Der Nigeria-Trick

Donnerstag den 30.08.2007 um 10:17 Uhr

von Tobias Weidemann

Das Angebot: Sie bekommen Mails aus Afrika oder Osteuropa, in denen Ihnen beispielsweise vorgegaukelt wird, jemand befände sich in einer Notlage, und Sie könnten mit einer Überweisung, die Sie über Ihr Konto laufen lassen, helfen oder gar das Vermögen einer Familie, eines Dorfes oder einer unterdrückten Minderheit vor einem bösen Regime retten. Auch hier wird Ihnen ein beachtlicher Prozentsatz der Summe als Lohn für die Mühe versprochen.
Nigeria-Connection: Die Masche ist alt - und funktioniert
immer wieder
Vergrößern Nigeria-Connection: Die Masche ist alt - und funktioniert immer wieder
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Das steckt dahinter: Diese Strategie ist wohl eine der ältesten – es gibt sie mindestens seit 15 Jahren –, erst kamen Faxe und Briefe, jetzt Mails. Der Name entstand, weil die ersten dieser Betrugsversuche aus Nigeria kamen. Und so wild und unglaubwürdig die Geschichten auch klingen, es gibt immer wieder Leute, die aus gutem Willen oder Geldgier auf so etwas hereinfallen. Zunächst versucht man, Ihr Vertrauen zu gewinnen. Dann werden Sie aufgefordert, eine geringe Gebühr für Überweisungs- oder Anwaltskosten zu überweisen – ein kleiner Betrag verglichen mit dem, was Sie später bekommen sollen. Nur so könne das Geschäft abgewickelt werden. In der Regel hören Sie dann nichts mehr von den Betrügern. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Zahlung nach der anderen gefordert wird. Je mehr ein Betrugsopfer investiert hat, desto schwerer wird es, das Geld verloren zu geben und sich einzugestehen, dass man reingelegt wurde.

Das Angebot: Es gibt eine Vielzahl von Abzock-Tricks rund um Ebay, die wir in den vergangenen Jahren immer wieder angeprangert haben. Besonders gefährlich ist dieser raffinierte Trick: Ein Anbieter aus dem Ausland verkauft etwa einen Computer, und bittet den Käufer, das Geld doch auf das Konto eines Freundes in Deutschland zu überweisen. Der Käufer willigt ein, schließlich spart er dadurch die hohen Kosten für eine Auslandsüberweisung.

Das steckt dahinter: Das kann ein kostspieliger Fehler sein. Die Sache geht in eine ähnliche Richtung wie beim Nebenjob-Trick. In vielen Fällen gehört das Konto wiederum einem (nichts ahnenden) anderen Verkäufer, bei dem der Ebayer aus dem Ausland seinerseits Ware bestellt hat. Nachdem das Geld dort eingegangen ist, versendet der Verkäufer die gewünschte Ware. Der erste Kunde, der das Geld überwiesen hat, hört nichts mehr von dem Händler aus dem Ausland. Wütend erstattet er nach einigen Wochen Anzeige und versucht, das Geld zurückzubekommen. Dabei wird natürlich auch überprüft, wer der Inhaber des Kontos ist, an das das Geld gegangen ist.

Natürlich muss der Wert der Waren einigermaßen ähnlich sein. Aber auch eine Differenz kann der angeblich überweisende Kunde aus dem Ausland erklären: „Oh, ich habe gerade gesehen, dass ich zu viel überwiesen habe. Nein, teure Überweisung zurück lohnt nicht, packen Sie das Restgeld ins Paket.

Vorsicht ist geboten: Auf ein Konto, das nicht auf den Namen des Verkäufers lautet, sollte man grundsätzlich nicht überweisen – und auch als Verkäufer sollte man skeptisch werden, wenn Geld von einem anderen kommt als dem, der die Ware ersteigert hat. Freilich lässt sich das nicht auf jedem Kontoauszug feststellen, und natürlich kann das auch ganz banale Gründe haben (Käufer ist etwa die Lebensgefährtin mit anderem Namen). Fragen Sie aber nach. Und nutzen Sie lieber den Treuhand-Service.

Donnerstag den 30.08.2007 um 10:17 Uhr

von Tobias Weidemann

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