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Eigene Cloud mit ownCloud einrichten

29.03.2015 | 09:16 Uhr |

Richten Sie sich Ihren eigenen Cloud-Dienst auf Ihrem Server ein. Mit dem kostenlosen Paket Owncloud ist das kein Problem. PC-WELT zeigt die Einrichtung eines eigenen Cloud-Dienstes.

Der Erfolg der Cloud-Dienste Dropbox , Google Drive , Onedrive & Co zeigt, wie praktisch es ist, von überall her auf die eigenen Dateien zugreifen zu können. Mit der Open-Source-Software Owncloud geht dies – ganz ohne externen Dienst und 100 Prozent sicher. Bei allen Cloud-Anbietern geben Sie unter Umständen sensible Daten in die Hände von Dritten. Um das Problem mit dem Datenschutz zu umgehen, lässt sich mithilfe von Owncloud ein eigener privater Cloud-Speicher aufsetzen. Wenn Owncloud erst einmal läuft, können Sie den Cloud-Speicher wie jeden anderen Online-Speicher à la Dropbox oder Strato Hidrive verwenden und zum Beispiel über das Webfrontend im Browser Datei hochladen oder den Cloud-Speicher via WebDAV als Netzlaufwerk einbinden.

Seit einiger Zeit gibt es zudem Apps für iOS und Android, um mittels Smartphone und Tablet auf den Owncloud-Speicher zuzugreifen. In Owncloud stehen darüber hinaus ergänzende Anwendungen wie beispielsweise ein Mediaplayer, ein PDF-Viewer und ein Texteditor mit Syntax-Highlighting für diverse Programmiersprachen zur Verfügung. Ein Owncloud-Rechner im eigenen Netzwerk kann als automatisches Backup dienen. Damit lassen sich nicht nur Dateien und Verzeichnisse synchronisieren, sondern auch Kontakte und Termine. Weiterhin können Sie die Daten via Synchronisation auf mehr als einem Rechner nutzen. Dieser Artikel zeigt, was alles geht und wie es geht. Wir funktionieren dabei einen ausrangierten PC zu einem Cloud-Server um.

1. Den privaten Cloud-Server unter Ubuntu installieren

Der Cloud-Server lässt sich auf einem eigenen Server im Netzwerk installieren und betreiben. Owncloud läuft auf jedem Windows- oder Linux-PC und auf jedem Mac OS und natürlich auch auf allen bekannten Windows- und insbesondere Linux-Serversystemen. Voraussetzung sind ein lauffähiger Webserver (wie etwa Apache) und eine PHP-Installation. Als Datenbanken müssen entweder MySQL oder SQlite vorhanden sein – Letzteres könnte für den Heimanwendereinsatz durchaus genügen.

Nach der schnell erledigten Installation unter Ubuntu greifen Sie von einem beliebigen PC im Netzwerk auf den Owncloud-Server zu und fahren mit der Einrichtung fort.
Vergrößern Nach der schnell erledigten Installation unter Ubuntu greifen Sie von einem beliebigen PC im Netzwerk auf den Owncloud-Server zu und fahren mit der Einrichtung fort.

Privatpersonen, die sich keinen solchen dedizierten Server leisten wollen oder vor der komplexen Serverinstallation samt anschließender Einrichtung von Owncloud zurückschrecken, dafür jedoch über Webspace bei einem Provider in Deutschland verfügen, können den Cloud-Dienst hier einrichten und nutzen. Die sicherste Variante ist natürlich ein Server im eigenen Netzwerk. Das setzt aber neben dem Rechner auch eine schnelle Verbindung ins Internet voraus, damit die Lösung auch die benötigte Bandbreite bietet. Die Einrichtung des Servers ist in wenigen Minuten erledigt.

Schritt 1: Das Paket Owncloud ist zwar in neueren Ubuntu-Versionen vorhanden, allerdings nicht auf dem aktuellen Stand. Deshalb installieren Sie mit folgenden Befehlen die notwendigen Software-Pakete:

sudo sh -c „echo ‚deb http://download.opensuse.org/repositories/isv:/ownCloud:/community/xUbuntu_14.04/ /‘ >> /etc/apt/sources.list.d/owncloud.list“
sudo apt-get update
sudo apt-get install owncloud

Fügen Sie nun den Repository-Key zu apt hinzu. Beachten Sie, dass der Besitzer des Schlüssels zukünftig Aktualisierungen, Zusatzpakete und Repositories verteilen kann, denen Ihr System vertraut. Um den Schlüssel hinzuzufügen, führen Sie im Terminal die folgenden Befehle aus:

wget http://download.opensuse.org/repositories/isv:ownCloud:community/xUbuntu_14.04/Release.key 
sudo apt-key add - < Release.key

Schritt 2: Ab hier können Sie die Einrichtung von Owncloud im Browser auf einem Rechner im Netzwerk weiterführen. Hierzu öffnen Sie nun im Browser die Adresse http://<IP-Adresse oder Name des Servers>/owncloud/ . Der erste Schritt im Browser besteht darin, ein Administratorkonto zu erstellen. In der gleichen Maske können Sie ein Verzeichnis festlegen, in dem die Daten gespeichert werden. Per Standardvorgabe ist dies der Ordner „/var/www/owncloud/data/“ . Sollten Sie das Verzeichnis ändern, stellen Sie sicher, dass Apache darauf auch Zugriff hat. Ansonsten ist dieses Verzeichnis für die Datensicherung wichtig. Damit ist Owncloud komplett eingerichtet und Sie können den Cloud-Speicher verwenden. Drücken Sie „Installation abschließen“.

