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Das wurde aus den Internet-Giganten von einst

17.03.2016 | 17:15 Uhr |

Früher waren Napster, Real Player und Netscape auf jedem PC präsent. Heute dagegen kennen viele diese Dienste nicht mehr.

Viele wussten überhaupt nicht mehr, dass es den legendären Winamp Media Player noch gab, als die Nachricht von seiner Stilllegung Ende letzten Jahres die Runde machte. Das bringt die Frage auf, was mit den klassischen Webseiten und Programmen wie Winamp geschehen ist, welche zur Jahrtausendwende auf nahezu jedem PC zu finden waren. Microsoft entfernte Clippy (das Office Hilfetool in Form einer hüpfenden Büroklammer, in der deutschen Office-Version als Karl Klammer bezeichnet) zur Freude vieler, aber was geschah mit dem RealPlayer, CompuServe und BonziBuddy? Einige dieser Angebote haben für immer die Server heruntergefahren, aber andere halten sich immer noch. Außerdem finden Sie fast überall noch Spuren von AOL und Yahoo. In diesem Artikel sagen wir Ihnen, was aus vielen bekannten Software- und Internet-Veteranen geworden ist.

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RealPlayer

RealPlayer: Das Gesicht der topaktuellen Medienwiedergabe in den 1990er Jahren.
Vergrößern RealPlayer: Das Gesicht der topaktuellen Medienwiedergabe in den 1990er Jahren.

Wenden wir uns einem zusammen gestückelten Klassiker zu, der immer noch unter uns weilt. Der nervige RealPlayer gab in den späten 1990er Jahren auf PCs rund um die ganze Welt Lieder wieder. Und das hauptsächlich, weil er wie auch Winamp eines der wenigen kostenlosen MP3-Wiedergabetools war.

RealNetworks Media Player ist also immer noch am Leben und das sogar mit Mobile Apps, aber im September distanzierte sich das Unternehmen davon ausschließlich Musik wiederzugeben. Der umgearbeitete RealPlayer Cloud verbindet die Wiedergabe von Medien mit Cloud Storage, wodurch Sie Lieder und Videos kabellos von Gerät zu Gerät übertragen können. Sehen Sie?

Napster

Das Napster-Logo.
Vergrößern Das Napster-Logo.
© Napster

Die Geschichte von RealNetwork ist eng verflochten mit der von Napster, dem Peer-To-Peer Dienst, der einst das File Sharing lostrat und um das Jahr 2000 DIE Quelle für kostenlose Musik aus dem Internet war.

Verärgerte Musiker und deren Anwälte zwangen Napster im Jahr 2001 seinen Dienst dicht zumachen, worauf schnell die Insolvenz folgte. Der Name Napster wechselte anschließend häufig den Besitzer und entwickelte sich letztendlich ironischerweise zu einem Online Musik Store. Im Jahr 2011 kaufte Rhapsody, welches sich im Jahr zuvor von RealNetworks abgespalten hatte, die Marke und stellte Napster in seinen Dienst. Mittlerweile kann man die von Napster legal gestreamte Musik auch im BMW hören, ConnectedDrive macht es möglich.

Netscape Navigator

Netscape Navigator
Vergrößern Netscape Navigator

Der Netscape Navigator war das Fenster zum Internet in den Kindertagen des Webs, noch lange vor dem Microsoft Internet Explorer. Doch wie jeder weiß überholte Microsofts Browser bald den Netscape Navigator und verdrängte ihn vom Markt - Stichwort: Browserkrieg.

AOL schluckte Netscape Communications im Jahr 1998 für 4,2 Milliarden Dollar und brachte immer wieder neue Versionen des legendären Browsers heraus, bis er 2007 endgültig eingestellt wurde . Überreste der Marke Netscape können immer noch auf netscape.aol.com gefunden werden. Außerdem gibt es den bizarren Netscape Internet Dienst , welcher in den USA einen Internetzugang über eine Wählverbindung für 10 Dollar pro Monat gewährt. Heute ist der Browser Netscape Navigator längst vergessen.

