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Das Leben nach Windows XP und 7

10.03.2014 | 10:31 Uhr |

Windows XP ist immer noch beliebt, und Windows 7 erst recht. Trotzdem ist bei jedem System irgendwann Schluss, weil Microsoft den Support einstellt. So ziehen Sie um.

Der Countdown läuft. Ab dem 8. April 2014 will sich Microsoft nicht mehr um Windows XP kümmern. Das bedeutet: Ab diesem Zeitpunkt gibt es keine Sicherheits-Updates („Extended Support“) mehr für das dann 13 Jahre alte Betriebssystem. Auch die Tage von Windows Vista und 7 sind gezählt. Hier läuft der „Extended Support“ am 11.04.2017 beziehungsweise am 14.01.2020 aus. Bei Windows 8 gibt es den erweiterten Support bis Januar 2023, das Datum für Windows 8.1 ist noch nicht bekannt. Für XP-Nutzer drängt die Zeit also. Wer Windows Vista oder 7 auf seinem PC installiert hat, kann sich dagegen noch etwas Zeit lassen, sich schon jetzt für Windows 8.1 entscheiden oder auf die nächste Windows-Version warten. Allerdings sollten Sie als Windows-7-Nutzer unbedingt dafür sorgen, dass Sie Ihr System auch noch neu installieren können, wenn es nicht mehr im Handel erhältlich ist (passende ISO-Images für Windows-Setup-DVDs finden Sie auf dieser Webseite ).

Auch im November 2013 hat Microsoft wieder kritische Sicherheitslücken in Windows XP geschlossen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ab April 2014 keine Sicherheitslücken mehr in XP entdeckt werden.
Vergrößern Auch im November 2013 hat Microsoft wieder kritische Sicherheitslücken in Windows XP geschlossen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ab April 2014 keine Sicherheitslücken mehr in XP entdeckt werden.

1. Warum Sie Windows jetzt upgraden sollten

Windows-XP-Nutzer sollten bald handeln, wenn sie nicht mit einem potenziell unsicheren Betriebssystem ins Internet gehen wollen. Das Risiko steigt nach April 2014 deutlich. Sieht man sich die Sicherheits-Updates der letzten Monate an, war fast immer auch etwas für XP dabei. Obwohl Microsoft selbst keine Details zu den Sicherheitslücken veröffentlicht, erlaubt ein Vergleich der angreifbaren mit den aktualisierten Dateien den Hackern Rückschlüsse auf den Fehler. Der Windows-Programm-Code ist historisch gewachsen, also teilweise in allen Versionen zu finden. Es ist dann zwar nicht gesagt, dass sich die Lücke auch in XP befindet, unwahrscheinlich ist es aber nicht.

Auch ohne diese zusätzlichen Bedrohungen kann windows XP kaum als besonders sicheres Betriebssystem gelten. Es fehlen schlicht viele der Sicherheitsmechanismen moderner Betriebssysteme. Wenn Sie die Gefahren kennen, etwa beim Arbeiten unter einem Konto mit administrativen Rechten, können Sie zwar besondere Vorsicht walten lassen. Das schützt aber nur bedingt vor Angriffen von außen. Hacker könnten Datenpakete im Netz manipulieren und dann Schad-Software einschleusen oder den Rechner zum Absturz bringen. Ähnliches gilt für alle Dateien, die aus dem Internet oder über ein Speichermedium auf den PC gelangen. Die Sicherheitslücken befinden sich dann eher in der Anwendungs-Software, aber die lässt sich auch nur so lange aktualisieren, wie der Hersteller Software für XP liefert. Auch hier wird sich das Angebot in absehbarer Zeit noch weiter reduzieren.

Windows 8.1 im Test - Besser als Windows 7?

