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Das bietet VW in Sachen Internet und Multimedia

24.05.2013 | 11:12 Uhr |

Was bietet Volkswagen in Sachen Internet und Multimedia in seinen Fahrzeugen an? Wir stellen die Radio-, Navigations- und Internet-Lösungen der Wolfsburger vor.

Mit den wachsenden Möglichkeiten zu Kommunikation, Information und Unterhaltung im Gefolge von Smartphone und App verlangen Autokunden immer lauter nach der Verschmelzung der Technologien für „unterwegs“ und „daheim“. Folgerichtig hat die Autoindustrie darauf reagiert und bietet inzwischen umfassende Lösungen zu Internetanbindung und Infotainment an.

Volkswagen macht hier keine Ausnahme. Der Konzern setzt wie bei Karosserie- und Motorentwicklung auf markenübergreifende Standardisierung und eine modulare Lösungsstrategie.

Überblick: Internet, Konnektivität und Infotainment im Auto

Schaltzentrale für die Intelligenz im VW ist der völlig neu konstruierte so genannte Modulare Infotainment Baukasten (MIB), der zuerst bei Audi (im A3) und nun auch bei VW (Golf VII) eingeführt wurde. Dr. Volkmar Tanneberger, Leiter Elektrik-/Elektronik-Entwicklung bei VW, feiert die neue Technologieplattform als Meilenstein: „Der MIB ist die konsequente Anwendung der Modul- und Baukastenstrategie auf das Infotainment. Er bringt … modernste Radio-, Navigations- und Internettechnologie ins Fahrzeug. Die Konzernmarken werden, beginnend mit dem neuen Golf und dem neuen A3, diese neueste Technologie einsetzen, die die Merkmale moderner Smartphone-Nutzung im Fahrzeug integriert und somit Gewohntes und Bewährtes mit neuester Technologie kombiniert.“ Soweit der euphorische Werbetext von Volkswagen. Doch was hat denn nun auf sich mit diesem Baukasten?

Was ist dran am Baukasten?

Die Baukastenphilosophie hat eine Reihe von Vorteilen sowohl für den Konzern als auch für den Anwender. Zunächst lassen sich damit markenübergreifend Neuentwicklungen integrieren und auf Fahrzeugtypen und -varianten verteilen. Das spart dem Konzern Geld und erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit bei der Einführung neuer Technologien, Volkswagen kann damit schneller und flexibler auf neue Kundenbedürfnisse reagieren.

Radio Composition Media Screen: Fahrzeugstatus wird angezeigt.
Vergrößern Radio Composition Media Screen: Fahrzeugstatus wird angezeigt.
© Volkswagen

Darüber hinaus bietet das Modulkonzept die beste Voraussetzung um mit den extrem kurzen Innovationszyklen auf dem Infotainment- und Connectivity-Sektor Schritt zu halten. Wie der Siegeszug des iPhone deutlich gezeigt hat, können Technologiesprünge die ITK-Landschaft und das Kundenverhalten quasi über Nacht grundlegend verändern. Volkswagen kann davon ein Lied singen: Im Jahr 2007 stellt Apple das iPhone vor, das binnen weniger Monate unsere Vorstellungen vom Smartphone veränderte. Damit verbunden war der Niedergang etablierter Handy-Giganten wie Nokia. Volkswagen konnte auf diese erdrutschartige Verschiebung auf dem Mobiltelefonmarkt aber nicht schnell genug reagieren. Und verkaufte weiterhin Fahrzeuge wie den T5 Multivan mit einer werksseitigen Handyvorbereitung, die für klassische Nokia-Handys gedacht und inkompatibel zu iPhone und Android-Smartphones war.

BMW ConnectedDrive bringt Internet und Multimedia ins Auto

Entsprechend will man künftig bei VW auf alle Neuerungen vorbereitet sein: Zusatzfunktionen oder Updates lassen sich so schnell in die einzelnen Bausteine integrieren.

Was ist drin im Baukasten?

