere Spannungswerte, dann ist er mehr für extreme Anforderungen ausgelegt, wie zum Beispiel an „Overclocker“ – also Leute, die gerne Ihre Komponenten übertakten. Hinzu kommt, dass auch die Hauptplatine die jeweilige Spannung über die Speicherbänke bereitstellen muss. Stimmen die Werte nicht überein, kann es im schlimmsten Falle zum Defekt des Speicher-Controllers führen.

Zwischen Arbeitsspeicher für Notebooks und herkömmliche PCs gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede. In den PC kommen Module des DIMM-Standards (Dual Inline Memory Module), die bereits vom Aufbau und der Anzahl der Kontaktpins her größer ausfallen. Notebooks verlangen nach SO-DIMMs (Small Outline Dual Inline Memory Module), die kleiner ausfallen und sogar etwas energieeffizienter arbeiten als Ihre Desktop-Pendants. Bei der DDR-Version gibt es keinen Unterschied zwischen PCs und Notebooks.

Darauf müssen Sie beim RAM-Einbau aufpassen

Beim Einbauen von Arbeitsspeicher trennen Sie zuerst einmal die Stromverbindung zum PC, bei einem Notebook müssen Sie zusätzlich den Akku entnehmen. Danach entladen Sie sich zuerst einmal, indem Sie geerdetes Metall berühren, wie zum Beispiel die Heizung. Denn selbst relativ kleine statische Aufladungen können die empfindlichen Bauteile beschädigen. Beim PC müssen Sie nun die korrekten Speicherbänke auf dem Mainboard identifizieren, was insbesondere bei mehreren Speichermodulen wichtig ist. Belegen Sie immer nur die gleichfarbigen Steckplätze, damit der Speichercontroller den Arbeitsspeicher korrekt ansprechen kann. Darüber hinaus müssen Sie auch auf die entsprechende Einkerbung der Riegel achten, damit Sie sie korrekt einsetzen. In der Regel müssen Sie die Module mit speziellen Klammern fixieren.

Ein wirkliches Hexenwerk ist der RAM-Austausch auch beim Notebook nicht.
Vergrößern Ein wirkliches Hexenwerk ist der RAM-Austausch auch beim Notebook nicht.

Wenn Sie den Arbeitsspeicher Ihres Notebooks tauschen, müssen Sie erst einmal den Deckel über dem Arbeitsspeicher abschrauben. Lösen Sie dann die Befestigungsklammern, indem Sie sie nach außen drücken. Darauf klappt das Modul bereits nach oben und lässt sich entnehmen. Den neuen Arbeitsspeicher setzen Sie dann einfach ein wieder schräg ein und lassen die Bügel wieder einrasten, um die Riegel zu fixieren.

Speicher-Check: bei Abstürzen, RAM-Upgrade oder -Tuning

Fehlfunktionen im Arbeitsspeicher treten normalerweise schleichend auf. Der Rechner stürzt nach einigen Stunden Betrieb einfach ab oder startet von selbst neu. Oder Sie haben ab und an einen Bluescreen auf dem Bildschirm mit einer kryptischen Fehlermeldung, die mit der Ziffernfolge „0x000000…“ beginnt. All diese ungewöhnlichen Vorkommnisse hängen meist mit einem Defekt des Arbeitsspeichers zusammen. Gewissheit bekommen Sie nur, wenn Sie jeden einzelnen RAM-Riegel überprüfen. Bevor Sie Programme von Drittanbietern einsetzen, sollten Sie als erstes die Bordmittel von Windows einsetzen. Bei Windows 7 und 8 hat Microsoft eine Test-Funktion integriert, die Sie auch ohne Betriebssystem-DVD nutzen können. Um den Test zu aktivieren führen Sie einen Neustart des Rechners aus. Wenn der Bios-Startbildschirm abgeschlossen ist drücken Sie auf die F8-Taste, bevor der Boot-Loader das Betriebssystem initialisiert und Sie das Windows-Startfenster auf dem Bildschirm sehen. So erreichen Sie die erweiterten Startoptionen. Wählen Sie mit den Pfeiltasten „Computer reparieren“ aus, und bestätigen Sie die Auswahl mit der Eingabe-Taste.