Windows XP lässt sich natürlich auch nach April 2014 weiter nutzen und neu installieren. Für Gerüchte, nach denen sich XP ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aktivieren lässt, gibt es keine Anhaltspunkte. Windows XP wird auch nicht zu Freeware, wie es auf einigen Seiten im Internet zu lesen ist. Sie benötigen weiterhin einen gültige Lizenz. Diese verfällt, wenn Sie eine Upgrade-Version von Windows 7 oder 8 einsetzen. Wenn Sie davon keinen Gebrauch machen, können Sie XP in einer abgeschotteten Umgebung ohne Internetzugang für spezielle Aufgaben durchaus weiterverwenden. Wer aufgrund dieser Argumente Abschied von XP nehmen und bei Windows bleiben möchte, kann auf Windows 7 oder 8 umsteigen. Vista lassen wir in den weiteren Betrachtungen außen vor, weil Microsoft den Support für dieses System 2017 beendet. Sie stehen dann schon nach kurzer Zeit wieder vor dem Upgrade- Problem. Die Entscheidung sollten Sie jedoch nicht zu lange herauszögern, denn Windows 7 wird es als Neuware nicht unbegrenzt geben. Gebrauchte und damit preisgünstige Lizenzen sind aber wohl noch längere Zeit verfügbar.

Die Windows-Versionen im Vergleich.
Vergrößern Die Windows-Versionen im Vergleich.

2. Umstieg auf Windows 7 oder gleich auf 8.1?

Die Preise von Windows 7 und 8.1 sind ähnlich. Windows 7 Home Premium mit dem Zusatz „MAR“ (Microsoft Authorized Refurbisher) bekommen Sie für etwa 60 Euro. Diese DVDs sind eigentlich für gebrauchte PCs gedacht, werden aber auch einzeln verkauft. Die Windows-7-OEM-Version für neue PCs gibt es für etwa 80 Euro und damit für den gleichen Preis wie Windows 8.1 Core OEM. Für die Windows 8.1-Pro-OEM-Vollversion müssen Sie etwa 120 Euro bezahlen. Pro-Upgrade-Versionen gibt es für gut 80 Euro. Einen Vergleich der Editionen finden Sie im Bild „Die Windows-Versionen im Vergleich“ links neben dem Text.

Für XP-Umsteiger eignet sich Windows 7 auf den ersten Blick am besten. Windows 7 zeigt eine modernisierte Oberfläche, die sich aber von den Grundfunktionen her kaum von XP unterscheidet. Die meisten Elemente befinden sich am vertrauten Ort. Wo es nötig erschien, hat Microsoft kleine Verbesserungen durchgeführt. Auch XP-Nutzern könnte beispielsweise die Suchfunktion im Startmenü gefallen, über die sich die installierten Programme schnell aufspüren lassen.

Das Icon des Startmenüs verrät: Auf diesem Computer läuft Windows 8.1. Aber ein Klick darauf öffnet dank Classic Shell das von Windows 7 gewohnte Startmenü.
Vergrößern Das Icon des Startmenüs verrät: Auf diesem Computer läuft Windows 8.1. Aber ein Klick darauf öffnet dank Classic Shell das von Windows 7 gewohnte Startmenü.

Wer zu einem Windows 7 Professional OEM für etwa 120 Euro greift, kann außerdem XP in einer virtuellen Maschine nutzen und darin Programme laufen lassen, die vielleicht unter Windows 7 Probleme bereiten. Die Software XP Mode gibt es bei Microsoft gratis. Da Sie aber schon eine XP-Lizenz besitzen, können Sie den XP-Mode auch ganz legal mit Virtualbox auf DVD nachbauen (siehe Punkt 4).

Windows 8 für XP-Umsteiger zu empfehlen fällt schwer. Die unterschiedlichen Bedienund Designkonzepte auf dem Desktop-PC verwirren mehr, als dass sie nützen. Aber man kann es auch positiv sehen. Sie erhalten mit Windows 8.1 einen modernisierten Unterbau auf der bewährten Basis von Windows 7. Die Touchscreen-optimierte Oberfläche und die zugehörigen Apps gibt es gratis dazu. Sie können sie nutzen oder links liegen lassen. Wenn Sie ein Tool wie Classic Shell installieren, gibt es kaum noch einen Unterschied zu Windows 7. Sie müssen nur noch einen Media-Player wie VLC installieren, und Sie bekommen die Windows- 8-Kacheln nicht mehr so schnell zu Gesicht.