Und doch lebt der Browser weiter. Denn Netscape machte kurz vor der Übernahme durch AOL den Navigator-Quellcode als Open Source zugänglich. Daraus entstand das Mozilla Projekt . Und schließlich der kostenlose und quelloffene Firefox-Browser.

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CompuServe

CompuServe stritt in den 1990er Jahren mit AOL und Prodigy um das Recht für die Nutzung der Telefon-Leitungen für die Verbindung zum Internet. AOL setzte sich schließlich durch und kaufte CompuServe um die Jahrhundertwende herum. AOL ließ seinen früheren Rivalen allerdings bis 2009 weitermachen. Der Erfolg der Breitbandverbindungen beendete schließlich die Ära von CompuServe Classic.

Das bedeutet allerdings ähnlich wie bei Netscape nicht, dass CompuServe Geschichte ist. AOL hält die „ CompuServe Interactive Services “ am Laufen. Passenderweise hat die verkümmerte Seite von CompuServe eine Pop-Up-Newsbox, welche von Netscape und netscape.compuserve.com betrieben wird. Mit diesen merkwürdigen Internet-Wählverbindungsdiensten machte AOL allein im letzten Quartal 200 Millionen Dollar Gewinn.

AltaVista und GeoCities

GeoCities
Vergrößern GeoCities

AltaVista und GeoCities waren zu AOLs großer Zeit das Gleiche wie heute Google und WordPress. Zumindest bevor die beiden Firmen für viel Geld von Yahoo gekauft wurden. Allerdings half das ganze Geld nicht die beiden Internetseiten zu retten. Yahoo fuhr GeoCities 2009 herunter, wogegen AltaVista bis Juli 2013 überdauerte.

AltaVista zu seiner Blütezeit!
Vergrößern AltaVista zu seiner Blütezeit!

AltaVistas Seite leitet auf die Yahoo-Suche weiter. Auf „ One Terabyte of Kilobyte Age Photo Op “ finden Sie einige zufällig erstellte Screenshots Geocities-Seiten.

BonziBuddy

BonziBuddy eigentlich nicht mehr als ein lila, anstupsbarer, Scherze aufsagender Gorilla, aber genau das ließ den Computer zu dieser Zeit magisch erscheinen.

Leider verbirgt der fröhliche lila Gorilla ein düsteres Geheimnis.
Vergrößern Leider verbirgt der fröhliche lila Gorilla ein düsteres Geheimnis.

Unglücklicherweise steckte hinter der sorglosen, fröhlichen Fassade ein düsteres Geheimnis. Neben all den Scherzen und interessanten Fakten war BonziBuddy leider auch noch eine Adware- und Spyware-Schleuder und zwar eine von der Sorte, die Ihre Internet-Explorer-Startseite übernehmen konnte und dergleichen . Die Hersteller begannen die Installation von BonziBuddy zu unterbinden und 2004 verhängte die FTC (Federal Trade Commisssion) gegen das Unternehmen eine  Geldstrafe in Höhe von 75.000 Dollar, weil der Gorilla Daten von Minderjährigen gesammelt hatte. Kurz darauf gab es den lila Gorilla nicht mehr.

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Web TV

Lange vor Netflix und Smart TV-Geräten schuf sich Web TV eine Nische mit Hilfe eines Kastens, der das Internet auf Ihren Fernseher brachte und das alles mit einem Web Browser, einem 33,3-kbps Modem und einer passenden Tastatur. Weniger als ein halbes Jahr nach dem Start im September 1996 kaufte Microsoft das Unternehmen für eine halbe Millionen Dollar.

Das Konzept setzte sich aber nie durch. Microsoft nannte Web TV, wenige Monate vor dem Erscheinen der ersten Xbox 2001, zu MSN TV um. Im Juli 2013 kündigte Microsoft an, MSN TV komplett aufzulösen. Kurz nachdem Microsoft die Xbox One mit ihren vielen TV-freundlichen Funktionen enthüllte. Die Ankündigung erschien am gleichen Tag, als Yahoo die Auflösung von AltaVista bekanntgab. MSN TV wurde endgültig am 30. September herunter gefahren.

Web TV in früheren Jahren.
Vergrößern Web TV in früheren Jahren.

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation PC-World.

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