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Das Internet der Dinge: vernetzte Objekte

19.07.2013 | 12:03 Uhr |

Das „Internet der Dinge“ ist längst da, nur manchmal versteckt es sich noch ein bisschen. In Zukunft werden Milliarden Geräte autonom miteinander kommunizieren, ohne dass der Mensch eingreift.

Der Begriff „Internet der Dinge“ ist inzwischen schon fast 15 Jahre alt, doch lange Zeit führte er ein Schattendasein. Nur Experten hatten schon einmal davon gehört, aber konkret etwas damit anfangen, können nach wie vor nur die Wenigsten. Was also ist das „Internet der Dinge“?
Das Internet der Dinge bezeichnet die Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte mit einer virtuellen Repräsentation in einer Internet-ähnlichen Struktur. So beschreibt es etwas umständlich der deutsche Wikipedia-Eintrag . Klarer wird es erst durch folgenden Zusatz: „Es besteht nicht mehr nur aus menschlichen Teilnehmern, sondern auch aus Dingen“. Nicht mehr ausschließlich Menschen kommunizieren also miteinander, sondern eben auch Objekte oder Gegenstände.
 
Kennzeichen ist die eindeutige Identifizierung im Netz

Mit RFID-Funketiketten fing beim Internet der Dinge alles an. Mittlerweile ist die Vernetzung der Objekte sehr viel vielfältiger und intelligenter.
Vergrößern Mit RFID-Funketiketten fing beim Internet der Dinge alles an. Mittlerweile ist die Vernetzung der Objekte sehr viel vielfältiger und intelligenter.
© DirectIndustrie

Voraussetzung für solche Kommunikation ist neben der Vernetzung die eindeutige Identität. Erst wenn ein Objekt eine singuläre Adresse hat, ist es auch eindeutig identifizierbar. Geprägt wurde Begriff „Internet der Dinge“ damals im Zusammenhang mit vergleichsweise unintelligenten RFID-Etiketten , die Produktion und Logistik durch selbständige Identifizierung effizienter machen sollten.
 
Geniale NFC-Tags selber machen - so geht´s

Doch zu diesem Zeitpunkt war diese Technik längst im Einsatz, denn schon Mitte der 1990er Jahre hatte sich bei Marathonläufen auch im Breitensport die vollautomatische Zeitmessung mittels RFID-Chip etabliert – nur sprach man die Wettkampfzeit eben traditionell dem Läufer und nicht dem Chip am Schuh zu.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe praktischer Szenarien, in denen die Kommunikation längst Alltag ist. Wenn die Infotafel an der Haltestelle Auskunft darüber gibt, in wie vielen Minuten der nächste Bus oder die nächste Straßenbahn kommt, ist kein menschliches Zutun im Spiel. Vielmehr weiß das System aus dem per GPS ermittelten Fahrzeugstandort, der mittleren Geschwindigkeit, der noch zurückzulegenden Entfernung, der Tageszeit und der aktuellen Verkehrslage, wann mit der Ankunft zu rechnen ist.
So gibt es viele Beispiele, in denen verschiedene Aktoren miteinander ohne aktives Eingreifen von Personen agieren: Die Haussteuerung im Smart Home schließt eigenständig die Fenster, wenn die Wettervorhersage Regen oder Sturm voraussagt. Ferner können – allen Beteuerungen von Politikern und Militärs zum Trotz – intelligente Waffen auch autonom agieren.

Bei den neuen Car-Sharing-Anbietern mit flexiblen Abstellplätzen wie Car2go oder DriveNow sind sämtliche Fahrzeuge mit der Zentrale vernetzt.
Vergrößern Bei den neuen Car-Sharing-Anbietern mit flexiblen Abstellplätzen wie Car2go oder DriveNow sind sämtliche Fahrzeuge mit der Zentrale vernetzt.
© DriveNow

Auch bei den neuen Car-Sharing-Angeboten mit flexiblen Abstellplätzen wie Car2go oder DriveNow ist selbstverständlich ebenfalls jedes einzelne Fahrzeug identifizierbar. Nur so ist es ist es möglich, den Wagen nach der Fahrt irgendwo abzustellen. Per App sieht dann sowohl der Vermieter also auch jeder potentielle Kunde jederzeit, wo sich welcher Wagen gerade befindet. Noch vor wenigen Jahren gab es feste Parkplätze, wo man die Autos abstellen und abholen musste.

Autos kommunizieren schon heute miteinander – und bald noch viel mehr

Welche Bedeutung die eindeutige Geräteidentifizierung besitzt, zeigt sich auch am Beispiel der Routermodems bei den Kabelgesellschaften. Der Kunde schaltet sich den Internet-Anschluss nicht mehr per Kennung und Passwort frei, sondern über die (eindeutige) MAC-Adresse des Routers – unabhängig davon, wo das Gerät innerhalb des Netzes des Kabel-Providers verwendet wird.
Vergleichsweise weit fortgeschritten ist die Kommunikation zwischen Objekten im Straßenverkehr. Auf anonymisierter Basis ist beispielsweise seit Jahren die automatische Stauerkennung und -meldung an Navigationsgeräte mit integrierter SIM-Karte, welche die Bewegungsprofile von Millionen Handys auswertet und daher lokal sehr genau über die Verkehrssituation Bescheid weiß, in Betrieb.