Schritt 3: In der Owncloud müssen Sie nicht alleine bleiben. Der Administrator kann in den Einstellungen neue Benutzer und Gruppen mit individuellen Zugriffsrechten anlegen. Auch lassen sich Daten mit anderen Nutzern teilen. Diese findet der jeweilige Anwender dann im Verzeichnis „Shared“ wieder. Anwender können Dateien auch komplett für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Hierzu wird ein Link mit einem Sicherheits-Token erzeugt, den der Benutzer anschließend anderen Anwendern schicken kann. Damit einzelne Benutzer nicht den kompletten Speicherplatz verbrauchen, besteht die Möglichkeit, diesen mittels Quotas in der Benutzerverwaltung einzuschränken.

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2. Auf die gespeicherten Daten in der Owncloud zugreifen

Browser-Zugriff: Mit einem beliebigen Rechner haben Sie zwei Möglichkeiten, um mit der Owncloud zu kommunizieren. Entweder via Browser oder Sie binden ein Verzeichnis über WebDAV ein. Für den Browser-Zugriff geben Sie die URL nach dem Schema http://<Server>/owncloud/ ein, wobei Sie den Platzhalter <Server> durch die reale IP-Adresse ersetzen. Die Benutzeroberfläche von Owncloud ist klar und gut gegliedert, sodass sich auch Einsteiger leicht zurechtfinden. In der Hauptansicht lassen sich unter „documents“, „music“ und „photos“ Daten samt Unterordnern, Lieder und Fotos vom PC aus auf den Cloud-Server laden. Mit Owncloud lassen sich auch Adressen und Termine zentral verwalten – mittels manueller Einträge, per Import von unterstützten Dateien sowie via Serverunterstützung.

Über die IP-Adresse des Owncloud-Servers greifen Sie auf die Inhalte in der Cloud zu. Sie können etwa Dateien austauschen und auf gespeicherte Inhalte zugreifen.
Vergrößern Über die IP-Adresse des Owncloud-Servers greifen Sie auf die Inhalte in der Cloud zu. Sie können etwa Dateien austauschen und auf gespeicherte Inhalte zugreifen.

WebDAV-Zugriff: Owncloud besitzt einen eigenen WebDAV-Server. Damit vereinfachen die Entwickler den Zugriff auf das Cloud-Volume vom Windows-PC, von einem Linux-Rechner und vom Mac. Für eine WebDAV-Verbindung im Windows-Explorer geben Sie die URL http://<Server> /owncloud/files/webdav.php ein – in der Praxis kann eine Verbindung scheitern. So wird auf der Owncloud-Webseite von Problemen mit dem eingebauten WebDAV-Client von Windows 7 und 8/8.1 berichtet. Auch mit dem Vorschlag, die Registry zu ändern, gelingt es im Test nicht, Windows und Owncloud mit Bordmitteln via WebDAV zu verbinden. Als Alternative empfehlen wir den freien Client Bitkinex .

Automatische Synchronisation: Der kostenlose Client für Windows macht die Arbeit noch einfacher. Nach der Installation starten Sie das Programm. Geben Sie die URL und den Benutzernamen inklusive Passwort ein. Wie von Dropbox bekannt, erscheint das Owncloud-Volume als Verzeichnis auf dem Windows-PC. Sie kopieren Dateien in das Verzeichnis oder legen Ordner an. Die Inhalte werden automatisch mit dem Cloud-Volume synchronisiert.

Zugriff per App: Neben kostenlosen Clients für Windows, Mac OS X und Linux bietet der Hersteller für 0,89 Euro auch eine App für iPhone und iPad an. Für Android-Smartphones und Tablets gibt es ebenfalls eine App, die im Google Play Store für 0,79 Euro zu haben ist. Mithilfe der Owncloud-App greifen Sie vom Smartphone und Tablet auf die Owncloud zu. Dateien lassen sich beispielsweise unterwegs am iPhone in geeigneten Apps öffnen und bearbeiten – etwa Tabellenkalkulationen. Nach der Bearbeitung finden Sie über den „Öffnen in“-Mechanismus von iOS Ihren Weg zurück in die persönliche Cloud.

SSL-Verschlüsselung für mehr Cloud-Sicherheit

Wer unterwegs auf sein persönliches Cloud-Volume zugreifen möchte oder muss, sollte die Verschlüsselungsoption „Erzwinge HTTPS“ von Owncloud nutzen. Zwar lässt sich die Verbindung zum Cloud-Volume auch unverschlüsselt erledigen, dennoch raten wir dazu, hier SSL einzusetzen. Gegen einen relativ geringen Aufpreis bieten gute Provider ein SSL-Zertifikat für Ihre Domain, über das die Verbindung zwischen Client (Desktop-Rechner, Notebook, Smartphone oder Tablet) und Cloud-Server sicher geschützt ist. Neben der eigentlichen Verbindung zu Ihrem Cloud-Volume ist natürlich auch die Sicherheit der auf dem Online-Volume gespeicherten Dokumente zu beachten. Vertrauliche Dokumente gehören nie unverschlüsselt auf ein Cloud-Volume. Hier bieten sich zahlreiche Optionen zur Verschlüsselung der Daten an. Wir empfehlen für die sichere Kodierung von Dateien und Verzeichnissen die kostenlose Lösung Cloudfogger für Windows oder OS X. Mit SSL-Verbindung und Verschlüsselung ist Ihre Cloud sicher.

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