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Linux-Komfort: Welcher Desktop passt zu Ihnen?

29.07.2013 | 12:09 Uhr |

Egal ob Cinnamon, Unity oder KDE - wer Linux nutzt, hat die Qual der Wahl. Wir stellen die beliebtesten Oberflächen vor und verraten die wesentlichen Unterschiede.

Linux ist nicht gleich Linux. Sie haben die Wahl zwischen Ubuntu mit Unity- oder KDE-Desktop und Linux Mint oder Fedora mit Cinnamon-Desktop. Nur der Unterbau – also der eigentliche Linux-Kernel – ist bei allen Distributionen gleich. Unterschiede gibt es vor allem beim verwendeten Paketmanagement und den mitgelieferten Konfigurations-Tools.
Grundlegendes zur Desktop-Wahl
Jeder Desktop verfolgt seine eigene Philosophie. Unity soll besonders übersichtlich wirken und zeigt im Programmstarter nur die wichtigsten Programme. KDE setzt auf ein Startmenü als Steuerzentrale und einen Desktop mit Miniprogrammen und Container-Fenstern. Cinnamon gibt sich mit klassischem Startmenü und Desktop eher schlicht, so dass sich auch Windows-Umsteiger schnell heimisch fühlen.

Mit der Wahl einer bestimmten Linux-Distribution entscheiden Sie sich gleichzeitig für den zugehörigen Desktop. Das ist jedoch nicht endgültig, denn Sie können jederzeit auf eine andere Oberfläche umsteigen. Das ist unkompliziert, wenn die nötigen Dateien über das Paketmanagement standardmäßig angeboten werden. Aber auch der Wechsel auf eine experimentelle oder neue Benutzeroberfläche, etwa auf Gnome 3.8, ist möglich. Das ist jedoch nur für erfahrene Benutzer zu empfehlen, da Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen sind.

Unabhängig von gewählten Desktop lassen sich jederzeit auch Anwendungen starten, die eigentlich für eine andere Desktop-Umgebung erstellt wurden. Diese passen dann allerdings optisch nicht ganz ins Bild. Außerdem müssen dann auch für kleine Programme einige Hundert MB für die jeweilige Umgebung nachinstalliert und zusätzliche Programm-Bibliotheken in den Hauptspeicher geladen werden. Das kostet Leistung.

Linux-Desktop nach Maß - so geht's

Alternative Oberflächen für Linux

Neben den vier in diesem Artikel ausführlich vorgestellten Desktop-Umgebungen gibt es zahlreiche weitere. Ziel der Entwickler ist meist eine schlankere Alternative zu den Schwergewichten Gnome und KDE, die auch auf weniger leistungsfähiger Hardware gut zu benutzen ist. Einigen geht es auch um einfache Bedienbarkeit und eine Reduzierung auf das Wesentliche.

Mate: Mate stammt wie Cinnamon von den Linux-Mint-Entwicklern und sieht auch ähnlich aus. Es basiert aber auf Gnome 2 und ist daher weniger ressourcenhungrig.

Xfce: Wer nach einer schlanken Oberfläche sucht, die auch auf älterer Hardware flüssig läuft, sollte sich Xfce ansehen. Die Desktop-Umgebung lässt sich in Ubuntu über das Paket „xubuntu-desktop“ nachinstallieren.

LXDE: Diese genügsame Oberfläche bietet eine Menüleiste und ein Arbeitsflächenmenü. Über das Paket „lubuntu-desktop“ lässt sich LXDE in Ubuntu bequem installieren.

Klyde: Das Projekt Klyde ist angetreten, KDE zu entschlacken und eine leichtgewichtige Alternative zu bieten. Bisher gibt es nur Programmpakete für Open Suse 12.3, die man selbst installieren muss. Weiter Infos gibt es unter dieser Webadresse .

Trinity: Auf ein schlankeres KDE setzt auch Trinity. Es basiert auf dem älteren, aber inzwischen leicht modernisierten KDE 3. Informationen und Download finden Sie auf Trinitydesktop .

Unity: Ein Desktop für alle Geräte
Unity ist seit Version 11.04 die Standard-Desktop-Oberfläche von Ubuntu. Anders als etwa bei Gnome oder KDE gehören zur Oberfläche keine selbst entwickelten Programme. Der Nutzer bekommt bei einer Ubuntu-Standard-Installation die üblichen Verdächtigen wie Firefox, Libre Office und den Totem Videoplayer präsentiert.

