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(Update) Das steckt hinter Mantle von AMD

03.02.2014 | 15:55 Uhr |

AMD hat heute formell die Grafik-Schnittstelle Mantle vorgestellt, bei der es sich um eine "Low-Level-API" handelt, die vorhandene Hardware effektiver nutzt und somit kompatiblen Spielen einen Leistungsschub verpassen soll. Gleichzeitig soll sich die Programmierung und Portierung von PC- und Konsolenspielen vereinfachen.

Microsofts DirectX ist für PC-Spieler die Schnittstelle, wenn es um Grafikdarstellung in Spielen geht. Doch nun schickt sich Chip-Hersteller AMD an, den Platzhirschen vom Thron zu stoßen: „Mantle“ ist der Name der selbst entwickelten Low-Level-API und es will die Spielebranche revolutionieren. Seit heute, dem 30. Januar 2014 ist Mantle endlich verfügbar und wir werfen einen etwas genaueren Blick auf die neue Technik.

Update vom 3. Februar 2014: Endlich Praxis-Tests!

Wir haben mittlerweile den Beta-Treiber Catalyst 14.1 installieren können und haben die Spiele Battlefield 4 und Starswarm mit der Mantle-API testen können. Die Ergebnisse haben wir im unteren Teil dieses Artikels für Sie festgehalten.

Was ist überhaupt AMDs „Mantle“?

Klären wir vorab zuerst einmal, was Mantle überhaupt ist und warum AMD so kräftig am Marketing-Baum rüttelt: Bei Mantle handelt es sich um eine Programmierschnittstelle für Grafikeffekte, vom Prinzip her erfüllt es also die gleiche Funktion wie DirectX. Allerdings soll sich AMDs Schnittstelle grundlegend von der Herangehensweise des bisherigen Branchenprimus unterscheiden.

AMD erläutert die Vorteile von Mantle.
Vergrößern AMD erläutert die Vorteile von Mantle.
© AMD

Denn bei Mantle handelt es sich um eine sogenannte „Low-Level-API“ (Application Programming Interface), die die verfügbare Hardware, also primär Grafikkarte und Prozessor, direkter ansprechen kann. Auf diese Weise verspricht AMD eine deutlich effektivere Nutzung der Komponenten und somit eine bessere Performance in Anwendungen – hauptsächlich natürlich in Spielen. In Spielekonsolen ist diese Technik bereits seit vielen Jahren gang und gäbe.

Apropos Konsolen: AMD Mantle will ebenfalls dafür stehen, die Unterschiede bei der Spieleprogrammierung für PCs und Konsolen massiv zu vereinfachen. Games sollen dann so geschmeidig und effektreich laufen wie es vom Entwickler gedacht ist, egal ob auf der Wohnzimmercouch vor dem TV-Bildschirm oder am Schreibtisch neben dem Desktoprechner. Übrigens zeichnet sich nicht nur AMD alleinverantwortlich für Mantle: Der Hersteller arbeitete eng zusammen mit großen Spielestudios wie Dice (Battlefield) und Oxide Games.

Mantle setzt drei Komponenten voraus

Damit Mantle vollständig zum Tragen kommt, setzt es drei wichtige Komponenten voraus. Als erstes installiert sich Mantle im AMD-Catalyst-Treiber, um ohne Umwege mit der Grafikkarte zu kommunizieren. Als zweites ist – wohl kaum eine Überraschung – eine AMD-Grafikkarte mit einem Grafikchip der GNC-Architektur (Graphics Next Core) vonnöten, das heißt ein Modell aus der Radeon-HD-7000-Serie oder der aktuellen R9- oder R7-Reihe. Dritte und letzte Voraussetzung ist eine Anwendung respektive ein Spiel, das kompatibel mit Mantle ist. Meist ist eine nachträgliche Kompatibilität sogar mit Hilfe eines Patches möglich, wie wir aktuell am Beispiel von Battlefield 4 sehen.

Via Origin steht nun ein 1,23 GB schwerer Patch für Battlefield 4 zur Verfügung, der den Shooter unter anderem auch auf die Mantle-Schnittstelle trimmt. Fast zeitgleich wollte AMD den neusten Beta-Treiber „Catalyst 14.1“ veröffentlichen, der nun allerdings auf sich warten lässt, da sich nach Herstellerangaben ein Fehler in die Software hineingeschlichen hat. Zu gegebener Zeit reichen wir einen Test nach, bis dahin versorgen wir Sie in folgender Tabelle mit Angaben des Herstellers, wie der Einsatz von Mantle die Praxis-Leistung verändert.

Leistungssteigerung in Prozent durch AMD Mantle

Test-Plattform

Battlefield 4 (Ultra-Einstellungen)

StarSwarm (Ultra-Einstellungen)

AMD A10-7700K & AMD Radeon R9 290X

40,9 % (1080p) / 40,1 % (1600p)

319 % (1080p) / 281 % (1600p)

Intel Core i7-4960X & AMD Radeon R7 260X

2,7 % (1080p) / 1,4 % (1600p)

5,1 % (1080p) / 16,7 % (1600p)

Update vom 3. Februar 2014: Spiele-Tests mit AMD Mantle

Mit einigen Tagen Verspätung hat AMD endlich den Beta-Catalyst-Treiber mit der Versionsnummer 14.1 veröffentlicht. Diese bringt unter anderem auch die Unterstützung für Mantle mit. Deshalb haben wir gleich Battlefield 4 und das Weltraumspiel "StarSwarm" jeweils über die DirectX-API "Direct3D" und über Mantle.

Zu unserem Testsystem : Wir verwenden einen auf 4,5 GHz übertakteten Intel Core i7-4960X, eine HIS Radeon R9 260X IceQ X2 nebst 16 GB DDR3-2133 Arbeitsspeicher der XPG-Serie von ADATA. Wir spielen eine fünfminütige Multiplayer-Partie Battlefield 4 mit den Vorsteinstellungen "Ultra" in der Full-HD-Auflösung: Mit der DirectX-Schnittstelle messen wir im Durchschnitt fast flüssige 34 Bilder pro Sekunde. Mit aktiviertem Mantle kommen wir tatsächlich auf eine etwas bessere Bildrate von 35. Mangels Zeit und einer geeigneten Grafikkarte legen wir bald einen Test mit mehreren Grafikkarten nach.

Der Benchmark im Spiel Starswarm ist für den hauptberuflichen Tester durchaus komfortabler, denn der Test ist bereits vorgefertigt und gibt uns übersichtlich die Ergebnisse als Textdatei aus. Auch hier kommen wir im Szenario "Follow" und den Voreinstellungen "Extreme" via Direct3D auf rund 25 Bilder pro Sekunde. Über Mantle kommen wir hier auf rund 30 Bilder in der Sekunde, was eine Steigerung von 20 Prozent gleichkommt. 

Vorab-Fazit zu Mantle von AMD

Aufgrund des aktuellen Entwicklungsstadiums von Mantle wäre es eindeutig zu früh, um ein definitives Urteil abzugeben. Doch bisher hinterlässt die AMD-Grafikschnittstelle einen guten Eindruck: In der Praxis erhalten wir teils deutlich bessere Bildraten weshalb wir gespannt sind, wie die Entwicklung der Spiele und der Treiber in der Zukunft ausfällt. Denn besonders in Bereichen, in der die CPU der leistungshemmende Flaschenhals ist, kann Mantle seine Stärken besonders gut ausspielen.

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