Der Windows 7 Upgrade Advisor prüft, ob der PC die minimalen Hardware- Anforderungen erfüllt. Außerdem zeigt er, bei welchen Programmen es Probleme gibt.
Vergrößern Der Windows 7 Upgrade Advisor prüft, ob der PC die minimalen Hardware- Anforderungen erfüllt. Außerdem zeigt er, bei welchen Programmen es Probleme gibt.

3. Hard- und Software für Windows 7 und 8

Vor einem Upgrade sollten Sie prüfen, ob Ihre bisherige Hardware für Windows 7 oder 8 geeignet ist. Ein maximal acht Jahre alter PC sollte mit beiden Betriebssystemen zurecht kommen. Die offiziellen Minimalanforderungen für Windows 7 und 8 sind ein Prozessor mit 1 GHz, 1 GB Hauptspeicher für ein 32-Bit-System und 2 GB für die 64-Bit-Variante, 16 GB Platz (64 Bit: 20 GB) auf der Festplatte und eine Grafikkarte mit 128 MB RAM und Direct-X-9-Unterstützung. Mit einer derartigen Hardware-Ausstattung bereiten aber weder Windows 7 noch Windows 8 wirklich Freude. Damit das System rund und flüssig läuft, sollten es wenigstens ein Dualcore-Prozessor und 4 GB Hauptspeicher sein. Eine Festplatte mit 20 GB ist wohl auch in XP-Rechnern eher selten anzutreffen. Realistische Größen liegen für Windows 7 und 8 zwischen 500 und 1000 MB.

Genauere Auskunft darüber, ob die Hardware die Mindestanforderungen erfüllt, liefert der Windows 7 Upgrade Advisor. Er prüft die fundamentalen Hardware-Voraussetzungen (CPU, RAM, Grafikkarte und Festplattenplatz). Er zeigt auch, welche Hardware Windows-7-kompatibel ist, und Sie werden über eventuelle Treiberprobleme informiert. Außerdem berichtet der Upgrade Advisor über Software-Probleme.

Von Windows 7 oder 8 auf 8.1 upgraden

Vor dem Umstieg auf Windows 8 prüfen Sie den PC mit dem Windows 8 Upgrade Assistenten. Er gibt Hinweise zu möglichen Problemen mit Hardware und Software.
Vergrößern Vor dem Umstieg auf Windows 8 prüfen Sie den PC mit dem Windows 8 Upgrade Assistenten. Er gibt Hinweise zu möglichen Problemen mit Hardware und Software.

Für Windows 8 gehen Sie ähnlich vor. Laden Sie den Windows-8-Upgrade-Assistenten herunter. Verwenden Sie nicht den Windows-8.1-Upgrade-Assistenten. Denn dieser läuft nur unter Windows 7. Das Tool zeigt, ob sich Ihr PC für Windows 8 eignet und ob es Probleme mit Software oder Treibern gibt. Bei PCs oder Notebooks mit einem Baujahr vor 2004 bemängelt der Assistent möglicherweise den Prozessor. Dieser muss die Techniken NX und SSE2 unterstützen. Fehlen diese, lässt sich Windows 8 nicht installieren. Genauere Auskunft über den verbauten Prozessor liefert das Tool CPU-Z . Auch die Chipsatzgrafik älterer Notebooks, etwa mit den Intel-Mobilchipsätzen 855GME oder 915GM, ist oft nicht für Windows 8 geeignet. Den Typ des Grafikprozessors bekommen Sie mit dem Tool GPU-Z heraus. Bei einem Desktop-PC können Sie eine neue Grafikkarte einbauen, die es schon für um die 30 Euro gibt. Das lohnt sich aber nur, wenn sich auf der Hauptplatine ein PCIe-x16-Steckplatz befindet. Grafikkarten für den PCI-Steckplatz sind vergleichsweise teuer und bieten deutlich weniger Leistung.

