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Debian 8 Jessie: Alle Features in der Übersicht

31.08.2015 | 12:39 Uhr |

Zwei Jahre Arbeit und Ergebnisse langer Diskussionen stecken im neuen Debian 8. Der Umstieg auf Systemd markiert einen großen Sprung für die konservative und behutsam entwickelte Distribution.

Als solide Basis, auf der viele andere Linux-Distributionen wie Ubuntu , Raspbian und die zukünftige Spieleplattform Steam-OS aufbauen, bewegt sich Debian selbst eher langsam: Stabilität, Verlässlichkeit und Anpassungsfähigkeit stehen im Vordergrund. Unbewegliche Monumente setzen jedoch Moos an, bekommen Risse und verlieren irgendwann ihre Tragfähigkeit. Mit der aktuellen Version sorgt das Debian-Projekt dafür, dass der über 20 Jahre alten Distribution dieses Schicksal erspart bleibt: Debian 8 vollzieht den Wechsel zum Init-System Systemd – eine zuerst kontrovers diskutierte Entscheidung, die viel Wirbel in den Entwicklungsprozess brachte. Für Debian und Server-Administratoren markiert Systemd die größte Umwälzung seit Jahren, da es als grundlegende Systemkomponente die Diensteverwaltung radikal ändert. Desktop-Anwendern dürfte der gelungene, lange vorbereitete Umstieg kaum auffallen. Immerhin darf sich auch diese Zielgruppe über kürzere Bootzeiten und eine große Auswahl neuer Desktop-Umgebungen in Debian 8 freuen.

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Systemd: Deshalb die Aufregung

Ein kompletter Neuzugang ist Systemd nicht. Denn der Nachfolger für das in die Jahre gekommene Script-basierte System-V-Init war optional schon unter Debian 7 verfügbar, wird aber jetzt Standard. Die maßgeblichen Köpfe hinter Systemd sind die Red-Hat-Mitarbeiter Lennart Poettering und Kay Sievers. Aber die Herkunft der Linux-Komponente war nicht der Stein des Anstoßes in der monatelangen Diskussion, die das technische Komitee des Debian-Projektes teils recht emotional führte. Systemd fasst viele Funktionen zusammen und läuft damit der Unix-Philosophie zuwider, nach der es ein Tool pro Aufgabe geben sollte. Die Abkehr von lesbaren Init-Scripts und Logdateien hin zu binären Dateien macht die Systemadministration in den Augen altgedienter Linux-Spezialisten unnötig komplex. Und schließlich gibt es noch die Befürchtung, dass der Funktionsumfang von Systemd weiter anwachsen wird und es so schleichend das gesamte Linux-Ökosystem gleich einer invasiven Spezies übernimmt. Debian fand einen Kompromiss und fährt in der Version 8 zweigleisig: Das alte System-V-Init gibt es zum Nachrüsten, und Programmpakete, die sich als Dienst einrichten wollen, müssen als Startumgebung sowohl Systemd als auch System-V unterstützen. Aus diesem Grund kann beispielsweise die Linux Mint Debian Edition 2, welche auf Debian 8 basiert, vorerst noch auf Systemd verzichten.

Solider Installer: Das grafische Installationsprogramm von Debian bildet den klassischen Installer im Textmodus ab.
Vergrößern Solider Installer: Das grafische Installationsprogramm von Debian bildet den klassischen Installer im Textmodus ab.

Mehr Desktop-Umgebungen

Während viele Distributionen eine bestimmte Arbeitsumgebung als Aushängeschild pflegen, hat sich das Feld bei Debian diversifiziert: Zwar bekommt Gnome eine leicht bevorzugte Behandlung, aber es gibt auch gut gepflegte Desktops mit KDE , XFCE , LXDE und neuerdings auch Mate und Cinnamon . Diese Umgebungen stehen nicht nur zur nachträglichen Installation bereit – zu allen Desktops gibt es jetzt installierbare Live-Systeme, um die Arbeitsumgebungen erst mal in Aktion zu sehen. Die anderen Desktop-Umgebungen machen auch bei einer nachträglichen zusätzlichen Installation keine Konflikte.