Bei Unity haben Startleiste und Suchfunktion das bisherige Startmenü abgelöst. Oberstes Ziel ist eine möglichst schlichte Oberfläche, die auch für Tablets und Smartphones taugt.
Vergrößern Bei Unity haben Startleiste und Suchfunktion das bisherige Startmenü abgelöst. Oberstes Ziel ist eine möglichst schlichte Oberfläche, die auch für Tablets und Smartphones taugt.

Startleiste: Auffälligstes Merkmal von Unity ist die Startleiste an der linken Seite des Bildschirms. Darüber gelangt man schnell zu den wichtigsten Programmen, den Einstellungen und zum Ubuntu Software Center. Die Icons signalisieren auch den Status eines Programms. Ist es gestartet und aktiv, erscheinen kleine Marker links und rechts vom Icon. Wenn Sie das Fenster minimieren oder ein anderes Programm aktivieren, sehen Sie nur einen Marker an der linken Seite des zugehörigen Icons.

Das oberste Symbol in der Startleiste öffnet das Dashboard, kurz Dash. Dieses zeigt auf der „Home“-Seite die zuletzt geöffneten Anwendungen und Dateien. Am unteren Rand erscheinen die Lupen („Lenses“), die zu „Anwendungen suchen“ oder „Dateien & Ordner suchen“ führen. Unity bietet auch nützliche Tastenkombinationen. Wenn Sie die Super-Taste (Windows-Taste) länger gedrückt halten, erscheint eine Übersicht. Super-A führt beispielsweise direkt zu „Anwendungen suchen“, Super-F zur Dateisuche.

Menüs: Eine weitere Besonderheit von Unity ist, dass in den Programmfenstern kein Menü erscheint. Dieses wird eingeblendet, wenn Sie mit der Maus auf die Leiste am oberen Bildschirmrand fahren oder die Alt-Taste länger gedrückt halten. Ein kurzer Druck auf die Alt-Taste öffnet das HUD (Head-up-Display), das langfristig die Menüleiste ablösen soll. Sie können hier Suchbegriffe eingeben, die dann zum gewünschten Menüeintrag führen.

Fazit: Mit Unity verfolgt Canonical ein stark vereinfachtes Bedienkonzept, das vor allem Einsteigern entgegenkommt. Canonical blickt aber auch in eine Zukunft, in der Desktop-PCs nicht mehr die gleiche Bedeutung haben wie heute. Unity soll Ubuntu fit für Tablets und Smartphones machen (siehe „ Ubuntu auf Tablets und Smartphones “).

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KDE 4: Schick und flexibel
KDE besteht aus dem Plasma-Desktop und zahlreichen zum Design passenden Anwendungen. Die bekanntesten sind das Mailprogramm KMail, der Audioplayer Amarok und der Mediaplayer Kaffeine. KDE ist der Standard-Desktop von Kubuntu, lässt sich aber auch bei Ubuntu nachträglich installieren.

Das KDE-Menü gruppiert Anwendungen nach Aufgabenbereichen. Auf dem Desktop lassen sich Ordner, Programmstarter und Miniprogramme in Container unterbringen.
Vergrößern Das KDE-Menü gruppiert Anwendungen nach Aufgabenbereichen. Auf dem Desktop lassen sich Ordner, Programmstarter und Miniprogramme in Container unterbringen.

Programme starten: Standardmäßig befinden sich die KDE-Bedienelemente am unteren Bildschirmrand. Ganz links gibt es mit dem K-Menü einen Programmstarter, der dem Windows-Startmenü ähnelt. Es ist in Kategorien wie „Favoriten“, „Anwendungen“ und „Verlauf“ unterteilt. Außerdem gibt es eine Suchfunktion, über die Sie Programme finden können, wenn Ihnen der Name bekannt ist. Neben dem K-Menü liegen die Taskleiste und daneben die Kontrollleiste mit Icons, über Sie etwa den Lautstärkeregler oder die Netzwerkeinstellungen erreichen.

Arbeitsfläche organisieren: Wer das erste Mal KDE verwendet, ist wahrscheinlich mit der Menge der oft recht kleinteiligen Einstellmöglichkeiten überfordert. KDE verlangt eine gewisse Einarbeitungszeit. So ist beispielsweise nicht auf den ersten Blick zu erkennen, wie sich die Größe des einzigen Containers, der sich nach der Installation auf der Oberfläche befindet, ändern lässt. Das Geheimnis: Bei allen Containern erscheint ein Miniprogramm-Anfasser, wenn Sie mit der Maus darüberfahren. Halten Sie die Maustaste auf dem oberen Icon gedrückt. Dann können Sie den Container auf die gewünschte Größe ziehen. Im Anfasser finden Sie auch ein Schraubenschlüssel-Symbol. Darüber lassen sich die Einstellungen ändern. Hier können Sie beispielsweise den Ordner festlegen, den der Container anzeigt.

