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Lokales Netzwerk und FTP-Zugriff in Linux einrichten

19.04.2015 | 16:09 Uhr |

Jede größere Desktop-Distribution bringt alles mit, um aus dem Stand mit Netzwerkfreigaben, Streaming-Servern und Webservern arbeiten zu können. Für Heimanwender genügen meist der Dateimanager und ein Mediaplayer.

Dieser Beitrag geht von einem funktionierenden Netzwerkadapter aus, der sich im Hauptpanel als Kabelnetzverbindung oder als das typische WLAN-Balkensymbol äußert. Bei WLAN ist natürlich die Auswahl Ihres Funknetzes und die Eingabe des Kennworts erforderlich.

Eventuelle Treiberprobleme bei exotischen WLAN-Adaptern lassen wir hier ebenso außen vor wie eine Server-Rolle des Linux-Systems. Hier geht es ausschließlich um die Software, die Sie für den Netzwerkzugriff auf andere Rechner brauchen.

Zugriff auf das lokale Netzwerk

Die Verbindung zu Netzwerkfreigaben stellen Sie unter den verschiedenen Linux-Systemen am einfachsten über den jeweiligen Dateimanager her. Unter Ubuntu (Nautilus) gehen Sie in der Navigationsspalte unter „Netzwerk“ auf „Netzwerk durchsuchen“, in Linux Mint (Nemo) ganz ähnlich auf „Netzwerk“. Linux-Rechner und NAS-Geräte erscheinen dort auf oberster Ebene, Windows-Rechner sind unter „Windows-Netzwerk“ versammelt und darunter in der jeweiligen „Arbeitsgruppe“ – oft „Workgroup“, wenn kein individueller Name vergeben wurde. Wenn Sie dazu aufgefordert werden, tippen Sie den Benutzernamen und das Kennwort ein. Diese Zugangsdaten geben Sie genauso ein, wie sie früher auf dem Freigaberechner definiert wurden.

• Eine Hürde kann die Pflichtabfrage der „Domäne“ bedeuten: Da es im lokalen Heimnetz aber keinen Domänen-Server gibt, verwenden Sie hier einfach stets den Rechnernamen des Freigabe-Rechners.

• Ein ernsteres Problem kann sich aus der Tatsache ergeben, dass auf dem Windows-Rechner kein klassisches lokales Benutzerkonto eingerichtet ist, sondern ein Microsoft-Konto. Wenn Sie mit diesem Konto zugreifen wollen und als Benutzername die betreffende Mailadresse angeben, funktioniert das nicht. Der einfachste Weg, dem Problem aus dem Weg zu gehen, ist ein zusätzliches lokales Benutzerkonto auf dem Windows-Rechner und eine Freigabe für dieses Konto. Beachten Sie dabei, auf dem Windows-PC dem zusätzlichen Benutzer auch die lokalen Rechte über „Eigenschaften > Sicherheit“ einzuräumen.

• Auch mit Windows-„Heimnetzgruppen“ kann Linux nichts anfangen. Ein Ubuntu oder Mint benötigt immer saubere Freigaben auf Benutzerebene wie eben bereits im Zusammenhang mit dem Microsoft-Konto skizziert.

• Bei der Abfrage der Zugangsdaten gibt es die Option „Nie vergessen“, welche die Angaben permanent im „Schlüsselbund“ speichert. Das ist praktisch, weil Sie bei künftigen Zugriffen nicht mehr manuell eingeben müssen. Die Option sollten Sie aber erst verwenden, wenn der Zugriff funktioniert hat und an den Zugangsdaten kein Zweifel besteht. Verwenden Sie zunächst „Passwort sofort vergessen“, bei erfolgreichem Zugriff später dieselben Daten und „Nie vergessen“.

• Anmerkung zum „Schlüsselbund“: Alle gespeicherten Kennwörter im „Schlüsselbund“ können Sie mit dem System-Tool „Passwörter und Verschlüsselung“ (Seahorse) verwalten. Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt die automatische Anmeldung via „Schlüsselbund“ für zu unsicher halten, löschen Sie den betreffenden Eintrag mit Seahorse aus der Liste.

• Manchmal taucht ein Rechner mit neu eingerichteten Freigaben nicht sofort im Dateimanager auf. Unter Windows geben Sie dann eine Adresse nach dem Muster „\\Rechnername\Freigabename“ in die Adressleiste des Explorers ein. Unter Linux verwenden Sie „smb://[Rechnername]/[Freigabe]“. Statt „[Rechnername]“ können Sie auch – und oft zuverlässiger – die IP-Nummer verwenden. Die Adressleiste in den Dateimanagern von Ubuntu und Linux Mint blenden Sie mit der Tastenkombination Strg-L ein.

