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Defekte Dateien reparieren - So retten Sie Ihre Daten

03.10.2016 | 16:09 Uhr |

Ein Programmabsturz, eine abgebrochene Netzwerkverbindung, ein unüberlegter Mausklick – das reicht, um wichtige Dateien zu verlieren. Sorgfältige Rettungsaktionen können den Totalverlust noch vermeiden.

Es sind selten die spektakulären Hardware-Katastrophen, die ungesicherte Dokumente mit sich reißen, sondern die kleinen Gemeinheiten: Ein Absturz oder Netzwerkhänger zur denkbar ungünstigsten Zeit, Flüchtigkeitsfehler oder auch Missverständnisse im Team sind die wahren Datenkiller. Und selbst wenn „nur“ eine einzige Datei oder ein einziger Projektordner davon betroffen ist, so ist das Desaster schon groß genug.

Gut dran ist der, der nach einem Datenverlust aktuelle Sicherheitskopien hat. Aber auch tragfähige und akribisch durchgeführte Backup-Strategien bringen oft doch nur ältere Versionen der Dateien zurück und die zwischenzeitlichen Arbeiten daran sind verloren. Ein weiteres Problem sind defekte Dokumentdateien, die nach einem Programmabsturz oder einer instabilen Netzwerkverbindung in einem beschädigten Zustand auf dem Datenträger landen und damit die zuvor saubere Datei überschrieben haben. Unzuverlässige Backup-Medien wie alte CDs/DVDs und vergesslich gewordene USB-Sticks geben auch oft nur noch einen Teil der gespeicherten Daten wieder her. Dass alles muss aber nicht das Ende der Datei bedeuten, denn eine Wiederbelebung defekter oder gelöschter Dokumente rettet in vielen Fällen zumindest noch einen Teil – was immer noch besser ist als ein Totalverlust.

Tutorial: Vier einfache Methoden für Backups

1. Bilddateien: JPEGs restaurieren & defekte Daten wiederherstellen

Bei JPEG handelt es sich um ein komprimiertes Bildformat, das die Bildinformationen in einem Datenstrom von Byte-Blöcken speichert, den Anzeigeprogramme oder Bildbearbeitungen interpretieren. Dieser Aufbau macht JPEGs zu einem robusten Bildformat und wenn nicht ausgerechnet der Datei-Header am Anfang einer JPEG-Datei fehlt, kann der Inhalt einer beschädigten Bilddatei trotzdem noch angezeigt werden. Sie können dafür in der Regel jedes Bildbetrachtungs- oder -bearbeitungsprogramm verwenden. Mit Irfan View gibt es einen bewährten Bildbetrachter als Freeware-Tool, das auch bei beschädigten Bilddateien nicht schlappmacht.

Fehlt die JPEG-Signatur oder ein Teil des Datei-Headers, dann wird die JPEG-Datei schon gar nicht mehr erkannt. Aber auch in diesem Fall ist eine Wiederbelebung mit einem Datenrettungs-Tool einen Versuch wert. Ein Shareware-Programm, das die Ergebnisse einer Reparatur zunächst einmal mit einem Wasserzeichen versieht, ist Stellar Phoenix JPEG Repair . Die Vollversion ohne Wasserzeichen kostet 39 US-Dollar.

Das freie Office-Paket hat wenig Fehlertoleranz bei den eigenen Dateiformaten. Die Reparatur-Funktion von Libre Office 5.0 muss schon bei kleineren Fehlern im Datei-Header passen.
Vergrößern Das freie Office-Paket hat wenig Fehlertoleranz bei den eigenen Dateiformaten. Die Reparatur-Funktion von Libre Office 5.0 muss schon bei kleineren Fehlern im Datei-Header passen.