Weitere Container können Sie über einen rechten Mausklick auf einen freien Bereich des Desktops und „Miniprogramme hinzufügen“ erstellen. Es erscheint eine Liste mit Miniprogrammen, die Sie per Doppelklick auf den Desktop befördern. Wählen Sie „Ordner-Ansicht“, wenn Sie einen Container mit weiteren Ordnern benötigen. Innerhalb eines Containers legen Sie über das Kontextmenü „Neu erstellen“ weitere Ordner oder Verknüpfungen zu Programmen an. Ein Klick auf einen Ordner öffnet den Inhalt im Dateimanager Dolphin.

Wer sich mit dem Container-Konzept nicht anfreunden will, kann über den Kontextmenüpunkt „Einstellungen für Standard-Arbeitsfläche“ des Desktops hinter „Layout“ „Ordner-Ansicht“ wählen. Danach zeigt der gesamte Desktop den Inhalt des Ordners „Arbeitsfläche“. Hier lassen sich dann Ordner, Dokumente und Programmstarter ablegen, wie Sie es von anderen Benutzeroberflächen gewohnt sind.

Fazit: KDE sieht schick aus und bietet ein interessantes Bedienkonzept. Die Flexibilität erlaubt viele Einstellungen und erfordert eine gewisse Einarbeitungszeit. Man muss jedoch nicht alles nutzen, was die Oberfläche bietet. Daher bietet KDE gleichermaßen für Windows-Umsteiger und Linux-Profis eine komfortable Benutzeroberfläche. Die vielen grafischen Effekte benötigen jedoch zusätzliche Rechenleistung. KDE ist daher für ältere PCs nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

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Gnome: Modern bis klassisch
Gnome ist über Jahre die zweite große Desktop-Umgebung neben KDE und lehnte sich bis zur Version 2 optisch an Mac-OS X an, während sich KDE eher an Windows orientiert. Die Entwicklung seit Gnome 3.6 geht aber deutlich in Richtung Unity. Allerdings mögen die Gnome-Entwickler keine Icons auf dem Desktop. Dieser ist und bleibt leer, das heißt, Ordner oder Programmstarter lassen sich hier nicht ablegen.

Vom Konzept her ähnelt Gnome 3.8 stark dem Unity-Desktop. Die Startleiste nimmt die wichtigsten Programme auf, und wer mehr will, muss die Suchfunktion verwenden.
Vergrößern Vom Konzept her ähnelt Gnome 3.8 stark dem Unity-Desktop. Die Startleiste nimmt die wichtigsten Programme auf, und wer mehr will, muss die Suchfunktion verwenden.

Die aktuelle Version ist Gnome 3.8, das aber erst nach und nach in den Linux-Distributionen zu finden sein wird. Den Anfang macht Fedora 19. Ubuntu Gnome 13.04 wird noch mit Gnome 3.6 ausgeliefert. Sie können Gnome 3.8 aber unter Ubuntu 12.04 oder 13.04 nachinstallieren. Da die Entwicklung für Ubuntu jedoch noch nicht abgeschlossen ist, müssen Sie mit einigen Fehlern rechnen.

Programme starten: Klicken Sie oben links auf „Aktivitäten“, drücken Sie die Super-Taste (Windows-Taste), oder fahren Sie mit dem Mauszeiger in die linke obere Ecke. Sie sehen dann das Gnome-Dash auf der linken Seite. Über die Icons können Sie die hier hinterlegten Anwendungen starten. Für weitere Programme verwenden Sie die Suchfunktion am oberen Bildschirmrand. Ein darüber gefundenes Programm lässt sich mit einem rechten Mausklick und „Zu Favoriten hinzufügen“ in das Dash einbauen. Das Icon ganz unten im Dash, liefert eine Übersicht mit allen Programmen. Bei Gnome 3.6 können Sie auf der rechten Seite eine Kategorie wählen, um die Ansicht zu filtern. Gnome 3.8 bietet in der Übersicht nur die Schaltflächen „Häufig“ und „Alle“. Für eine genauere Eingrenzung soll der Nutzer die Suchfunktion verwenden.

Der klassische Modus bringt in Gnome 3.8 die von Gnome 2 her bekannte Bedienung zurück. Über das Menü „Anwendungen“ lassen sich alle Programme starten.
Vergrößern Der klassische Modus bringt in Gnome 3.8 die von Gnome 2 her bekannte Bedienung zurück. Über das Menü „Anwendungen“ lassen sich alle Programme starten.