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Zugriff auf Internet-Server

Die Dateimanager von Ubuntu und Nemo beherrschen nicht nur den Zugriff auf lokale Netzressourcen. Der Zugang auf (S)FTP-, Webdav- und SSH-Servern ist damit so einfach, dass Spezialprogramme wie Filezilla oder Mount-Scripts größtenteils hinfällig werden. Geben Sie zunächst über das Menü „Dateien > Mit Server verbinden“ die Verbindungsdaten ein, also „Serveradresse“ und den „Typ“. Eventuell, so etwa beim Typ „Öffentlicher FTP“, sind weitere Angaben nicht nötig. Im Normalfall müssen Sie aber Benutzername und Passwort eingeben. Bei erfolgreicher Anmeldung können Sie beim nächsten Mal die Passwortoption „Dieses Passwort merken“ oder „Nie vergessen“wählen, wenn Sie die Ressource oft benötigen: Das erspart Ihnen künftig die manuelle Eingabe der Authentifizierungsdaten, die im „Schlüsselbund“ gespeichert und von dort bei jeder Anmeldung automatisch zum Server geschickt werden.

Zugriffsmethoden für Mediendaten

Ist eine Netzwerk-Ressource erst einmal über den Dateimanager eingebunden, stehen deren Dateien natürlich allen sonstigen Programmen wie einem Libre Office oder einem Mediaplayer zur Verfügung. Viele Programme nutzen bei „Datei öffnen“ unter der Haube den Dateimanager und sind auf diesem Weg selbst in der Lage, Netzwerkfreigaben zu mounten.

Für Medien wie Musik, Film und Foto gibt es allerdings eine alternative Bereitstellung auf Basis des Protokolls UPnP (Universal Plug and Play). Der entscheidende Unterschied und Vorteil gegenüber einer Freigabe auf Datei­ebene: Es sind keinerlei Vorkehrungen hinsichtlich Benutzerkonten oder Benutzerrechten notwendig. Die Medien werden per Streaming an den Zielrechner geliefert – dieser kann sie anzeigen oder abspielen, aber nicht verändern.

Banshee-Player mit UPnP-Plug-in: Die Erweiterung muss an dieser Stelle aktiviert werden, damit der Standardplayer von Ubuntu/Mint UPnP-Server erkennt.
Vergrößern Banshee-Player mit UPnP-Plug-in: Die Erweiterung muss an dieser Stelle aktiviert werden, damit der Standardplayer von Ubuntu/Mint UPnP-Server erkennt.

Als UPnP-Server kommen Windows-PCs (via Windows Media Player), NAS-Geräte (via UPnP-Dienst) oder Linux-PCs (via XBMC-Mediencenter oder Mini DLNA) in Betracht. Wenn Sie einen solchen Streaming-Server im Netz betreiben, benötigen Sie auf dem Linux-Rechner nur noch einen UPnP-fähigen Mediaplayer. Der unter aktuellem Ubuntu und Linux Mint standardmäßig installierte Player Banshee bringt diese Eigenschaft mit. Es handelt sich jedoch um ein Plug-in des Players, das Sie erst explizit aktivieren müssen: Unter „Bearbeiten > Einstellungen > Erweiterungen“ finden Sie den Eintrag „UPnP-Client“. Das Plug-in ist nach einem Klick sofort aktiv und sollte wenige Augenblicke später unter „Freigegebene Medien“ alle UPnP-Server auflisten.

Eine immer empfehlenswerte Sy­stem­ergänzung ist der VLC-Player, den Sie über die Paketquellen und den Paketnamen „vlc“ in nahezu jeder Distribution installieren können. Der VLC-Player zeigt UPnP-Server in der linken Seitenleiste im Abschnitt „Lokales Netzwerk“.

UPnP im VLC: Der Videolan-Player zeigt die Medienserver unter „Lokales Netzwerk“. Wenn es keinen UPnP-Server gibt, fehlt der Eintrag „Universal Plug’n’Play“.
Vergrößern UPnP im VLC: Der Videolan-Player zeigt die Medienserver unter „Lokales Netzwerk“. Wenn es keinen UPnP-Server gibt, fehlt der Eintrag „Universal Plug’n’Play“.

Mit einem Doppelklick auf einen Server-Eintrag navigieren Sie in dessen Medien. Der VLC ist meist unentbehrlich aufgrund seiner umfassenden Codecs, seiner Fehlertoleranz und ruckelfreien Stabilität bei Film- und Musikdaten, bietet aber andererseits keine schicke Medienverwaltung.

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