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Der Gnome-Desktop 3.10 und 3.12 im Detail

01.08.2014 | 12:09 Uhr |

Die ehemals populärste Desktop-Umgebung ist seit Version 3 mit der Selbstsuche beschäftigt. Gnome hat auch 2014 noch den Charme einer Baustelle – die allerdings Großes erahnen lässt.

Ursprünglich entstand das GNU Network Object Model Environment, kurz „Gnome“, 1997 als Antwort auf das damals noch proprietäre KDE und nutzte für seine Desktop-Elemente das zu der Zeit noch überschaubare Toolkit GTK+ des Grafikprogramms Gimp. Gnome wurde bis 2011 zum verbreiteten Linux-Desktop, und das Toolkit ist heute noch ist heute noch beliebt. Die Desktop-Umgebung weniger: Gnome hat sich für einen Neuanfang entschlossen und schreckte nicht davor zurück, bewährte Desktop-Elemente und das gewohnte Toolkit GTK2 über Bord zu werfen, um eine ambitionierte, neue Arbeitsfläche und eine neue, teils inkompatible API zu entwickeln. Gnome 3, auch als Gnome-Shell bezeichnet, ist deshalb auch drei Jahre nach ihrer ersten, stabilen Version noch mit der Selbstfindung beschäftigt. Verwendbar ist das neue Gnome natürlich schon – zumindest für jene Anwender, die sich auf die neuen Ansätze einlassen wollen. Das Bedienkonzept ist Geschmackssache, allerdings eher einsteigertauglich, denn die Oberfläche ist reduziert und minimalistisch.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 4/2014

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Übersichtsseite „Aktivitäten“: In dieses Menü hat Gnome 3 viele essenzielle Bedienelemente verschoben wie Anwendungsmenü, Programmsuche und Programmumschalter.
Vergrößern Übersichtsseite „Aktivitäten“: In dieses Menü hat Gnome 3 viele essenzielle Bedienelemente verschoben wie Anwendungsmenü, Programmsuche und Programmumschalter.

1. Konzept und Funktionsumfang

Gnome 3 warf altbewährte Bedienelemente wie Taskleiste und Anwendungsmenü über Bord, um eine Tabletorientierte Optik einzuführen, die aber keineswegs für Touchscreens optimiert ist. Ohne Tastenkombinationen und Kürzel geht wenig. Der Desktop ist zur leeren Fläche geworden, Ordner oder Programmstarter lassen sich hier nicht ablegen. Nach der Gnome-Philosophie wäre das sowieso nicht nötig, da die Oberfläche die meiste Zeit von Vollbild-Anwendungen verdeckt ist. Genaudies ist auch eine weitere Besonderheit von Gnome 3: Statt Multitasking mit mehreren Programmen zu vereinfachen, ermuntert Gnome jetzt im Stil von Android zum Singletasking. Konsequenterweise fehlt eine Taskbar mit der Anzeige der laufenden Programme, und zum Umschalten ist die Tastenkombination Alt-Tab nötig. Als Umschalter und Programmstarterdient die Übersichtsseite „Aktivitäten“, die über die Windows-Taste oder über die linke obere Ecke erreichbar ist. Dort gibt es Schnellstart-Icons und eine Suchfunktion, die sich im Alltag schnell als wichtigste Funktion entpuppt, da man hier gesuchte Programme am schnellsten per Namensteil finden und starten kann. Zur Programmliste geht es über das letzte Symbol unter den Favoriten. Einen klassischen Systray-Bereich gibt es nicht mehr, und das obere Panel ist für Programmmenü, Zeitanzeige und die wenigen Gnome-Icons reserviert. Zum Einblenden des Infobereichs ist es nötig, die Maus ganz nach unten zu ziehen. Gnome ist eine ausgewachsene Desktop-Umgebung mit ihrer eigenen Programm-Suite, die sich schrittweise mit jeder Gnome-Version wandelt und stets minimalistischer wird. Als Dateimanager arbeitet Nautilus, der mit der alten Gnome-2-Version aber nur noch den Namen gemeinsam hat. Als Text und Code-Editor dient Gedit, für Videos gibt es Gnome Videos (ehemals Totem), und Rhythmbox spielt die Musiksammlung.