Intelligente Verkehrssysteme mit vernetzten Fahrzeugen sollen die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen, den Verkehrsfluss fördern und damit den Spritverbrauch senken.
Vergrößern Intelligente Verkehrssysteme mit vernetzten Fahrzeugen sollen die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen, den Verkehrsfluss fördern und damit den Spritverbrauch senken.
© General Motors

Abstandsradar, Verkehrszeichenerkennung, Spurwechselwarnung, automatisches Einparken, Fußgänger- und Fahrraderkennung mit Notbremsfunktion sind nur einige Beispiele für interaktive Systeme vom Auto mit anderen Autos beziehungsweise Objekten. Doch all diese Systeme arbeiten reaktiv, reagieren also nur auf Personen oder Gegenstände im unmittelbaren Umfeld. Das aber hat in Gefahrensituationen vergleichsweise späte Reaktionen zur Folge.
Deutlich eher könnten Fahrer oder Fahrzeug reagieren, wenn Autos, Fußgänger und Radfahrer elektronisch miteinander vernetzt wären. So arbeitet der amerikanische Autohersteller General Motors an einem Fußgängerschutzsystem, das deren Handys über den Wifi-Direct-Standard mit den Fahrzeugen auf der Straße verbinden soll. Droht eine Kollision, ließe sich der Fahrer warnen oder der Wagen selbsttätig abbremsen.

Seit knapp einem Jahr läuft im Rhein-Main-Gebiet ein Pilotversuch, das die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen erforscht. Bei Projekt „SIM TD“ (Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland) verständigen sich rund 120 Versuchsautos unter realen Verkehrsbedingungen autonom miteinander. Staut sich beispielsweise hinter einer Kurve der Verkehr oder muss ein Auto wegen einer Gefahrenstelle stark abbremsen, bekommen das alle anderen gemeldet. Wann und wo ein solches System in den Regelbetrieb geht, ist derzeit noch offen.

Nur noch ein kleiner Schritt: Wenn sich intelligente Haushaltsgeräte per App starten lassen, warum dann nicht automatisch zum Beispiel bei besonders günstigen Strompreisen?
Vergrößern Nur noch ein kleiner Schritt: Wenn sich intelligente Haushaltsgeräte per App starten lassen, warum dann nicht automatisch zum Beispiel bei besonders günstigen Strompreisen?
© Miele

Ein weiteres Bespiel sind intelligente Haushaltsgeräte: LG hat auf der Consumer Electronics Show (CES) Anfang des Jahres einmal mehr solche Geräte vorgestellt. Tatsächlich ist der Schritt vom intelligenten Kühlschrank, der über RFID-Etiketten den Inhalt kennt, bis zum selbstständigen Online-Shopping nicht groß. Denn Bestell- und Lieferdienste gibt es auch für Lebensmittel längst, nur muss man derzeit noch manuell ordern. Und noch ein Beispiel: Die Waschmaschine könnte selbstständig um die Mittagszeit starten, wenn die Strombörse aufgrund des vielen Solarstroms günstige Tarife meldet.
 
Google Now und Google Glass bilden den nächsten Schritt

Einen Schritt weiter ist schon der „persönliche Assistent“ von Google. Google Now wertet eine Vielzahl von Informationen vom persönlichen Standort, dem Kalender inklusive Terminen, der Verkehrslage, Zugfahrplänen und manchem mehr aus. Herauskommt eine Hilfe bei der Organisation des Alltags, die im vergangenen Jahr vom US-Magazins Popular Science   zur Innovation des Jahres gekürt wurde.
 
Google Now spricht jetzt auch Deutsch
 
Ein ähnliches Prinzip liegt der neuen Datenbrille von Google zugrunde. Google Glass ist ebenfalls in der Lage, als „Ding“ mit anderen Dingen zu kommunizieren: Wo sich gerade ihr Träger aufhält und wohin er sich bewegt, was er gerade im Blickfeld sieht oder wer und was in seiner Umgebung ist, lässt sich nicht nur über Augmented Reality mit Informationen aus dem Netz überlagen, sondern auch in konkrete Aktionen umsetzen: Achtung, da betritt ein Kunde mit einem – laut RFID-Chip – Produkt der Konkurrenz das Geschäft: Seien wir doch besonders nett zu ihm!
Schöne neue Welt. Die „Economist Intelligence Unit“ prognostiziert für das Jahr 2020 weltweit bis zu 50 Milliarden Geräte , die mit dem Internet verbunden sein werden. Innovationen sind nach Einschätzung von Experten dabei insbesondere in den Bereichen Connected Mobility und Smart Cities zu erwarten.


 
 


 

 
 

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Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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