2. Office-Dateien: Begrenzte Fehlertoleranz

Eine Reparaturfunktion für nicht mehr einwandfreie Dokumente ist sowohl in Microsoft Office als auch im freien Libre Office vorhanden. Wenn Sie eine beschädigte Datei öffnen, werden beide Office-Pakete für die bekannten Dateiformate nach einer ersten Fehlermeldung eine Reparatur vorschlagen. Ein Test mit Dateien, die Defekte von gering bis schwer aufweisen, zeigt uns schnell: Libre Office ist empfindlich und quittiert das Öffnen auch bei kleinen Beschädigungen mit einem Ein-/Ausgabefehler. Wacker schlägt sich dagegen Microsoft Office . Selbst wenn Sie Libre Office und dessen offene Dokumentenformate bevorzugen, sollten Sie einen Reparaturversuch von Libre-Office-Dokumenten mit Microsoft Office ab der Version 2007 versuchen, wenn Ersteres nicht weiterhilft. Etwa bei Kollegen oder Bekannten, wenn Sie das Büropaket von Microsoft nicht auf dem Rechner haben oder nur über eine ältere Version (2000, XP, 2003) verfügen. Auch wenn ODT-Dateien kein natives Format von Microsoft Word ist, funktioniert die Reparatur defekter Dateien dieses Typs erstaunlich gut.

Schlägt die automatische Reparatur fehl, dann gibt es für DOC-Dateien in Microsoft Word ab Word XP noch eine nützliche Funktion zur Wiederherstellung des enthaltenen Textes. Alle anderen Informationen in der Datei, das heißt sämtliche Formate, Bilder, Formeln sowie andere Objekte gehen dabei verloren. Bei Textdokumenten sind diese Einbußen sowie die anschließende Arbeit allerdings immer noch einfacher zu verkraften als ein Totalverlust.

Gehen Sie in Microsoft Word auf den Dialog zum Öffnen einer Datei. In der Liste der Dateitypen wählen Sie im unteren Drittel die Option „Text aus beliebiger Datei wiederherstellen“ aus und als Nächstes die beschädigte DOC-Datei. Mit den neueren, XML-basierten, gepackten Formaten wie DOCX und ODT funktioniert dieser Weg dagegen nicht.

Die Dateireparatur ab Microsoft Office 2007 arbeitet nicht nur bei den eigenen Office-Formaten, sondern erstaunlicherweise auch bei Libre-Office-Dateien recht gut.
Vergrößern Die Dateireparatur ab Microsoft Office 2007 arbeitet nicht nur bei den eigenen Office-Formaten, sondern erstaunlicherweise auch bei Libre-Office-Dateien recht gut.

3. Archive: Rettung für Zip-Dateien

Bei gepackten Archiven haben auch kleine Fehler in der Datei und fehlende Bytes aufgrund der Dateistruktur große Auswirkungen auf den Inhalt. Eine Wiederherstellung der enthaltenen Dateien wird schnell unmöglich. Bei Zip-Archiven gibt ein Reparaturprogramm wie Diskinternals ZIP Repair . Aufschluss über den Zustand der Datei. Wenn sich der Datei-Header wiederherstellen lassen sollte, können Sie im Anschluss daran wenigstens einige Dateien extrahieren. Für das ebenfalls verbreitete Pack-Format RAR liefert Winrar selbst eine fähige Reparaturfunktion, die Sie über den Erste-Hilfe-Kasten in der Menüleiste aufrufen.

Bei Archiven ist es besonders ärgerlich, wenn die Datei beschädigt ist, da meist mehrere enthaltene Dateien betroffen sind. Diskinternals Zip-Repair kann die Archive manchmal reparieren.
Vergrößern Bei Archiven ist es besonders ärgerlich, wenn die Datei beschädigt ist, da meist mehrere enthaltene Dateien betroffen sind. Diskinternals Zip-Repair kann die Archive manchmal reparieren.

4. Alte Programme: Obsolete Dateiformate

Für jedes veraltete, proprietäre Datenformat schlägt irgendwann das letzte Stündlein. Obskure Binärformate wie beispielsweise Microsoft Works, Ami Pro, Word Perfect, Adobe Freehand, Adobe Pagemaker sowie eine Vielzahl anderer, heutzutage nahezu vergessener Programme, sind lediglich lesbar, solange man die dazugehörige Software noch parat hat.

