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Das bringt das neue Ubuntu 14.04 LTS

02.07.2014 | 09:09 Uhr |

Die Ubuntu-Version 14.04 markiert den letzten Akt in einem Entwicklungszyklus: Ubuntu steht vor großen Änderungen, zeigt sich aber in der vorliegenden Version mit Langzeit-Support noch einmal von einer soliden, gewohnten Seite.

Bei LTS-Versionen von Ubuntu geht es nicht um bahnbrechende Neuerungen, sondern um Stabilität und Konsolidierung vorhandener Komponenten. Das gilt auch für das neue Ubuntu 14.04 LTS . Für Umwälzungen sind die halbjährlich erscheinenden Zwischenversionen reserviert, und für 14.10 hat sich Canonical vorgenommen, den lange angekündigten, aber immer wieder verschobenen Schritt zum Smartphone-tauglichen Unity 8 mit dem neuen Display-Server Mir zu machen. Ubuntu 14.04 LTS „Trusty Tahr“ ist damit das letzte Ubuntu vor dem Abschied vom traditionellen PC-Desktop – es ist allerdings ein langer Abschied, denn diese Version bekommt die nächsten fünf Jahre Updates. Außerdem sind vier Veröffentlichungen mit runderneuerten Installationsmedien im Jahresrhythmus geplant (mit den Versionsnummern 14.04.1 bis 14.04.4).

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 4/2014

Das neue Ubuntu LTS, der große Desktop-Guide, Ihre Festplatte 20 x schneller, Linux statt Windows XP - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 4/2014 .

Diese Ubuntu-Linux-Varianten gibt es

Der letzte Schliff für Unity 7

Ubuntu 14.04 LTS wird auf dem PC das Aussehen des herkömmlichen Linux- Desktops dieser Distribution für die nächsten Jahre definieren. Und am Feinschliff mangelt es dort nicht, obwohl es sich weiterhin um Unity 7 handelt. Der Gnome-Unterbau wurde auf 3.10 aktualisiert, und um die Titelleisten der Programmfenster kümmert sich jetzt das Gnome-Toolkit GTK3 und mehr nicht Compiz. Das hat zur Folge, dass Fenster nun flotter reagieren, ferner ohne Rahmen und dafür mit weicheren Kanten dargestellt werden. Eine Alternative zum globalen App-Menü in Form eines Fenstermenüs bietet Unity jetzt über „Systemeinstellungen > Darstellung > Verhalten“. Ist die Option „In der Titelleiste des Fensters“ aktiviert, so zeigt sie das jeweilige Anwendungsmenü eines Programms in dessen Titelleiste beim Darüberfahren mit der Maus. Das ist ein Kompromiss zwischen herkömmlichem Desktop und platzsparenden Fenstern. Ein neues Problem entsteht aber dadurch, dass die Menüleiste in der normalen Ansicht zu gründlich versteckt ist.

In der Dash-Übersichtsseite, die als Programmstarter und Suchwerkzeug dient, sind weiterhin die Suchergebnisse mit Produktempfehlungen von Amazon verknüpft. Im Zuge einer Werbepartnerschaft leitet ein „Scope“, also ein optionaler Suchfilter der Dash, Benutzereingaben anonym an den Online-Shop weiter. Die Partneraktion erntete schon bei ihrem Debüt in Ubuntu 13.04 harsche Kritik und soll erst ab Ubuntu 14.10 per Standardeinstellung ausgeschaltet sein. Nach wie vor obliegt es den Anwendern, die Amazon-Empfehlungen in den Scopes selbst abzuschalten. In der Dash klicken Sie dazu ganz unten auf das A-Symbol (zweites Symbol von links) und dann auf „Dash-Erweiterungen > Amazon > Deaktivieren“.

Vorsichtiges Comeback: Das Anwendungsmenü ist zurück in den Programmfenstern. Allerdings zeigt es sich erst, wenn die Maus über die Titelleiste eines Fensters fährt.
Vergrößern Vorsichtiges Comeback: Das Anwendungsmenü ist zurück in den Programmfenstern. Allerdings zeigt es sich erst, wenn die Maus über die Titelleiste eines Fensters fährt.