Die neuen Golf-Modelle sind serienmäßig mit einem 5 Zoll-Schwarz-Weiß-Touchscreen ausgerüstet, der die verschiedensten Fahrzeugparameter anzeigt. Sonderausstattungen bieten 5,8- und 8 Zoll-Displays. Über diese Bildschirme wird das Infotainment-Geschehen im Golf gesteuert.

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Wie wir es von Lego her kennen, besteht auch der MIB aus einem Grundbaukasten („Composition Touch“) und mehreren optionalen Aufbaumodulen („Composition Colour“, „Composition Media“, „Discover Media“ und „Discover Pro“).

Radio Composition Media Screen
Vergrößern Radio Composition Media Screen
© Volkswagen

Infotainment-Einsteigerklasse: „Radio Composition Touch“ und „Radio Composition Colour“

Die beiden ersten MIB-Elemente nennen sich „Radio Composition Touch“ und „Radio Composition Colour“. Sie nutzen beide 5-Zoll-Displays.

Serienmäßig ab dem Golf in der Ausstattungslinie Comfortline und sonst optional (Aufpreis: 410 Euro) erhältlich ist „Composition Touch“ . Links und rechts vom Schwarz-Weiß-Touchscreen liegen bei dieser Variante jeweils drei Tasten, mit denen sich die verschiedenen Menüs oder Funktionen, wie Radio oder Fahrzeugdaten, aufrufen lassen. Zur Ausstattung gehören auch eine AUX-IN-Schnittstelle und zwei Drück-/Drehregler (u.a. On/Off, Lautstärke, Mute) sowie FM/AM-Radio und Lautsprecher (vorn). Das System kann zudem SD-Karten lesen und über die Multimediaschnittstelle AUX-IN von externen Geräten MP3/WMA-Audiosignale wiedergeben.

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Ähnlich wie Composition Touch, jedoch mit einem Farbdisplay ausgerüstet, ist die Version „Radio Composition Colour“ mit FM-/AM-Radio, Lautsprechern vorn und hinten sowie einem MP3-fähigen CD-Laufwerk, das zusammen mit dem SD-Kartenslot im Handschuhfach untergebracht ist. Der Preis für das Modul liegt bei 205 Euro.

Annäherungsfunktion beim Radio Composition Media Screen
Vergrößern Annäherungsfunktion beim Radio Composition Media Screen
© Volkswagen

Infotainment-Mittelklasse:Radio Composition Media“

Höhere Ansprüche befriedigt bei einem Aufpreis von 460 Euro das MIB-Modul „Radio Composition Media“ . Optisch sticht hier bereits das größere Farbdisplay ins Auge (5,8 Zoll), das über Wisch- und Zoomgestik analog zu modernen Smartphones verfügt. Diese Funktionen fehlen also dann bei den preiswerteren Touchscreenmodellen.

Damit lassen sich Menülisten scrollen oder CD-Titel durchsuchen. Das System ist zusätzlich mit einem Annäherungssensor verknüpft. Nähert sich ein Finger dem Touchscreen, so wechselt der Schirm vom Anzeige- in den Bedienmodus, der die aktivierbaren Funktionen hervorhebt.

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Links und rechts vom Touchscreen befinden sich jetzt jeweils vier Tasten, die zusätzlich den Zugriff auf die Menüebenen „Phone“ und „Voice“ (Sprachsteuerung) ermöglichen. Radio Composition Media wartet mit Bluetooth-Telefonie-Option und einer USB-Schnittstelle (iPod-/iPhonekompatibel) auf. USB- und AUX-IN-Schnittstellen befinden sich in einem separaten Fach auf der Mittelkonsole vor der Schaltung, das zudem Stauraum für ein Smartphone bietet. Die Unterstützung des Digitalradiostandards DAB (225 Euro Aufpreis) und die Basisausführung der VW-Sprachbedienungstechnologie (für 205 Euro extra) gehören ebenfalls zu den Optionen.