Eine Frage ist, ob eine alte 16-Bit-Software noch läuft. Die 32-Bit-Varianten von Windows bis zu Windows 8.1 haben nach wie vor ein 16-Bit-Subsystem, die 64-Bit-Varianten hingegen nicht mehr. Hier sind uralte Programme wie beispielsweise Dbase folglich nicht mehr lauffähig. Wenn die alte Software selbst fehlt, dann gibt es mit der Webseite www.vetusware.com eine gute Anlaufstelle. Dort werden Sie die wichtigsten Oldies finden.

Der Download erfordert eine Registrierung mit gültiger Mailadresse. Es gibt seitens der Document Foundation, die auch hinter Libre Office steht, das „Document Liberation Project“, das sich um die Unterstützung freier Bibliotheken für alte Dokumentformate kümmert. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden einmal in Libre Office einfließen.

Gelöschte Dateien findet die Freeware-Variante von Recuva recht zuverlässig. Die farbliche Kennzeichnung zeigt den Dateizustand für die Wiederherstellung.
Vergrößern Gelöschte Dateien findet die Freeware-Variante von Recuva recht zuverlässig. Die farbliche Kennzeichnung zeigt den Dateizustand für die Wiederherstellung.

5. Gelöschte Dateien: Schnelle Reaktion gefragt

Die Grenzen der Datenwiederherstellung sind immer dann erreicht, wenn das Betriebssystem eine Datei nicht nur zum Löschen markiert, sondern deren Platz bereits teilweise oder vollständig mit anderen Dateien belegt hat. Je mehr Zeit zwischen dem Löschen und dem Wiederherstellungsversuch verstreicht, desto geringer ist die Chance, eine gelöschte Datei noch retten zu können.

Wer hier schnell reagiert, der kann die verloren geglaubten Dateien jedoch häufig mithilfe des Programmes Recuva zurückholen. Das gilt nicht nur nach einem geleerten Papierkorb, sondern auch bei formatierten oder gelöschten Partitionen. Recuva stellt Daten wieder her, die auf Speichermedien mit den Dateisystemen FAT, NTFS oder exFAT abgelegt sind.

Somit unterstützt das Tool nicht nur Festplatten und USB-Sticks, sondern auch Flash-Speicherkarten. Eine Datenrettung funktioniert aus diesem Grund auch bei Digitalkameras, zumal das Tool ebenfalls Bilder im Raw-Format erkennt und oftmals wiederherstellen kann. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich das externe Medium auf dem Rechner als gewöhnliches Laufwerk ansprechen lässt.

Tipp: Nicht gefunden, was Sie suchen? In unserem Ratgeber " Notfall-Hilfe: Defekte Dokumente reparieren " stellen wir weitere Möglichkeiten zur Datenrettung vor. Und diese Gratis-Tools retten im Notfall ebenfalls Ihre Daten .

Backups: Sichern statt verlieren

Die häufigste Panne ist das Backup selbst. Wählen Sie das richtige Medium, damit sich sicher geglaubte Kopien im Notfall nicht als Nieten herausstellen. Setzen Sie für Backups auf zuverlässige Medien, denen lange Lagerung nichts ausmacht. Bei Backups großer Datenmengen ist das Magnetband keinesfalls ausgestorben, da es bei korrekter, klimatisierter Lagerung nachweislich langfristige Haltbarkeit verspricht. Aktuelle Bandlaufwerke nach den Standards LTO-5 (1,5 TB) und LTO-6 (bis 2,5 TB) sind aber teuer und ohne eigene IT-Abteilung zu umständlich. Externe Festplatten sind dagegen nicht mehr teuer, der Zugriff darauf ist intuitiv und muss nicht linear wie bei Bändern erfolgen. Durch große Kapazitäten entfällt Organisationsaufwand. Daher sind Festplatten für Nutzer aller Couleur die aktuell beste Lösung. Vermeiden Sie lange Lagerung ohne Aktivität. Backup-Platten sollte man etwa alle drei Monate anschließen, damit die Viskosität der Lagerflüssigkeit erhalten bleibt.

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