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Das steckt in der AMD Radeon HD 7990

24.04.2013 | 13:33 Uhr |

Gut 900 Euro behalten oder sich eine Grafikkarte kaufen: Die absolute Oberklasse im Grafikbereich ist den teuren Dual-GPU-Grafikkarten vorbehalten, die nur so von Grafik-Power strotzen. Wir haben uns die Technik der AMD Radeon HD 7990 genauer angesehen.

Besonders Gamer hatten es in letzter Zeit besonders leicht, sich für Grafikkarten und Prozessoren von AMD zu begeistern: Mit der Aktion " Never Settle " bündelt der Chip-Hersteller den Großteil seiner Grafikkarten mit mindestens einem hochkarätigen Spiel (Far Cry 3), ab der Radeon HD 7900 gibt es gleich drei Titel kostenlos dazu.

Zurzeit munkeln einige Internetseiten, dass künftige Bundles auch das brandneue Battlefield 4 enthalten könnten. Selbst bestimmte grafikbeschleunigten Prozessoren, die sogenannten APUs (Accelerated Processing Unit), kommen mit einem Downloadcode für die Vollversion des neusten Sim City . Ein echtes Novum im CPU-Bereich.

Nachdem der Chip-Hersteller seine Mittelklasse mit der Radeon HD 7790 verstärkte und mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis glänzt, schießt AMD nun in in der absoluten Oberklasse nach. Die AMD Radeon HD 7990 ist die offizielle Dual-GPU-Grafikkarte, die Nvidias Pendant vom Grafik-Thron blasen soll. In diesem Ratgeber beleuchten wir die Technik und zeigen anhand der Ergebnisse unserer Schwester-Publikation Gamestar , wie die Karte in der Praxis abschneidet.

Dual-GPU-Grafikkarten: zwei GPUs, doppelt so teuer

Dual-GPU-Grafikkarten: Extrem gut, aber extrem teuer.
Vergrößern Dual-GPU-Grafikkarten: Extrem gut, aber extrem teuer.
© AMD

Dual-GPU-Grafikkarten sind eine Klasse für sich, denn sie sind extrem teuer, extrem stromhungrig, dafür aber auch extrem leistungsfähig. Ein Preis von rund 1000 Euro ist in der Gattung dieser Nobel-Grafikkarten keine Seltenheit. Nvidia launchte die Dual-Kepler-Karte Geforce GTX 690 bereits Anfang Mai 2012. AMD dagegen zieht mit seiner Version erst heute nach - knapp 1 Jahr später als der Konkurrent.

Den Boardpartnern wie Asus, Powercolor und Club 3D hat das allerdings zu lang gedauert, weshalb sie eigene Dual-GPU-Grafikkarten vorstellten: die Ares II , Devil 13 und Radeon HD 7990 Dual GPU. Die sündhaften teuren Custom-Designs vereinen zwei Tahiti-XT2-GPUs der Radeon HD 7970 GHz-Edition auf einer Platine. Die teuerste Eigenkreation ist die von Asus: limitiert auf 999 Exemplare empfiehlt der Hersteller einen Verkaufspreis von happigen 1411 Euro!

AMD Radeon HD 7990: technische Machtdemonstration

Die 7990 protzt mit technischen Daten.
Vergrößern Die 7990 protzt mit technischen Daten.
© AMD

Intern führte AMD die Grafikkarte unter dem Codenamen Malta. Allzu groß fällt der Unterschied zu den bereits erschienen Custom-Designs nicht aus, denn auch bei der offiziellen 7990 sorgen weiterhin zwei Tahiti-XT2-GPUs aus dem 28-Nanometer-Verfahren für die Grafikberechnung. Trotz allem sind die technischen Daten beeindruckend: Die Kombination kommt auf 8,6 Milliarden Transistoren, 4096 Shader-Einheiten und dicke 6 GB Videospeicher. Der Chiptakt der Grafikprozessoren beläuft sich standarmäßig auf 950 MHz, bei großer Last erhöht er sich sogar auf 1 GHz dank des Features "Powertune with Boost". Der physikalische Speichertakt arbeitet mit 1500 MHz, die Speicherinterfaces der beiden Chips sind je 384 Bit breit.

Von den Daten her schlägt die 7990 eine Geforce GTX 690, wie es aber um die Leistung beschaffen ist, steht auf einem anderen Blatt. In folgender Tabelle haben wir die vier Referenz-Grafikkarten der Oberklasse gegenübergestellt. Besonders beim Speicher setzt AMD auf große Kapazität und breite Interfaces - optimal, wenn Sie in extrem hohen Auflösungen respektive auf mehreren Monitoren spielen möchten.

