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Der 3D-Druck kommt aus der Nische

12.08.2013 | 09:09 Uhr |

3D-Drucker erobern den Hobbykeller. Sie produzieren Gegenstände aus Kunststoff oder anderen Materialien - ein Eldorado für Tüftler. Wir zeigen Möglichkeiten und Grenzen des 3D-Drucks auf.

3D-Drucker kommen ursprünglich aus der Industrie. Die Unternehmen erstellen damit Prototypen von Modellen oder einzelnen Bauteilen als Unikat oder maximal in Kleinserie. Nun erobern die Drucker in rasender Geschwindigkeit die Hobbyräume von Bastlern und Tüftlern. Oft sehen auch die Geräte aus wie selbst gemacht: Ein Metallgerüst, eine Plattform und ein Druckkopf, der sich hin und her bewegt. Immerhin passen die 3D-Drucker auf einen Schreibtisch und sind als Bausatz oder auch fertig montiert zu haben. Und das Beste: Sie sind inzwischen erschwinglich geworden. Einen 3D-Drucker als Bausatz gibt es ab rund 700 Euro. Ein einsatzbereites Modell liegt derzeit bereits unter 1000 Euro. Sie bauen sowohl ganze Objekte wie Tassen oder Schlüsselanhänger als auch Einzelteile, die erst zusammengebaut ein Objekt wie etwa ein Modellauto ergeben.

Die Einstiegsmodelle in den 3D-Druck nutzen dazu Kunststoff und das Fused-Depositing-Modeling-Verfahren (FDM) – die populärste Technik im Hobby-3D-Druck. Hier wird Kunststoffdraht erhitzt und als feiner Faden so lange aufeinander gebaut, bis das Objekt fertiggestellt ist. Die Modellauswahl ist umfangreich, allerdings unterscheiden sich die Geräte im Lieferumfang. Beheizbare Plattformen, auf denen die 3D-Objekte entstehen, sind nicht immer an Bord. Dafür können dann leicht über hundert Euro extra fällig werden. Auch die Menge an mitgeliefertem Verbrauchsmaterial ist von Modell zu Modell unterschiedlich. So hat etwa der Ultimaker 3D Printer von Hause aus nur eine Startausstattung des Kunststoffs PLA (Polylactid, Polymilchsäure) dabei. Manche Geräte lassen sich ausbauen – darunter beispielsweise der Reprap Prusa, für den es einen Druckkopf mit zwei Ausgängen gibt, um zweifarbige 3D-Objekte zu bauen. In der Übersicht finden Sie aktuelle 3D-Druckermodelle und Anbieter.

Produktname

Hersteller bzw. Anbieter in D

Internetadresse

Preis (UVP inkl. MwSt.)

Lieferung als

Cube

3D Systems

cubify.com

ca. 1500 Euro

Fertiggerät

Fabbster

Sintermask GmbH

www.fabbster.de

ca. 1700 Euro (inkl. Kit)

Bausatz

Flashforge Dual Extruder Creator

NoDNA GmbH

www.nodna.de

ca. 1400 Euro

Fertiggerät

Irapid 3D-Printer V2

Irapid UG

www.irapid.de

ca. 900 Euro

Fertiggerät

Make Mendel Rapidbot V3

NoDNA GmbH

www.nodna.de

ca. 1200 Euro

Bausatz

Makerbot Replicator 2

Hafner's Büro

www.hafners-buero.de

ca. 2350 Euro

Fertiggerät

Multirap L224

Multec

www.multec.de

ca. 1200 Euro

Bausatz

Protos

German Reprap GmbH

https://germanreprap.com

ca. 700 Euro

Bausatz

Prusa

German Reprap GmbH

https://germanreprap.com

ca. 750 Euro

Bausatz

Up! mini

NoDNA GmbH

www.nodna.de

ca. 1700 Euro

Fertiggerät

Ultimaker 3D Printer

Ultimaking Ltd.

www.ultimaker.com

ca. 1200 Euro

Bausatz

Vorlagen und rechtliche Seite

Am Anfang eines 3D-Drucks steht die digitale Vorlage. Sie wird in einem CAD-Programm als STL-Datei (Surface Tesselation Language) entworfen. Wer mit dem 3D-Druck beginnt und selbst noch keine Dinge entworfen hat, findet in Communities wie etwa Thingiverse ( www.thingiverse.com ), der Plattform der Makerbot-Gemeinde, Anregung und vor allem zahlreiche Vorlagen zum Herunterladen und Nachdrucken. Das Spektrum reicht von Spielfiguren, Modellautos, Vasen über Nachbauten von Einzelteilen wie Herdknöpfen oder Verbindungsstücken von Gartenschläuchen bis zu Produkten, die noch gar nicht erhältlich sind wie etwa der Google Glasses – allerdings ohne Funktion. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Mitglieder bestücken die Auswahl ständig mit neuen Kreationen - inklusive Bild und Druckanleitung. Die Dateien sind zum Download freigegeben. Der Nachdruck ist für den privaten Gebrauch meist kein Problem. Für die kommerzielle Nutzung muss die Erlaubnis des Erfinders eingeholt werden.

Was bei selbst entworfenen Vorlagen noch überschaubar ist, wird bei Nachbildungen von Markenprodukten kompliziert. Denn hier kommen Medienrecht, Urheberrecht und Markenrecht ins Spiel. Von einem gekauften Gegenstand – etwa einer Designervase – sind maximal sieben Kopien für den Privatgebrauch legal. Wenn also der Schwiegermutter die Lieblingsvase gerade zersprungen ist, dürfen Sie diese nachbauen und ihr die Variante aus dem 3D-Drucker schenken. Die digitale Vorlage darf allerdings nicht im Internet auftauchen. Denn die Vase bleibt urheberrechtlich geschützt, auch wenn die Kopie von Ihnen geschaffen wurde. Veröffentlichen Sie die Vorlage trotzdem, riskieren Sie zumindest eine Abmahnung. Nach Software, Musik und Film eröffnet sich im 3D-Druck nun ein weiteres Feld der Nachverfolgung. Dass dieses riesig werden könnte, zeigt die wachsende Zahl an STL-Dateien geschützter Gegenstände, die in den einschlägigen Tauschbörsen kursieren.

Moralisch fragwürdig: Waffengriff aus dem 3D-Drucker
Vergrößern Moralisch fragwürdig: Waffengriff aus dem 3D-Drucker
© Defense Distributed

Moralische Grenzen und Potential

Neben der rechtlichen Seite gibt es beim 3D-Druck auch einen moralischen Aspekt. An gedruckten Einzelteilen für Waffen wie etwa Griffen entfacht sich die Diskussion, ob man wirklich alles drucken soll. Die Defense Distributed, eine Organisation in den USA, setzt sich für das Drucken von Waffen ein. Sie betont zwar, dass es in erster Linie um das freie Testen und Austauschen von STL-Vorlagen geht, weniger um die Waffen an sich. Allerdings hat ein Mitglied der Initiative sogar schon eine staatliche Lizenz zur Waffenherstellung mit dem 3D-Drucker beantragt und laut eigener Aussage auch erteilt bekommen. Bedenklich ist, dass sich die digitalen Vorlagen als Download im Internet finden. Allerdings scheinen die bisher gedruckten Kunststoffteile nicht sehr stabil zu sein. Die hohen Temperaturen beim Gebrauch lassen sie schnell kaputt gehen.

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