09.07.2008, 08:54

David Wolski

Sparsame Zweitrechner

Der erste Start

Die Installationsprozedur von Virtualbox hat unter System im Gnome und KDE-Menü einen neuen Eintrag für das grafische Front-End angelegt. Wir empfehlen aber, Virtualbox erst mal über die Kommandozeile mit dem Befehl VirtualBox zu starten: Sollten Probleme auftreten, erhalten Sie hier Hinweise, ob ein Konfigurationsproblem vorliegt oder ob der aktuelle Benutzer nicht Mitglied der richtigen Gruppe ist. Die grafische Benutzeroberfläche orientiert sich stark an VMWare und Virtual PC. Wer damit zurechtkommt, hat auch hier keine Probleme. In der kommerziellen Version sind die Menüpunkte in mehreren Sprachen verfügbar. Sie können die Bedienoberfläche unter File, Preferences, Language auf Deutsch umschalten.

Gastsystem einrichten
Um ein neues virtuelles System anzulegen, klicken Sie auf die Schaltfläche New, die einen Assistenten startet, der Sie durch die weiteren Schritte leitet. In selbsterklärenden Dialogen legen Sie Name, Betriebssystemtyp, Hauptspeicher und Festplattengröße fest. Im Dialog Virtual Hard Disk erstellen Sie über New eine virtuelle Festplatte, die als Imagedatei auf Ihrer Festplatte landet. Die vorgeschlagene Größe fällt immer recht großzügig aus, was allerdings keine Platzverschwendung ist, denn die Partition wächst erst mit der Zeit auf die angegebene Maximalgröße an, wenn Sie als Image Type die Option Dynamically expanding Image wählen.
Nach Abschluss des Assistenten ist der virtuelle Rechner eingerichtet. Bevor Sie nun ein System darin installieren, sollten Sie weitere Feinabstimmungen vornehmen. Klicken Sie dazu das System in der Liste an und dann auf Ändern (bzw. Settings) in der Menüleiste. Zahlreiche Features müssen Sie hier nachträglich aktivieren: Audio einschalten, serielle Ports einrichten, den virtuellen USB-Controller in der kommerziellen Virtualbox aktivieren oder das Netzwerk einrichten. Neu in Version 1.5 ist hier eine Option, um die Virtualisierungserweiterungen von aktuellen Intel- und AMD-Prozessoren zu konfigurieren. Unter CD/DVD-Rom legen Sie fest, ob das neue System das physikalische CD/DVD-Laufwerk oder eine ISO-Datei einbinden soll. Haben Sie das Installationsmedium des gewünschten Gast-Betriebssystems heruntergeladen, brauchen Sie es vor der Installation also nicht auf einen Datenträger zu brennen.
Die virtuelle Netzwerkschnittstelle
In den Einstellungen (Ändern/Settings) legen Sie auch fest, wie sich das Gast-System mit dem Netzwerk unterhalten soll. Für die Netzwerkeinstellungen bietet Virtualbox drei Optionen: Gibt es gar keine externe Netzwerkverbindung, reicht das Internal Network, bei dem nur eine virtuelle Netzverbindung zwischen Gast und Host entsteht. Alternativ kann man den virtuellen PC via NAT (Network Address Translation) verbinden. Dazu bringt Virtualbox einen internen DHCP-Server mit, der sich dann um die IP-Adressvergabe aus dem Bereich 10.0.2.0/24 kümmert. Diese Option macht kaum Probleme, denn weitere Einstellungen auf dem Host sind nicht nötig. Allerdings ist NAT nur für Gastsysteme sinnvoll, die keine Serverfunktionen anbieten sollen. Bei Host Interface sorgt das Kernel-Modul von Virtualbox dafür, dass das virtuelle System die physikalische Netzwerkkarte mitbenutzen kann, als wäre es die eigene. Ein so konfiguriertes virtuelles System erscheint als eigenständiger PC im Netzwerk mit eigener IP-Adresse. Diese Einstellung erfordert die manuelle Einrichtung einer Ethernet-Bridge im Gast-System.
Bessere Performance
Ein virtuelles System ohne Gast-Erweiterungen ist noch nicht komplett. Zwar sind alle Basisfunktionen vorhanden, doch ist die Performance mit Erweiterungen deutlich besser. Die Grafikauflösung ist höher und wird automatisch an die Fenstergröße angepasst. Ordnerfreigabe, Zeit-Synchronisation und automatisierte Windows-Anmeldungen funktionieren ebenfalls erst mit den Erweiterungen. Eine angenehme Neuerung in Virtualbox 1.5 ist die Installation der Erweiterungen vom Innotek-Server.
Starten Sie zunächst das Gastsystem, dann finden Sie die Erweiterungen unter Devices, Install Guest-Additions beziehungsweise Geräte, Gast-Erweiterungen installieren. Unter Windows startet automatisch das Setup-Programm, und Sie brauchen nur einige Dialoge zu bestätigen. Unter Linux kommen die Erweiterungen als Quellcode, den Sie kompilieren müssen. Dafür benötigen Sie in neuen Ubuntu-/
Debian-Gast-Systemen die Pakete linuxheaders und, wenn vorhanden, linux-kbuild. In älteren Ubuntu-/Debian-Versionen lautet der Paketname kernel-headers, bei Fedora kernel-devel. Ist das Gast-System Open Suse, brauchen Sie kernel-source und kernel-syms, die Sie mit Yast installieren. Für Windows 95/98/ME, DOS und BSD gibt es keine Erweiterungen.
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