Aktualisierte Software-Versionen

Erfreulich aktuell für eine LTS-Version, die auch auf Firmen-Desktops laufen wird, ist eine recht aktuelle Kernel- Version (3.13). Ubuntu hat mit dem Kernel-Team um Linus Torvalds die Übereinkunft getroffen, dass Canonical mit seinen Entwicklern die Pflege dieses Kernels für fünf Jahre übernimmt, da diese Version kein offizieller Langzeit-Kernel ist. Das Büropaket Libre Office wird in Version 4.2.3 vorinstalliert. Firefox wurde auf Version 28 gehievt und Thunderbird auf Version 24.4. Für eine Installation im Uefi-Modus ist es nötig, die ISO-Datei des 64-Bit-Ubuntu auf eine DVD zu brennen oder mit Unetbootin einen USB-Stick zu erstellen.

Ende der Canonical-Cloud: Kein Ubuntu One

Nach fünf Jahren Betrieb hat Canonical hat die Schließung seines Cloud- Dienstes „Ubuntu One“ zum 1. Juni 2014 angekündigt. Ein kostenloses Konto bei Ubuntu One verfügte über 5 GB, zahlende Kunden erhielten bis zu 50 GB Speicherplatz. Andere Cloud- Dienste können ein Vielfaches davon anbieten, und Canonicals Angebot erschien trotz guter Integration in Ubuntu und andere Linux-Distributionen nicht attraktiv genug, um rentabel zu sein. Die Komponenten von Ubuntu One wurden bereits aus Ubuntu 14.04 entfernt, und auch der Installer bietet die Anmeldung nicht mehr an. Anwender haben noch bis zu 31. Juni Zeit, ihre Daten von den Servern zu holen. Nicht betroffen von der Schließung sind der „Ubuntu One Single- Sign-On-Service“, der Ubuntu-One-Zahlungsdienst.

Das Ende von Ubuntu One führt im Ubuntu Software-Center zu Unklarheiten in der Bedienerführung. Die schlägt ausgerechnet bei der Killer-Applikation „Steam“ zu, wegen der viele Einsteiger Ubuntu 14.04 LTS installieren werden: Beim Klick auf „Steam- Launcher“ heißt es dort „Kaufen“. Dies ist bereits ein Schönheitsfehler, da Steam kostenfrei ist. Ein Klick darauf öffnet den Log-in für den Ubuntu One Single-Sign-On-Service. und erst nach der Anmeldung geht es zur Installation von Steam. Dieser Weg ist in Ubuntu zu lang und zu umständlich, zumal sich Steam in der Kommandozeile mit APT vergleichsweise einfach mit dem Kommandozeilenbefehl

sudo apt-get install lib32z1  lib32ncurses5 lib32bz2-1.0 steam  

installieren lässt.

Dualboot von Windows und Ubuntu

Macht Dampf: Die Spiele-Schmiede Valve empfiehlt Linux- Anwendern und Umsteigern Ubuntu 14.04 LTS. Ausgerechnet hier ist die Steam-Installation im Software-Center aber unnötig kompliziert.
Vergrößern Macht Dampf: Die Spiele-Schmiede Valve empfiehlt Linux- Anwendern und Umsteigern Ubuntu 14.04 LTS. Ausgerechnet hier ist die Steam-Installation im Software-Center aber unnötig kompliziert.

Fazit: Brav, aber unspektakulär

Ubuntu 14.04 LTS ist mit der aufgefrischten Software, der Kernel-Version und natürlich wegen des Langzeit-Supports bis April 2019 ein Pflicht-Upgrade für Ubuntu-Anwender.

Spektakuläre Veränderungen gibt es keine, aber ganz untypische Nachlässigkeiten beim Installer, der teilweise in Englisch vorliegt und keine Luksverschlüsselten Partitionen einbinden kann. Auch die unbedachte Präsentation von Steam im Ubuntu Software-Center lässt darauf schließen, dass die Entwickler schon alle Aufmerksamkeit dem nächsten Ubuntu und Unity 8 widmen, das die Konvergenz zwischen Smartphone, Tablet und PC herstellen soll.

Eine andere verpasste Chance sind die Eigenheiten des Unity-Desktops, der diese Hauptversion von Ubuntu nicht zum idealen System für Umsteiger von Windows XP macht. Denn der Verzicht auf ein traditionelles Anwendungsmenü mit allen installierten Programmen in einer Übersicht macht die erste Orientierung auf dem System unnötig kompliziert. Wer von Windows kommt, wird sich mit den Ubuntu-Derivaten Kubuntu, Xubuntu und Lubuntu leichter tun, wobei die beiden letztgenannten lediglich drei Jahre Support erhalten.

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