Technische Daten im Vergleich: Referenz-Grafikkarten der Oberklasse

AMD Radeon HD 7990

Nvidia Geforce GTX 690

Nvidia Geforce GTX Titan

Nvidia Radeon HD 7970 GHz

Nvidia Geforce GTX 680

Grafikchip

2x Tahiti XT2

2x GK104

GK110

Tahiti XT2

GK104

Fertigung

28nm

28nm

28nm

28nm

28nm

Chiptakt

950 MHz

915 MHz

837 MHz

1.000 MHz

1006 MHz

Shader-Einheiten

4096

2x 1536

2688

2048

1536

Textur-Einheiten

2x 128

2x 128

224

128

128

GDDR5-Speicher

2x 3072 MB

2x 22048 MB

6144 MB

3072 MB

2048 MB

Speichertakt (physikalisch)

1502 MHz

1502 MHz

1502 MHz

1500 MHz

1502 MHz

Speichertakt (effektiv)

6000 MHz

6000 MHz

6008 MHz

6000 MHz

6000 MHz

Speicheranbindung

2x 384 Bit

2x 256 Bit

384 Bit

384 Bit

256 Bit

Speicherbandbreite

2x 288 GB/s

2x 192 GB/s

288 GB/s

288 GB/s

192 GB/s

Stromverbrauch Volllast (TDP)

375 Watt

300 Watt

250 Watt

250 Watt

195 Watt

Stromverbrauch Leerlauf (TDP)

15 Watt

15 Watt

15 Watt

15 Watt

15 Watt

Preis

1000 Euro

870 Euro

950 Euro

390 Euro

500 Euro

Zero-Core: Stromsparen bei geringer Auslastung

Zerocore kann die zweite GPU abschalten, um Strom zu sparen.
Vergrößern Zerocore kann die zweite GPU abschalten, um Strom zu sparen.
© AMD

Wenn Sie sich zu dem elitären Kreis zählen dürfen, der sich eine Dual-GPU-Grafikkarte leisten kann, der steht vor dem Problem der horrenden Leistungsaufnahme der Grafik-Boliden. Selbst wenn Sie nur im Internet surfen wollen oder ein Video ansehen, die beiden GPUs arbeiten unnötigerweise mit, obwohl die brachiale Grafikpower bei diesen Tätigkeiten völlig Fehl am Platz ist. Bei der 7990 ist genau das aber nicht der Fall: Die Technik "Zero Core" schaltet den zweiten Grafikchip komplett ab, wenn die Auslastung des Systems gering ist. Eine kluge Entscheidung, allerdings nicht so ganz neu: Bei den hauseigenen Grafikkarten gibt es bereits Zerocore, wenn auch nur für einen Verbund von zwei oder mehreren Grafikkarten über Crossfire. Hier schaltet die Technik gleich die ganze unnötige Grafikkarte ab.

Schnittstellen und Lieferumfang: acht Spiele im Gepäck

Der Lieferumfang an Spielen ist beeindruckend.
Vergrößern Der Lieferumfang an Spielen ist beeindruckend.
© AMD

An Schnittstellen stehen Ihnen vier Mini-Displayports und einmal DVI zur Verfügung, die Karte kann also ohne Probleme fünf Monitore parallel ansteuern. Uns erschließt sich allerdings nicht, warum es "nur" fünf sind, denn mit Eyefinity 2.0 sind sogar sechs Monitore möglich. Zumindest bei den Modellen der Boardpartner ist das kein Problem. Protzig fällt dafür der Lieferumfang aus, denn der Käufer erhält gleich acht Spiele: Far Cry 3 , Far Cry 3: Blood Dragon, Crysis 3, Bioshock Infinite, Tomb Raider, Hitman: Absolution, Sleeping Dogs und Deus Ex: Human Revolution. Dieser Zusatz allein ist mehrere hundert Euro wert und zeigt, dass in Sachen Bundles AMD aktuell niemand das Wasser reichen kann.

Leistungscheck in Spielen: Hier bremst die CPU

Unsere Schwester Gamestar hat die AMD Radeon HD 7990 durch die verschiedensten Spiele-Tests gejagt, nicht nur unter mehreren Auflösungen, sondern auch mit unterschiedlich ausgeprägter Kantenglättung. Insbesondere der Vergleich zur GTX 690 von Nvidia darf natürlich nicht fehlen. In folgender Tabelle haben wir einige Ergebnisse der Gamestar aufgelistet.

