Ratgeber WLAN-Standards

Der Standard 802.11n

Samstag den 23.01.2010 um 10:00 Uhr

von Thomas Rau

Der WLAN-Standard 802.11n und der Vor-Standard Draft-N 2.0 bieten gegenüber früheren WLAN-Standards eine deutlich höhere Transferrate und eine größere Reichweite. Denn sie nutzen mehrere Antennen zur Funkübertragung – diese Technik nennt sich MIMO (Multiple-In Multiple-Out).
Mehr Tempo durch mehr Antennen: Die Mimo-Technik erhöht
bei 11n-Routern die Transferrate
Vergrößern Mehr Tempo durch mehr Antennen: Die Mimo-Technik erhöht bei 11n-Routern die Transferrate
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Funken mit mehreren Antennen
Dabei überträgt die WLAN-Komponente, also beispielsweise der Router, über jede Antenne unterschiedliche Signale. Beim Empfänger filtert dann jede Antenne die für sie bestimmten Signale heraus. So lassen sich mehrere Datenströme gleichzeitig übertragen (Spatial Multiplexing), sofern Sender und Empfänger über genügend Antennen verfügen: Aktuelle WLAN-Komponenten arbeiten meist mit zwei parallelen Datenströmen. Wie viele parallele Datenströme ein WLAN-Gerät in Sende- und Empfangsrichtung verarbeiten kann, gibt eine Bezeichnung wie „3x2“ an, die Sie manchmal in den Datenblättern finden. Das bedeutet, dass die WLAN-Komponenten über drei Antennen senden und über zwei Antennen empfangen kann.

Die vielen Antennen lassen sich aber auch für eine höhere Reichweite nutzen: Der WLAN-Router nutzt dann zum Beispiel nur die Antenne mit dem besten Signal (Diversity).

11n: Bald mit 600 MBit/s
Mit zwei Datenströmen ist derzeit eine maximale Transferrate von 300 MBit/s möglich. Neue WLAN-Chipsätze können bereits drei Datenübertragungen gleichzeitig verarbeiten – entsprechende WLAN-Router werden 2010 auf den Markt kommen. Sie ermöglichen dann Transferraten bis zu 450 MBit/s. Die maximal mögliche Anzahl gleichzeitiger Datenströme liegt laut 11n-Standard bei vier: Damit wären dann 600 MBit/s möglich.

Außerdem ist der 11n-Standard für zwei Frequenzen ausgelegt: 2,4 GHz und 5 GHz. WLAN-Router, die für jede Frequenz eigene Antennen und eigene Sende-/Empfangseinheiten mitbringen, können also gleichzeitig auf beiden Frequenzen funken: Die Hersteller bezeichnen sie als Simultan-Dual- oder Parallel-Band-Router. Etwas günstiger sind so genannte Dual-Band-Router, die entweder über 2,4 oder 5 GHz übertragen.

Die Tempo-Tricks von 11n
Um die hohen Transferraten zu erreichen, nutzt der WLAN-Standard weitere Tempo-Tricks: 11n-Komponenten können beispielsweise über 40 MHz breite Kanäle übertragen – üblicherweise ist ein Kanal 20 MHz breit. Dieses Channel Bonding bringt aber nur Vorteile, wenn es wenig andere WLANs in der Nähe gibt - ansonsten stört der Router die Nachbar-WLANs. Deshalb sollte der 11n-Router so eingestellt sein, dass er je nach Funkbedingungen zwischen 20- und 40-MHz-Kanälen umschalten kann.
Im so genannten Greenfield-Modus müssen 11n-Komponenten nicht auf WLAN-Geräten achten, die mit älteren Standards arbeiten: Auch das erhöht die Transferraten. Schließlich sorgen bei 11n-WLAN noch eine effizientere Modulation, geringere Wartezeiten zwischen der Übertragung von Datenpaketen sowie das Zusammenfassen von kleineren Paketen für mehr Geschwindigkeit.

Doch viele dieser temposteigernden Maßnahmen – zum Beispiel das Channel Bonding oder der Greenfield-Modus - gehen auf Kosten der Kompatiblität: Weil in den meisten WLANs aber neben 11n-Geräten auch 11g- oder sogar noch 11b-Komponenten funken, werden Sie in der Praxis die hohen Transferraten, die 11n verspricht, nicht erleben.

11n - aber günstig
Derzeit gibt es auch zahlreiche günstige WLAN-Router zu kaufen, die die Hersteller mit 150N oder N-Light bezeichnen. Diese Router nutzen nur eine Sende- und Empfangsantenne, verzichten also auf die Mehrfachübertragung, die der große Vorteil von 11n ist: Da sie aber beispielsweise die effizentere Modulation unterstützen, arbeiten sie schneller als 11g-Komponenten.

Samstag den 23.01.2010 um 10:00 Uhr

von Thomas Rau

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