Ausdauerndes Debian

Debian ist als Dauerläufer ausgelegt, zumal die Arbeit als Server-System einer der prominenten Einsatzbereiche ist. Einmal installiert bekommt das System reguläre Aktualisierungen und Sicherheits-Updates bis ein Jahr nach der Veröffentlichung der nächsten stabilen Version. Nach dem üblichen Tempo der Debian-Entwicklung sind das also rund drei Jahre. Gerade Firmen haben aber Interesse an einem längeren Unterstützungszeitraum angemeldet, und der Wunsch stieß nicht auf taube Ohren.

Das Debian-Team, das aus einer selbst organisierten Gemeinschaft von rund 1600 aktiven Entwicklern besteht, hat Sponsoren gefunden, um für Debian 8 Langzeit-Support bis 2018 zu ermöglichen. Dieser umfasst nach dem Ende des regulären Unterstützungszeitraums im Mai 2018 allerdings nur Sicherheits-Patches.

Für die Unterstützung anderer patentrechtlich geschützter Formate ist aber weiterhin die Einbindung weiterer Paketquellen nötig.
Vergrößern Für die Unterstützung anderer patentrechtlich geschützter Formate ist aber weiterhin die Einbindung weiterer Paketquellen nötig.

Fazit Debian 8: Nicht nur für Server interessant

Das System ist zwar besonders häufig auf Servern anzutreffen, da besonders Administratoren ein berechenbares System ohne große Überraschungen zu schätzen wissen. Mit der ausgebauten Auswahl von Arbeitsumgebungen und Annehmlichkeiten wie ein breiteres, auch durch externe Paketquellen erweitertes Codec-Angebot macht sich Debian aber auch auf dem Desktop gut. Die Distribution wird damit ihrem Anspruch gerecht, ein universelles Linux-Betriebssystem zu sein. Es ist aber nicht universell für jeden Wissensstand geeignet, da der Installations-und Einrichtungsprozess anspruchsvoller bleibt als jener von explizit einsteigerfreundlichen Systemen wie Ubuntu und Linux Mint.

Software-Versionen im Vergleich

Distributionen mit langen Unterstützungszeiträumen schicken ihre Pakete durch eine lange Testphase, die in Debian rund fünf Monate dauert. Die enthaltenen Software-Versionen können daher nicht brandaktuell sein, haben dafür aber akribische Pflege in Form von Fehlerbehebungen erhalten. Die Tabelle vergleicht die Versionsnummern von Programmen in jenen populären Distributionen, die sich mehrere Jahre aktuell halten lassen (Stand Juni 2015). Die Spalte zu Debian Sid zeigt dagegen den „Instable“-Zweig Debian, der die laufende Entwicklung enthält und als Vorstufe zur stabilen Version stets neuere Pakete bietet.

Support bis

Debian 7 Februar 2016

Debian 8 Mai 2018

Debian Sid laufend

Ubuntu 14.04 April 2019

Cent-OS 7-1503 Oktober 2020

Apache

2.2.22

2.4.10

2.4.12

2.4.7

2.4.6

Firefox/Iceweasel

31.7 ESR

31.7 ESR

31.7 ESR

38

38

GCC

4.7.2

4.9.2

4.9.2

4.8.4

4.8.3

Gimp

2.8.2

2.8.14

2.8.14

2.8.10

2.8.10

Inkscape

0.48.3

0.48.5

0.91

0.48.4

0.48.4

Kernel

3.2.0

3.16

4.0

3.16

3.10

Libre Office

3.5.4

4.3.3

4.4.4

4.2.8

4.2.6

My SQL

5.5.43

5.5.43

5.5.43

5.5.43

Maria DB 5.5.41

Open SSL

1.0.1e

1.0.1k

1.0.1k

1.0.1f

1.0.1e

PHP

5.4.41

5.6.9

5.6.9

5.5.9

5.4.16

Thunderbird/Icedove

31.7 ESR

31.7 ESR

31.7 ESR

31.7 ESR

31.7 ESR

VLC

2.0.3

2.2.0rc2

2.2.1

2.1.6

fehlt

Wine

1.4.1

1.6.2

1.6.2

1.6.2

fehlt

Cinnamon

fehlt

2.2

2.6.8

fehlt

fehlt

Gnome

3.4.2

3.14.1

3.16.1

3.10.4

3.8.4

KDE

4.8.4

4.14.2

4.14.2

4.13.3

4.10.5

LXDE

0.5

0.7.2

0.99

0.6.1

fehlt

Mate

fehlt

1.8.1

1.8.2

1.6.2

fehlt

XFCE

4.8

4.10

4.12

4.11dev

fehlt

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