Geliebter Feind
Der Krieg im Kopf
Mittlerweile haben Computerspiele ihre politische Unschuld endgültig verloren. In Kuma War spielen Sie echte Einsätze amerikanischer Soldaten im Irak nach. Das Entwicklerstudio Kuma Games veranstaltete sogar einen Wettbewerb, in dem Veteranen ihre am eigenen Leib erfahrenen Gefechte schildern sollten. Die Programmierer bauten anschließend die dramatischste Mission ins Spiel ein. Keith Halper, Chef des Studios, erklärt das Konzept: »In einer Welt, die von Konflikten zerrissen wird, denken wir bei den Abendnachrichten doch alle das Gleiche: Mann, das wäre ein tolles Spiel!« Entsprechend zeigt Kuma War vor jedem Level eine selbstgedrehte Nachrichtensendung mit echten Szenen des kurz darauf folgenden Einsatzes. Mittlerweile umfasst das Programm über 80 Missionen, angefangen vom Tod der Söhne Saddam Husseins über die umstrittenen Gefechte von Falludscha bis zum Ende des Al-Quaida-Führers Al-Zarkawi. Kuma War bietet in einem Level sogar das nach eigenen Angaben »plausibelste Szenario, um die Nuklearanlagen des Iran zu zerstören«.
Under Siege und Rescue the Nuke Scientist sind in westlichen Ländern nur schwer zu ergattern – und wegen ihres schwachen technischen Anspruchs auch höchstens als Kuriosum interessant. Trotzdem sorgt sich die US-Regierung, das Feindbild Amerika könne sich über Computerspiele weiter in der Welt verbreiten. 2006 glauben Internet-Experten Anzeichen dafür gefunden zu haben, dass die Terror-Organisation Al-Qaida Spiele für ihre Zwecke umprogrammiert, um die amerikanische Jugend zu korrumpieren. In einer Anhörung vor der zuständigen Untersuchungskommission präsentieren die Verfassungsschützer das Beweisstück: ein Fan-Video aus Battlefield 2, in dem ein Spieler als Kämpfer der Middle Eastern Coalition auf GIs schießt. Der holländische Macher des Clips hat über die Szenen einen Monolog aus der Polit-Satire Team America gelegt, in der ein Terrorist seinen Hass auf die amerikanischen Ungläubigen schildert. Als die Angelegenheit öffentlich wird, klären die Betreiber eines Spiele-Blogs die Untersuchungskommission auf. Doch dass westlich orientierte Jugendliche in einem Spiel freiwillig auf amerikanische Truppen schießen und derartiges »Propaganda-Material« sogar in den Vereinigten Staaten produziert werde, entzieht sich bis auf Weiteres dem Verständnis der entrüsteten Politiker.