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2. Hardware-Ansprüche und Speicherbedarf

Gnome ist in der aktuellen Version 3 kein Gnom, sondern ein speicherhungriger Riese. Auf 64-Bit-Systemen verlangt Gnome rund 600 MB und die 32-Bit-Variante auch schon rund 400 MB ab Start. Trotzdem läuft Gnome auf entsprechend ausgestatteten PCs aber richtig schnell und reagiert äußerst fix auf Eingaben. Die flotten Reaktionszeiten liegen auch am Open-GL-Desktop, der über den Grafikchip ausgegeben wird, sofern passende Hardware und Treiber vorliegen. Ist kein 3D-fähiger Grafikchip vorhanden, dann kümmert sich der Software-Renderer Llvmpipe um die Grafikausgabe, die dann von der CPU berechnet wird. Für die Darstellung des Desktops ist dies ausreichend, für 3D-Anwendungen und Spiele reicht die Leistung nicht.

Der Classic-Mode: In diesem optionalen Modus bildet Gnome 3 einen herkömmlichen Desktop nach. Red Hat 7 wird diesen Modus nutzen, da er sich besser für Firmen-Desktops eignet.
Vergrößern Der Classic-Mode: In diesem optionalen Modus bildet Gnome 3 einen herkömmlichen Desktop nach. Red Hat 7 wird diesen Modus nutzen, da er sich besser für Firmen-Desktops eignet.

3. Konfiguration und Anpassung

Gnome 3 geizt mit Anpassungsmöglichkeiten: Die „Einstellungen“ liefern ein aufgeräumtes Menü für allgemeine Optionen wie Sprache, Hintergrundbild, Online-Konten. Auch die wichtigsten Elemente der Hardware-Konfiguration für Drucker, Monitor, Tastatur und eine Farbverwaltung nach ICC-Profilen sind hier untergebracht. Die Linux-Administration vereinfacht das Gnome-Menü zur Benutzerverwaltung und für den Remote-Zugriff per SSH, VNC und DLNA.Alle Details sind in der Extra-Anwendung Gnome-Tweak-Tool untergebracht. Nur hier ist es möglich, Schriftbild, Fensterverhalten, virtuelle Arbeitsflächen und das Aussehen anhandvon installierten Themes zu beeinflussen. Das Paket „gnome-tweaktool“ müssen Sie aber erst noch über den Paketmanager der Distribution nachrüsten. Die wichtigsten und essenziellen Ergänzungen für Menüs und Arbeitsfläche liefern die Gnome-Shell-Extensions, die für Gnome ähnlich wie Browser-Plug-ins auf einer Webseite zur Verfügung stehen. Die Liste auf https://extensions.gnome.org präsentiert alle freigegebenen Erweiterungen mit ganz einfacher Installationsmöglichkeit. Viele Gnome-Fans sind der Meinung, dass Gnome erst mit einer stattlichen Auswahl an Erweiterungen benutzbar wird. Eine neuere Ergänzung ist der Gnome-Classic-Modus, der eine Gnome-Session im Stil von Gnome 2 bietet und nach Installation auf dem Anmeldebildschirm zur Auswahl steht.

4. Installation in populären Distributionen

Die aktuellste Gnome-Version ist 3.12, doch vorerst liefern die Distributionen noch 3.10 in ihren Paketquellen aus –mit Ausnahme von Arch Linux, das immer sehr aktuell ist.
 
In den Paketmanagern erleichtern Meta-Pakete die Installation der gesamten Gnome-Umgebung. Bei Fedora holt der Befehl

sudo yuminstall @gnome-desktop

alle Pakete von Gnome 3.10, während der Classic-Mode noch separat über das Paket „gnome-classic-session“ installiert werden muss. Ubuntu 14.04 installiert mit

sudo apt-get install gnome-desktop-environment

alle verfügbaren Komponenten. Unter Linux Mint 16 ist Gnome nicht vorgesehen und seine Installation über externes PPA problematisch.

Steckbrief - Gnome 3

Webseite: www.gnome.org
Aktuelle Version: Gnome 3.12.1 (vom 19. April 2014)
Zielgruppe: Einsteiger, individuelle Anpassungen nur für Fortgeschrittene
Ressourcenbedarf: moderat bis hoch, der Open-GL-Desktop läuft am besten auf einem 3D-fähigen Grafikchip
Anpassungsfähigkeit: gering Repräsentative Distributionen:
Fedora 20
Ubuntu Gnome 14.04

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