Bequem und einfach lässt sich der Arbeitsspeicher mit Windows-Bordmitteln flott überprüfen.
Vergrößern Bequem und einfach lässt sich der Arbeitsspeicher mit Windows-Bordmitteln flott überprüfen.

Danach wählen Sie Ihre Tastatureingabemethode und tragen gegebenenfalls Benutzernamen und Passwort ein. Sie sind jetzt in den „Systemwiederherstellungsoptionen“. Starten Sie nun die „Windows-Speicherdiagnose“, um Ihren Arbeitsspeicher auf Fehler zu prüfen. Der Vorgang kann sich je nach Speicherkonfiguration einige Minuten hinziehen, also haben Sie etwas Geduld. Sobald der Testdurchgang beendet ist, startet der Computer automatisch neu. Falls das System Fehler gefunden hat, werden Ihnen diese am rechten unteren Bildschirmrand in der Taskleiste angezeigt, indem eine Infoblase auftaucht. Sollte der Speicher tatsächlich fehlerhaft sein, müssen Sie ihn in der Regel austauschen.

Speicher-Check mit Memtest: Wenn Sie Ihr Notebook oder Ihren PC mit zusätzlichem oder neuem Speicher aufgerüstet haben, sollten Sie gleich im Anschluss einen Speichertest mit dem Programm Memtest machen. Diesen Test empfehlen wir ebenfalls, wenn Sie Ihren Arbeitsspeicher übertaktet haben, um die Stabilität der RAM-Riegel unter den höheren Frequenzen zu überprüfen. Und so prüfen Sie Ihren Speicher mit Memtest:

Wir empfehlen in allen Fällen einen gründlichen Test, den Sie am besten starten, bevor Sie ins Bett gehen. Schließen Sie alle laufenden Anwendungen, bevor Sie Memtest starten. Bestätigen Sie die „Welcome“-Meldung mit „OK“. Klicken Sie dann auf „Start Testing“. Die nun aufpoppende „Message for first-time users“ bestätigen Sie wieder mit „OK“. Sie können jetzt beruhigt schlafen gehen, während Memtest Ihren Arbeitsspeicher gründlich auf Fehler testet.

Gründlicher geht Memtest zu Werke. Dieser Speichertest kann aber, je nach System, Stunden dauern.
Vergrößern Gründlicher geht Memtest zu Werke. Dieser Speichertest kann aber, je nach System, Stunden dauern.

Wenn Sie Ihren Speicher übertaktet haben und Memtest findet einen Fehler, haben Sie zu hohe Taktfrequenzen gewählt und müssen den Arbeitstakt wieder etwas herunterregeln. Testen Sie erneut und reduzieren Sie so lange den RAM-Takt, bis Memtest keine Fehler mehr findet.

Läuft Ihr Arbeitsspeicher mit den Standardfrequenzen und meldet Memtest auch nur einen Fehler, ist ein Speichermodul defekt. Wenn Sie mehrere Speicherriegel verwenden, können Sie jetzt noch über die „Versuch und Irrtum“-Methode herausfinden, welche Module noch funktionieren und welche defekt sind. Bauen Sie dazu alle Speicherriegel bis auf einen aus und testen Sie die Module nacheinander alleine mit Memtest. Alle Speicherriegeln, bei denen Memtest einen oder mehrere Fehler findet, müssen Sie ersetzen.

Schlechte Nachrichten: Findet Memtest einen Fehler, müssen Sie das betroffene Speichermodul ersetzen – sonst droht jederzeit ein Datenverlust oder Systemabsturz.
Vergrößern Schlechte Nachrichten: Findet Memtest einen Fehler, müssen Sie das betroffene Speichermodul ersetzen – sonst droht jederzeit ein Datenverlust oder Systemabsturz.
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