Spiele-Test in Bilder pro Sekunde: ohne aktivierter Kantenglättung, 1920 x 1080 Pixel, maximale Details

Grafikkarte

Anno 2070

Battlefield 3

Crysis 2

Dirt 3

Metro 2033

Nvidia Geforce GTX 690

110

127

117

148

68

AMD Radeon HD 7990

77

81

93

139

83

Bei den Spiele-Tests ohne aktivierter Kantenglättung bleibt die GTX 690 in fast allen Spielen der Leistungskönig. AMD selbst sieht den Grund beim Desktop-Prozessor. Allein die Koordination von zwei GPUs lässt den zusätzlichen Rechenaufwand in Höhen schnellen, die die Leistung der AMD-Grafikkarte negativ beinträchtigt. Es bleibt aber dennoch eine Sache anzumerken: Eine GTX 690 steht vor dem gleichen Problem, lässt sich aber offensichtlich nicht derart stark beeinflussen. Stellenweise bricht die Leistung der 7990 so stark ein, dass sie sich sogar hinter Singlecore-Grafikkarten aus dem eigenen Haus einreihen muss. Es bleibt abzuwarten, ob ein aktualisierter Treiber sich diesem Problem annimmt.

So tunen Sie Ihre AMD-Radeon-Grafikkarte

Leistung bei aktivierter Kantenglättung

Bei aktivierter vierfacher Kantenglättung und achtfacher anisotropischer Filterung wendet sich das Blatt jedoch deutlich. Die eigenen Grafikkarten liegen in weiter Entfernung, die GTX 690 muss sich nun öfters der Performance der 7990 geschlagen geben. Hier zeigt sich auch wieder das hohe Leistungsniveau der Doppel-Grafikkarte, denn trotz der gestiegenen Ansprüche bewältigt sie alle Spiele mit nur minimal geringeren Bildraten als bei deaktivierter Kantenglättung.

Spiele-Test in Bilder pro Sekunde: vierfache Kantenglättung, achtfache anisotropische Filterung in 1920 x 1080 Pixel, maximale Details

Grafikkarte

Anno 2070

Battlefield 3

Crysis 2

Dirt 3

Metro 2033

Nvidia Geforce GTX 690

108

105

111

147

53

AMD Radeon HD 7990

76

81

90

132

80

Umwelt-Eigenschaften:

Zwei achtpolige PCI-Stecker sind für den Betrieb nötig.
Vergrößern Zwei achtpolige PCI-Stecker sind für den Betrieb nötig.
© AMD

Referenz-Designs genießen einen eher mäßigen Ruf, wenn es um die Lautstärke und Kühlleistung geht. AMD will hier einen Schlußstrich ziehen und schon ab Werk ein effizientes Design anbieten. Gleich drei Lüfter sollen nicht nur leise, sondern auch standesgemäß die beiden Chips kühlen.

Wie die Gamestar herausgefunden hat, entspricht das nur teilweise der Wahrheit: Bei voller Auslastung drehen die Lüfter auf sehr laute 5,3 Sone hoch. Zwar schafft es der Hersteller, dass uns das Geräusch dank des Propeller-Designs nicht derart aufdringlich erscheint wie bei anderen Karten. Dennoch ist die 7990 damit deutlich hörbar, selbst in einem geschlossenen Gehäuse. Mit 0,4 Sone im herkömmlichen Desktop-Betrieb ist die Karte kaum hörbar - sehr schön.

Mit der Testplattform unserer Schwester-Publikation klettert der Stromverbrauch bei voller Auslastung auf 525 Watt und übertrifft damit auch eine GTX 690, die 432 Watt saugt. Damit reiht sich die 7990 in die Riege der Stromfresser ein, in dieser Leistungsklasse ist das aber keine Überraschung. Die Betriebstemperaturen sind laut unserer Schwester auf einem erfreulich niedrigen Niveau, 72 Grad Celsius messen unsere Kollegen maximal.

Wir hoffen, dass AMD bald einen aktuellen Treiber veröffentlicht.
Vergrößern Wir hoffen, dass AMD bald einen aktuellen Treiber veröffentlicht.
© AMD

Unser Vorab-Fazit zur AMD Radeon HD 7990

Mangels eines eigenen Tests können wir die AMD Radeon HD 7990 nicht auf die GPGPU- und Multimedia-Leistung prüfen. Doch bei der Spiele-Leistung wagen wir aufgrund der Test-Ergebnisse unserer Kollegen von der Gamestar ein vorläufiges Fazit: Die 7990 kommt mit starken Eigenschaften wie exzellenten technischen Daten und einem überaus üppigen Spielepaket von gleich acht Spielen. Doch durchweg schlagen kann sie eine Nvidia Geforce GTX 690 wohl nicht. Auch die Lüfter rauschen zu laut, was uns zumindest nicht überrascht. Doch im Hinblick auf die vollmundigen Behauptungen seitens AMD ist dieser Umstand umso auffälliger. Wer so viel Leistung wirklich braucht, hat auch meistens das Geld, um sich solche überteuerten Grafikkarten zu leisten. Wir hoffen, dass AMD bald einen aktualisierten Treiber veröffentlicht.

Direkt zum Test auf GameStar.de

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