Gnome 3.8 ausprobieren: Die neueste Gnome-Version enthält zahlreiche Verbesserungen. Bei der Suche werden jetzt auch Informationen berücksichtigt, die Anwendungen bereitstellen, etwa die Einträge aus dem Adressbuch. Außerdem wurden die Systemeinstellungen und das Benachrichtigungsfeld überarbeitet, und es gibt jetzt eine integrierte Unterstützung für Owncloud. Auf vielfachen Wunsch der Nutzer enthält Gnome 3.8 auch einen klassischen Modus, der eine Bedienung wie bei Gnome 2 zurückbringt. Hier gibt es links oben ein einfaches Anwendungsmenü, über das sich Programme starten lassen. Per Klick auf „Anwendungen > Aktivitäten-Übersicht“ können Sie aber schnell zur modernen Gnome-3.8-Oberfläche umschalten. Das erleichtert den Umstieg.

Wenn Sie Gnome 3.8 unter Ubuntu 12.04 oder 13.04 installieren möchten, öffnen Sie mit Strg-Alt-T ein Terminalfenster und geben diese vier Befehlszeilen ein:
sudo apt-get install gnome-shell sudo add-apt-repository ppa:gnome3-team/gnome3 sudo apt-get update sudo apt-get dist-upgrade

Der erste Befehl installiert Gnome 3.6, mit den anderen Zeilen führen Sie eine Aktualisierung auf Gnome 3.8 durch.

Danach installieren Sie mit den drei Zeilen
sudo add-apt-repository ppa:ricotz/testing sudo apt-get update sudo apt-get upgrade

die aktuellsten Gnome-3.8-Pakete. Starten Sie dann das System neu. Bei der Anmeldung können Sie dann über das Icon rechts von Ihrem Benutzernamen „Gnome“ oder „Gnome Classic“ auswählen. Mit „Ubuntu (Standard)“ können Sie eine Unity-Sitzung starten.

Fazit: Gnome ist wie KDE eine eher schwergewichtige Desktop-Umgebung und daher für ältere PCs nicht uneingeschränkt geeignet. Wer auf ein modernes Bedienkonzept wert legt und lieber die Suchfunktion statt Menüs verwendet, wird sich mit Gnome schnell anfreunden können. Gnome 3.8 bietet mit dem klassischen Modus zudem die Möglichkeit eines sanften Umstiegs.

Cinnamon: Klassische Bedienung auf moderner Basis
Dieser Linux-Desktop ist eine Gnome-Shell-Abspaltung, in der eine moderne Software-Basis mit klassischen Nutzungskonzepten kombiniert wird. Der Desktop verwendet die moderne Basis von Gnome 3, nutzt aber den Aufbau eines relativ klassischen Desktops. Es gibt eine konventionelle Taskleiste, ein aufklappendes Anwendungsmenü und einen gewöhnlichen Taskumschalter.

Cinnamon ist optisch modern und hat einen aktuellen Gnome-3-Unterbau. Auf das Startmenü und die gewohnte Benutzung des Desktops muss man deshalb aber nicht verzichten.
Vergrößern Cinnamon ist optisch modern und hat einen aktuellen Gnome-3-Unterbau. Auf das Startmenü und die gewohnte Benutzung des Desktops muss man deshalb aber nicht verzichten.

Programme starten: Das Startmenü von Cinnamon enthält auf der linken Seite eine Schnellstartleiste für wichtige Anwendungen. Der restliche Bereich des Menüs zeigt Kategorien wie „Internet“ oder „Büro“, über die sich weitere Programme starten lassen. Der Desktop kann Ordner, Dateien oder Programmstarter aufnehmen.

Cinnamon installieren: Cinnamon ist eine Entwicklung aus dem Hause Linux Mint und hier eine der standardmäßig genutzten Desktop-Umgebungen. Unter Ubuntu ab Version 12.04 lässt sich Cinnamon mit
sudo add-apt-repository ppa: gwendal-lebihan-dev/cinnamon-stable sudo apt-get update sudo apt-get install cinnamon

nachinstallieren und bei der Anmeldung auswählen.

Fazit: Cinnamon ist für Nutzer geeignet, die einen klassischen Desktop bevorzugen. Wer bisher Gnome 2 genutzt hat oder von Windows umsteigt, wird sich heimisch fühlen. Trotz schlichter Gestaltung macht die Benutzung aufgrund der Gnome-3-Basis aber nur auf aktuellen PCs wirklich Freude.

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