Infotainment-Luxusklasse: Radio-Navigationssysteme „Discover Media“ und „Discover Pro“

Einen Funktionalitätssprung beinhaltet das nächst höhere MIB-Element, das Navigationsmodul „Discover Media“ (505 Euro Aufpreis). Es verwendet den 5,8 Zoll-Schirm des „Radio Composition Media“, umfasst aber zusätzlich ein leistungsfähiges Basis-Navigationssystem mit Europa-Karte und einen zweiten SD-Karten-Slot für die Kartendaten. Den Navigationsrechner haben die VW-Entwickler mit CD-Player und SD-Kartenslot im Handschuhfach platziert. Im Aufpreis für das Navigationsmodul ist ein kostenloses Update der Europa-Navigationskarten für die Dauer von drei Jahren enthalten. Anschließend gibt es halbjährliche Updates; zu deren Preis sich Volkswagen derzeit nicht äußern will. Besonders günstig dürften die Updates aber sicherlich nicht sein.

Endgültig in der Infotainment-Königsklasse angekommen ist der Kunde beim Top-Radio-Navigationssystem „Discover Pro“ mit seinem 8 Zoll-Touchscreen – zum Aufpreis von 2.315 Euro. Zusätzlich zu den Funktionen des „Discover Media“ gibt es hier ein DVD- statt CD-Laufwerk, die erweiterte Sprachsteuerung „Premium“, 3D-Kartennavigation, einen 64-GB-Flashspeicher und optional ein UMTS-Telefonmodul. Discover Pro macht den Golf außerdem zum rollenden Hotspot für WLAN-fähige Mobilgeräte wie Smartphone oder Tablet. Hierzu wird das Fahrzeug mit einer eigenen SIM-Card versehen, für deren Nutzung natürlich die entsprechenden Providerkosten anfallen. Hier bietet es sich an, dass der Kunde im Rahmen seines Mobilfunkvertrages eine zweite SIM mit identischer Rufnummer verwendet.

Den Discover Pro-Kunden stellt Volkswagen im Golf GTI und GTD für einen Aufpreis von 100 Euro die „Car-Net“-Technologie zur Verfügung, womit (entsprechendes Bluetooth-Smartphone und Mobilfunkvertrag mit einem Provider vorausgesetzt) der Zugriff auf Google Earth, Google Street View, Traffic Flow & Event (das heißt Echtzeit-Verkehrsinformationen) und POI Search (Suche nach Sonderzielen außerhalb des regulären Navigationssystems) ermöglicht wird.

Auf seinem Touchscreen zeigt das RNS 810 Satellitenbilder aus Google Maps an.
Vergrößern Auf seinem Touchscreen zeigt das RNS 810 Satellitenbilder aus Google Maps an.
© Volkswagen

Damit schließt der Golf auf diesem Sektor zur VW-Premiummarke Phaeton auf. Diese bietet bereits seit einigen Jahren im Rahmen des Radionavigationssystems RNS 810 den Online-Zugriff auf Sonderziele per Google und Kartendarstellungen anhand von Google-Satellitenbildern an. RNS 810 verfügt im Wesentlichen über alle Funktionen der Discover Pro-Technologie. Einschließlich Nutzungsmöglichkeit von Online-Diensten und DAB+-Digitalradio muss der Phaeton-Kunde dafür gegenüber der Basisversion 2.920 Euro draufsatteln.

Die Zukunft kann kommen

Die Frage, ob sich die neuen Infotainment-Funktionen auch in frühere Versionen des Golf integrieren lassen, beantwortet VW kurz und knapp: „Eine Nachrüstung all dieser Technologien ist bisher nicht vorgesehen.“ Dafür weist man auf weitere Neuerungen hin, die noch in diesem Jahr kommen sollen: So kann die Anbindung des Mobiltelefons dann außer über Bluetooth auch über ein integriertes Telefonmodul erfolgen. Dazu dient eine zweite SIM-Karte, die Außenantenne wird für einen optimalen Empfang genutzt. Damit ist etwa die Kundentelefonanbindung samt Nutzung der im Mobiltelefon enthaltenen Telefonnummern möglich.

Die Integration neuer Funktionen ist damit sicher nicht beendet: Der flexible MIB macht’s möglich.

 

 

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