CPU-Z zeigt Infos zum Prozessor an. Steht bei einem Intel-Prozessor unter „Instructions“ der Eintrag „EM64T“, können Sie ein 64-Bit-System installieren.
Vergrößern CPU-Z zeigt Infos zum Prozessor an. Steht bei einem Intel-Prozessor unter „Instructions“ der Eintrag „EM64T“, können Sie ein 64-Bit-System installieren.

4. Windows mit 32 oder mit 64 Bit

CPU-Z sagt Ihnen auch, ob Ihr Prozessor 64-Bit-tauglich ist. Sie erkennen das bei Intel- Prozessoren am Eintrag „EM64T“ neben „Instructions“. Bei AMD-CPUs steht hier „AMD64“. Ist eines von beiden gegeben, können Sie ein 64-Bit-Betriebssystem installieren. Sinnvoll ist das jedoch nur, wenn der PC mit mehr als 4 GB Hauptspeicher ausgestattet ist und Sie 64-Bit- Programme installieren, die den großen Speicher tatsächlich belegen können. Dazu zählen beispielsweise Adobe Photoshop oder Adobe Premiere. Browser oder Office-Programme gibt es meist nur in 32-Bit-Versionen. Diese laufen unter einem 32- wie unter einem 64-Bit- System gleich gut und schnell.

In der Regel funktionieren 32-Bit-Programme, die Sie bisher unter Windows XP eingesetzt haben, auch unter einem 64-Bit-Windows ohne Probleme. Die seltenen Ausnahmen können Sie in einer virtuellen Maschine starten, etwa mit dem kostenlosen Virtualbox . Dann benötigen Sie aber eine gültige Lizenz für Windows XP. Auch für alte 16-Bit-DOS-Spiele gibt es eine Lösung. Diese bringt man mithilfe des kostenlosen DOS-Emulators DOSBox zum Laufen.

Windows-Upgrade auf leerer Festplatte nutzen

Windows Easy Transfer sichert standardmäßig nur Daten einiger Microsoft Programme. Sie können aber auch zusätzliche Verzeichnisse angeben.
Vergrößern Windows Easy Transfer sichert standardmäßig nur Daten einiger Microsoft Programme. Sie können aber auch zusätzliche Verzeichnisse angeben.

5. Upgrade auf Windows 7 oder 8 durchführen

Ein direktes Upgrade („in place“) von Windows XP auf 7 oder 8 ist nicht vorgesehen. Sie müssen daher Ihre persönlichen Daten vorher sichern und auf dem neu installierten System wiederherstellen. Notieren Sie sich auch Lizenzschlüssel der installierten Kauf-Software. Diese finden Sie beispielsweise mit dem Tool Belarc Advisor heraus.

Für die Datensicherung können Sie das Programm Windows Easy Transfer verwenden. Sie finden es auf einer Windows-7- und 8-Installations- DVD im Verzeichnis „\support\migwiz“. Starten Sie hier das Programm Migsetup.exe. Sie müssen die DVD verwenden, die Ihrer bisherigen Systemarchitektur entspricht, also beispielsweise die 32-Bit-Installations-DVD für ein 32-Bit-Windows. Windows Easy Transfer sichert allerdings nicht die Anwendungen selbst. Diese müssen Sie später neu installieren. Es berücksichtigt auch nicht jede Software, sondern hauptsächlich Microsoft-Produkte.

Eine alternatives Tool mit mehr Funktionen ist das PC-WELT Windows Upgrade Center 2013 . Auch dieses kann die bisher installierten Programme nicht sichern, aber es kann die Daten von vielen wichtigen Anwendungen wie Office 2003 bis 2010, Windows Live, Skype, Google Picasa, Firefox oder Photoshop speichern und wiederherstellen.

Eine ausführliche Anleitung für den Datenumzug mit Windows Easy Transfer und PC-WELT Windows Upgrade Center 2013 finden Sie in unserem Ratgeber zum Thema .

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